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Schwierig aber ist es schon zu sagen, durch welche Eigenthümlichkeit der lauterzeugenden Bedingung der verschiedene Klang der Töne entstehe: wir sehen hier nur die fernere Ursache, dafs der zuerst schwingende Körper Metall, Holz, eine Saite, Luft ist; worin aber die Verschiedenheit ihrer Wirkung bestehe, wissen wir nicht. Warum klingt Metall anders, als Holz? - Eben so nun, wenn jemand den Laut te spricht: so wissen wir wohl anzugeben, wovon die Höhe oder Tiefe, wovon die Stärke oder Schwäche, weniger wovon der Klang dieses Lautes abhängt; aber ganz und gar nicht, welche Eigenthümlichkeit der Luftschwingung, die sich unserm Gehörwerkzeuge mittheilt, die Seele veranlafst, den Laut te und nicht ka zu bilden. Das hindert aber nicht, die fernere Ursache, nämlich die abweichende Stellung der lauterzeugenden Organe zu prüfen, und davon die verschiedene Wirkung abhängig zu machen. Kann der Laut „nicht seiner Beschaffenheit" (Humboldt) nach, weder als eigenthümliches Seelenerzeugnifs, noch als eigenthümliche materielle Bewegung, sei es unseres Gehörorgans, sei es eines äussern Körpers, beschrieben werden: so kann er doch seiner Erzeugung nach“, wie sie durch die Sprachorgane bewirkt wird, hinlänglich bestimmt werden. Und hierauf ging ja auch von jeher das Bemühen der Grammatiker.

Mit einer gewissen Schnelligkeit regelmässig schwingende Körper erzeugen Töne. So tönen auch die Stimmbänder in der Kehle, wenn sie, mit Hülfe gewisser Muskeln hinlänglich straff gespannt, durch die aus der Lunge geprefste Luft in Erzitterung versetzt werden. Den von ihnen erzeugten Ton nennt man die Stimme. Diese ist das Element des Gesanges (d. h. der Musik, wobei der Mensch der Spieler und das Instrument zugleich ist), aber nicht eigentlich, nicht vorzugsweise das Element der Sprache, obwohl sie sich derselben meist anschliefst und allerdings auch zur Erzeugung einiger Laute nothwendig ist. Die meisten und wesentlichen Sprachlaute, der Kern der Consonanten, sind keine regelmässigen Töne, sondern unregelmäfsige Geräusche, welche in der Mundhöhle durch die ausströmende Luft hervorgebracht werden. Sie entstehen ganz ähnlich wie das Schnalzen, Zischen u. s. w. und aus derselben Ursache, wie das Geräusch beim Oeffnen einer verschlossenen Kapsel, eines Pennals, wenn man den Deckel abzieht, oder beim Herausziehen des Pfropfens aus einer Flasche. Zur Erzeugung der

Consonanten nämlich stemmt man die jedesmal nöthigen Organe gegen einander und verschliefst dadurch die Mundhöhle. In Folge dessen wird die Luft innerhalb der Mundhöhle, indem immer mehr aus der Brust zuströmt und doch keine aus dem Munde entweichen kann, zusammengeprefst, verdichtet; durch das plötzliche Oeffnen der Mundhöhle aber, indem die Stemmung der Organe aufgehoben wird, verdünnt sich die Luft plötzlich. Hierdurch wird die Luft erschüttert und es entsteht ein Geräusch, welches wir als Consonanten wahrnehmen. Während also die Stimme das Tönen der Stimmbänder ist: so sind diese Mundgeräusche Töne der erschütterten Luft. Merkwürdig nun ist, dafs die Seele nicht blofs das Geräusch vernimmt, sondern auch merkt, ob der Mundverschlufs, der ihn verursachte, durch die Lippen, oder durch die Zunge im Hintergrunde, oder durch die Zunge im Vordergrunde des Mundes verursacht war. Denn je nach der veränderten Stelle des Mundverschlusses nimmt sie das Geräusch als p oder t oder k wahr. Woran merkt nun die Seele die Weise des Mundverschlusses, die so mannigfach abgeändert werden kann, dass wir dreifsig und mehr Consonanten unterscheiden, und aufserdem noch die Vocale? Offenbar an der Verschiedenheit der Form der Luftwellen. Wenn die Luft im Munde durch die Lippen gehemmt und dann ausgestofsen wird, so bilden sich anders gestaltete Luftwellen, als wenn sie durch die an den Gaumen gedrückte Zunge eingeschlossen war.

