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im heutigen Evangelio hören, und demnach sehen, was uns der von dem Herrn geöffnete Blick ins Land der Todten ferner zeigt; so merken wir: es findet in jener Welt auch

II.

Erinnerung an das vorige, irdische Leben Statt. Der reiche Mann, am Orte der Quaal in jener Welt, erkennt sogleich den Lazarus in Abrahams Schooß; woraus wir beylaufig merken, daß in dem Reiche der Todttn zwar ein gar großer Unterschied zwischen denen ist, die als Begnadigte aus der Zeit gegangen, und zwischen Solchen, die durch den Tod in ihren Sünden dahingerückt sind; daß aber jene und diese sich gegenseitig erkennen und von einander wissen. So erkennt auch hier der reiche Mann den armen kranken Lazarus, den er so oft vor semer Thür gesehen hatte. Er erinnert sich seiner wohl, und wie mochte sich nicht noch manche andere Erinnerung aus stimm vorigen Erdenleben an diese Erinnerung knüpfen! Auch zeigt die Bitte, die er an Abraham thut, er möge doch den Lazarus senden, daß er das Aeußerfte seines Fingers ins Wasser tauche und seine Zunge kühle, deutlich genug, es habe der reiche Mann, in seiner jetzigen schrecklichen Lage, seinen vorigen Stand auf Erden keinesweges aus dem Gedächtniß verloren. Denn jetzt auch will er noch, wie einst, da er als großer Herr auf Erden lebte, den Armen — wiewohl derselbe nun hoch über ihn erhoben ist — zu seinen Diensten haben. Und wie lebhaft ist bey ihm die Erinnerung an feine zurückgelassenen Brüder! Ihr Sinn und ihre ganze Lebensweise stellt sich so deutlich seiner Erinnerung dar, daß ihn die große Sorge befällt, sie möchten einmal dasselbe Schicksal haben, wie er. — Gewiß ist dieser Zug in der Geschichte bedeutungsvoll für uns, und es will der Herr uns damit zu erkennen geben, daß nach dem Tode dieses Leibes der Seele die Erinnerung bleibe an das vorige Leben in der sichtbaren Welt, und sie begleite an den Ort, der ihr dort, in der andern Welt beschieden ist. Abermals, Geliebte! eine Lehre, die wohl von uns erwogen seyn will, und einen kraftigen Einfluß auf unser zeitliches Verhalten außern kann und soll. Hatte ihr das der reiche Mann verstattet, als er noch ein Genosse des irdischen Lebens war; dann möchte es ganz anders mit ihm gekommen seyn. Wie mochte er nun jetzt, am Orte der Quaal, die er sich selbst bereitet hatte, sein voriges üppiges und gottesvergeßnes Lebe n verfluchen! Wie mochte nunmehr sein lange betäubtes Gewissen erwachen , und ihm die langst vergessenen Sünden, und die so schandlich vergeudete, ja gemißbrauchte Gnadenzeit als furchtbare Schuld vor die Augen rücken! Daß wir uns doch an diesem Erempel spiegeln möchten! — Denn eben nicht anders wird's einmal Jedem ergehen, der da im Rausche seinerSmnenlust, und mitten im Lauf nach eitelm Weltgenuß, vom Tode überfallen und dahingerückt wird in eine Welt, wo alle, die hier saen auf das Fleisch, vom Fleische das Verderben erndten. (Gal. 6, 8.) O ihr! die ihr hier lachet und jubelt in eurer sündlichen Lust, die ihr, vom Taumelkelche der Welt - und Sündenlust berauscht, nicht sehet het und höret, ach! möchten euch bald die Augen aufge, than werden, um die Gefahr, die große Gefahr zu erkennen, hinunter in den Abgrund zu stürzen, dem.ihr mit jedem Schritt euch nähert. Dann, wenn der furchtbare Abgrund euch verschlungen hat, dann werdet ihr wohl erwachen und nüchtern werden müssen, wie auch der reiche Mann es ward; aber welch ein Erwachen wird das feyn! Der reiche Mann im Cvangelio mag es euch sagen. Wie sahe dieser unselige Mann, am Orte der Quaal, sein voriges Freudenleben an! wie war ihm die Erinneenng daran, und der Gedanke, wie er die köstliche Gnadenzeit ganz anders hatte nutzen sollen, ein nagender Wurm, der ihn ohn' Aufhören quälte! Wie? soll denn dieses Erempel, das euch, ihr armen Verblendeten! zu eurer Warnung vorgestellt wird, euch nicht zum Nachdenken bringen? Hatte euch denn die Lust der Welt und der verführerische Reiz der Sünde so ganz umnebelt und besinnungslos gemacht, daß auch der göttliche Ruf, der euch erwecken soll, daß auch die Schlage des Herrn, dadurch ihr sollt zum nüchtern Nachdenken, zur Erkenntniß eurer Gefahr, zum ernsten Verlangen nach Rettung eurer Seele ermuntert werden, nichts bey euch auszurichten vermögen? Owehedann! so wird's nicht lange dauern, und ein unseliger Tod, der alle Tage und plötzlich kommen kann, wenn ihr ihn eben am wenigsten ermattet, macht's mit euch eben, wie mit dem reichen Mann im Evangelio, und rückt euch aus der Welt an einen Ott/ da ihr, wie er, vom Fleische das Verderben erndtet, und die Erinnerung an die genossene, und für ewig entschwundene Lust, an die verlorne, und nun zu spat mit bitterer Reue zurückgewünschte Gnadenzeit, an die begangenen Sünden, die nun ihre schrecklichen Früchte bringen, euch, wie ein nagender Wurm, der nimmer stirbt, und wie ein Feuer, das nimmer verlöscht, durch' alle Ewigkit peinigt. Noch ist es Zeit, solch einem schnckliche n Schicksal vorzubeugen, aser auch Eile thut hier noth, und alles Säumen ist mit der größten Gefahr verbunden. Darum lasse man sich vom Worte Gottes lehren, von seinem Geiste strafen, und richte hier sich selbst, bevor man dorthin kommt, wo nicht mehr Raum zur Buße und zur Errettung der Seele ist. O daß doch alle, die diese Motte hören, sie also aufnehmen möchten, als wären sie ihnen, von ihrer Verstorbenen einem, zu ihrer Warnung zugesprochen! Wenn wir hier hören im Evangelio, daß der unselige Mann am Orte der Quaal sich seiner zurückgelassenen und auf der Welt noch lebende n Brüder erinnert, und gern noch alles thate, um sie zu warnen, daß sie nicht auch einmal Genossen seines Schicksals werden; werden denn unsere Tovten, da sie ja leben in einer andern Welt, nicht daselbst unsrer eingedenk seyn? werden sie da nicht ihre Sorge um uns, und ihre Wünsche für uns haben? möchten sie nicht auch, wie jener reiche Mann, wenn s möglichwäre, uns, ihren Angehörigen, von dorther Bothschaft zugehen lassen? O wie mag da mancher unselige Vater, und manche unselige Mutter an die zurückgebliebenen Kinder denken, zumal, wenn sie schon wissen, daß Mge in ihren Fußtapfen wandeln! Aber auch, wie viele

