صور الصفحة
PDF
النشر الإلكتروني

man sage doch, wo hört man wohl, daß Leute, die also klagen, nun auch der Wahrheit Zeugniß geben, indem sie unverhohlen bekennen: »Es ist unserer Sunden Schuld, daß wir so gestraft sind!- Ia ich frage dich, mein Lieber! der du mit vollem Recht dich über deine Lage meynst beschweren zu dürfen; hast du denn unter dem Druck, den du jetzt fühlest, und in dem Kummerge, fühle, das dein Herz beschwert, dir je gesagt: die Hand des Herrn hat mich getroffen und meine Sünde heimgesucht! — Ia ihr Lieben! wenn es erst dahin kommen wollte, wenn man das erst erkennen möchte; dann ware ein großer Schritt zur Hülfe gethan, und bald, bal? würde der Herr die Seelen wieder erquicken, die unter feine gewaltige Hand mit wahrer Reue sich beugen. Aber, wie soll es dahin kommen; so lange der Unglaube noch die armen Seelen in ihrer Verblendung gefangen halt? Wie foll man sich entschließen, das Eine kraftigste Hehund Rettungsmittel: reuevolle Wiederkehr zu dem ver* lassenen Glauben, anzuwenden; fo lange man noch davon nichts wissen will, daß man getroffen werde von jenem Wort des Herrn: „ Mich, die lebendige Quelle, Verlassen sie, und machen ihnen hier und da ausgehauene Brunnen, die doch löchericht sind und kein Wasser geben?" (Jer. s, 13.) Wir wissen ja wohl, wie sich die heutige Christenheit gege n solche und ahnliche Schriftaussprüche empört, und wie ganz unerträglich der großen Menge es ist, wenn redliche Knechte Gottes, dem Wort des Herrn gemäß, von göttlichen Strafge, richten reden, dadurch sein Wort: »die Sünde ist der

Leute und merken mag; da darf man wohl, nach Schrift und Erfahrung, fo viel gewiß behaupten, es gehe einem schweren Gerichte entgegen, und um so zuversichtlicher darf man dies behaupten, wenn alle Zeichen der Zeit schon zu erkennen geben, daß sich ein Wetter des Verderbens aufgethürmt habe und drohend im Anzuge fey. — Unter solchen Umständen aber, Geliebte! ist wiederum eine, ach! nicht genug zu beklagende, Verblendung des Unglaubens

[graphic][subsumed]

III. . .., / .

die: „man will sich selber helfen, und eilt dsmie selbst seinem Verderben entgegen.^

Bey dem jetzt überall verbreiteten Unglauben, nach welchem Gott sich höchstens nur um die Welt im Ganzen kümmern, nicht aber auf das Einzelne achten, die Schmerzensthrane im Auge des Leidenden nicht bemerken, seine Seufzer und seine Gebete nicht hören, und also auch nicht erhören soll, — da ist's nun freilich ganz na» türlich , daß man sich selbst zu helfen sucht, so gut man weiß und kann, und dahin ist's denn auch im Allgemeinen bereits gekommen. Fragt man nun hier, was man Mit Gott denn mache? — Ey nun! man laßt ihn allenfalls im Himmel walten. Hier aber auf Erden hat er nichts zu thun, hier muß ein Jeder selbst Zuschen, und sorgen wie er bestehe. So lautet des Unglaubens Sprache jetzt, womit noch immer bestehen kann, daß man, um doch auf alle Falle gedeckt zu seyn, zuweilen, wenn's Einem eben beliebt und nicht gerade Vergnügen oder Arbeiten anders wohin rufen, sich dann und wann einmal

im Gotteshause einfindet. Da meyne n denn Manche wohl, als wenn sie Gott damit sehr große Ehre erwiesen, wobey sie aber vergessen, was einst der Herr zu seinem Volke Israel sprach, und heute auch noch zu solchen Menschen spricht: „Dies Volk nahet sich zu mir mie demNIunde, und ehret mich mit seinen Lippen; aber ihr Herz ist fern von mir, und vergeblich dimen sie mir" (Jes. 29, IS.). — Ihr Herz ist fern von mir! Hört da, Geliebte! die schwere Beschuldigung, die ganz besonders auch unsere heutige Unglaubigen, die von dem Herrn gewichene, und von dem Wort des Herrn entfremdete, ja es verwerfende Christenmenge trifft. Darum ist auch jetzt zur Thorheit geworden, was David spricht im Psalm (Ps. s7,6.): Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf Ihn, lLr wird's wohl machen." Das glaubte man vor etwa 6« und mehrern Iahren noch. Ietzt hört man aber Iung und Alt aus einem andern Tone sprechen. Ia, heißt es, da kann ich lange warten. Gott kommt nicht vom Himmel herab und giebt mir Brod oder Geld, und was ich sonst noch brauche. Da muß ich selbst zusehen und meinen Verstand gebrauchen, — und damit wird nun jede Sünde, sofee n man nur dadurch seinen Zweck erreichen zu können meynt, als etwas gar nicht Strafbares, ja unbedenklich Erlaubtes, wohl selbst von der Vernunft Gebotenes angesehen, und da soll's denn nur Schwachheit oder altvaterischer Aberglaube seyn, vor Diebstahl und Betrug, vor Uebervortheilung und Untreue sich zu fürchten. Ia Hurerey und alle Unreinigkeit soll auch nicht mehr für Sünde gelten.

Hauspostille z. Bd. F Was WaS will man machen? Man muß sich helfen wie man kann, und glückt es denn, auf diese Art sich in den Ehestand zu bringen; so darf Man selbst sich seiner Klugheit rühmen, und Trotz sey dem geboten, der noch darüber reden, ein so gar feines Stück der Klugheit einem zur Sünde machen, und mit dem übellautenden Namen der Hurerey belegen will. Auf solche Art wird nun die Sünde überhaupt und jegliche Übertretung eines göttlichen Gebots, für pure Kleinigkeit geachtet, wovor man um so weniger sich fürchtet, da der jetzt geltende Unglaube nun auch die schöne Lehre aufgebracht hat, daß Gott, vor lauter Barmherzigkeit, nicht zürne n und strafen könne, und endlich alles zusammen, Huren und Buben nicht ausgeschlossen, in seinen Himmel nehme und mit der ewigen Freude, ja einer himmlischen Krone belohne. Und wenn nun Mancher ist, dem das doch allzu gewagt vorkommt; nun wohl! der weiß sich noch auf andere Art zu trösten. Er geht noch einen Schritt weiter und überredet sich, es sey nicht anders mit dem Menschen wie mit dem Vieh. Beide müßten sterben, und dann sey alles vorbey. — Wenn nun, bey solchem Unglauben, noch hie und da ein Zeuge der Wahrheit seine Stimme vernehmen laßt und nach der alten Weise, d. h., nach Gottes Wort den Leuten guten Rath zu ihrem Frieden hier und ihrem einstigen ewigen Heile giebt, wenn er das Evangelium von Christo in seiner Lauterkeit und Lieblichkeit verkündigt, daß er die armen zerrütteten Seelen zu Christo locke, damit sie „trinken mögen von dem lebendigen Wasser umsonst;" — da weiß man

wohl.

« السابقةمتابعة »