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men des Wortes empfangt, — aber er will nicht keimen und aufgehen, die Kraft des Worts laßt sich nicht in der Seele verspüren. Man fühlt sich unvermögend, es zu fassen, kann sich nicht daranhalten, hat also auch keinen Trost davon und keine Freude daran, kurz des Wortes Wirkungen fehlen, und die lebendige Erfahrung von dem Segen, den das Herz davon hat. Unterdessen möchte man wohl gern glauben, Trübsal und Anfechtung treiben vielleicht die Seele, zu Gott zu fliehen, und das Bedürfniß nach Trost und Frieden in feinem Wort zu Men, wie es denn heißt: „ wenn Trübsal da ist, suchet man dich;" — dennoch will kein Trostwort haften, und das Herz, das sich zu Gott aufschwingen und im Gebet sich vor Ihm ausschütten möchte, fühlt sich zum Beten matt, zu jeder Erhebung ungeschickt. Da ist beym Christen schwere Zeit, und feine Seele dürstet da, wie ein dürres Land. Doch Er, der das dürre, dürstende Erdreich feuchtet von oben her. Er sieht erbarmend, wie die Seele schmachtet, daß der Thau vom Himmel sie erfrische, und der heilige Geist, als ein erquickender Frühlingsregen, komme, das dürre Herz zu erweichen. Dann bricht die harte Rinde ein, und neues Leben regt sich in der Seele, — wie auf dem Felde, das der Herr von oben getränkt, die welkenden Pflanzen neues Leben bekommen. Daenm, ihr lieben Seelen! laßt euch nur nichts vom Wort deö Herrn abtreiben, das haltet nur stets in Ehren, und nehmt wohl der Gelegenheit wahr, da ihr es hören und lernen könnt. Denn wie es wahrlich ist der gute göttliche Saame, den der Herr ausstreuet, nach feinem gnä

digen Wohlgefallen; so ist gewiß. Er kann und wird ihn nicht verderben lassen. Sollte Er, was Er gepflanzt, nicht auch begießen? Spricht Er doch selbst durch den Propheten (Jes.S6,1«. 11.): „Gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt, und nicht wieder dahin kommt; sondern feuchtet die iLrde und macht sie fruchtbar, daß sie giebt Saamen zu jAen und Brodr zu essen; also soll das Wort aus meinem Munde auch seyn. lös soll nicht wieder zu mir leer kommen; sondern chun, das mir gefällt, und soll ihm gelingen, dazu ich es sende." Möchte doch die Zeit, da diese Verheißungsworte sich auch bey uns, an unsrer Aller Seelen, erfüllen, recht nahe seyn! Ach! meine Geliebte! wenn wir nicht leugnen können, daß unser geistlicher Acker lechzt nach einem befruchtenden Regen; so laßt uns doch den Herrn anrufen mit Bitten und Flehen von Herzensgrund, daß Er durch Seinen heiligen Geist die dürre, welkende und hin und wieder selbst dem Absterben nahe Saat der Herzen auffrischen wolle, — wie Er den welkenden Gewachsen nene n Trieb zum fröhlichen Wachsen und Gedeihen durch milden Frühlingsregen verleiht.

Seht nun, Geliebte! aber weiter, wie sich der Herr, den wir in dem befruchtenden Frühlingsregen gesunden haben, auch endlich

IV.

in dem Mechsel der heitern und trüben Tage offenbart. /

Ihr wißt es, liebste Seelen! alle, wie in jeder Jahreszeit die Witterung wechselt. Auch der schöne

FrühFrühling führt solchen Wechsel mit sich. Nicht alle Tage ist heiterer Himmel und freundlicher Sonnenschein. Auch trübe Tage kommen dazwischen, da sich der Himmel mit Regengewölk bezieht. So fehlen auch Stürme und Ungewitter nicht, und alles dieses erfolgt, ohne daß wir's hindern können, nicht selten auch, wenn wir's, nach unserm Sinn, gern anders hatten. Doch ist's gerade also recht, und wir waren in der That sehr schlimm daran, wenn es auf uns ankame, die Witterung nach unserm Belieben selbst zu machen^ Wir merken das auch endlich selbst, und bescheiden uns daher gern, daß der Herr, nach seinem Wohlgefallen, Sonnenschein und Regen, trübe und heitere Tage wechseln laßt. Und wenn denn nun einmal der schöne heitere Himmel sich mit Gewölk bezieht, wenn Sturm und Ungewitter die frohe Geschaftigkeit dcr Arbeiter auf dem Felde unterbricht; so weiß der erfahrene Landmann wohl, daß er darüber sich nicht zu gramen hat, und erkennet, wenn er nicht heidnischen Sinnes, oder verhärteten Herzens ist, auch in den trüben Tagen, auch in dem Sturm und Ungewitter die Segenshand des Herrn. — Und so, Geliebte! kommt es nun auch von des Allmachtigen Segenshand, wenn unsere Lebenstage einen ahnlichen Wechsel ergeben. Es mag der stete Sonnenschein des Glücks für Fleisch Und Blut erwünscht und angenehm seyn; wie aber die Saat des Herrn, wie seine Pflanzung in der Seele dabey gedeihe; das mag uns Salomo's Erempel, das mag der reiche Mann im Evangelio uns lehren, nicht zu gedenken, was uns hierüber die tagliche Erfahrung bezeugt.

