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der wir den jetzigen, von Gott uns geschenkten Leib behandeln, wird in alle Ewigkeit hinaus von bedeutenden Folgen sein, da es der Gerechtigkeit Gottes gemäß ist, daß die um so herrlicher werden, welche sein Geschenk in Ehren gehalten haben. *

3. Vom jüngsten Gericht. Die Vorstellung von einem allgemeinen Gericht, wo dem Menschen nach seinem Wohl- oder Uebelverhalten durch eine Handlung der höchsten Gerechtigkeit soll vergolten werden, liegt so tief im menschlichen Herzen, daß sie sich auch bei solchen Menschen und Völkern vorfindet, denen das Licht der Offenbarung niemals zu Theil geworden ist, und es hat sich die Erwartung eines solchen Gerichts gewiß aus der richtenden Stimme des Gewissens und aus der Wahrnehmung entwickelt, wie so viele Sünden und Ungerechtigkeiten hier ihren verdienten Lohn eben so wenig finden, wie die sittlichen Vorzüge bei weitem nicht immer mit so lohnenden äußeren Verhältnissen verknüpft sind, wie man wol erwarten sollte. Die Vorstellungen über die Beschaffenheit dieses Gerichts, über die Natur der zu erwartenden Belohnung oder Bestrafung, sind, wie die Erfahrung lehrt, jederzeit und überall von der Stufe der geistigen und sittlichen Ausbildung abhängig gewesen, zu welcher Einzelne oder ganze Völker sich erhoben hatten. Gewisse und zuverlässige Wahrheit, fern von allen unwürdigen Vorstellungen, Gottes würdig und der sittlichen Natur des Menschen gemäß, Wahrheit, die schon in diesem Leben einen beruhigenden, tröstenden, heiligenden und hinwiederum auch einen schreckenden, und erschütternden Einfluß auf Herz und Wandel haben kann, solche kräftige Wahrheit über diesen Gegenstand menschlicher Furcht oder Hoffnung, wie das letzte Gericht ist, gibt allein das Wort Gottes. Ein wesentlicher Unterschied im Glauben der Christen und Nichtchristen über dies Gericht besteht darin, daß die Christen, der Offenbarung zufolge, Iesum Christum, den Stifter des Himmelreichs, der seit seiner Erhöhung alle Angelegenheiten und Schicksale dieses Reiches im Großen und Ganzen, wie eines jeden Genossen desselben im Einzelnen, kraft seiner königlichen Würde und Herrschaft, leitet, auch als den Richter aller Welt ansehen, der Lebendige und Todte richten, und einen gerechten Lohn so« wol seinen Freunden, wie den Feinden seines Reichs zuerkennen und zutheilen wird. Unzählige Stellen der h. Schrift legen Iesu Christo diese richterliche Würde, die mit zu seinem königlichen Amte gehört, bei und versichern, daß ihm alles Gericht übertragen sei Ioh. 5, 22. 27. Apostg. 10, 42. 2 Tim. 4, 1. Es ist für das menschlich« Herz*

besonders trostreich, daß des Menschen Sohn, der Messias, der un« sre Natur besitzt, der versucht worden ist allenthalben gleichwie wir, der aus Erfahrung unsere Gefühle und die Lagen und Verhältnisse dieses Lebens kennt, unser Richter sein wird; gerade hierdurch ist er recht geeignet, Sünder zu richten und Barmherzigkeit zu üben; und wenn wir die Größe seiner sich selbst aufopfernden Liebe bedenken, so muß uns das mit dem kindlichsten Vertrauen zu dem Richter erfüllen, der so sehr unser Freund ist, und der als Gottes Sohn, zugleich auch alle die Eigenschaften besitzt, welche zu einem vollkommen gerechten und barmherzigen Gerichte erforderlich sind. Es wird dieses Gericht, nach der Schrift, ein ganz allgemeines sein, so daß kein Geschöpf dem« selben sich wird entziehen können, und demnach wird es sich über Engel und Menschen erstrecken, 2 Petr. 2, 4. Iudä V. 6. 2 Kor. 5, 10. Matth. 25, 31. Röm. 14, 10. Sffenb. 20, 12. Apostg. 17, 31. Wenn von den Frommen und Gläubigen gesagt wird, daß sie nicht in's Gericht kommen, Ioh. 5, 24. Cap. 3, 18. so ist das nicht so zu verstehen, als ob sie bei dem Gerichte nicht zugegen sein würden, denn sie werden allerdings vor Christi Richterstuhl erscheinen, aber durch ihre Glaubensgemeinschaft mit dem Erlöser sind sie der Bergebung ihrer Sünden und der Gerechtigkeit vor ihm, daß sie sein Wohlgefallen besitzen, so gewiß, daß ihnen das Gericht nicht schrecklich erscheint, denn die völlige Liebe zu Christo hat alle Furcht aus ihrem Herzen vertrieben, und sie getrösten sich in seliger Hoffnung des ver« heißnen Gnadenlohns den sie öffentlich vor aller Welt in diesem Gerichte empfangen werden, Röm. 2, 6. 7. So wie die heiligen Engel, als Diener des Herrn, bei diesem Gerichte thätig sein werden, Matth. 13, 41. 42. so ist auch den Gläubigen eine Theilnahme an diesem Gericht verheißen, daß sie mit Christo die Verdammten richten werden, Matth. 19, 28. 1 Kor. 6, 2. 3. Daß die Seligen eben Selige sind, daß sie sich haben retten lassen, daß sie die in Christo ihnen dargebotne Hülfe angenommen, Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit vor Gott durch ihren Glauben erlangt haben, das ist an und für sich schon ein Verdammungsurtheil für die Verdammten, welchen dieselbe Gnade angeboten, dieselbe Hülfe zugesagt und dieselbe Rettung bereitet war, die sie aber aus eigner Schuld des Unglaubens nicht angenommen haben; der bloße Anblick der Seligen und ihres seligen Schicksals muß und wird also bei den Verdammten das richterliche Urtheil ihres Gewissens hervorrufen, daß ihnen Recht widerfährt, und die Seligen selbst werden auch nicht anders als so richten können, daß der Herr nach Recht und Gerechtigkeit verfahren sei.

