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Am ersten Sonntage nach Trinitatis.

Einleitung.— Wie wenig wir, Geliebte! von der Zukunft wissen; Eins ist doch ganz entschieden gewiß, und gerade ist es die allerwichtigste Veränderung unsers Schicksals, die wir mit völliger Zuverlassigkeit voraussehen können und erwarten sollen. Unausbleiblich steht uns nämlich ein Tag bevor, da wir dem letzten Feinde zur Beute fallen, da der Tod unser Leben fordert, da unsre Augen brechen, unsre Glieder erstarren, und unser letzter Odem von uns geht. Wann aber dieser Tag bey Ieglichem erscheine, wie nahe oder wie fern der Einzelne diesem Ziele sey, das ist nur Dem bekannt, der uns ins Leben gerufen hat, und „alle unsere Tage auf sein Buch geschrieben, die noch werden sollen, ehe derselben einer da war." (Ps. 1S9,16.) Immer aber hat sich ein Jeder von uns zu sagen: „Wer weiß, wie nahe mir mein Ende!" Denn: „wer hat den Sinn des Herrn erkannt?" (Röm. 11,34.) wem ist es offenbart, wie lange seiner der letzte Feind noch schonen werde? da wir ja wissen, und jeder Kirchhof es bezeugt, daß eben so-' wohl die blühende Iugend, als Pas dahinwelkende Greisesalter vom Tode getroffen werde. ^ So darf denn Keiner unter uns allen sicher feyn; denn der Tod fragt nach dem Alt« nichts, so wenig er darnach fragt, ob wir zum Sterben fertig sind. Sollten wir aber nicht gerade darum uns alle Tage fertig halten? Wissen wir ja doch: .," wir

wir wallen sammt und sonders diesem Ziele entgegen, und kommen mit jedem Tag, mit jeder Stunde, mit jedem Augenblick dem Grabe und der Ewigkeit näher. Da sollte doch wohl die Frage: „was wird alsdann mit mir?" vor allen andern Fragen uns wichtig seyn? Wagen wir uns doch sonst so gee n mit unsrer Wißbegierde über die Grenze der Gegenwart hinaus, und lassen uns mit Vermuthungen über die Zukunft ein, die doch am Ende täuschen. Und das Gewisse, was außer allem Zweifel die kommende Zeit uns allen einmal bringen wird, eine Veränderung, die jeden Falls die allerwich« tigste und entscheidendste für Ieden ist, mit Einem Wort, die uns gewiß erwartende, und jedem von uns bestimmte Todesstunde, die wollten wir gedankenlos uns immer naher kommen lassen, und etwa erst, wenn uns die ei« sigte Hand des Todes bereits ergreift, die große Frage thun: was wird im Tode mit mir werden? was wird, wenn ich gestorben bin, mein Schicksal seyn? Wenn's möglich wäre, daß der Verstorbenen einer zu uns käme, und wollt' uns sagen, was er, seit seinem Abschied von der Welt, erfahren hat, wer möchte da nicht begierig seyn, zu hören? — Wohlan, Geliebte! in unserm Evangelio hören wir Einen, der uns den allerbesten Bescheid von dem, was nach dem Tode erfolgt, und von dem Lande, darinnen die Todten leben, ertheilen kann; wir hören Iesum Christum da, auf dessen Worte wir uns verlassen können, und also wird uns hier gleichsam ein Blick ins stille Todtenreich eröffnet. Wir wollen diese Belehrung, die Jesus wohl nicht ohne wichtigen

Zweck Zweck auch uns ertheilt, mit Sammlung unsrer Gedanken und mit glaubigem Herzen hören, und möge deren andachtsvolle Betrachtung uns allen zum Segen werden!

Evangel. Luc. 16, 19—si.

Im heutigen Evangelium, Geliebte in dem Herrn! laßt Iesus uns gleichsam ein wenig hinter den Vorhang blicken, der uns das Land verhüllt, in welches die Verstorbenen durch ihren Tod versetzt worden sind. Wir wollen demzufolge, nach Anleitung des Evangeliums, für dies Mal

«einige Blicke über das Grab hinaus, „ins stille Todtenreich"/

thun.