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Seuf

Seufzer wird dort die Liebe selig vollendeter Seelen für ihre Hinterbliebenen dem Herrn darbringen, daß Er sie schirme und bewahre, leite und führe, damit sie ihre n Lauf einst selig vollenden mögen. Ia, lieber Christ oder Christin! wer du immer seyst, das magst du dir mit aller Zuverlassigkeit sagen: es wird in jener Welt auch dein gedacht, und große Sorge machst du den Vollendeten, die einst auf Erden mit dir verbunden waren. O du besonders, der du, in jenem unsichtbaren Lande und unter den Bürgee n der Ewigkeit, einen frommen Angehörigen weißt, Vater oder Mutter, Sohn oder Tochter, Bruder oder Schwester, und wie sie fonst noch heißen; halt das Gedachtniß dieser Seligen ja in Ehren, und wenn du ihrer gedenkst; so frage dich dabey immer selbst, was diese Vollendeten wohl von deinem jetzigen Thun und Wesen urtheilen möchten, und was sie wohl dir möchten zu sagen haben, wenn ihre Stimme dein Ohr erreichen könnte. O gewiß! sie würde n bitten und flehen, du mögest das Wort des Herrn in Ehren halten, dich ja nicht gleichstellen dieser Welt, vielmehr das Eine Nothwendige suchen, und zuerst und allermeist nur nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit trachten, d. i., «ach der lebendigen Gemeinschaft mit dem Herrn, in dem allein wir haben können Gerechtigkeit und Stärke (Jes. 4S, 24 ), und alfo schaffen unfte Se, Ugkeir mit Furcht und Zittern (Phil.S, IS.). Doch, meine Lieben! wenn dieses unbezweifelt der innige Herzenswunsch der uns vorangegangenen Angehörigen ist; so ermahnt, und warnt, und bittet an ihrer Statt, indem

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