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was passend durch den Ausdruck Mischlaut für ä, ö, ü geschieht, wenn man dabei an chemische Mischung denkt. Ein Atom Wasser ist einfach und dennoch aus zwei Elementen gemischt: eben so ist es ä. Dagegen ist e nicht gemischt, sondern nur mittlerer Natur.

In alle dem scheint mir kaum eine Schwierigkeit zu liegen. Anders ist es mit den Consonanten. Heyse sieht in dem italiänischen ce, ge, ferner in ps, ts, vs, pf, englischem tw, dw, und in qu (kw) Mischconsonanten, ganz analog den Mischvocalen ä, ö, ü. Dies kann ich nicht billigen und muss überhaupt die Möglichkeit von Mischconsonanten läugnen. In dem Vocal, der sich in dem ganzen Mundcanal bildet, liegt ein doppeltes Element, der Eingang und der Ausgang des Canals: so ist eine Mischung möglich. Der Consonant bildet sich an einem bestimmten Punkte des Mundcanals: und so ist er durchaus einfach und jede Mischung wird unmöglich. Das italiänische ce, ge, also der Palatallaut, ist gar nicht ein so einfacher Laut, wie ä. Machen wir die Probe. Der Palatallaut kann continuirt werden, aber nur ein Element desselben, der nachtönende Zischlaut wird fortgesetzt, der Vorlaut verschwindet, so dafs der Palatal tsch während der Dauer einem einfachen sch gleichkommt. Diese Probe beweist nicht nur negativ, dass der Palatal nicht dem Mischlaut ä entspricht, sondern auch positiv, dafs er ein Doppellaut ist, wie der Diphthong ai. Wir haben also einfache Laute, wie a, k; Mischlaute wie ä, die nur Vocale sind; Doppellaute, wie ai, italiänisches c, und Lautverbindungen wie aï, kj, kt.

§. 123. Der Accent.

Endlich noch ein Wort über den Accent, die Betonung. Man muss dabei gar nicht an Ton denken. Unsere Betonung ist nicht das lateinische accentus, sondern ictus, und ist ein rein rhythmisches Wesen, dasselbe was der Metriker Arsis (oder nach älterm Sprachgebrauche vielmehr Thesis, le frappé) nennt. Der Accent ist also Nachdruck, gröfsere Stärke (nicht Höhe) des Lautes, ein forte, und hat sein Wesen in der rhythmischen Aufeinanderfolge von Sylben, Wörtern, Sätzen.

§. 124. Weitere Aufgabe der Lautlehre.

Die Lautlehre ist nicht auf die Betrachtung der einzelnen Laute beschränkt. Sie bespricht auch den Sylben- und Wortbau, wobei auch der Lautwandel zur Sprache kommt, insofern

er bedeutungslos, rein phonetisch ist. Und endlich gehört auch hierher die Rhythmik der Verse und der Prosa.

Die Sprache als Material, sagten wir, sei Schutt. Eben darum bleibt sie nicht ohne mancherlei Veränderung. Es giebt also einen geschichtlichen Wandel der Laute; und die Lautlehre, die zunächst Mechanik der Laute ist, wird dann auch Geschichte derselben.

Es kann keine Frage sein, dafs die rein phonetische Natur der Sprache auch für die innere Sprachform von höchster Wichtigkeit ist. Der Laut ist ursprünglich von der innern Form geschaffen, aber das Dasein der innern Sprachform hängt eben so sehr vom Laute ab, wie die Seele an den Körper gebunden ist. Der Laut ist mehr, als blofses Instrument; er ist der Leib der innern Form. Nur wenn dieser Leib recht gesund und geschmeidig ist, kann die innere Form sich kräftig entwickeln. Doch zu diesen Betrachtungen ist hier noch nicht der rechte Ort. Sie setzen schon die Verschiedenheiten der Sprachen voraus, wovon wir auf diesem Punkte unserer Entwickelung noch nichts wissen.

Für unsern Zweck genügen die wenigen Andeutungen, die wir oben über den Laut gegeben haben. Es kam nur darauf der Lautlehre ihren Platz in der Grammatik anzuweisen.

b) Innere Sprachform.

Die innere Sprachform umfasst sämmtliche Kategorien der Vorstellung, nach welchen das instinctive Selbstbewusstsein Anschauungen und Begriffe auffafst. Es liegt uns hier an, einige ganz allgemeine Punkte, welche für dieselbe leitend und massgebend werden, zu erörtern.

a) Stoff und Form.

