صور الصفحة
PDF
النشر الإلكتروني

als je parle. So wenig also je parle weniger vollkommene und reine Form ist, als j'aime: so wenig würde auch ein mongolisches, tibetisches u. s. w. eg amans mehr Form sein, als ego

amans.

Nicht der Laut, sondern die innere Sprachform ist das Entscheidende; denn sie ist es, die dem Laute seinen Werth, seine Geltung und Bedeutung giebt: der Laut ist blofs Zeichen der innern Sprachform. Der innere Unterschied aber zwischen ego amans und amo besteht darin, dafs uns dort ein Pronomen als Subject neben einem Merkmalsworte, also zwei Stoffwörter ohne formales Element gegeben sind; hier aber, in amo, ein Merkmal, eine Thätigkeit, ausgedrückt durch ein Stoffwort, welches durch seine Form in Beziehung zu einer Person gesetzt ist. Zwischen Pronomen und Personalendung herrscht der Unterschied, dass jenes eine wirkliche Person als ein materiales Wesen bedeutet: ich heifst der hier jetzt sprechende Mensch, du heifst der hier jetzt angeredete Mensch, er, sie, es das jetzt hier besprochene Wesen; sind das nicht lauter Stoffelemente? Im Pronomen wird also ein Stoff*), eine Person angeschaut, und zwar als redende, angeredete oder besprochene unterschieden. Das Pronomen ist ein abstractes Wort, ohne Zweifel. Ist aber Person, Rede, Schönheit, Scharfsinn weniger abstract? Es sind abstracte Stoffe. Das Pronomen hat zum Inhalt die Person und bezeichnet dieselbe nach ihrem dreifach möglichen Bezuge zum Inhalt der Rede. Die Personalendung aber bezeichnet nur diesen Bezug, und nicht die Person, den Stoff selbst. Sie bezeichnet die Beziehung der Thätigkeit auf die Persönlichkeit, oder sie drückt die persönliche Beziehung der Thätigkeit aus.

Für das instinctive Selbstbewusstsein ist jede Thätigkeit an eine Person geknüpft, selbst wenn es diese Person nicht kennt, wie in: es blitzt. Die Persönlichkeit, oder die Verknüpfung der Thätigkeit mit derselben, ist also eine Form, die jeder Thätigkeit, welche als wirklich gedacht wird, nothwendig zukommt; eine Kategorie derselben, so nothwendig wie die Zeit. Und diese Kategorie ist dreifach: erste, zweite und dritte Person.

Liegt in amo, amat ein Subject? Nein! denn es liegt nur die Thätigkeit und ihre Beziehung auf ein Subject vor. Der

*) Sollte es nöthig sein ausdrücklich zu versichern, dafs ich nicht glaube, dafs die Pronomina von Verbalwurzeln abgeleitet sind?

Satz aber ist doch vollständig; denn das fehlende Subject wird. nothwendig hinzugedacht, da die Thätigkeit nur in Bezug auf dasselbe ausgesprochen wird.

Wir fassen uns zusammen. Es sei eine Anschauung gegeben, z. B. die eines laufenden Hundes. Das instinctive Selbstbewusstsein tritt hinzu und erhebt diese Anschauung in das Gebiet der Vorstellung, indem es das Ding von dem Merkmal, der Bewegung, scheidet, also aus der einen Anschauung zwei Vorstellungen bildet, welche aber im Satze wieder vereinigt werden: der Hund läuft. Alle Sprachen stehen insofern auf der Stufe der Vorstellung, dafs sie die einheitliche Anschauung in zwei Wörtern als Zeichen für zwei Vorstellungen auffassen. Hiermit aber ist blofs der Stoff der Vorstellung bezeichnet, wie ihn die Anschauung liefert. Das instinctive Selbstbewusstsein erfafst nun aber nicht blofs die Elemente, welche den Stoff der Anschauung ausmachen, sondern auch die Beziehung dieser Elemente auf einander. Der Hund wird also als Subject bezeichnet und dadurch sogleich nicht absolut, sondern in Bezug auf eine Thätigkeit vorgestellt; umgekehrt wird auch wieder die Thätigkeit nicht absolut, sondern in Bezug auf das Subject als die Person gesetzt. So sind beide Vorstellungen geformt. Aber nicht im Geiste aller Völker hat das instinctive Selbstbewufstsein diese Macht gehabt, sowohl den Stoff der Anschauungen, als auch die Form ihrer Elemente in der Vorstellung zu erfassen; und solche Völker und Sprachen haben wohl Pronomina, aber keine Personalendungen, also keine geformten Verba; in Folge dessen auch keine geformten Substantiva, folglich keine Form.

