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fühl, das die Augen nicht aufzuschlagen wagt und den fremden Blick nicht ertragen kann, und diese gerechte Besorgniß, Furcht vor Gott — sind sie nicht schon höchst unselige Gefühle, gehören sie nicht schon mit zur Erfüllung jener göttlichen Drohung: Ihr werdet des Todes sterben? Mit ihrer Unschuld, mit ihrer ursprünglichen Heiligkeit und Gerechtig, keit verloren die ersten Eltern zugleich ihre Seligkeit, und waren jetzt unheilig und unselig, schmeckten schon den Tod, den die Sünde ihnen bereitet, in den sie selbst sich gestürzt, den des Teufels Neid und List ihnen zugefügt hatte; ganz entgegengesetzt war also der Erfolg der Sünde jener Verheißung, die der Verführer ihnen gegeben hatte. Vergebens suchen sich Adam und Eva der Rechenschaft vor Gott zu entziehen V. 9 — II. Hier offenbart sich nun noch mehr die verderbliche Macht der Sünde über das menschliche Herz, in sich selbst böse, kann sie nur Böses hervorbringen; wie das Samenkorn, so die von ihm erzeugte Pflanze, nicht genug, daß die Sünde den Menschen elend macht, jede sündliche That wird in ihm wiederum Keim zu neuen Vergehungen; so zeigt es sich hier; ich bin nackend, sagt Adam, darum fürchtete ich mich— und sucht durch eine Lüge das begangene Unrecht zu verhüllen; so schnell folgt auf die erste Sünde die zweite, durch Unrecht soll Unrecht verdeckt werden; allein vor Gott, dem Allwissenden, kann die Lüge nichts verbergen, und da Adam sich nicht zum Geständniß seiner Schuld entschließen kann, weil das nur da geschieht, wo man Verzeihung zu finden hofft — so sagt es ihm Gott ins Angesicht, daß er gesündigt habe; ja die unerkannten Sünden stellt Gott ins Licht vor seinem Angesicht. Alle Versuche des Sünders, die Sünde abzuleugnen, aus Unrecht Recht, aus Finsterniß Licht zu machen, mißglücken, das Bewußtsein seines Fehltritts und seiner Strafwürdigkeit bleibt ihm. Adam sprach V. 12: Das Weib, das du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baume, und ich aß; V. 13: Da sprach Gott der Herr zu dem Weibe: Warum hast du das gethan? Das Weib sprach: Die Schlange betrog mich also. Zu quälend ist die Furcht vor der Strafe, zu niederbeugend das Gefühl der Schuld, als daß der Sünder, selbst wenn er den Fehltritt eingestehen muß, nicht doch versuchen sollte, wenigstens die Schuld von sich auf andre abzuwälzen, um nur nicht als strafbar zu erscheinen. Das versuchten denn beide, Adam und sein Weib; statt um Vergebung zu bitten, und bei dem Eingeständniß der Verschuldung und Strafwürdigkeit Erlassung der Strafe nachzusuchen, sucht Adam seine Unschuld zu erweisen, indem er alle Schuld auf die vom Weibe an ihn gerichtete Versuchung schiebt; ohne Reue, sogar mit Trotz sagt er: Das Weib, das Du mir zugesellt hast, gab mir; und so wälzt er, zunächst freilich auf das Weib, eigentlich aber auf Gott, den Heiligen, die Schuld seiner Sünde zurück, und will ihn zum Urheber der Sünde dadurch machen, daß er das Weib ihm gegeben habe. Größerer Frevel kann nicht gedacht werden, als dieser, den heiligen Gott selbst zum Urheber der Sünde zu machen, das ist die rechte Gotteslästerung; dahin ist es mit dem Menschen gekommen, rasch schreitet er fort auf dem Wege der Sünde, immer trotziger wird sein Herz, und immer verschloßner, und immer frecher. Eben so will auch das Weib unschuldig sein, und mißt alle Schuld der Schlange bei. Es folgt jetzt zunächst die Ankündigung der Strafe