§. 125. Von relativen Begriffen und Gegensätzen überhaupt.

Stoff und Form sind bezügliche Begriffe; d. h. jeder derselben wird nur mit Bezug auf den andern gedacht. Daraus folgt aber nur, dafs derselbe Gegenstand des Denkens oder derselbe Begriff im Verhältnisse zu verschiedenen Begriffen, oder zwar zu demselben Begriffe, aber nach anderer Rücksicht, beziehungsweise bald als Form, bald als Stoff angesehen werden mufs. Diese Verschiedenheiten der Beziehungen oder Rücksichten müssen aber klar geschieden werden, und nur eine trügeri

sche oder blöde Dialektik kann den Unterschied verwischen wollen. Dieselbe Gröfse kann sowohl positiv, als negativ angesehen werden; aber sofern sie als eines von beiden, etwa als negativ angenommen ist, hat sie nothwendig die positive Gröfse sich gegenüber und kann nicht selbst in derselben Beziehung positiv und negativ zugleich sein. Eben so verhält es sich mit Stoff und Form. Die Formbestimmung ändert nie den Stoff; ändert etwas den Stoff: so ist es Bestimmung des Stoffes, nicht der Form. Man darf die Kategorien nicht ungehörig anwenden und mufs wissen, wohin eine jede gehört.

Der Grundsatz der Verschiedenheit entgegengesetzter Begriffe steht a priori so fest, dafs andererseits, wenn man uns eine Einheit derselben vorhält, eine zu Grunde liegende Täuschung nothwendig und a priori vorausgesetzt werden muss. Denn die Gleichheit entgegengesetzter Begriffe ist undenkbar und folglich noch weniger wirklich. Die Einheit des Widerspruches von Positivem und Negativem ist nicht der Grund"; sondern der Grund dieser Einheit ist eine Täuschung.

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Allem Gegensatze mufs wohl eine Einheit zu Grunde liegen; Einheit und Gegensatz sind bezügliche Begriffe, und keiner ist ohne den andern. Insofern aber zwei Begriffe entgegengesetzt sind, sind sie nicht identisch; und insofern sie identisch sind, sind sie nicht entgegengesetzt.

Was der Verstand trennt, mag die Vernunft vereinigen; aber sie darf es nicht vermengen und verwirren. Denn Verstand und Vernunft sind nur dieselbe Intelligenz, die immer nach denselben logischen Gesetzen erkennt, bald scheidend, bald zusammenfassend; und diese eine Intelligenz kann nicht als Vernunft ihrer verständigen Thätigkeit Hohn sprechen.

Dergleichen sich von selbst verstehende Dinge müssen freilich gesagt werden, wenn einmal die bis zum Wahnwitze gesteigerte, sich mit dem Widerspruche gegen den gemeinen Sinn kitzelnde Eitelkeit in die Philosophie und bis in die Logik selbst gedrungen ist; wobei man denn vor allem natürlich auch sich selbst vergifst. Denn wäre die Identität des Widerspruches denkbar, so würde, da der Widerspruch allein das Treibende in der dialektischen Selbstbewegung des sich denkenden Begriffs sein soll, diese ganze Bewegung gar nicht Statt haben, und der Geist ruhig im ersten Widerspruche zwischen Sein und Nichtsein verharren, ohne Bedürfnifs aus ihm herauszutreten und fortzuschrei

ten. Die Dialektik beruht also auf der Anerkennung der Undenkbarkeit des Widerspruchs, und da nun die dialektische Philosophie nichts anderes thut, als Widersprüche aufdecken, ohne ihnen je zu entfliehen, ohne sie je zu lösen, von ihnen im Kreise herumgejagt: so verurtheilt sie sich selbst als die Philosophie des Falschen, welche nur erst Vorbereitung der wahren Philosophie ist.

Da das Gesetz des Widerspruchs unserm Geiste so unverletzlich angehört, so sucht er, so oft er sich in einem Widerspruche befangen sieht, denselben aufzulösen, indem er die ihm zu Grunde liegenden Beziehungen ändert. Diese Aenderung, Verbesserung der Beziehungen wird sich aber nicht immer durch blosse Bearbeitung der Begriffe, durch Spalten und neues Spalten bewirken lassen; sondern es werden neue Thatsachen hinzutreten, und alte Thatsachen von neuem untersucht und in neuen Begriffen erfasst werden müssen.

