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Könnt ihr also das Kreuz nicht auf euch nehmen; so bleiben wir geschieden und mein Reich geht euch nichts an. Und dem gemäß spricht der Apostel auch (Ap. Gesch. 14, LS.): „Mr müssen durch viel Trübsal in das Reich Gottes eingehen." Wenn denn nun weiter aus eben diesem Munde uns die Ermahnung gegeben wird ( Röm. 12,2.): „Stellet euch nicht gleich dieser welt," und wenn Johannes spricht (IJ0H.2, 16.): „Habt nicht lieb die XVelr, noch was in der welt ist;" so ist das gerade so viel, als wenn es hieße: die Welt wird euch wohl locken durch ihre Güter und Freuden; wollt ihr aber in meiner Gemeinschaft bleiben; so müßt ihr diese Güter und Freuden verschmahen können, dagegen mein Kreirz auf euch nehmen und euch gefallen lassen, daß, wahrend die Welt nach ihrer Weise fröhlich ist, ihr unter dem Kreuze in meinen Fußtapfen wandelt. — Wohlan, Geliebte! wenn das Wort Gottes denn so ohn' alles Hehl uns dies vorher verkündigt, was wollen wir uns denn daran stoßen, wenn es nun eben nach solcher Vorherverkündigung des Wortes Gottes geht? Und darum ist denn nun die Freude der Welt, so wie die Trübsal derFrommen, ganz der vonGott gemachten Ordnung gemäß. Wenn man denn aber fragen möchte: warum laßt Gott das fo eben geschehen, daß seine Kinder in Trübsal seufzen, wahrend der gottesvergessene Haufe sich freuen darf? — wenn man, fag' ich, eine solche Frage aufwerfen wollte; so wird man schon eine göttlich - weise Absicht darin finden, daß solchergestalt die wahren Jünger Christi bewahret werden. Ich will sagen: wenn's an

D 3 ders ders wäre, und wahre Frömmigkeit würde immer und nothwendig mit zeitlichem Glück und Wohlleben belohnt; so würde, des guten Lohnes halber, wohl alle Welt gern fromm seyn wollen. Da hatte der Heiland aber lamer Knechte, mit einem knechtischen Sinn, und sehet! die mag Er nicht/ Er will dagegen nur Leute haben, die Ihm freywillig, aus lauterm Liebestriebe, dienen; weßhalb denn Jeder, der sich in seinen Dienst begiebt, die Probe bestehen muß, ob seine Liebe zum Here n auch groß genug sey, um lieber mit Ihm zu leiden, als ohne Ihn mit der Welt in Lust und Freude zu leben.

Und so, von dieser Seite betrachtet, dürfte denn schon um ein Bedeutendes der Anstoß schwinden, den einer Seits die Trübsale der Kinder Gottes, und andrer Seits die Freude der Welt zu erregen im Stande sind. — Wie es nun aber, nach dem Worte des Herrn, geschieht, daß öfters, wahrend die Welt in Freuden lebt, die Kinder Gottes in Trübsal seufzen; so dürfen wir, dem Worte Gottes zufolge, auch ganz gewiß uns trösten, daß

2.) der Rinder Gottes Trübsal in der VOeK zu herrlichem Freudengenuß sie tüchtig mache.

So spricht der Heiland auch hier zu den Jüngern: „Eure Traurigkeit soll in Freude verkehret werden;" und weiterhin verheißt Er ihnen: „Euer Herz soll sich freuen, und eure Freude M Niemand von euch nehmen." Und wir wissen, wie jenes in Erfüllung gegangen, was dort der Herr von finstern Trauerstunden den Seinen vorhergesagt hatte; so hat sich auch genau an ihnen erfüllt, was Er von einer hohen seligen Freude, die auf das Seufzen und Weinen folgen werde, in den nachfolgenden Worten ihnen vorhergemeldet hatte: „Ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich fteuen, und eure Freude si>ll Niemand von euch nehmen/' Denn wer vermöchte wohl der Iünger Freude zu beschreiben, als sich der Herr, den sie als todt beweineten, in ihrer trautigen Einsamkeit, mit Einem Mal lebendig ihnen vor Augen stellte, und als der göttlich-verherrlichte Sieger über de n Tod und über die Höllenmacht, mit einem freundlichen Friedensgruß in ihre Mitte trat! Da, heißt es, wurden die Jünger froh, daß sie den Herrn sahen. Ja, ich meyne, es habe jetzt ihre tiefe Trauer der seligsten erhebendsten Freude in ihrem Gemüthe Platz gemacht — so wie ein Weib, wenn sie die Wehen der Geburt überstanden und das Kind zur Welt geboren hat, nicht mehr der vorigen Angst und Noth gedenkt, und nur Gefühl hat für die Freude, die ihr des Kindleins Anblick gewährt. — So, will der Heiland sagen, sey auch die Trauer der Seinen in dieser Welt, und wenn sie noch so herzangreifend ware, doch stets ein Vorbote einer gewiß zu erwartenden, unaussprechlich hohen und seligen Freude, über der man gern der Wehen vergißt, durch die gleichsam die Freude hat müssen geboren werden. Darum, so wie es bey den Weltmenschen heißt: durch Freude zur Trauer und zum Weinen und Heulen! so geht's dagegen bey Kindern Gottes durch Leid zur Freude, und der Weg des Kreuzes führt sie gerade, wie einst den Heiland selbst, zum Himmel und zu der himmlischen Herrlichkeit. Wer demnach nur das Zeugniß in sich hat,

