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I. Abhandlungen.

Vergleichung des griechischen und sanskritischen
accentuationssystems.

Die accentuation ist der veränderlichste theil des sprachlichen organismus, wie man daraus ersieht, dafs manche sprachen mit ihren engsten stammgenossen hinsichtlich des accentuationsprincips sich entzweit haben, während auch andererseits manche unverwandte sprachen in ihrem accentuationssystem sich begegnen. Es ist schon anderwärts darauf aufmerksam gemacht worden, dass das lateinische und arabische in ihrem betonungsprincip in vollkommenem einklang mit einander stehen, indem sie beide die oxytonirung vermeiden und bei drei- oder mehrsilbigen wörtern den ton auf die drittletzte silbe legen, im fall nicht die vorletzte von natur oder durch position lang ist, daher im arabischen zwar kátala er tödtete, kátalù sie tödteten, aber nicht kátalta, kátaltum, sondern katálta du tödtetest, katáltum ihr tödtetet; ein gegensatz, der in ursache und wirkung genau zu demjenigen stimmt, wodurch im lateinischen z. b. scripsísti, scripsístis sich von scrípsimus unterscheiden. Bei zweisilbigen wörtern sinkt in den beiden sprachen der ton von der 1sten zur 2ten silbe herab, wenn beim wachsthum des wortes durch flexion eine lange silbe als penultima erscheint. Also wie im lateinischen z. b. cólor zu colores sich verhält, so im arabischen z. b. áhlun

III. 1.

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(volk) zu ahluna. Um nun auch ein beispiel anzuführen von zwei sprachen, welche, obwohl im engsten verwandtschaftsverhältnisse zu einander stehend, doch in ihrem accentuationssystem wesentlich von einander abweichen, so erwähne ich zwei glieder des slawischen sprachkreises, das böhmische und russische. Ersteres betont immer die erste silbe, während letzteres in übereinstimmung mit dem skr. den ton auf jeder silbe des wortes haben kann. Ganz specielle Begegnungen mit dem sanskrit, die durchaus nicht als zufällig angesehen werden könnten, sind jedoch im russischen betonungssystem schwer nachzuweisen; dagegen zeigt das griechische, abgesehen davon, dass es nicht vermag bei wörtern von mehr als drei silben den ton auf einer, der drittletzten vorangehenden silbe zu tragen, und dafs eine lange endsilbe den ton in ihre nähe zieht, die überraschendsten begegnungen mit dem sanskrit in allen theilen der grammatik, namentlich in der declination, in der conjugation, und ganz besonders in der wortbildung.

Die einsilbigen stämme zeigen in beiden sprachen, die uns hier beschäftigen, ein eigenthümliches verfahren darin, dafs sie mit verhältnifsmässig wenigen ausnahmen in den meisten casus den ton auf die endung herabsinken lassen, während eine kleine anzahl gleichsam privilegirter, im range den übrigen voranstehender casus den ton auf der stammsilbe behauptet. Ich habe diese casus in meiner sanskritgrammatik, in lautlicher beziehung, die starken, die übrigen aber die schwachen genannt, denn es macht sich im sanskrit der unterschied der beiden casusreihen nicht blofs in der accentuation, sondern auch in der form bemerklich, indem bei gewissen unregelmässigen wörtern und ganzen wortklassen die stark genannten casus in ihrem stamme lautreicher sind als die schwachen, nur dafs hinsichtlich der form der acc. plur. zu den schwachen casus gehört, während er in betreff der accentuation in der regel den starken sich anschliefst.

Stark sind hinsichtlich der accentuation in den beiden sprachen der nomin., accus. und vocativ der 3 zahlen.

Man vergleiche nun das skr. nâús fem. schiff mit dem entsprechenden wort des griech., nach dorischer form und mit berücksichtigung, dafs der griech. dativ auf den skr. locativ sich stützt.

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Zu den ausnahmen hinsichtlich der accentuation der einsilbigen wörter gehört im sanskrit unter andern çvan (aus kvan) hund, obwohl es in den schwächsten casus, d. h. in denjenigen schwachen casus, deren endung vocalisch anfängt, sein thema zu çun zusammenzieht, woran das griech. zvv sich anreiht, welches in seiner accentuation der grofsen mehrheit der einsilbigen wörter folgt, so dafs z. b. zuvós, zvvwv dem skr. çúnas, çúnâm gegenüberstehen.

Der vocativ zieht im sanskrit bei allen wortklassen in den drei zahlen den ton auf die erste silbe zurück, im fall er nicht von haus aus auf derselben steht. Das griechische hat noch einige überreste dieser betonungsart und stellt namentlich nárɛo, úyatɛo dem skr. pítar vater, dúhitar tochter gegenüber. Die nominative lauten im sanskrit pitã, duhita und die accusative pitáram, duhitáram. Bei zusammengesetzten wörtern kann oder mufs man im griech. vocativ die zurückziehung des accents dem umstande zuschreiben, dass die composita in der regel die möglichst weite zurückschiebung des tons verlangen, so dafs also z. b. 4

μητερ nur darum von Δημήτηρ abweicht, weil in letzterem die dem wortstamme zukommende betonung wegen der verlängerten endsilbe verschoben ist. Der umstand, dafs das thema von Δημήτης (Δήμητερ) ein proparoxytonon ist, ist auch die ursache, dafs bei unterdrückung des vocals der endsilbe der ton nicht auf die casusendung herabsinkt, sondern, im verhältnifs zum nominativ, zurücktritt (Anunroos). Das sanskrit läfst den ton in den fällen, wo oxytonirte wortstämme den vocal der endsilbe vor vocalisch anfangenden endungen unterdrücken, in übereinstimmung mit dem griechischen den ton auf die casusendung herabsinken, daher kommt z. b. vom stamme pitár der dativ pitr-e', wie im griech. πατρί vom stamme πατέρ. Die nominative μήτης und vɣárno werden wohl ursprünglich, wie ihre sanskritischen schwesterformen mâta, duhita, oxytona gewesen sein, denn dafs ihr thema den ton auf der endsilbe hat, sieht man unter andern aus den zum skr. mâtáram, duhitáram stimmenden accusativen μητέρα, θυγατέρα und aus den pluralnominativen μητέρες, θυγατέρες, welche den skr. mâtáras, duhitáras entsprechen.

Wir wenden uns zu den adjectiven, um darauf aufmerksam zu machen, dafs hier eine sehr auffallende übereinstimmung des griech. und skr. betonungssystems darin sich zeigt, dafs die beiden sprachen in denjenigen steigerungsformen, welche im nom. auf îyân, wv, ishṭha-s, toto-s ausgehen, den ton möglichst weit zurückziehen, also im sanskrit, welches keine accentgrenze kennt und durch eine lange endsilbe nicht gestört wird, immer auf die erste silbe des wortes. So kommt im sanskr. von svâdú-s süfs der comp. svadîyân, acc. svadîyânsam, und der superlat. svadishtha-s; im gr. von ἡδύ- ς : ἡδίων, ἡδίονα, ἡδιστος. Den grund dieser erscheinung erkennen wir darin, dass den beiden sprachen die betonung des anfangs des wortes für die nachdruckvollste gilt und dafs sie in dem vorliegenden falle die begriffssteigerung auch mit der äussersten accentsteigerung zu verbinden beabsichtigen. Den logischen accent müssen wir den beiden sprachen völlig absprechen, denn

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