Es wird in diesem Gericht jeder nach dem Maaß der Erkenntniß der Wahrheit, wie er sie besaß oder doch, nach der ihm angebotnen Gnade hätte besitzen können und nach seinen Werken, gerichtet werden, wie sie seiner Erkenntniß gemäß oder nicht gemäß waren, Röm. 2, 11. 12. Ioh. 5, 45. Die Christen werden nach dem im Evangelio offenbarten und ihnen bekannt gemachten Worte des^Herrn gerichtet werden Ioh. 12, 48. und in diesem Worte ist Glaube an Iesum Christum als der Weg zur Seligkeit, Unglaube an ihn als Grund der Verdammniß bezeichnet. Es wird also bei diesem Gerichte der Herr nach Glauben fragen und richten, aber nach dem lebendigen Glauben, der in der Liebe thätig wird, so daß auch hier die Werke miteingeschlossen sind; und wenn daher gesagt wird, daß er die Werke mit dem ewigen Leben belohnen werde, so sind das keine andern, als solche, die aus der Quelle des Glaubens entsprungen, offenbare Zeugnisse des verborgnen Glaubens sind; denn diejenigen Menschen, welche die größten, glänzendsten und in die Augen fallendsten Werke thaten, ohne daß sie Früchte und Zeugnisse des Glaubens waren, nennt der Herr Uebelthäter und verurtheilt sie Matth. 7, 22. 23. Das Gleichniß von den anvertrauten Centnern und die Schilderung des jüngsten Gerichts (Matth. 25.) setzen es in's hellste Licht, welche Rücksicht der Herr bei dem Gerichte auf die Werke, auf das ganze Verhalten, auf die Benutzung der verliehenen Gaben und der Gelegenheiten Gutes zu thun und Barmherzigkeit zu üben, nehmen wird, Offenb. 22, 12. 1 Kor. 3, 8. Matth. 16, 27. Aber nicht blos die äußeren Werke, auch die Worte und alles tief in der Seele Verborgne, was nie an den Tag gekommen ist, wird bei diesem Gerichte gerichtet werden Röm. 2, 16. 1 Kor. 4, 5. Pred. Sal. 12, 14. Matth. 12, 36. 37. Deswegen ist es so wichtig, daß wir in unsern Urtheilen nicht lieblos richten Matth. 7, 1. 2. und uns selber vielmehr richten als andere 1 Kor. 11, 31.

Aus dem Gesagten ergibt sich, daß dies letzte, große und allgemeine Gericht, eine Offenbarung der höchsten Gerechtigkeit und Barmherzigkeit des Richters aller Welt sein wird; seine strafende Gerechtigkeit, seinen heiligen Zorn werden diejenigen erfahren, welche seine ihnen angebotne Gnade in der Zeit der Gnade verschmäht, und sich nicht zum Glauben an den Eingebornen Sohn Gottes, den einigen Heiland, haben hinführen lassen. Nach Gerechtigkeit werden sie verdammt, und nach Gerechtigkeit werden die Gläubigen mit dem ewigen Leben belohnt, denn es war der Rathschluß und geoffenbarte Wille Gottes selig zu machen alle, die an Iesum Christum glauben würden; weil sich nun die Gerechten in diese von Gott bestimmte, einzig mögliche Heils« ordnung gefügt haben, so werden sie nach göttlicher Gerechtigkeit selig, und doch auch aus Barmherzigkeit, ohne alles Verdienst, denn hätte die Barmherzigkeit Gottes nicht in dem Himmelreich auf Erden, in der Kirche Jesu Christi, eine allgemeine Heils - und Rettungsanstalt für Sünder gegründet, so wären auch sie verloren gegangen; sie können also ihre Seligkeit nur der göttlichen Barmherzigkeit zuschreiben, obwol der Herr nach,Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zugleich verfährt.