für den Verführer, und da er unter dem Bilde der Schlange vorgestellt war, so ist dem gemäß auch der Fluch über ihn ausgesprochen in den Worten V. 14: Gott der Herr sprach zu der Schlange: Weil du solches gethan hast, seist du verflucht vor allem Vieh, und vor allen Thieren auf dem Felde; auf deinem Bauch sollst du gehen und Erde essen dein Lebelang. Dann findet sich V. 15. die Verheißung der zukünftigen Gnade an die Menschen, von der weiter unten ausführlich die Rede sein wird, und hierauf V. 16. ff. die weitere Ankündigung der göttlichen Strafe für die begangene Sünde. War Schamgefühl und Furcht vor Gott die nächste traurige Folge der Sünde gewesen, so lernen wir nun die entfernteren Folgen derselben kennen, welche sich über das ganze Leben der ersten Eltern ausbreiten. Ungeachtet der Entschuldigung, auf welche der Herr gar keine Rücksicht nimmt, heißt es zum Weibe V. 16: Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn du schwanger bist, du sollt mit Schmerzen Kinder gebähren, und dein Wille soll deinem Manne unterworfen sein, und er soll dein Herr sein; und zu Adam sprach der Herr V. 17: Dieweil du hast gehorchet der Stimme deines Weibes und gegessen von dem Baume, davon ich dir gebot, und sprach, du sollst nicht davon essen: Verflucht sei der Acker um deinetwillen, mit Kummer sollst du dich darauf nähren, dein Lebelang: V. 18. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und sollst das Kraut auf dem Felde essen: V. 20. Jm Schweiß deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis daß du wieder zur Erde werdest, davon du genommen bist, denn du bist Erde und sollst zur Erde werden. — Allerlei Schmerzen und Krankheiten, Kampf mit der feindseligen Natur, die saure Mühe der anstrengenden Arbeit, endlich die gänzliche Auflösung des irdischen Lebens durch den Tod, das wird in diesen Worten als göttliches Strafgericht über die Sünde bezeichnet. Und damit der Mensch nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baum des Lebens, und esse und lebe ewiglich, — so ließ ihn Gott der Herr aus dem Garten Eden, daß er das Feld bauete, davon er genommen ist; und trieb Adam aus, und lagerte vor den Garten den Cherubim mit einem bloßen hauenden Schwert, zu bewahren den Weg zum Baume des Lebens, V. 22 — 24; so ist Austreibung aus dem Paradiese ebenfalls eine Folge des Sündenfalls. Noch jetzt findet es sich so bei der Sünde und im Bewußtsein des Sünders, er kann nicht anders, er muß alles Schmerzliche, Traurige, Unglückliche, was ihm begegnet, mit der von ihm begangenen Sünde in Verbindung bringen, in dieser sieht er den Grund jener Folgen, in seinen Leiden eine Wirkung seiner Sünde, dadurch werden ihm solche traurige Begebenheiten zu einer Strafe; sie sind es auch wirklich für das schuldbewußte Herz, aber sind wir durch den Glauben an Christum der Erlösung theilhaftig geworden, so sehen wir dann in eben denselben Leiden und Uebeln eine heilsame Zucht des himmlischen Vaters zu unserm Besten. Rückkehr in jenen ursprünglichen Zustand war bei der vorhandenen Gemüthsverfassung der Menschen durchaus unmöglich, ein Cherub wehrte den Eingang in das verlorne Paradies, aber durch die von Christo uns erworbene Erlösung können wir der himmlischen Seligkeit und der seligen Gemeinschaft mit Gott wieder theilhaftig werden, so wir anders Christo durch den Glauben angehören und erneuert werden zu rechtschaffner Gerechtigkeit und Heiligkeit. Ihr werdet des Todes