صور الصفحة
PDF
النشر الإلكتروني

zwar nicht bey ihnen; denn von jetzt an war sein Umgang mit den Iüngern anders als vorher. Er kam und ging, kam dann aufs neue und schied aufs neue wieder, und so ging's die 4« Tage fort, die Er auf Erden noch weilte, bis Er zuletzt vor seiner Iünger Augen zum Himmel erhoben, und also seine sichtbare Gegenwart dem sterblichen Auge für immer entzogen ward.

Für dies Mal sehen wir Ihn nun, laut der Geschichte des heutigen Evangeliums, in seiner ersten und zweyten Erscheinung, in der versammelten Iünger Mitte, und wie Vieles fehlte uns, wenn wir nicht diese beiden Auftritte in dem Bericht der evangelischen Geschichte lesen könnten. Laßt uns denn mit Andacht hören, was uns das heutige Evangelium davon meldet.

Joh. 20, 19 — 81.

Wenn wir, Geliebte in dem Herrn! das zarte liebreiche Verfahren des auferstandenen Heilandes gegen jene Maria Magdalena, wie gegen die beiden Iünger von Emmaus, nicht ohne innige Rührung haben betrachten können; so wird die hier beschriebene Weise, wie Er das trauernde Iüngerhauflein in Ierusalem mit seiner Gegenwart erfreuete, nicht weniger unser Herz in Anspruch nehmen. So möge denn

.V''.. yder auferstandene Heiland in der Vw ',Sammlung seiner Jünger"

in dieser Andachtsstunde unsere Betrachtung auf sich lenken. —

, i ,' AS Wir 7— —

[graphic]

Wir folgen der Geschichte, wie sie das heutige Evangelium uns meldet, indem wir

I.) von der Erscheinung des Auferstandenen am
Abend des Auferstehungstages reden.

War gleich die große Bothschaft, daß der Gekreuzigte lebe, und von den Todten auferstanden fey, schon an dem Morgen dieses Tages an die Iünger gelangt, indem die Weiber, die diefer Bothschaft zuerst gewürdigt worden, ja denen sich der Auferstandene felbst offenbaret hatte, die große Freude nach Ierusalem zu den dafelbst versammelten Iüngern brachten; so fehlte doch noch viel, daß deren Gemüther durch solche hohe Freudenbothschaft sich neu belebt und ermuthigt gefühlt hatten. Es hatte nämlich die Furcht bey ihnen fo fehr die Oberhand, daß es ausdrücklich heißt, sie waren am Abend dieses Tages bey verschlossenen Thören, aus Furcht vor den Juden, versammelt gewesen. Das deutet uns nun genugsam an, wie wenig noch die Iünger der großen Kunde traueren, und wie also das Andenken an Iesu eigene Worte, wodurch er seine Auferstehung eben fo bestimmt, als feinen Kreuzestod vorhergefagt hatte, in ihren Seelen müsse verdunkelt gewefen feyn. Hatten sie, im Andenken an ihres Meisters deutliche Vorherfagung, den ihnen von den Weibern zugekommenen Bericht in freudigem Glauben aufgenommen; was durften sie jetzt noch traurig feyn? — was durften sie noch fo furchtsam bey einander sitzen? Wer hatte denn größere Ursache, sich zu freuen und sich vor allen andern Menschen glücklich zu preifen? — Aber von solcher Freude, von folchem hohen Gefühle ihres Glückes, als Iünger des Auferstandenen, ist nicht nur keine Spur bey ihnen zu finden, nein, sie trauern sogar noch eben so, als wenn ihr Herr und Meister noch im Grabe lage, und fürchten sich eben noch so, als waren sie, verlassenen Waisen gleich, ihres einigen Schutzes und ihrer einigen Stütze beraubt. —- .

[graphic]

