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ist; so kann der eine wie der andere nur in dem Einen, von Gott verordneten Mittel, d. i., im Glauben an den gekreuzigten Sohn Gottes, seine Heilung erwarten, und nur, wer sie daher erwartet und da sucht, wer sich also, nach seinem Wesen, als einen gefährlich an seiner Seele Erkrankten, d.i., als einen verlornen Sünder erkennt und fühlt; dann aber sich in Christo, mit glaubiger Zuversicht, als einen theuer Erlösten, als versöhnt mit Gott und als gerecht vor Ihm betrachtet, ein solcher nur erfahrt an sich des heiligen Geistes Kraft zu seiner Erneuerung und zur Geburt aus Gott, die hier der Heiland unnachlaßlich fordert. Da nämlich wird, wie der Apostel spricht, die Liebe Gottes ausgegossen in sein Herz durch den heiligen Geist ( Röm. 6,6.), und dieser giebt nUn Zeugniß seinem Geiste, daß er ein Rind Gorrss und Erbe des ewigen Lebens sey. (Röm. s, is. 17.) Und da fängt freilich ein ganz anderes Leben bey einem Solchen an. Wie es dann nämlich in solches Menschen Innersten ganz anders ist, sein Denke», Wünschen, Wollen und Begehren ist ganzlich umgeändert, ist nicht, wie ehemals, fleischlich; sondern ist mn geistlich geworden; so wird nun solche göttliche Veränderung des Innersten, auch in dem äußerlichen Wondel offenbar, der nun auch nicht mehr ist, wie sonst, vn Wandel nach dem Fleische; sondern nach dem Geist. Und so bestatigt sich, was da geschrieben steht: „Ist jemand in Christo; so ist er eine - neue Creamr; das Ale ist vergangen, siehe.' es ist alles neu worden." <sCor. S, 17.) Wir haben allen Grund, zu glaube?, daß Nikodemus dies an sich erfahren

ren habe, da wir ihn späterhin, nach Iesu schmahlichem Tode, als einen ganz andern Mann erkennen, der sich nicht scheuete, auf die Gefahr des größten zeitlichen Nachtheils, sich offen für den Gekreuzigten zu erklaren. Die Unterredung mit dem Heiland, die unser Evangelium meldet, war demzufolge wohl nicht vergeblich gewesen. Ob Nikodemus auch nicht gleich des Heilandes Unterricht von einer neuen Geburt verstand; so warf er doch darum die ihm zur Zeit noch dunkel gebliebene Wahrheit, die ihm der göttliche Lehrer hier bezeugte, nicht hinweg, er bewahrte sie vielmehr in seinem Herzen, und dachte ihr in der Stille nach, und so ging denn, zu seiner Zeit, durch Gottes Gnade, das rechte Licht ihm auf, daß er an den Gekreuzigten, als feinen göttlichen Heiland, glauben lernte, und bey solchem, von Gottes Geist gewirkten, Glauben auch jene göttliche Erneuerung seines Innersten selbst erfuhr, die Iesus hier als eine neue Geburt darstellt. Hat denn auch Nikodemus die große Sache nie begreifen lernen, fo hat er sie dagegen an sich selbst erfahren. Und das, Geliebte! können und sollen wir auch. O möchten wir nur recht ernstlich darnach trachten, möchten wir, mit aufrichtigem Sinne, wie Nikodemus , Iesum suchen und unter sein Wort uns beugen, auch wo dasselbe unsere Eigenliebe krankt, unfern falschen Frieden zu nichte macht, und unsere geistliche Armuth, wie die Gefahr, in welcher wir zur Zeit, in Absicht unsers ewigen Heils, noch schweben, uns vor die Augen hält. Haltet es daher, ihr Lieben! für lauter Gnade von Gott, wenn ihr, getroffen von dem Worte > .< GotGottes, an eurem bisherigen Christenthume irre werdet, wenn ihr beginnet, an eurer Seligkeit zu zweifeln. So schädlich solcher Zweifel demjenigen ist, der redlichen Herzens trachtet Christum zu gewinnen und in Ihm ersinnen zu werden; so nöthig und heilsam ist derselbe Ie» dem, der es noch nicht bedacht, oder der sich's aus dem Sinne geschlagen hat, daß wir durch Christum sollen neue Menschen werden, die von sich sagen können: „DasAlre ist vergangen, siehe! es ist alles neu worden/' (2 Cor. s, 17.) Wohlan, Geliebte! darnach prüft euch nun selbst. Dachtet ihr etwa bis jetzt, es könne euch einmal der Himmel nicht entgehen, weil ihr ja doch euch immer ordentlich gehalten, weil ihr vielleicht auch bey der Welt ein rühmliches Zeugniß hattet; so denkt an Nikodemus, der sich dasselbe, und vielleicht mit noch größerm Grunde, rühmen konnte, und dem der Heiland doch mit einem Wahrlich bezeugt, daß er noch nicht zum Reiche Gottes tüchtig sey, und noch von vorn anfangen und erst von Neuem geboren werden müsse, wenn er am Reiche Gottes Theil haben wolle. Und so ist denn nun auch bey euch, so wie bey Ieglichem, der Christi Namen nennt, die große Frage die: Bist du auch schon von Neuem geboren? Hast du auch schon die große göttliche Veränderung deines Innersten erfahren, die hier der Heiland fordert von Jeglichem ohne Unterschied, der ins Reich Gottes eingehen will? Und meynst du diese Frage mit ewem unbedenklichen Ja beantworten zu können; so wirst du auch zu sagen wissen, wie lange es etwa sey, daß du dich von der Welt

