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sinnten Herzen ein so gewaltiger Feind, daß alle menschliche Bekampfung desselben nichts wider ihn ausrichten kann. Der heilige Geist allein vermag ihn zu besiegen und aus dem Herzen zu verbannen; aber freilich, wo Er dies große Gnadenwerk an solchem stolzen Herzen beginnt, da geht es nicht ohne harte Stöße ab. Du bist — heißt's dann im Herzen — mit aller deiner gepriesenen Rechtschaffenheit, doch vor Gott weiter nichts, als ein verlorner Sünder, und wenn du nicht mit den versunkensten Sündern, Dieben und Mördern, Hurern und Ehebrechern, auf einem und demselben Wege, die Gnade Gottes in Iesu Christo, mit reuevoller Beugung suchst; so bist du auf geradem Wege verloren zu gehen, und alles Lob, das du vor Menschen hast, wird dich nicht retten können; denn „Menschen sehen, was vor Augen ist, der Herr aber siehec das Herz an" (iSam. 16, 7.); und „seine Augen sehen nach dem Glauben" (Jer. 6, s.). So spricht auch der Apostel: „Wer niche mir Werken umgeher, glaubet aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit." (Röm. 4,6.) Wo nUn der heilige Geist dies in dem Herzen kraftig und lebendig macht; da muß wohl die Verblendung der Eigenliebe schwinden, mit ihr aber auch der falsche Friede, der da den Menschen bisher zu seinem Verderben betrogen hat. Nun erkennt der arme Betrogene, daß es die lautere Wahrheit sey, wenn der Prophet uns sagt (Jes.64,6.): „Unsere Gerechtigkeit ist wie ein unflächig Rleid," nun gehen ihm, wie einst den ersten Eltern, nach ihrem Falle, die Augen auf, daß er sich nacket sehen muß; nun befallt ihn Schaam über seine Blöße, ach! und ein Schrecken über sich selbst, daß er so stehen muß vor dem Heiligen und Gerechten, der „Augen har, wie Feuerflammen," die das Verborgenste schauen, ja „Herzen und Nieren prüfen/' (Ps. 7,10.) Auf solche Art nun geht es zu, wenn irgend wo ein stolzer Pharisäer demüthig wird, und als , ein armer Sünder auch nach dem Heiland fragen, und um die Gnade, an Ihn, als seinen Heiland und Versöhner, glauben zu können, beten lernt. Die Welt kann das nicht fassen, und richtet dergleichen Menschen, dergleichen gedemüthigte Pharisaer, nach ihrer Weise, als waren sie verführt, oder auch wohl melancholisch geworden. Das darf uns aber nicht Wunder nehmen, da uns der Heiland sagt, es kenne die Welt Hen heiligen Geist so wenig als sein Werk, das Er in einem menschlichen Herzen thue, ja sie können Ihn (den heiligen Geist) auch nicht empfahen (Joh.i4, i?.). Wie will sie denn also des Geistes Wirkungen richten und beurtheilen können? — Aber selig du, mein Lieber! der du aus deiner stolzen Sicherheit durch dieBestrafung des heiligen Geistes erweckt worden bist, daher den Unglauben, als deine wahrhaft verdammliche Sünde, beklagest , und nach dem Glauben dich sehnest, der dich allem vor Gott gerecht machen kann. Du sollst ja wahrlich dich freuen, daß du die Gnade hast, vom heiligen Geist also gestraft und zurecht gebracht zu feyn. Halt' Ihm nur ruhig still! — denn solche Bestrafung ist ja gewiß zu deinem ewigen Heil, und bald wirst du sein - G 2 wei

weiteres Werk an deiner Seele mit Freuden rühmen lernen.

Es ist namlich nun des heiligen Geistes Geschaft, an einem menschlichen Herzen auch weiter

II.

eine Gerechtigkeit zu offenbaren, durchweiche allein der Sünder vor Gorc bestehen kann.