Woher aber diese Traurigkeit der Iünger und diese ihre Furcht, da sie gerade am wenigsten dazu Ursache hatten? — Die guten Iünger, meine Lieben! konnten ihr großes Glück nicht glauben. Es ging ihnen also gerade, wie es noch heute so manchen Christen geht, die auch wohl aller Furcht und aller Sorge erledigt seyn, und höhe selige Freude genießen würden, wenn sie nur festiglich glauben könnten, was doch die allergewisseste Wahrheit ist, daß der Sohn Gottes, der sie geliebt und selbst sich für sie dargegeben, jetzt für sie in der Herrlichkeit lebe, und mit derselben Liebe, mit welcher er sich, zur Tilgung ihrer Sünde, dahingegeben, jetzt ihrer, als seines theuer erworbenen Cigenthums, in dem Besitz der Herrschaft über Himmel und Erde, eingedenk sey, um ihnen alles zu verleihen, was sie zu ihrer seligen Vollendung nöthig haben. — Wie nutzlos indeß auch die Trauer und Furcht der Iünger war; so war doch ihre Trauer weit von der Trauer der Welt unterschieden. Es war eine Trauer um den Herrn, und jeden Falls lag dieser Trauer ein sehnendes Verlangen nach Ihm zum Grunde. — Ach! daß doch unter den vielen Trauernden, deren es in der Christenheit zu allen Zeiten gegeben hat und auch noch heute giebt, mehr solcher Seeken zu

A3 sin

finden waren, deren Trauer einen höhern Gegenstand hatte, als den Verlust eines zeitlichen Guts! — Seelen, die da trauern um den Herrn, trauern, daß sie Ihn, nach welchem ihr Herz sich sehnt, nicht bey sich finden, und nichts von seinem kraftigen Zuspruch und seinem belebenden Geist in sich erfahren. Ihr lieben Seelen! die ihr solch' eine Trauer empfindet, deren Sehnenund Seufzen ist: ach! daß mein Iesus doch sich mir offenbarte, sein Licht in meiner finstern Seele leuchten ließe, und meinem armen Herzen seinen Gottesfrieden und ein lebendiges Gefühl von seiner Liebe schenkte! — ihr lieben Seelen! die ihr schon nicht mehr zu dem Haufen der Welt gehört, ihr wollet doch bedenken, Er, der ein solches höheres Sehnen in eurem Herze n selbst erweckt und angeregt hat. Er hat's euch wahrlich nicht zu eurer Quaal gegeben, ihr sollt nicht immer hungern und dursten; nein, ihr sollt, ihr werdet gesattigt werden, wie denn auch hier das Sehnen der Iünger nach dem Herrn die vollste und seligste Befriedigung fand. Da ging es, wie geschrieben steht: ,, den Abend lang wahrt das weinen, aber des Morgens die Freude" (Ps. 30, 6.); ja hier kam die Freude noch an demselben Abend, der unter Trauern und Seufzen begonnen hatte. Denn eben an dem Abend, da noch die Iünger einsam trauernd beysammen waren, und, „aus Furcht vor den Juden," die Thür verschlossen hatten, tritt Iesus, — den weder Schloß noch Riegel hindern können, die Seinen zu be« suchen, — in ihre Mitte ein, und mit dem holden Gruße „Friede sey mir euch!" ruft er gleich süßen Frieden und selige Freude in die bisher von Trauer und Furcht umdüsterte Seelen. — Friede sey mit euch! — Wenn Iesus also grüßt: so hat das Kraft. So heißt s auch hier: „da wurden die Jünger froh, daß sie dm Herrn sahen." — Sein Friede also war wirklich über sie gekommen; — und darum mußte nun wohl Furcht und Trauerweichen. Man möchte meynen, es müßten die Jünger, bey Iesu plötzlichem Erscheinen in ihrer Mitte, nicht wenig erschrocken und in Furcht gesetzt seyn, zumal wenn ihr Gewissen sie erinnerte, wie schlecht sie doch dem Herrn ihrWort gehalten, da sieIhn alle verlassen hatten. Aber sehet! der freundliche Gruß des Herrn, sein holdes „Friede sey mir euch!" macht gleich der Jünger Herzen getrost, und kein Andenken ihrer frühern Schuld kann nun die Freude ihres Innersten trüben, mit welcher sie da stehen vor dem Herrn, als Er ihnen, zum gewissen Zeichen, daß Er es wirklich sey, die Wundenmaale in seinen Händen, so wie in seiner Seite, zeigt. —

[graphic]

Und hieran, meine Geliebten! wird heute noch der Herr von seinen Glaubigen erkannt. Stellst du Ihn dir in seiner Herrlichkeit vor, als Herrscher über Himmel und Erde, umgeben von der Engel Schaar, die da anbetend seiner Befehle warten, denkst du Ihn dir in seiner Majestät, mit welcher Er kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Todten; so wird dich ein Gefühl von ehrfurchtsvollem Staunen ergreifen und heilige Scheu vor dem Erhabenen, der auch dein Schicksal für die Ewigkeit entscheidet, wird deines Herzens Tiefen durchschaudern. Aber mit dem allem, und mit der Ehrfurcht,

« السابقةمتابعة »