sterben, hatte Gott gesagt, in ein unübersehbares Elend werdet ihr euch stürzen, und das war geschehen; Scham, Furcht, Leiden, Kampf mit der Natur, endlich auch der leibliche Tod, das ist zusammengenommen der Tod, dessen die Menschen starben, daher sagt Paulus Röm. 6, 23: Der Tod ist der Sünden Sold, aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo Iesu unserm Herrn; und Cap. 5, 12. bezeichnet er ebenfalls den Tod als Folge der Sünde, indem es heißt: Der Tod ist durch die Sünde in die Welt gekommen, und ist zu allen Menschen hindurchgedrungen, dieweil sie alle gesündigt haben. Die Sünde selbst, als Abfall von Gott, dem Urquell alles Lebens und aller Seligkeit, ist ein Tod, ist der geistliche Tod, und sündigen heißt daher so viel wie geistlich sterben; alle ihre Folgen zusammengenommen, den leiblichen oder natürlichen Tod mit eingeschlossen, heißen in der heil. Schrift ebenfalls Tod. Es ist durchgängige Lehre der heil. Schrift, daß der Mensch in seinem ursprünglichen Zustande dem natürlichen Tode nicht unterworfen war, und am Beispiele Henochs, den Gott hinwegnahm 1 Mose 5, 24; am Beispiele des Elias, der gen Himmel fuhr, so wie aus dem, was der Apostel Paulus 1 Kor. 15, 51. von denen sagt, welche die Wiederkunft Christi erleben werden, läßt sich ahnen, daß Gott ohne Sündenfall die Menschen aus diesem zeitlichen Leben auf andere Weise als durch den leiblichen Tod in das ewige Leben würde versetzt haben. Wir können uns dies, was die Offenbarung sagt, als möglich denken, es streitet weder mit der göttlichen Allmacht, noch ist es unsrer menschlichen Natur zuwider, und eben deshalb müssen wir desto eher die Belehrung gläubig annehmen, daß der natürliche Tod erst Folge der Sünde und der Zer« rüttung war, die durch sie in die menschliche Natur nach Leib und Seele eindrang. So sehen wir denn in der geschichtlichen Darstellung, welche uns die heil. Schrift von der Thatsache des Sündenfalls macht, jenes Wort des Apostels Jakobus bestätigt, der Cap. 1, 13 — 15. sagt: Niemand sage, wenn er versucht wird, daß er von Gott versucht werde, denn Gott ist nicht ein Versucher zum Bösen (eig., er kann nicht versucht werden), er versucht niemand, sondern ein jeglicher wird versucht, wenn er von seiner eignen Lust gereizet und gelocket wird; darnach wenn die Lust empfangen hat, gebieret sie die Sünde, die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebieret sie den Tod.

Die Sünde des Menschen hatte aber nicht bloß für ihn höchst beklagenswerthe Folgen, sie erstreckten sich auch auf die Natur, die er bewohnte; wenn jene Worte: Dornen und Disteln soll der Acker dir tragen, dies schon dunkel andeuten, so erkennt man diese Wahrheit noch deutlicher aus der Stelle Röm. 8, 19—23. Die Gedanken, welche der Apostel hier vorträgt, sind folgende: Die Creatur, die ganze ver« nunftlose Schöpfung, hat eine, wenn auch ihr selbst unbewußte Sehnsucht nach einem bessern Zustande, der dann einst eintreten wird, wenn die Zeit der vollendeten Erlösung erschienen sein wird, wo alsdann die Kinder Gottes als solche, in ihrer herrlichen Freiheit von allem, was Sünde war, werden offenbar werden. An der Verherrlichung der durch Iesum Christum Erlösten wird die sichtbare Schöpfung eben so Antheil haben, wie der Fall des Menschen einen nachtheiligen Einfluß auf sie hatte, indem die Creatur, nach Gottes Willen der Eitelkeit, einem elenden, nichtigen Zustande unterworfen wurde, jedoch auf Hoffnung, d. h. so, daß