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klaren Worten vorhergesagt sind, als Zeichen einer Zeit, da der Herr kommen und seine Tenne fegen will (Matth, s, 12.), daß er den Weizen in seine Scheuren sammele, die Spreu dagegen verwehen lasse, und das Unkraut mit Feuer verbrenne. Wolle man sich doch ja nicht tauschen lassen und etwa denken: ob es auch draußen stürme; so ist ja doch bey uns noch guter Friede, — wolle man ja nicht trauen der Sicherheit, in welcher die große Menge, bey ihrem „ eiteln Wandel nach vaterlicher Weise," ganz unbesorgt verharret, als hatten sie einen Freybrief gegen das Verderben bekommen. Eben diese Sicherheit im Leben nach dem Fleische, gehört mit zu den schlimmen und bedenklichen Zeichen dieser Zeit, und woher anders kommt sie, meine Lieben! als aus dem Unglauben, dadurch die Menschen so verblendet werden, daß sie, wie unser Heiland sagt im heutigen Tert, „mir sehenden Augen nicht sehen und mit hören, den Ohren nicht hören," und darum ruhig schlafen, während sich das Wetter des Verderbens schon drohend über ihren Hauptern bildet, um loszubrechen, eh' sie sich dessen versehen. So gings zu Nsahs Zeit. Obschon der fromme Noah vor aller Augen die Arche bauete, die ihm zu seiner und seiner Familie Rettung dienen sollte; — man achtete es entweder nicht, oder man lachte darüber gar, ftchr wahrend deß ganz sicher in der gewohnten Weise fort, aß und trank, freyete und ließ sich freyen (Matth. 24,38. ff.); bis plötzlich das Gericht des Herrn die Sichern überfiel, und nunmehr Iammer und Verzweiflung sie ergriff, als jede Hoffnung der Errettung

schwand. schwand. — Wenn dies nun aber, nach Pauli Worten (Röm. 16,4.), auch uns zur Lehre geschrieben ist; so müssen wir gerade die Sicherheit, in welcher große Mengen unserer Zeitgenossen, ohne Furcht vor Gstd«denn Gott zu fürchten wird ja von Vielen jetzt als aberglaubische Schwachheit betrachtet — demnach auch ohne Scheu vor seinem Aorn — Gott soll ja so barmherzig seyn, daß er nicht zürnen könne — ich sage also, wir müssen die Sicherheit einer großen Menge unserer Zeitgenossen, bey ihrem offenbar ungöttlichen Wesen und ihrem frechen Sündendienst, gerade für ein Zeichen eines schon nicht mehr fernen Gerichtes halten, das freilich, wenn es kommt, der Sicherheit der Sünder ein schreckliches Ende machen, und ihr Lachen in Weinen und Heulen verwandeln wird. Ach! wer da Augen hat, der sehe! wer Ohren hat, der höre! Aber freilich, das ist nun eben das größte Uebel der Zeit, — daß es jetzt geht, wie Iesus spricht: „Mit sehenden Augen sehen sie nicht, und mir hörenden Ohren hören sie nichr; denn sie verstehen es nicht." Der Unglaube nämlich hat sie MW und taub gemacht, daß sie nicht achten auf die Zeichen der Zeit, nicht merken , worauf sie deuten, und also auch nicht« fürchten, wo eben alles zu fürchten wäre.

Ist das nun aber> Geliebte! ganz unbezweifÄt ein höchst bedenklkyes Zeichen unserer jetzigen Zeit; so mag, wer da noch Augen hat zu sehen, hier schon erkennen, was für ein großes Uebel der Zeit der bey uns eingerissene Unglaube sey. — Er hat nun aber auch noch eine andere und eben so böse Folge, wovon wir

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II.

reden wollen, nämlich:

„ Man fühlt die Hand des Herrn und will sie nicht erkennen." in.

