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ten, und will ihrer aller pflegen, wie es recht ist." — Darum stelle man sich doch ja den Heiland nicht als einen Herrscher vor, der nur gebiete und drohe, und dann ein strenges Gericht ausübe. Er sagt ja selbst: „Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß iLr die 5Velr richte; sondern daß die N?elr durch Ihn selig werde." (Zoh. s,17.) Hier in der Welt übt Er allein sein ft,eundliches Hirrenamr, und will es üben, bis an das Ende der Tage. Und darum sollen wir dreist und fröhlich glauben, daß alle Hülfe, deren wir je, inunfrer Pilgrimschaft, bedürfen mögen, wahrhaftig für uns vorhanden fey. Lebt unser Hirte ja doch noch, der gute Hirte, der einst, um seiner Schaafe willen, die Herrlichkeit verlassen und für sie sterben konnte. Soll Er . denn nun nicht weiter um uns sich kümmern? soll Er, der kein Bedenken getragen, sein Leben für uns zu lassen, sich nun von einem gewöhnlichen Hirten, d.i. einem sündigen Menschen, übertreffen lassen, als welcher ja doch für seine Schaafe lebt, und ihren Bedürfnissen, wie er nur kann, zu Hülfe zu kommen, für feinen Beruf ansieht? Nein, meine Liebsten! fo gewiß sich unfer Jesus selbst den guten Hirren nennt; fo gewiß und zuverlafsig können wir uns getrösten, daß Er mit aller der Macht, die Ihm, als Menschensohn, gegeben ist, für feine arme hülfsbedürftige Menschenheerde, ja für jede einzelne, zu feiner Heerde gehörige, Seele die allertreueste Sorge trage; wie auch das Wort aus feinem Munde bezeugt: Ich bin bey euch alle Tage, bis an der welr Snde." (Match. 28, so.) — Und wehe

Haiispostille S, Bd. C Uns! uns! wenn Er nur Einen Tag uns aus dem Sinne ließe! Wir sind und bleiben ja doch, um seinen eigenen Ausdruck zu gebrauchen, nur immer Schaafe — also, in uns selber arme, hülfsbedürftige und ohnmachtige Geschöpft, die ohne den Here n und seine stete Aufsicht, Beschirmung und Pflege, eben so wenig bestehen können, als Schaafe ohne den Hirten bestehen. Und Er, der uns« große Nothdurft besser kennt, als wir's Ihm sagen können, Er sollte uns, an welche Er so viel gewandt, nun mks den Augen lassen? und unter den unzahligen Gefahren, deren wir hier, in unsrer Ohnmacht, ausgesetzt sind, da sollte Er unsere Erhaltung und unser Gedeihen dem Zufall oder unsrer Schwachheit überlassen? O da muß man Ihn nicht kennen, wenn man das nur kann glaublich finden. Gewiß! eh' stürbe Er noch einmal, eh' Er uns, seine theuer erkaufte Schaafe, einer solchen Gefahr Preis gabe. Dazu sind wir Ihm zu lieb — dazu hat Er zu viel an uns gewandt. Und was wollen wir. doch an seiner fortwahrenden sorgsamen Aufsicht, auch über das Einzelne, das da zu seiner großen Heerde gehört, noch zweifeln, wenn wir aus seinem eigenen Munde hören, wie Er sich selbst beschreibt als einen Hirten, der auch dem einzelnen, verirrten und in Gefahr befindlichen Schaafe, eine solche Sorgfalt widmet, daß Er die neun und neunzig von seinen hundert Schaafen laßt, um nach dem Emen, das Ihm verloren ist, auszugehen, und um das Eine Verlorne sich alle Mühe macht, bis daß es Ihm gelungen, dasselbe aufzufinden und wieder zurückzubringen. Ach! wer doch das recht wollte zu Herzen

