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Worte Gottes, wohl zwischen gut und böse, zwischen Gerechtigkeit und Sünde einen Unterschied zu machen verstehen. Und in der That weiß das auch sicher Ieder von uns, und wenn ich auch den Schwachsten in eurer Versammlung fragen wollte, ob lügen und trügen, stehlen und rauben, huren und ehebrechen, fluchen und schwören, lastern und zanken, neiden und hassen, erlaubt oder unerlaubt, recht oder Sünde sey; so bin ich ganz gewiß, auch selbst der Allerschwachste wird hier nicht lange sich auf die rechte Antwort besinnen dürfen. Freilich aber, wenn nun der Einzelne auf sein Gewissen gefragt werden sollte: Ist's recht, daß du mit Lug und Trug umgehest, daß du zu weit greifest und übervorlheilst deinen Bruder, daß du der Lust deines Fleisches dienest, daß du ein Flucher, Schwörer, Lasterer, Zankerbist" und was dergleichen noch mehr; dann andert sich die Sache, und eben die Leute, die sonst wohl wissen, das oder jenes sey nicht recht, die auch wohl Andere deßhalb richten können, die wollen durchaus nichts davon wissen, daß es bey ihnen Sünde seyn soll, oder wenigstens soll es bey ihnen nur eine geringe und leicht verzeihliche Sünde seyn, die sie daher auch lieber Schwachheit nennen. Daß dies nun aber eine jammerliche Verblendung sey, braucht wohl nicht erst bewiesen zu werden, und so nimmt sie denn auch gleich ein Ende, sobald das schlafende Gewissen erwacht und der Mensch nur zur Besinnung über sich selber kommt. Da lernt er denn ganz anders von sich denken, seine Sünden, die er vorher als wohl verzeihliche Schwachheiten angesehen, erscheinen ihm nunmehr als

strafstrafbarer Frevel wider den Herrn, so daß er, in der Angst seines Herzens, wohl selbst mit David seufzt: ^Meine Sünden gehen über mein Haupt, wie eine schwere Last flnd sie mir zu schwer worden." (Ps. s8, S.) „An dir, an dir, mein Gott! allein Hab ich gesündigt und übel vor dir gerhan!" (Ps. 61, 6.) Ob das nun aber alles schon ganz gut, und jeden Falls ein Zeichen ist, daß solche Seelen bereits aus ihrem Todesschlummer aufgeweckt seyen, so haben sie doch ihre schlimmste Sünde so lange noch nicht erkannt, so lange sie noch nicht über ihren, so lange gehegten, Unglauben seufzen. Das mag man wohl die Sünde aller Sünden, die Mutter aller übrigen, und die schlechthin verdammliche Sünde nennen, obschon die Welt das nimmer verstehen mag. So wird auch nimmermehr ein Mensch sich dieser Sünde mit herzlicher Beugung schuldig geben, es sey denn, daß sie ihn vom heiligen Geiste in ihrer Scheußlichkeit und ihren traurigen, ja schrecklichen Folgen aufgedeckt werde. Wo aber der heilige Geist sein Strafamt übt, da halt er ganz besonders diese Sünde den Menschen vor. Und wo das aufgeweckte Gewissen dem Sünder diefe und jene schandliche That vorwirft, so daß ihm da wohl angst und bange wird; so spricht der heilige Geist im Innersten des Herzens: „das ist noch immer „ nicht das Schlimmste auf deiner Schuldrechnung; aber „daß du die Gnade Gottes vergebens empfangen, daß „du das höchste Geschenk der göttlichen Liebe verachtet, „ja sogar von dir gestoßen hast, daß Iesus Christus, der „deinetwegen den Thron der Herrlichkeit verlassen, und

„deine „deine Sünde, als das Lamm Gottes, auf sich genom„men, ja dir, mit seinem blutigen Martertode am „Kreuz, das Leben erworben hat, daß dieser, dein göttlicher Erbarmer, in welchem dir „Leben und volle „„Genüge", ja eine ewige Herrlichkeit geboten wird, „dir nichts gegolten hat, daß du nach Ihm dich nicht „einmal gesehnt, und eitles Gut, ein wenig Gunst der „Welt, ein wenig eitle Ehre, bey weitem Ihm und sei„ner Freundschaft, ja seiner göttlich zartlichen Liebe und „seiner dir gebotenen ewigen Gemeinschaft vorgezogen „hast; darüber, armer Sünder! darüber solltest du ja „bey weitem mehr, als über alle deine andern Sünden „trauern. So hat dir diese Sünde auch, die Haupt„sünde, die ein Christ begehen kann, die große Sünde, „die allein in der Christenheit, nicht aber im Heidentum begangen wird, auch schon den allergrößten Schaden gethan; denn daher kommt's, daß dich der Satan „geblendet und von einer Sünde zur andern fortgerissen „hat; daher kommt's, daß du noch ohne Trost und ohne „ den Frieden Gottes lebst, gleich einem irrenden Schaaf, „das in der Wüste vergebens hier und dahin lauft, und „nirgends findet, was sein Bedürfniß stille. Kurz, „liebe Seele! wenn du dein größtes Elend, deinen böse„sten Schaden wissen willst — es ist dein Kaltsinn gegen „ de n Herrn, der dich geliebt hat bis zum Tode, ja zum „Tode am Kreuz, es ist die Widrigkeit, die du in dei„nem Innern gegen Ihn und gegen sein Evangelium ge„hegt, es ist — mit Einem Worte — der schändliche, „Gott verhaßte, Unglaube, in welchem du bisher dein