auch ihr die Hoffnung geblieben ist, von der Knechtschaft unter dem vergänglichen Wesen wieder frei zu werden. Diese Sehnsucht nach jenem herrlicheren Zustande, wo sich Gottes Kinder vollkommen frei fühlen werden, haben die, in welchen durch den Glauben die Erlösung schon begonnen hat, und welche die Ersilingsgaben des heil. Geistes besitzen, und auch für die übrige Schöpfung (außer dem Menschen) ist die Hoffnung vorhanden, in einen herrlicheren Zustand versetzt zu werden; diese Hoffnung bezeichnet der Apostel als ein ängstliches Harren, als ein Sehnen und Aengstigen der Creatur; und was wir, nach diesen Worten des Apostels, rücksichtlich auf die Natur hoffen dürfen, daß wie die Sünde, so auch die Erlösung des Menschen, wie sein Fall, so auch seine Verherrlichung von Einfluß auf sie sei, das ist dasselbe, was sonst Gottes Wort in der Verheißung eines neuen Himmels und einer neuen Erde, wo Gerechtigkeit wohnt, uns erwarten läßt, Jesaias 65, 17. Ganz anders war der Erfolg der Versuchung, mit welcher der Teufel den ander n Adam, Christus, versuchte, Matth. 4, 1—11.

IV. Die erste Verheißung, Beginn des göttlichen Gnadenreiches.

Nachdem 1 Mose 3,14. Gott dem Verführer das Strafurtheil zum Theil bekannt gemacht hatte, fährt er fort und spricht V. 15: Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen, derselbe soll dir den Kopf zertreten, und wirst ihn in die Ferse stechen. In diesen Worten liegt für den Verführer eine Drohung, für die Verführten eine Verheißung; jener mußte den Zorn Gottes erkennen, diese durften auf seine Gnade rechnen. Von der Zukunft redet diese Verheißung in dunkeln Worten. Ich will Feindschaft setzen, heißt es zum Teufel, zwischen dir und dem Weibe; für den Freund der Menschen hatte der Teufel sich ausgegeben, und so ihr Vertrauen erschlichen, und wie er das Weib gewonnen, und durch sie das ganze menschliche Geschlecht in den Tod der Sünde gestürzt hatte, so soll des Weibes Same, d. h. Einer, der von einem Weibe herkommen, geboren werden soll, Feind des Schlangensamens fein, d. h. der Sünde und des Todes, die darum Schlangensame heißen, weil sie, als des Teufels Werk, von ihm herrühren; und dieser Weibessame soll dem Teufel den Kopf zertreten, ihn völlig besiegen, den Schaden wieder gut machen, den er angerichtet hat, Sünde und Tod völlig aus dem menschlichen Herzen vertilgen, sie wieder heilig und selig machen, sie erlösen; der Teufel aber werde jenen verheißnen Nachkommen des Weibes, jenen Menschensohn, in die Ferse stechen, sich zur Wehre setzen, ihm eine gefährliche, tödtliche Wunde beibringen, aber dessenungeachtet von ihm besiegt werden. Es finden sich demnach in dieser ersten Verheißung von dem zukünftigen Retter alle Stücke beisammen, die späterhin in den wiederholten Weissagungen weiter bestimmt, genauer angedeutet und in helleres Licht gesetzt worden sind; der verheißne Zukünftige, auf dessen Kommen hingewiesen wird, wird hier seiner Person nach als Weibessame, seinem Amte oder Werke nach als der Besieger der Schlange oder des Teufels, und endlich seinem Schicksale nach als ein Leidender, der einen Fersenstich bekommen werde, bezeichnet, und von diesen drei Punkten reden alle späteren Verheißungen, jedoch bald nur von einem, oder von einigen oder allen diesen Merkmalen. Was an dieser Stelle in den Worten: Derselbe wird dir den Kopf zertreten — nur angedeutet ist, findet

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