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wohl, wie sich alsbald die Lästerstimmen erheben, und wie kein Bube in der Gemeinde so roh und unwissend ist, der sich nicht dünken ließe, das alles viel besser zu wissen. — Was da nun aber herauskomme, das liegt ja wohl am Tage. Ein jeder dünkt sich klug und tüchtig genug, sich selbst zu helfen, und das Wort Gottes und den Dienst der Kirche, so wie des Lehrers Unterweisung, Warnung und Ermahnung braucht man nun nicht mehr. Und nun geht alles durch einander; denn um sich selbst zu helfen, wird jedes Band zerrissen, jede Pflicht verletzt und göttlicher und menschlicher Ordnung Hohn gesprochen. Die Obern brauchen ihre Gewalt, die Untergebenen zu bedrücken, und diese berücken dann die Obern' wieder, so wie ihnen irgend dazu die Gelegenheit kommt. Da ist nun mit der Furcht des Herrn auch alle Treue in den verschiedenen menschlichen Verbindungen entschwunden. Im Lande entsteht Verwirrung, da Iever nur auf das Seine sieht, im Hauswesen ist Zwiespalt unter den Eheleuten, wie zwischen Eltern und Kindern und zwischen Herrschaften und Gesinde. Alles ist wider einander und kein Zusammenhalten mehr, indem ein Ieglicher denkt: ich bin mir selbst der Nachste — ich muß mir helfen, wie ich kann — und wissen was mir gut ist, was soll ich mich von Andern gängeln lassen? — Nun sind denn alle Zügel göttlicher und menschlicher Ordnung abgestreift, und der Damm, der fonst die Ausbrüche wilder Lust in Schranken hielt, ist nun durchbrochen, daß unaufhaltsam jetzt die Sünde, in jeglicher Gestalt, in alle Lebensverhaltnisse eindringt und alles zu überfluthen droht. 'Man betrachte

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doch auch nur, wie man jetzt, nicht wie sonst, versteckt, und immer noch mit einer gewissen Scheu, nein, frech und ungescheut, als ware noch ein Ruhm dabey, gewisse Sünden kecklich übt, man sehe, wie das junge Geschlecht schon früh durch Aergernisse, die leider! oft genug die eigenen Eltern geben, die aber auch der armen Iugend, wohin sie blicken mag, begegnen, schon früh zum Sünden- und Lasterdienste angeführt und so dem Teufel geopfert wird. Nun frage ich doch, wo soll das endlich hinaus? — Nach allem, was das Wort Gottes lehrt, und die Geschichte aller Zeit bestätigt, nach allem, was schon jetzt, für den, der Augen hat, sich spüren laßt, gehts einer großen Umkehrung entgegen, und so dürfte denn wohl, was Gott durch den Propheten zu seinem abgewichenem Volke Israel sagt: „Du bringest dich selbst ins, Unglück, denn dein Heil stehe allein bey mir" (Hos. is, 9.), auch jetzt sich seiner Erfüllung nahen. Und wie viele haben sich schon auf diese Weise ins Unglück gebracht! — Wie viele hat der Unglaube in Schande und Laster gestürzt, die nun, was sie verschuldet haben, mit mannigfacher Noth und oft recht großem Elend theuer bezahlen; und fo die ernste, von ihnen verachtete und verworfene Schriftwahrheit, daß es „Jammer und Herzeleid bringe, den Herrn verachten und Ihn nicht fürchten;" selbst durch ihr Schicksal bestatigen müssen. Und dennoch — so gewaltig halt der Unglaube seine Leute gefesselt — dennoch bringt Viele auch selbst die Noth nicht zum Besinnen. Ja dieses, sonst so kraftige, Mittel, die Schlafenden zu wecken, die Augen ihnen zu

