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sinsterten Menschenvernunft gewiß am allerwenigsten; denn so erfindet keine Menschenvernunft, und jene ersten Christen, von welchen die genannte geheimnißvolle Lehre zuerst bekannt und gelehrt worden ist, — was hatte sie doch bewegen können, mit einer solchen Lehre hervorzutreten, die ihnen theils Verachtung, theils heftigen Widerspruch, ja selber bittern Haß zuzog? Ist sie nun aber schon in der ersten christlichen Kirche eine Glaubenslehre aller wahren Bekenner Christi gewesen, und hat sie dieses Ansehen durch alle Zeiten bis auf den heutigen Tag bey allen von Gott erleuchteten Christen behauptet; so ist das einzig und allein nur dadurch zu erklaren, daß sie ihren sichern Grund im Worte Gottes hat, und also von Gott selbst offenbaret ist. Nun hat doch aber noch Niemand darthun können, daß Gott, wenn Er uns einer Offenbarung würdigt, uns anders nichts offenbaren dürfe, als was wir selbst, mit unsrer Vernunft, entdecken oder begreifen können. Nehmen wir also, wie wir thun müssen, wenn wir den Christennamen nicht bloß zum Scheine führen, nehmen wir, als Christen, an, daß sich der. unsichtbare unerforschliche «Gott in seinem Wort uns offenbaret habe; so dürfen wir uns schon gar nicht wundern, ja wir müssen es selbst von vorn herein erwarten, daß uns da Wahrheiten offenbaret werden, die über unsere Vernunft, und ihr darum auch unbegreiflich sind. Da fordert nun aber Gott, ja selber die Vernunft, mit Recht von uns, daß wir uns unter die Offenbarung Gottes beugen, und, wie der Apostel sagt (SCor. 10,6.): „unsxe Vernunft gefangen

nehnehmen unter den Gehorsam des Glaubens." Wie daß nun aber das einzig rechte, dem von Gott abhangigen Menschen geziemende, und in dem höchsten Sinne des Worts vernünftige Verhalten ist; so möchte ich auch hier fragen: was sollte denn wohl von allen, dem Christenthume eigenthümlichen Lehren übrig bleiben, wenn wir die Lehren desselben, ja selbst die eigenthümlichen Grundwahrheiten, sofern sie nicht, aus Gründen der Vernunft, erweislich und begreiflich sind, ohn' alles Bedenken aus der Reihe der christlichen Glaubenswahrheiten streichen, und dreist als Aberglauben verwerfen dürften? — Da möchte denn vor solchen kecken Meistern des Wortes Gottes und ihrem stolzen Eigendünkel auch unser heutiges Evangelium nicht bestehen, indem der Heiland da auf das Bestimmteste, und mit den unzweydeutigften Worten eine Wahrheit lehrt, die, obschon eine Haupt- und Grundwahrheit des Christenthums, noch nimmer ist von eines Menschen Vernunft begriffen, desto häufiger aber angefochten, bezweifelt, verdrehet, ja selbst geleugnet und verworfen worden. Und doch hat sich dieselbe als lautere und gewisse göttliche Wahrheit durch die Erfahrung aller wahren Christen zu allen Zeiten bestatigt. Gebe nur Gott, daß wir sie insgesammt, durch unsre eigene Erfahrung, auch bestatigt finden, und lasse zu diesem Ende auch unsre jetzige Betrachtung gesegnet seyn, der wir zum Grunde legen das

Evangel.Joh. 8, t —16.

Das heutige Evangelium, Geliebte in dem Herrn!

P 5 stellt stellt uns einen redlichen Pharisäer, mit Namen Nikodemus, vor, auf den die Thaten Iesu solchen Eindruck gemacht haben, daß er bey Ihm, als einem von Gott gesandten Lehrer, weitere Unterweisung sucht. Da unterschied sich also Nikodemus schon auf eine rühmliche Weise von dem gewöhnlichen Schlage der Pharisaer, die insgemein Verachter Iesu, ja seine erbittertsten Feinde waren; ja man mag ihn wohl mit Solchen unter de n heutigen Christen vergleichen, deren dürftige und mangelhafte Erkenntniß des Herrn und seines Evangeliums, doch schon in ihrem Herzen ein gewisses Wohlgefallen an dem Heiland, und ein Verlangen hervorgebracht hat, in der Erkenntniß seiner Person und seiner Lehren weiter gefördert und tiefer gegründet zu werden. Wenn nun dergleichen Seelen auch unter uns seyN möchten; — so dürfte es zunächst für diese, die sich gleichsam am Eingange, oder in dem Vorhofe des Reiches Gottes befinden, dann aber auch für diejenigen, die da noch ferne sind, doch ohne deßhalb zu den Feinden des Herrn und seiner Wahrheit zu gehören, belehrend und erwecklich seyn, in gegenwartiger Andachtsstunde