Was uns der Herr davon im Evangelio zeigt, beschrankt sich auf das Folgende, was uns zu wissen eben so wichtig als nöthig ist, nämlich:

1.) gleich nach erfolgtem Tode dieses Leibes nimmt eine andere Welt die von demLeibe getrennte Seele auf;

S.) es findet in dieser andern welt Erinnerung an das vorige irdische Leben Statt;

5.) es tri» in jener Welt der Mensch in eine ganz
andere Ordnung ein; und endlich

4.) es hangt der Abgeschiedenen Zustand dort, von
dem Verhalten ab, das sie hier in der sicht-
baren welt und während ihres irdischen Le-
bens bewiesen.
Wir gehen nunmehr zu einer nahern Beleuchtung

dieser 4 Behauptungen über, und lassen uns hierbey von unserm Evangelio leiten. Also

I.

„gleich nach erfolgtem Tode dieses Leibes nimmt eine andere Welt die von dem Leibe getrennte Seele auf."

Wenn das Wort Gottes den Tod der Frommen nicht selten ein Entschlafen nennt, und mit der Ruhe eines ermüdeten Wanderers vergleicht; so dürfte dadurch Mancher zu der nicht richtigen Vorstellung veranlaßt werden, als werde der Mensch durch seinen Tod in einen Zustand der Bewußtlosigkeit versetzt, worin er, ohne Empfindung und Bewußtseyn, bis zu dem Tage der allgemeinen Todtenerweckung und der Entscheidung seines ewigen Schicksals bleibe. Jndeß, Geliebte! bietet uns die heilige Schrift, wenn wir sie recht verstehen, keine Ursache dar, uns solche Vorstellung vom Tode und von dem Zustand der Verstorbenen zu machen. Fühlt auch der Leib nichts mehr, sobald die Seele, die ihn bisher belebte, im Tode von ihm gewichen ist; so lebt doch, wahrend der Leib im Grabe liegt, und da ein Raub der Verwesung wird, die Seele, d.i., verdenkende, empfindende und begehrende Mensch noch immerfort, und geht, so wie der Tod die irdische Hülle zerbrochen hat, gleich über in eine andere Welt, wo sie mit vollem Bewußtseyn lebt, und Freude oder Schmerz empfindet. Wie das aus anderweitigen Stellen der Schrift ersichtlich ist, (davon wir nachherEiniges beybringen wollen);

so so giebt uns das auch hier des Heilandes Rede vom reichen Mann und armen Lazarus, und deren beider Schicksal nach dem Tode, zu erkennen. So wie der arme Lazarus stirbt, wird, laut Bericht des Evangeliums, „gleich seineSeele von den Engeln in AbrahamsSchooß getragen", mit andern Worten, sie wird sogleich, wie sie den Leib, als ihre bisherige Wohnung, verlassen, befreyet von aller Erdennoth, in einen freudevollen Zustand übergeführt, wo sie nunmehr in seliger Gemeinschaft lebt mit den vollendeten Geistern der Gerechten, worunter Abraham, aus guten Gründen, besonders namentlich angeführt wird. Der reiche Mann stirbt ebenfalls, wie denn der Tod keinen Unterschied der Stande erkennt, also nicht weniger zu den Reichen und Beglückten, als zu den Armen und Elenden kommt. Aber welche Veranderung macht der Tod hier, indem er diesen Mann seiner ganzen Herrlichkeit entkleidet, von Allem ihn entblöst, was ihm hier Freude machte, und ihn in eine Welt versetzt, da er für seine Begierden, die ihm von seinem vorigen Leben geblieben sind, in Ewigkeit nicht darf Befriedigung hoffen, so wie er außerdem von einem brennenden Schmerz gemartert wird, de n er, ohn' alle Hoffnung einiger Linderung, leiden muß.

Welch eine Veränderung, meine Lieben! hat also hier der Tod, im Schicksal dieser beiden Männer, be-' wirkt! Da merken wir nichts von einem bewußtlosen Schlaf, darinnen beide gelegen; nein, mit Bewußtseyn leben sie in einer andern Welt, und wie des einen zeitliches Leid in ewige Freude verwandelt ist, so hat der an

HauspsstiUe S.Bd. R dtte.

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