. Das giebt im Evangelio der Heiland durch die Worte zu erkennen, es werde der heilige Geist die Welt strafen „uns die Gerechtigkeit." Dies hat nun einen zwiefachen Sinn; und soll uns zu erkennen geben, wie der heilige Geist, sobald Er sein Geschäft an einer Seele beginnt, gleich

'1.) alles Vertrauen auf eigene Gerechtigkeit zu nichre macht. Wenn demnach ein Mensch sich etwa trö« sten möchte, die oder jene von ihm vollbrachte That sey doch wohl schön vor Gott, da habe er doch wohl seine Sache so gut gemacht, daß Gott ihm das gewiß in Gnaden gedenken, und ihm darüber das Schlechte, das so bey ihm mit untergelaufen fey, nicht mehr als Schuld anrechnen werde; wenn Iemand, fage ich, sich so zu trösten geneigt seyn möchte; so wird's ihm, in dem Licht des heiligen Geistes, offenbar, wie auch das Beste, dessen er sich rühmt, in Gottes Augen doch nichts tauge, darum, weil's ohne Gott, ohne Rücksicht auf fein Wohlgefallen, und folglich nicht aus reiner Liebe zu Ihm geschehen ist. Denn fo wie der verlorne Sohn im Evangelio, gesetzt, er hatte mit dem vaterlichen Gut, das er — ,, —, ^

mit Huren verpraßte, auch Kirchen und Armenhauser gestiftet, doch dessen ungeachtet, so lange er in der Tren- ^ nung von dem Vater blieb, alsein rebellisches Kind betrachtet werde n mußte; so auch der Mensch, so lange er Gott sein Herz entzieht, also noch nicht zu Ihm zurückgekehrt ist, und die ihm dargebotene, in Christo dargebotene Gnade zu seiner Wiederannahme bey Gott noch nicht hat suchen und annehmen mögen. Mag er da noch fo ehrbar leben, ja selbst durch hochgepriesene Thaten, die vielleicht einer großen Menge zum Segen sind, sich allgemeine Bewunderung, ja Gunst und Liebe erwerben; vor Gott tragt er doch immer noch die Schuld eines abgewichenen, vom Vater böslich abgefallenen Kindes. Und da sieht denn nun Gott das sogenannte Gute, womit ein solcher Mensch der Leute Augen blendet, grade also an, wie Er einst Kains Opfer ansahe. —, Aber freilich, ob dies auch solchem Menschen tausend Mal gesagt und nach dem Worte Gottes vorgehalten werde, er wird es Hoch nicht glauben, wie man denn auch, von Anfang an, erfahren hat, daß eben darum das Wort von Iefu Christo , von seiner Erlösung, und der von Ihm erworbenen Gerechtigkeit und Gnade, so heftigen Widerspruch gefunden und so viel Streit und Unruhe angerichtet hat, weil's alle Gerechtigkeit der Welt als falsche Münze verwirft, womit man Menschen zwar, doch nimmer Gott betrügen könne. Gegen solche Lehre wehrt sich denn nun der stolze Mensch mit aller Macht. Cr will durchaus gerechte und gute Sache bey Gott haben , ja obenein noch Lob verdienen; und darum muß es freilich ihn empören,

G 5 daß daß er mit Zöllnern und Huren auf einem und demselben Wege die Gnade Gottes suchen soll. Nur Gottes Geist kann solchen Eigendünkel und solche Verblendung des sich selbst erhebenden Herzens überwinden, nur Cr kann, wenn Er kommt, die falsche Gerechtigkeit zu strafen, und so den stolzen Sinn des Herzens zu brechen, den Menschen von seiner eingebildeten Höhe herunterziehen und ihn so kleinlaut machen, daß er nun auch, wie jenerZöllner (Luc. is, 9.ff.), im Schmerze bittererReue, an seine Brust schlagen lernt und seufzen: „Gort sty mir Sünder gnädig.'"— Und dann, meine Lieben! ist wiederum der heilige Geist geschaftig, den so von aller eigenen Gerechtigkeit entkleideten Menschen

s.) diejenige Gerechtigkeit zu offenbaren, in welcher er allein vor Gott bestehen und Ihm gefallen kann. Das ist denn die Gerechtigkeit, die nicht aus dem Gesetze (das ja kein Mensch auf Erden gehalten zu haben sich rühmen darf) sondern aus dem Glauben kommt, eine Gerechtigkeit, die der Mensch nimmer sich selbst erwerben kann, die er aber, als ein Geschenk der Gnade, im Glauben annehmen soll> weil sie ihm langst schon der Sohn Gottes mit seinem blutigen Tode erworben, und durch seinen Hingang zu dem Vater, so wie durch seine Fürbitte, als unser ewiger Hoherpriester, aufs stärkste versichert und bekraftigt hat; so daß nun alle, die an Ihn glauben, — d. i. die der von Ihm erworbenen und um seinetwillen aus Gnaden geschenkten Gerechtigkeit vertrauen, nicht sollen verloren gehen; sondern, als von Gott Begnadigte und gerecht Gesprochene, um Christi

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