nehnehmen! Wohlan! ihr, die ihr rühmen könnt , daß ihr von eurem treuen Hirten als arme, irrende und dem Verderben schon ganz nahe Schaafe, gesucht, gefunden und glücklich mit seiner Heerde vereinigt seyd; o ihr Begnadigten! vergeßt doch ja niemals, wer ihr waret, und was ihr nunmehr seyd, nicht durch euch, sondern durch die Treue Dessen, dem ihr, als seine theuer erkauften Schaafe, am Herzen liegt. Und feyd gewiß versichert, ob auch der Weg, den Er euch führt, zu Zeiten euch möge wunderlich erscheinen, doch ist's für euch der allerbeste, den es nur geben kann. Wandelt ihn nur getrost und weicht nicht, weder zur Rechten noch zur Linken; stets eurem Hirten nach, daß Er nur Iben und mit euch sey; o! wie sollt ihr's dann zu eurer großen Freude erfahren, daß seine Wege, auch wo sie sich ms Dunkel verlieren möchten, doch stets die besten und seligsten sind. Ia freilich! — so gewiß Er ist und bleibt der einig gute Hirte der Seinen, die denn auch alle mit Assaph rühmen können: „Du leitest mich nach deinem Rach, und nimmst mich endlich mir Ehren an/' — Herr, wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Lrde. Und wenn mir L.eib und Seele verschmachtet, bist du doch meines Herzens Trost und mein Theil. (Ps.73, 24.ff.) — Du aber, arme Seele! die du, seit vielleicht langer Zeit, von deinem guten Hirten dich verloren hast; wenn dir bey allem, was du hier haben und genießen mögest, doch immer der edle Herzensfriede fehlt, wenn du nie ruhig in deinem Gemüthe bist; wenn deine Seele gleicht dem ungestümen Meer, so daß du seufzend

Cs fraftageft: ,,wo finde ich Ruhe?" — ach! liebe Seele! dem unruhevoller Zustand, — weißt du was er bedeute? Du bist noch ein verlornes Schaaf, von deinem himmlischen Freunde, von deinem Hirten entwichen, und Er, der liebend nach dir sucht. Er ist dir nahe gekommen, daß Er dich wieder gewinne, um dich zu heilen und zu pflegen, und mit der Heerde zu vereinen, die unter seinem Hirtenstabe auf grünen Auen weidet und Leben und volle Genüge findet. O entzieh dich doch nicht langer deinem Hirten, höre doch auf seine sanfte lockende Stimme, und säume keinen Augenblick zu Ihm zurückzukehren; und dich von Ihm erquicken zu lassen. Denn nur Hey Ihm wirst du, und nirgends sonst, Erquickung finden, wie sie dir nöthig ist, bey Jhm nur finden, wornach dein Herz sich sehnt — in Ihm nur Leben und volle Genüge empfahen, daß du alsdann mit David fröhlich sprechen kannst: „Der Hexr ist meinHirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue, und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele und führet mich auf rechter Straße." ( Ps. 23, i—s.) — Ia, dahin, meine Geliebten! möcht' es der Herr, als unser gute Hirte, gern mit uns allen bringen. Ach! Ihn verlangt nach uns viel mehr, als uns jemals nach Ihm verlangen kann. An Ihm liegt's nie, wenn eine Seele darbt und schmachtet; — hat Er doch alles, was wir brauchen, um wahrhaft froh zu ftvn, für uns bereit, und will Er doch, nach seinem liebenden Herzen, gern Ieglichen von uns erretten, erquicken und selig machen.

Darum, ja darum ist Er ja unser Hirte geworden — nur folgt daraus denn ,

IV.

auch die unerläßliche Bedingung, unter welcher allein man seiner Hülfe und einer herrlichen Vollendung sich darf versichert halten.

Das Schaaf, Geliebte! kann ohne den Hirten nicht bestehen, und darum, wo es sich etwa vom Hirten verloren hatte; muß es vor allen Dingen zu ihm zu« rück, um da, bey ihm, den nöthigen Schutz zu finden, . und unter seiner Hut und Pflege zum rechten Gedeihen zu kommen. Bleibt es dagegen vom Hirte n geschieden, laßt sich's vergebens von ihm locken, lauft wohl noch weiter weg, wenn es den Ruf des suchenden Hirten Hütt; dann freilich kann ihm der Hirte, mit aller seiner Liebe Und seiner treuesten SorgfaltUr die Heerde, doch nicht helfen, und es muß dann allen Gefahren und Unfällen, zu/seinem endlichen gewissen Verderben, ausgefetzt bleiben. Das ist ein Gleichniß, meine Geliebten! das doch wohl sollte von denen erwogen werden, die sich noch nicht ha« ben überwindenDnnen, von ihrem eigenen Wege abzutreten, auf Iesu Stimme zu hören und Seinem Rufe zu folgen. Vergebens trösten sich diese, daß sie, trotz dem, doch auch an Iesu Erlösung, an dem von Ihm erworbenen Heil und an dem ewige n Leben Theil haben werden. Wie soll das möglich seyn? Wenn wir uns allesammt, laut Iesu Worten im heutigen Evangelio, alS seine Schaafe, und seine theuer erkauften Schaafe erken

Cs nen

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