Da diese Mundgeräusche ganz anderer Natur sind, als die Stimme, so können sie auch nicht zugleich mit dieser Statt haben; denn die Stimme erfordert freies Durchströmen des Athems durch den Mundcanal, während die consonantische Articulation denselben verschliefst. Aber wohl kann sich die Stimme den Consonanten vorn und hinten anschliefsen; denn sie kann vor der Bildung und nach der Aufhebung des Verschlusses tönen. So liefert sie den Vocal. Abgeändert wird der Vocal nicht durch den Mundverschluss, aber wohl durch die Form des Mundcanals, den wir bald mehr kurz und weit, bald mehr lang und schmal gestalten können.

Die Articulation ist also die besondere Stellung der Mundhöhle, bei welcher das Geräusch und die Stimme erzeugt wird: durch diese Stellung wird der Weg, den die ausströmende Luft nimmt, abgeändert und damit zugleich die Wellenbewegung der erschütterten Luft. Es scheint sich in der gemeinen Ansicht

etwas Mysteriöses an die Articulation geknüpft zu haben; man sucht etwas ganz Eigenthümliches, Dynamisches dahinter. An sich betrachtet aber, abgesehen von der Bedeutung, ist die durch die Articulation bewirkte Abänderung der Sprachlaute nicht verschieden von dem Unterschiede, den wir wahrnehmen, wenn man die flachen, oder die gehöhlten Hände an einander schlägt, Wahr aber bleibt, dafs die Sprachorgane das vollendetste, kunstvollste Instrument bilden. Jeder Sprachlaut wird eigentlich von einem besondern Instrumente erzeugt. Dafs dieses, d. h. die Form der Mundhöhle, der Ort der Lautbildung, recht scharf begrenzt sei, unterscheidet die Sprachlaute von sonstigen Geräuschen und macht das Wesen der Articulation aus; denn je begrenzter die Mundhöhle, desto bestimmter der Laut. Bei den Geräuschen des Hauchens, Zischens, Lallens u. s. w. ist es mehr der ganze Mund, als ein bestimmter Ort desselben, wo der Ton entsteht; und wir nennen sie darum unarticulirt. Der Unterschied der articulirten Laute gegen die unarticulirten wird besonders in der Sylbe klar; denn bei dieser Aneinanderreihung der articulirten Töne tritt erst recht ihre scharf geschiedene Natur hervor, während die unarticulirten eines so leichten und schnellen Ueberganges zu einander nicht fähig sind. Viele Naturgeräusche scheinen syllabisch, aber nur darum, weil sie keinen bestimmten articulirten Laut darstellen, sondern wirr durch einander rauschen. Unser Ohr, an die Wahrnehmung articulirter Töne gewöhnt, hört aus diesem Gewirre verschiedene Consonanten, wiewohl undeutlich, heraus, welche es in eine syllabische Verbindung bringt. Auch wo wir einen einfachen Consonanten in einem Naturgeräusche zu hören meinen, ist es unser Ohr, welches den unentschiedenen Naturlaut einem Consonanten annähert. Unter den mechanisch erregten Schällen wird man am meisten vocalähnliche Töne, dann auch oft ein dem p ähnliches Geräusch vernehmen; weniger kommen sie dem k, am wenigsten wohl dem t nahe. Darum wird eine Sprechmaschine wohl immer unvollkommen bleiben; Kempelen wenigstens gesteht, dafs er kein bestimmtes tkp mit seiner Maschine habe erzeugen können, sondern nur einen zwischen diesen dreien schwankenden Laut, den der Hörer so deutete, wie er ihn im voraus zu hören erwartete, bald als den einen, bald als den andern.

Nach dieser Darlegung des allgemeinen Wesens der Articulation sehen wir nun durchaus nicht ein, wie wir am Laute

sollten Stoff und Form unterscheiden können. Auch hat Heyse, der Beckers falsche Unterscheidungsweise von Stoff und Form verwirft, aber nach einer vorgenommenen Verbesserung beibehalten will, den Unterschied, wie mir scheint, durchaus nicht aufrecht erhalten können; er verschwindet ihm unter den Händen. Betrachten wir die Mundhöhle als das Sprachinstrument, welches den Hauch zum Tönen bringt, so ist die Articulation den Vorgängen gleichzustellen, durch welche beim Blasinstrument die Röhre verlängert oder verkürzt wird. So mögen wir leicht am Instrument Stoff und Form scheiden; aber am Ton ist weder Stoff, noch Form.