Was der Prophet von seinem Zeitalter klagt: „Du schlägst sie, aber sie fühlen es nicht!" das möchte man auch wohl auf unsere Zeit, auf unser Volk, ja auf die ganze heutige Christenheit anwenden. Gott hat ja auch be? uns, meyn'ich, die Ruthe nicht gespart, und seit den unvergeßlichen Tagen, da wir, wiewohl nur im Vorüberflug, von Kriegsdrangsalen heimgesucht wurden, hat Er von Zeit zu Zeit durch Schlage seiner Hand, die wir empfinden mußten, uns aus dem Schlummer wecken und zur Besinnung rufen wollen. Ja es ist, seit mehreren Iahren daher, selbst die Natur uns widerwärtig gewesen. Wo wir, der Iahreszeit nach, auf trockene Witterung rechneten, da war die Sonne Tag für Tag in Wolken gehüllt, und mit dem Regen wollt' es kein Ende nehmen. Und wiederum, wenn das verschmachtete Feld nach Regen dürstete; so blieb er aus, daß es uns bange ward, und Mancher wohl an jene Dürre zur Zeit des Propheten Elias (i Kön. 17, i.ff.) erinnert ward. Die ungewöhnlichen Plagen der letztee n Iahre sind wohl noch unvergessen bey euch; ich deute nur kürzlich an, in welche bange Besorgnisse, der künftigen Erndte halber, uns eine, allen Vertilgungsmitteln trotzende schädliche Thiergattung versetzte, ingleichen wie wir in einem der vorigen Winter, dessen Strenge euch wohl noch wird im Andenken seyn, bey allem Ueberfluß an Korn, doch

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der Gefahr einer Hungersnoth ganz nahe waren. — Und in andern Gegenden hat es noch andere und hartere Plagen gegeben, so daß wir Gott zu danken haben, daß Er die Schwere seines Arms uns nicht noch harter hat fühlen lassen. Indessen liegt sein Arm auf Manchem unter uns wohl immer noch ziemlich schwer, daß er wohl möchte mit David seuszen: „deine Hand drücket mich!" (Ps. 38, S ). Denn so müssen wir es ja wohl betrachten, wenn irgend ein widriges Schicksal unfern Lebensfrieden hindert, wenn Krankheiten im Hause, wenn zeitliche Verluste, Mangel an Nahrung, Zurückkommen und Verarmen, dazu auch wohl noch hauslicher Unfriede und Herzeleid in der Familie, uns tiefe Seufzer entlockt und unsere Wohnungen zu Klage- und Iammerstatten macht. — Und wenn denn nur die nachste Zukunft bessere Hoffnungen gabe! — Aber wenn wir seit Kurzem hören, wie sich, nach Iesu Weissagung, ein Volk empöret über das andere und ein Königreich über das andere, wenn ein Geist des Aufruhrs und der Empörung die Völker gleich wie trunken gemacht hat, — wenn selbst auch unser deutsches Vaterland, das sich so lange von solchem Em« pörungsgeiste frey gehalten, nun auch die Greuel innern Aufstandes und frevelhafter Versuche, die heiligen Bande zwischen Obrigkeit undUnterthanenzu zerreißen, in dieser letzten Zeit hat sehen müssen; — wenn endlich die Lage der Welt im Allgemeinen, bey dem überall gespürten großen Mangel an wahrer Gottesfurcht, und bey dem allgemein verbreiteten Unglauben, nur allzusehr begründete Ursach zu Besorgnissen für die Zukunft giebt, ach!

meine Lieben! — wer möchte da wohl nicht, wenn er das alles zusammen nimmt, im Glauben an das Wort des Herrn, mit David seufzen: „die Hand des Herrn liege schwer auf uns!" —

Ja, meine Lieben! die Hand des Herrn ist es, die jetzt schon hie und da sich fühlbar gemacht, und wohl noch fühlbarer machen dürfte. So sagt uns auch der Herr in seinem Wort (Jer. 18, II.): „Siehe, Ich bereite euch Unglück zu, und habe Gedanken wider euch." — Er hat denn auch, was Er hier drohet, an seinem Volk bewiesen, und heute beweist Er's noch, daß Er mit seinem gewaltigen Arm die Widerwartigen treffen und also treffen kann, daß sie erfahren müssen, was sie nicht seinem Worte glauben wollten, namlich daß die Sünde sey der L-eme Verderben. Ach möchte es doch nur nicht von den Geschlagenen heißen: „Du schlägst sie, aber sie fühlen es nicht" (Jer. 6, s ); das heißt: sie merken nicht, daß deine Hand sie schlagt, sie krümmen sich unter den Schlagen wohl, und klagen und jammern, oder lärmen und toben auch wohl; doch, daß sie in sich gehen und denken sollten: „es ist deiner Bosheit Schuld, daß du fs gestaupet wirst" (Jer. 2,19.); und aus gerechter Ursach hat dich die Hand des Herrn getroffen, — das kommt ihnen nimmer in den Sinn. — So fühlt man auch in dieser Zeit sich hie und da gedrückt, ja wohl beschwert und hart geangstet, weiß über sein Schicksal viel zu klagen, und von den sonderbaren Plagen der Zeit, was wird da nicht gesprochen, und welche Besorgnisse werden deßhalb auch wohl zu Zeiten geäußert! Aber

man

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