das merkwürdige Verhalten Jesu gegen einen redlichen und frommen Pharisäer nach Inhalt unseres Evangeliums zu betrachten.

Es lehrt uns aber dasselbe 1.) wie unser Heiland diesen Mann viel anders behandelt, als sonst die Pharisaer von Ihm behandelt wurden; — doch aber

s.) ihm seine Frömmigkeit zu nichte macht — dagegen

S.) ihn in der wahren, vor Gott besiehenden, Frömmigkeit unterweist, — und endlich 4.) ihm zeigt, wie er dazu gelangen werde. Wir wollen die hier angegebenen Hauptabschnitte des ganzen evangelischen Inhaltes, nun einen nach dem andern, in nahere Erwägung nehmen.

I.

also sehen wir aus unserm Evangelium

wie Jesus hier den redlichen und frommen Nikodemus auf eine ganz andere Art behandelt, als sonst die Pharisäer von Ihm behandelt wurden. > Man darf nur einige Bekanntschaft mit den Geschichtserzählungen des neuen Testamentes haben, um es zu wissen, wie der Herr sich oft in harten Ausdrücken über die Pharisäer erklarte. Hören wir Ihn doch selbst, in einer seiner letzten Reden, ein wiederholtes Wehe über diese, um ihrer scheinbaren Frömmigkeit willen, vom Volke hochgepriesenen Leute ausrufen (Matth. 23, 13. ff). Ihm namlich, der da wohl wußte, was im Menschen war (Zoh.2,26.), Ihm konnte die Schalkheit dieser Heuchler nicht verborgen bleiben, die Er mit übertünchten Grabern vergleicht, welche auswendig schön geputzt, aber inwendig voller Wust und Moder wären. ( Matth. 23,27.) So werden sie uns denn auch von Jesu selbst, nach ihrer innern Unlauterkeit, geschildert. als Menschen, die sich vermaaßen fromm zu seyn (Luc. 18,9.), als S«re, die ohne Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit, in ihren Herzen sprachen: „ich bin wohl reich, und habe gar san und bedarf nichts" (Offenb. s, 17.), als Stolze, die da beten konnten: „ Ich danke dir Gott, daß ich nicht bin wie andere Leute u. s. w." (Luc. is, Ii.) Solche Leute aber, die konnten unmöglich für den Heiland passen, so wenig als Er für sie, indem Er, als ein Arzt, nicht den Gesunden; sondern den Kranken Hülfe und Heilung brachte, mithin denn auch nicht geistlich Satte; sondern geistlich Hungernde und Durstende — mit Einem Worte, arme sündige, verlorne Seelen suchte, die aber doch nicht gern wollten verloren gehen, daher zu einem redlichen Verlangen nach ihrer Errettung vom Verderben, und einem Sehnen nach ihrer Begnadigung bey Gott sich leicht durch Iesu liebreichen Umgang wecken ließen. Darum finden wir denn auch Iesum, für's Gewöhnliche, mit solchen Menschen im Verkehr, die, wie die Zöllner, oder andere grobe, übelberüchtigte Sünder, ein Greuel in den Augen der Pharisaer waren, welche letztere denn aber auch an Iesu freundlicher Behandlung solcher groben und landkundigen Sünder ein um so größeres Aergerniß nahmen, je weniger ihre sogenannte Frömmigkeit, und ihre eingebildeten hohen Vorzüge von Ihm beachtet oder einiges Lobes gewürdigt wurden. Da konnten sie denn nicht anders denken, als daß das Urtheil Iesu über die vorgenannten groben Sünder besser ausfalle, als über sie, was denn nun freilich ihren Stolz auf das em

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