§. 121. Unterschied von tenuis und media.

Rücksichtlich der Einzelheiten sei noch einmal auf Heyse verwiesen. Nur zwei Punkte will ich hier hervorheben. Dafs der Unterschied zwischen b und p auf der Intensität beruht, nimmt auch Heyse an; er bezieht dieselbe auf die stärkere oder gelindere Stemmung der Organe (a. a. O. S. 57 f.), und mit Recht. Wir glauben aber eben darum auch Recht zu haben, wenn wir sie zugleich auf den Hanch beziehen, wodurch wir Heyses und Müllers Ansicht vereinen. Je intensiver sich die Organe gegen einander stemmen, desto intensiver mufs der Stofs des Hauches sein, der sie von einander drängt; und umgekehrt kann sich bei gelinder Stemmung kein starker Hauch bilden. Auf die gelinde Stemmung der Lippen bei b folgt also ein gelinder Hauch, Spiritus lenis; auf die kräftige Stemmung bei p nothwendig ein starker Hauch, der Asper. „Stärkere Explosion" ohne starken Hauch, p mit Sp. lenis, ist nicht möglich. Man halte die Finger vor den Mund, spreche den Lenis und b, den Asper und p, und vergleiche die Stärke des Eindruckes, den der Hauch in diesen Fällen auf die Finger macht.

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Rücksichtlich des von Heyse gegen Müller vorgebrachten Einwandes, dafs bh nicht p, sondern bh giebt, und dafs h auch zu p tritt und ph bildet, bemerken wir, dafs dieser Einwand mindestens unsere hier vorgetragene Auffassung nicht trifft; denn wir sagen nicht bsp. a. p; sondern Lippenarticulation mit sp. a. giebt p, und da nun b schon Lippenarticulation mit sp. len. ist, so sagen wir: bsp. l. sp. a. p, während bsp. a. allerdings bh. Das heifst also, b und p unterscheiden sich nicht durch den vollen sp. a., sondern nur durch so viel Hauch, als der Asper den Lenis übertrifft. Lippenarticu

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lation ist noch kein Laut, sondern nur eine Bedingung zu einem solchen. Tritt als fernere Bedingung der Lenis hinzu, so entsteht b; tritt dagegen der Asper hinzu, so entsteht p. Eben darum ist p wie b ein untheilbarer einfacher Consonant, dessen Dasein vernichtet ist, wenn man ihm den starken Hauch nimmt; bh, ph dagegen kann ich nur als zusammengesetzten Laut oder gar nur als Lautverbindung ansehen.

§. 122. Einfache und zusammengesetzte Laute.

Dies führt uns auf den Unterschied von einfachen und zusammengesetzten Lauten und Lautverbindungen, rücksichtlich dessen ich ebenfalls nicht vollständig mit Heyse übereinstimme. Beginnen wir mit den Vocalen.

Die Diphthonge sind offenbar zusammengesetzte Laute. Es zeigt sich ihr Unterschied von den einfachen Vocalen besonders darin, dafs sie nicht wie diese unendlich forttönen können. Wenn man ai continuirt, so dehnt man blofs das i, nicht das a. Die beiden Elemente des Diphthongs sind also wirklich geschieden: das erste verschwindet, wenn das zweite auftritt. Sie sind aber eng an einander gekettet, und eben darum beide etwas abgeändert: das a nähert sich dem i oder e, das i neigt zur Consonantirung. Eben so in oi, ui, wo o und u zu ö und ü neigen. Diese Umlaute selbst aber ä, ä, ü kann ich nur als durchaus einfache Laute anerkennen. Daraus dafs bei ihrer Hervorbringung die Lippenöffnung wie bei a, o, u, die Gaumenöffnung wie bei i ist, folgt nur, dafs sie Mittellaute zwischen a, o, u und i sind, und zwar dies allerdings in ganz anderer Weise, als auch e ein Mittellaut zwischen a und i ist. Denn e liegt zwischen a und in der Mitte, ohne den einen oder den andern Laut zu berühren, ä aber berührt a und zugleich. In einem Linienbilde könnte die Sache so dargestellt werden:

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weswegen es

Dieser Unterschied zwischen ä und e hindert einerseits nicht, dafs ä ein eben so einfacher Laut ist, wie e auch durchaus klar und unverändert gedehnt werden kann, macht es aber dennoch andererseits rathsam, beide zu scheiden,

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