Wenn wir nun von Laut- und innerer Sprachform reden, also überhaupt die Sprache Form nennen: so müssen wir uns klar zu machen suchen, in welchen Beziehungen hier Stoff und Form auftreten, und wo der Stoff zur innern Sprachform liegt. S. 126. Die Sprache als Form des Gedankens.

Man hat die Sprache Form des Gedankens genannt, insofern sie ihn darstellt; der Gedanke umgekehrt sei der dargestellte Inhalt. Wir können uns, denke ich, dies recht wohl gefallen lassen. Aber wir müssen uns klar vorhalten, was hierin liegt. So gut wie die Sprache Darstellung von Gedanken ist, ist auch die Bühne Darstellung der Welt, das Portrait Darstellung einer Person. So wenig das Portrait die Person selbst, so wenig die Bühne die Welt ist: eben so wenig ist die Sprache der Gedanke; sondern wie die Bühne die Welt bedeutet, eben so bedeutet die Sprache den Gedanken. Wir werden durch die Bühne sogar an einen vollen Gegensatz zwischen Wirklichkeit und Schein erinnert; denn darstellen heifst blofs den Schein erregen. Und wir wissen ja, wie oft leider Worte Gedanken nur darstellen, d. h. den Schein von Gedanken erregen.

Darstellen heifst allerdings ursprünglich eine Sache hinstellén, vor Augen stellen. Niemals aber wird der Gedanke so nackt hingestellt, wie er geboren ist; nie tritt er aus dem Verstecke des Geistes, aus der Stätte seiner Empfängniss hervor. Eben darum bedürfen wir eines Darstellungsmittels, welches die

Person, für welche dargestellt wird, mit dem Gedanken vermittelt, mitten zwischen beide tritt. Dann sagen wir, der Gedanke werde gewissermassen in das Mittel gelegt und in ihm zur Darstellung gebracht. Das Mittel an sich jedoch ist nicht der Gedanke selbst, sondern Zeichen desselben.

So hätten wir denn zwar in der Darstellung einen Stoff und eine Form; aber diese Form, welche das Darstellungsmittel des Stoffes ist, ist gar nicht die Form dieses Stoffes. Die Bühne ist nicht die Form der Welt, das Portrait nicht die Form der Person, die Sprache nicht die Form des Gedankens, sondern Schein. Der Schein besteht eben blofs aus Form; und so ist auch die Sprache blosse Form, bei deren Betrachtung der dargestellte Inhalt nicht eingemischt werden darf.

Wenn das Wort Schein nicht gefällt: so sage man, die Sprache sei die Erscheinung des Gedankens. Wie ein Stern emporsteigt und erscheint, indem er uns seine Strahlen zusendet: so erscheint uns der Gedanke, indem er unserm Ohre in zugesandten Lauten tönt. Es sei! Aber die Strahlen sind nicht der Stern, und die Laute nicht der Gedanke.

Der Inhalt hat nun aber noch an sich seine ihm eingeborene Form, abgesehen von dem Scheine, welcher ihn darstellt; und der Schein hat noch an sich einen Stoff. Um bei unsern

Beispielen zu bleiben, die Welt hat ihre Formen, die mit der Bühne nichts zu thun haben; eben so der Mensch, dessen Portrait gezeigt wird. Die Bühne hat aber auch ihren Stoff: das Brettergerüste und die Schauspieler; und das Portrait hat den seinigen: Leinwand und Farbe. So hat auch der Gedanke seine Formen, die nichts mit seinem sprachlichen Scheine zu thun haben, seine logischen und metaphysischen Formen; und so hat auch die Sprache ihren Stoff. Dieser Stoff ist das Mittel; und wir kennen ja schon das doppelte Mittel der Sprache: den Laut und das instinctive Selbstbewusstsein. Der Laut ist also gewissermafsen die Leinwand, und das instinctive Selbstbewusstsein liefert die Farben und die Zeichnung für die Abbildung des Gedankens durch den Sprechenden.

So sehen wir also auf beiden Seiten, auf Seiten des Scheines sowohl, wie des erscheinenden Inhaltes, Stoff und Form. Wie wir aber vom Bilde sagen, es sei blofs Form, deswegen weil die Form von dem Stoffe, den Farben und der Leinwand, ganz unablösbar ist; und andererseits auch Farbe und Leinwand gar

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