"öffnen öffnen und sie zurück zu Gott zu treiben, es wirkt in unfern Tagen bey Vielen grade entgegengesetzt, und treibt die armen Gezüchtigten nur weiter von Gott ab, und weiter auf dem Wege der Sünde und des Verderbens fort. Hülfe will man ja freilich haben, aber zu dem Herrn mit feiner Noth zu fliehen, und reuevoll sich Ihm zu Füßen zu werfen und feine Gnade zu suchen — was doch der kürzeste und sicherste Weg zur Hülfe wäre — ja, den fo lieblichen Weg zu betreten, auf welchem jene Sünderin zu Iefu Füßen (Luc. 7, ss. ff ), auf welchem jener Schacher am Kreuz (Luc. Ls, «9. ff.) in aller Kürze die völligste Vergebung ihrer Schuld und seligen Herzensfrieden mit Einem Male fanden; — diefen Einen, für unfer Elend fo ganz passenden Weg, den auch der Allerverfunkenste mit Freuden gehen kann, — den will man nicht, verschmaht ihn wohl mit Hohn. Und freilich, wie sollte man ihn auch betreten können; fo lange man in seinem Unglauben bleibt, also beharrlich das Wort des Evangeliums von einem Heiland und Versöhner verwirft, in dessen Blut der Sünder gereinigt wird, und Zugang hat zu einem Vater der Barmherzigkeit! Begreiflich also genug, daß Menschen dieser Art kein Herz zu Gott fassen können, zumal wenn sie den Arm des Allmächtigen schon fühlen. Was thun sie aber nun? Sie sinnen und forgen abermal, wie sie sich selber helfen mögen, rennen in neue Sünden, daß sie der Züchtigung für ihre vorige Sünde entlaufen mögen, werden immer verderbter, immer mehr in die Gewalt der Sünde und des Teufels verstrickt, und wenn die Schlage der göttlichen Hand

F s denn denn harter fallen, wenn sie auf einen Punkt gerathen, da ihnen alle Hoffnung verschwindet, und der Gedanke an eigene Hülfe ihnen nun wohl endlich vergehen muß, was beginnen sie dann? Nun werden sie ja kleinmüthig werden, nun wird's doch mit dem elenden Trotz wider Gott sich legen? nun wird doch das verachtete Wort Gottes wieder Gehör bey ihnen finden, nun werden sie ja, als gedemüthigte Sünder, gern auf die lieblich lokkende Stimme des Sünderheilandes merken, und als verlorene Schaafe sich wieder zu ihrem Hirten kehren? — Ia wohl dem, der da noch zu solchem Entschlusse kommt! Oft aber gehts ganz anders; und gar Viele solcher armen beklagenswerthen Menschen erbittern sich vielmehr gegen Gott, werfen vollens alle Zügel ab, schreiten, nachdem die Umstande kommen, zuMord und Todtschlag fort, oder machen es dem Saul und Judas nach, legen Hand an sich selbst und stürzen sich, vor der Zeit, in den Abgrund einer unseligen Ewigkeit. — Seht doch, Geliebte! wohin der Unglaube führt, wohin er schon so Manche geführt, die es nicht dachten, und gewiß sind die in unfern Tagen so häufigen Beyspiele von Selbstentleibung eine starke Warnungsstimme, und ein kraftiges Zeugniß wider den herrschenden Unglauben, der jetzt vielmehr als alle andere Feinde, des Landes Wohlfahrt und den zeitlichen Frieden des Lebens gefahrdet. Dieser Feind ist es, der schlechte Zeit im Lande und in den Häusern macht, der alles Unglück über die Lander, über die Völker, über die Haushaltungen und über die Einzelnen bringt, und Ieden, der in seinen Banden liegt, wo er nicht zeitig erwacht und eenstlich um seine Errettung sorgt, in zeitliches und ewiges Verderben stürzt. Die Vorkost haben wir, und an dem Unglück anderer Lander mögen wir ein Erempel nehmen, wohin es in der Kürze mit uns auch kommen könne. Ach, meine Lieben! wer weiß, was wir in Kurzem erleben werden! Ihr, jungen Leute, die ihr jetzt lacht, ihr könnt bald weinen und heulen müssen. Und was mag deiner, du jetzt noch arglos lebende Iu« gend warten! O möchten wir unsere Augen aufthun und unsere Ohren öffnen, um zu erkennen das Eine, was nur allein uns retten kann. Und wahrlich! endlich wird's ja Zeit dazu; hohe Zeit, daß wir in uns schlagen, die böse Sache des Unglaubens merken, uns wieder zum Worte Gottes kehren, uns unter den Gehorsam des Maubens beugen, und unserm, so lange verleugneten, geschmäheten, verworfenen Bruder auf dem Throne der Majestat im Himmel, unserm himmlischen König, vor dessen Gericht wir alle einmal offenbar werden müssen, als reuevolle Rebellen zu Fuße fallen, daß Er uns gnadig wieder annehmen und mit Gnade und Segen über uns herrschen wolle. Das ist das Eine, was uns noch retten kann. O wäre es zu erwarten, daß unser gesammtes Volk zu diesem allmächtigen Retter, der uns so freundlich Gnade und Vergebung, alle zeitliche Hülse und eine ewige Herrlichkeit Yarbiettt — wäre, sag' ich, es zu erwarten, daß überall, wo dieser Bußtag gefeyert wird, die armen Seelen sich in die ausgebreiteten Arme ihres Heilandes würfen, und unter seinen schirmenden Flügeln Zuflucht suchten; bald — bald sollte das ganze

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