geschiegeschieden, und in was für Kämpfen — denn diefe bleiben nicht aus — das neue Leben in dir schon habe die Probe bestehen müssen. Hiernach, Geliebte! haben wir alle unfer Christenthum zu prüfen. Und wer nun unter euch durch diefe Fragen in Verlegenheit käme und wüßte nicht, was erdarauf zu antworten habe, oder wer geradehin sich jagen müßte, er wisse überhaupt von einer Veränderung feines Innersten noch nichts, fey heute, wie er immer gewesen, o, meine Lieben! ein solcher, und wäre er noch fo lange in feinem bisherigen Sinne hingegangen und trüge schon graues Haar, er fchäme sich nicht, feinen langen Irrthum demuthsvoll sich felber zu gestehen, und noch darnach zu trachten, daß er, durch Gottes Gnade, von Neuem geboren und noch ein Kindlein in Christo werden möge. Und wer's denn ernstlich damit meynt, wer mit gewissenhafter Treue zu diesem Zwecke das Wort Gottes nutzt, und dabey emstlich betet um den Gnadenbeystand von obenher, um die Erleuchtung und Erneueenng des heiligen Geistes, der kann noch jetzt, und wäre schon der Abend feines Lebens gekommen, die Gnade erlangen, des neuen Lebens aus Gott theilhaftig zu werden. Und das ist denn das rechte wahre Leben, nach welchem Ieder, dem es noch fehlt, mit heiligem Eenst zu trachten hat, nach welchem ihr auch, meine Lieben! die ihr noch in der Blüthe eures Lebens und in dem kräftigsten Atter steht, vor allen Dingen trachten sollt. O daß der Geist des Herrn euch alle dazu erwecken möge! Dann werdet ihr erst eures Lebens wahrhaft frol) und felige Menschen

GotGottes werden. Der Friede Gottes wird in euren Herzen wohnen, und die Freude am Herrn wird eure Starke seyn, daß ihr nun auch, als Streiter Christi, mit heiligem Muthe kampft den Kampf, der euch verordnet ist gegen alle eure geistliche Feinde, und einen Sieg nach dem andern gewinnet durch den, der euch machtig machet, Christus. So, meine Lieben! fo wird das wahre Christenthum leicht, das denen freilich schwer, ja ganz unmöglich fallen muß, die ihren alten, natürlichen Sinn behalten wollen. Aber warum wollten wir das, da wir, durch Gottes Gnade in Christo, ein neues geistliches Leben empfangen, und neue Menschen werden können, und zwar ohn' unsre eigene Mühe, nur daß wir es, wie Nikodemus, machen, und mit redlichem Verlangen, so wie wir sind, zu Christo kommen und unsre Seele Ihm befehlen. Das ist der einige rechte Weg für Alte und Junge, für ehrbare Leute, wie Nikodemus war, sowie für gröblich Gefallene, wie die Zöllner waren. Der Herr nimmt Alle an, die redlichen Sinnes zu Ihm kommen. Da ist Ihm keiner zu schlecht und zu verderbt. Alle reinigt Er in seinem Blut, das alle Sünden tilgt, und allen giebt Er seinen heiligen Geist, durch dessen Kraft und Gnade sie von Neuem geboren, und eines neuen geistlichen Lebens theilhaftig werden. Nun können sie denn auch im Geiste wandeln, und wo sie also bis ans Ende wandeln, und saen auf den Geist, wie der Apostel spricht, so werden sie auch vom Geiste das ewige Keeken erndten ( Gal. 6,8.). Amen.

Am

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