Man sieht also, dafs die Formen der Sprache, der Wörter, Formen der Vorstellung bezeichnen, dafs diese aber weder logische Beziehungen der Begriffe, noch auch nur reale Beziehungen der Dinge sind, sondern ein eigenthümliches Product des instinctiven Selbstbewusstseins. Es ist eben darum auch gar nicht unumgänglich nöthig, dass reale Beziehungen der Dinge durch Beziehungen der Wörter bezeichnet werden; denn es kommt erst noch darauf an, wie das instinctive Selbstbewusstsein die gegebene Anschauung, z. B. eines A hinter einem B, auffafst: ob es nämlich überhaupt die reale Beziehung von A und B mit in die Vorstellung aufnimmt, und selbst wenn es dies thut, ob es die Beziehung der Dinge als eine Form derselben, oder als

ein drittes Stoffelement der Anschauung vorstellt neben den beiden Dingen, welche zwei andere Stoffelemente der Anschauung sind. So giebt es also Sprachen, welche die Anschauung „A hinter B als drei Stoffelemente darstellen: „A Rücken B“, oder in welcher Ordnung sie nun diese Elemente aufstellen mögen. Solche Sprachen stellen die gegebene Form als Stoff dar, und sind also formlose Sprachen.

§. 129. Die alten und die neuern Formsprachen.

[ocr errors]

Wie sehr sich aber abstracte Wörter den Formelementen nähern, das zeigen die modernen sanskritischen Sprachen. Denn unser deutsches ich liebe", sowie j'aime, I love u. s. w. sind reine Formen, weil bei uns mit der fortschreitend abstractern Ausbildung der Sprache die Pronomina endlich so sehr jeden Stoff ihrer Bedeutung verloren haben, dafs sie recht gut die Personalendungen verstärken oder völlig ersetzen konnten, sobald die Formendungen der Wörter dem instinctiven Selbstbewustsein nicht mehr klar genug waren. Dieses setzte also an die Stelle der abgefallenen oder abgeschliffenen Personalendungen die ausgehöhlten Pronomina. Und so sind denn unsere heutigen Pronomina Formelemente, wenn nicht die hervorgehobene Bedeutung ihnen ihren ursprünglichen materialen Werth zurückgiebt. Ich liebe den Wein" hat kein Subject; „ich liebe das Wasser" hat eins. Vergl. Humboldt Einl. S. 290 (oder CCCVI.).

"

Unsere Präpositionen endlich sind Formwörter, selbst wenn sie ursprünglich Substantive waren; denn sie sind durch Abstraction zu Präpositionen geworden, gerade wie die Pronomina zu Personalzeichen.

Der Unterschied der modernen sanskritischen Sprachen gegen die alten beruht vorzüglich auf dem Ersatz der Formen durch Formwörter. Diese Erscheinung ist längst beachtet und vielfach besprochen worden, vielleicht aber doch noch nicht in ihrem ganzen Umfange gewürdigt. Ich meine nämlich, dass hierher auch diejenigen Fälle zu zählen sind, wo z. B. im Griechischen ein blofser Artikel, ein Pronomen demonstrativum, ein Adjectivum genügt, während wir immer noch ein abstractes Substantivum hinzufügen müssen. Man nehme z. B. den Anfang der Demosthenischen Rede De corona. Dort liest man:.. εὔχομαι... ὅπερ ἐστὶ μάλισθ' ὑπὲρ ὑμῶν... τοῦτο (einen sol