daß daß ihn der Herr als einen wahren, wenn auch noch schwachen Iünger erkenne; der mag, in aller seiner Trübsal, sich unbezweifelt trösten, es gehe mit ihm einem herrlichen Ziele entgegen, so daß er, in den heißesten Leidensstunden, auch die Beglücktesten dieser Welt nicht zu beneiden Ursache habe. Ist es doch gerade in solchen heißen Prüfungsstunden, daß ihm das Wort des Wahrhaftigen zu seiner Erquickung dienen soll: „Ich will euch auserwahlt machen im Ofen des Glends" (Zes. 48, i«.); und wie lieblich lautet nicht, was der Herr weiter spricht (Jer.29,11.): „Ich weiß wohl, was ich jAr Gedanken über euch habe, nämlich Gedan, ken des Friedens und nicht des Leides, daß ich euch gebe das Ende, deß ihr wart«." — Und was der Heiland tröstend dort zu den Jüngern sprach, das gilt ja heute noch der ganzen Schaar seiner kampfenden Iünger in aller Welt: „Ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll Niemand von euch nehmen." —

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Darum weiß nun der Glaubige, was hier auch immer sein Schicksal sey, und wie auch immer das Kreuz ihn drücke, in jedem Fall so diel gewiß: es muß mit ihm einen herrlichen Ausgang nehmet:, es geht gewiß mit ihm einer seligen Freude entgegen, und dieses oft schon hier; denn keinesweges darf man glauben, als wenn die Frommen hier nichts als Trübsal hatten. O nein, meine Lieben! sie haben oft, schon hier in dieser Welt, so hohe, innig erquickende Freude, haß alle Freuden der Welt dagegen kaum wie ein Schatten sind; wie ja die Jünger auch die ihnen vom Herrn verheißene hohe Freude, Ihn wieder zu sehen, noch in der Welt und über ein Kleines, wie Er hier sagt, zu genießen bekamen. Ia, es macht's der Herr hier mit den Seinen oft wunderbar genug also, daß, wahrend ihr äußerlicher Mensch gezüchtigt und gestaupet wird, im Innern Friede und Freude, ja himmlisches Wohlseyn ist. Das Beste freilich wartet ihrer erst dort. Da kommt erst die vollkommene Ruhe, die vollkommene Freude, die ewig ungestörte Herrlichkeit und Seligkeit, von welcher der Apostel spricht (Röm.8,18.): „Die beiden dieser Zeit sind der Herrlichkeit nicht werch, die dort an uns soll offenbaret werden." — In dieser Hoffnung dulden denn nun die wahren Iünger des Herrn, wobey wir denn auch merken, wie heilsam ihnen die Trübsal ist; denn dadurch werden sie, laut Sir. 2,6., „geläutert wie das Gold durchs Fener," werden unter dem Kreuze bewahrt und Christo ahnlich gemacht/ und dadurch immer tüchtiger, einst völlig in sein Bild verklart zu werden, wovon Iohannes schreibt (1 Joh. s, 1): „Meine Lieben! wir sind nun Gottes Rinder, und ist noch nicht erschienen, was wir seyn werden. VOir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir Ihm gleich seyn werden." Und also deutet denn der Kinder Gottes Trübsal in der Welt auf hohe felige Freude, die sie gewiß einmal erquicken wird, so wie auf eine Herrlichkeit, die ihne n eben aus der Trübsal aufblühen soll, wogegen alle Leiden dieser Zeit, nach Pauli Ausspruch, für nichts zu rechnen sind. Drum spricht der Heiland auch zu solchen christlichen Duldern

das

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