Nach dem Gerichte gehen die Verdammten in die ewige Pein, die Gesegneten des Vaters aber in das ewige Leben, das Schicksal beider ist auf alle Ewigkeit hinaus entschieden, das Reich der Gnade, welches bis daher noch immer gewährt, ist dann vollendet, und es geschieht nun, wovon der Apostel redet 1 Kor. 15, 24 — 28. Am Ende der Gnadeneinrichtung, die Gott durch seinen lieben Sohn gestiftet hat, wenn nun die Zeit vorüber ist, wo Sünder durch die Predigt des Evangelii zum Glauben an Christum und zur Seligkeit mit ihm eingeladen werden; wenn die ganze Verwaltung des Gnadenreichs Christi dergestalt aufhört, daß der Erlöser sein Mittleramt und das Versöhnungswerk an denen allen zu Stande gebracht hat, die seine Hülfe im Glauben anzunehmen bereit waren, und daher derselben auch wirklich theilhaftig geworden sind; wenn es andrerseits auch klar geworden ist, welche in beharrlichem Unglauben seine Gnade verworfen haben; und wenn Jesus Christus endlich durch das jüngste Gericht allen und jedem nach seinen Werken gegeben und somit das letzte Geschäft seines Gnadenreiches vollendet hat: dann wird er das Reich Gott und dem Vater überantworten, dessen Auftrag und Willen er bisher als Prophet, Hoherpriester und König des Gnadenreichs ausgeführt hat. Mit dieser Uebergabe des Reichs ist die Aufhebung aller Herrschaft, aller Obrigkeit und Gewalt verknüpft, deren Bestehen den einen großen Endzweck hatte, die Absichten der Gnade Gottes durch Christum ausführen und befördern zu helfen. Bis zu diesem über alles wichtigen Zeitpunkte währt Christi Macht und die Gewalt, welche ihm der Vater im Himmel und auf Erden gegeben hat; während dieses Gnadenreiches werden ihm alle seine Feinde so unterworfen, daß sie seine Obergewalt und ihre Ohnmacht gegen ihn, wenn auch mit feindseligem Herzen anerkennen müssen, und durch die Auferweckung der Todten besiegt Christus auch den letzten Gegner, den Tod, und führt die Auferstandnen zum vollen Genuß der Seligkeit und Herrlichkeit, die er ihnen erworben hat und nun auch, seiner Verheißung gemäß, mittheilt. Wenn nun durch dies alles Christus auf's Höchste als Herr und König verherrlicht ist, so wird der Sohn selbst unterthan sein dem Vater, der ihm alles unterworfen hat, auf daß Gott sei alles in allem. Es be-
ginnt jetzt das Reich der Herrlichkeit, in welchem der Sohn Gottes
mit dem Vater herrschet von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn daß er ihm das
Reich überantwortet hat, gilt nur von dem Gnadenreich, welches damit
sein Ende erreicht, daß die Verdammten in die ewige Pein gehen und
die Gerechten in's ewige Leben.

Worin die ewige Verdammniß der Unseligen bestehe, lehrt die h.
Schrift unter den schrecklichen Bildern von einem Feuer, das nicht ver«
lischt, von einem Wurm, der nicht stirbt, von der Finsterniß, wo Heu-
len und ZZHnknirschen ist, von quälendem Durst; und es liegt in allen
diesen bildlichen Bezeichnungen die erschütternde Wahrheit, daß die Herzensverfassung und die äußere Lage der Gottlosen in der Hölle ihre'Qua-len gegenseitig erhöhen, so wie hinwiederum die Seelenstimmung der
Gerechten und ihre Umgebungen im Himmel ihre Seligkeit ausmachen
und vermehren. Obwol von dieser zukünftigen und ewigen Seligkeit das
Wort gilt 1 Kor. 2, 9: Das kein Auge gesehen hat, und kein Ohr ge«
'höret hat, und in keines Menschen Herz gekommen ist, das Gott berei-
tet hat denen, die ihn lieben; so lernen wir doch so viel von derselben,
wie zur Beruhigung, Tröstung und Erquickung unsrer Herzen nöthig
ist, Luk. 20, 36. Matth. 5, 3. 1 Ioh. 3, 2. Ioh. 17, 20—L4.
1 Petr. 1, 7 — 9. Joh. 12, 16. Offenb. 7,15 — 17. Diese Hoff-
nung des ewigen Lebens soll den himmlischen Sinn und die Sehnsucht
nach dem Himmel in uns beleben Col. 3, 2 — 4. uns zur Heiligung er-
muntern, und unser Herz von der Liebe zur Welt und ihren Gütern ab-
ziehen, um so mehr da bei diesen letzten großen Begebenheiten die ganze
sichtbare Welt eine wesentliche Umgestaltung erfahren wird 2 Petr. 3,
7. 10—14. Offenb. 21, 1 — 5. Sind nun allen Gläubigen so herr-
liche Verheißungen gegeben, so ist zu wünschen, daß der Segenswunsch
des heiligen Apostels Petrus an allen in Erfüllung gehen möge (2 Brief
3, 18.): Wachset aber in der Gnade und Erkenntniß unseres Herrn
und Heilandes Iesu Christi; demselben sei Ehre nun und zu ewigen
Zeiten. Amen.

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Im Verlage

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