„Le„Leben hingebracht hast/' Wer nun darüber erst herzlich trauern, und deßhalb sich von Herzen beugen kann, der hat es nicht von Fleisch und Blut; sondern es ist der heilige Geist, der so sein Werk an ihm begonnen, und da ist er schon auf gutem Wege und darf versichert seyn, es sey der Herr ihm nahe, ja Er stehe schon vor seiner Thür und klopft an (Offenb. 3, 2«.). Er möge denn nur, mit herzlichem Sehnen nach einem festen fröhlichen Glauben, seufzen wie da geschrieben steht (Marc.9,24.): „Ich glaube, lieber Herr! hilf meinem Unglauben!". Und bald wird's ihm gegeben werden, durch den heiligen Geist, daß er an Den, den er nicht stehet, sich halten könne, als sehe er Ihn. (Hebr. 11, 27.) — Das sey denn nun ein Wort, insonderheit für die,, die da, um ihrer begangenen Sünden und ihrer empfundenen Herzensverderbtheit willen, furchten, es fey ihr Zustand allzuböse, lasse nun keine Hoffnung weiter zu, und müßten sie demnach schon bleiben wie sie sind. — O da sey Gott für, meine Lieben! Nein , Nein! So wahr Gott will, daß allen Sündern soll geholfen werden, so wahr Er seinen heiligen Geist verleihet Ieglichem, wer Ihn nur darum bitten mag; so wahr der heilige Geist bereits sein Werk an euch begonnen hat, indem Er euch die Sünde aller Sünden ausgedeckt, und euch darüber in eurem Herzen bekümmert gemacht hat, so wahr will Er auch weiter in euch wirken, was ihr nicht könnt, namlich: daß ihr den Unglauben überwindet, und in fröhlichem Glauben sprechen lernt: „ImHerrn Hab' ich Gerechtigkeit und Starke" ( Jes. 46,24.).

Ehe es nun aber dahin mit dem Menschen kommt, pflegt er auch wohl auf einen andern Irrweg zu gerathen, und dieses wiederum daher, weil ihm die rechte Erkenntniß, wie vom Gesetz, so von der Sünde mangelt. Da denkt denn Mancher: „Was soll ich mich bekehren? Ich bin kein Dieb, kein Mörder, kein Hurer und Ehebrecher, keinSabbathsschänder, kein Flucher und Lasterer und was dergleichen mehr. In meinem ganzen Leben hab' ich mich rechtschaffen gehalten, und Niemand soll mir etwas nachreden können." — . So, meine Lieben! war auch des Pharisaers Sinn, der in dem Tempel betete — wohl gemerkt! bey sich selbst, denn laut wollt' er's nicht werden lassen: — „Ich danke dir Gott, daß ich nicht bin, wie andre Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher u. s. w." Wir wissen nun aber, aus Iesu Munde selbst, wie schlecht die Sache mit diesem Manne stand, und wie er in dem klaglichsten Selbstbetruge befangenwar, wenn er sich schmeichelte, in Gottes Augen hoch über dem armen, schuldbeladenen, doch dabey herzlich demüthigen Zöllner zu stehen. Wenn sonach aber wohl Niemand unter uns es wagen dürfte, des Pharisäers Vertrauen auf seine eigene Gerechtigkeit zu joben; so haben wir doch alle Ursach, uns zu prüfen, ob nicht gleichwohl der Pharisäersinn in unserm eignen Herzen sey, wo er denn nicht leicht anders weicht, als bis der heilige Geist uns um die rechte Sünde — nämlich den Unglauben — straft, der Iesum Christum nicht so gar nöthig zu haben meynt, daß Er ihm alles in allem seyn müßte. Dieser Unglaube aber ist in dem pharisäisch ge

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