DarDarum, wie trübe Tage, wie Regen, Sturm und Ungewitter mit dazu gehören, wenn eine gesegnete Erndte des Landmanns Hoffnung krönen und seine Mühe ihm lohnen soll; so mögen wir immer, wenn sich die Freudensonne unfern Augen verbirgt, wenn düstere Wolken unsern Himmel umziehen, wenn trübe Tage in unferm Leben kommen, wenn selbst erschütternde Schlage unfre zeitliche Saat zertrümmern, und unfre liebsten Hoffnungen niederschmettern — oder, wenn wir, gleichSchiffenden, auf dem stürmischen Meere hin und her geworfen werden, ein Spiel des empörten tobenden Elementes, — wir mögen, sage ich, in solchen Fallen nur immer denken: hier geht's auf Segen um, und also thut der Herr, damitEr feine geistlicheSaat befruchte und ihr zum fröhlichen Wachsthum helfe. Ach! meine Geliebte! unfre Herzen sind oft noch härter als die Schollen auf dem Felde, die von des Landmanns kraftiger Hand zerschlagen werden. So müssen auch wir — was eben Gott durch feine Schlage erreichen will — zerschlagenen Herzens werden, wofern wir Gott gefallen wollen und fein verborgenes Gnadenwerk in unfern Seelen gedeihen soll, — weßhalb auch David spricht (Ps.si, 19.): „«in geangstetes und zerschlagenes Herz wirst du, Gon! nicht verachten!" — und her Herr selbst laßt sich durch den Propheten vernehmen (Zes.S7,16.): „Ich, der ich in der Höhe und im Heiligchume wohne und — bey denen, so zerschlagenes und demüchigen Geistes sind, auf daß ich erquicke den Geist der Gedemüchigten und das Herz der Zerschlagenen." Daher denn nun, Geliebte! liebte! der Wechsel in unserm Leben, wovon der Wechsel in der Witterung ein Gleichniß ist. Beides kommt von Gott, beides soll zu einem guten Ziele, zu einer gesegneten Erndte, hier der zeitlichen, dort der ewigen Erndte führen.

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Und so hatten wir denn hier wieder Gott gefunden und seine Segenshand erkannt als eine und dieselbe, die trübe Tage in der Natur, die Regen, Sturm und Ungewitter kommen laßt, und die im Menschenleben trübe Tage sendet und schwere Schicksalsschlage verhangt.

Wohlan nun ihr, die ihr euch jetzt noch denen beyzahlen dürft, die in dem Sonnenschein des Glückes waw deln, bedenkt es wohl, euer Glück ist wechselnd, wie das Wetter zur Frühlingszeit. Bald kann sich euer Himmel trüben, und die Sonne der Freude, die heute noch euch lieblich scheint, sich hinter schwarzen Wolken verbergen. Und wie ihr es, mit aller eurer Klugheit, nicht vermögt, das trübe Gewölk vom Himmel zu entfernen, und Sturm und Ungewitter zu verscheuchen; so werdet ihr auch nimmermehr euch gegen des Schicksals Wechsel schützen, und euern Gang durchs Leben nach eigenem Willen lenken können. Darum erkennet, daß der Herr Gott ist, demüthigt euch vor Ihm, und betet zu Ihm mit allem Ernst, daß Iesus Christus, als die himmlische Lebenssonne, bestandig hell in euren Seelen leuchte, und der ins Herz gefallene göttliche Saame des Worts ein fröhliches Gedeihen für die ewige Erndte gewinne. Und ihr, meine Theuern! bey denen etwa jetzt Tage möchten gekommen seyn, von welchen ihr sagt: sie gefallen uns

Hauspostille S.Bd, M nicht,

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