chen Entschlufs) παραστῆσαι τοὺς θεοὺς ὑμῖν, μὴ τὸν ἀντίδικον σύμβουλον ποιήσασθαι περὶ τοῦ (die Weise) πῶς ἀκούειν ὑμᾶς ἐμοῦ δεῖ, σχέτλιον γὰρ ἂν εἴη τοῦτό γε (ein solches Betragen), ἀλλὰ τοὺς νόμους καὶ τὸν ὅρκον, ἐν ᾧ πρὸς ἅπασι τοῖς ἄλλοις δικαίοις (gerechte Anordnungen) καὶ τοῦτο γέγραπται κ. τ. λ. Dieses Beispiel zeigt wohl klar, was ich meine. Das Wort Weise", wofür der Grieche im Obigen seinen einfachen Artikel setzt, ist ja auch schon in andern Fällen bei uns ganz zur Adverbialendung geworden: vorzugsweise, glücklicherweise, natürlicherweise, ganz wie das lateinische mente in den romanischen Sprachen Adverbia bildet. Unser ganzer Geist, verglichen mit dem griechischen, zeigt Mangel an Sinn für Form und Uebung in Abstractionen.

[ocr errors]

Wie also überhaupt die innere Sprachform nicht die Anschauung, wie sie gegeben ist, aufnimmt, sondern nur so viel und gerade das, was das subjective Selbstbewusstsein vorstellt: eben so tritt auch durchaus nicht mehr und nur die Form in die Sprache ein, welche das instinctive Selbstbewusstsein bildet, indem es die Anschauung analysirt und in den Kreis der Vorstellung erhebt. Ferner: ursprüngliche Formsprachen können abstracte Stoffwörter zur Bezeichnung der Form verwenden und erhalten dadurch eine oberflächliche Aehnlichkeit mit formlosen Sprachen. Diese nämlich bezeichnen Formverhältnisse durch wirkliche Stoffwörter, schauen also die Form als Stoff an.

B) Copula.

§. 130. Copula und Aussage überhaupt.

Man versteht jetzt unter Copula gewöhnlich die prädicative Aussage überhaupt. Das scheint mir zu weit und zu eng. Man sollte diese Benennung lediglich auf das Aussagewort sein, ist, beschränken, welches richtig als Formwort aufgefasst worden ist und als völlig gleich mit den Endungen der Verba. Andererseits aber hat man den Begriff der Aussage zu eng gefafst, wenn man sie auf das Prädicat allein beschränkt. Aussage, Synthesis, sehe ich überall, wo eine Form in der Sprache auftritt. Ich nehme also auch eine attributive Aussage und eine objective an, jene in der Flexion des Attributes, diese in der des Objects. Man könnte auch recht wohl von einer attributiven Copula sprechen; diese ist nämlich das Pronomen relativum, welches in vielen Sprachen auch beim einfachen Adjectivum und beim Geni

tiv auftritt.

Die Präposition und Conjunction ist die Copula des objectiven Verhältnisses. Also jedes Satzverhältnifs enthält eine Aussage, und jedes Formwort, welches die Stelle der Flexion vertritt, ist eine Copula. Folglich ist auch unser modernes persönliches Pronomen, da es bloss zur Flexion dient, eine prädicative Copula, so gut wie ist: nur dafs ist neben dem prädicativen Adjectivum, das Pronomen neben dem Verbum steht.

Formwörter beziehen sich allemal auf die beiden Redetheile, welche sie in Beziehung zu einander setzen, zugleich ganz natürlich: das liegt im Begriffe der Beziehung. Die Präposition gehört zum Verbum und zum Object, ist und das persönliche Fürwort zum gedachten Subject und zum Prädicat zugleich. Wird die Aussage durch Flexion ausgedrückt, so liegt sie ebenfalls nicht einseitig in der Flexion des einen Redetheils, sondern beider. Das prädicative Verhältnifs liegt in der Verbalflexion und der Nominativendung; die objective Aussage zugleich in der activen Verbalflexion und dem Object. Ganz consequent führt dies die Sprache nicht durch, besonders nicht im objectiven und attributiven Verhältnisse, welche sich vielfach mischen. Nur in dem wichtigsten Verhältnisse, dem prädicativen, ist die doppelseitige Bezeichnung klar. Jedoch tritt hier der Umstand ein, dass die Nominativendung bald abfällt.

Von hier aus könnte man nun die ganze Grammatik durchgehen. Ich werde aber nur einen Punkt hervorheben, den Infinitiv.

§. 131. Das Verbum und der Infinitiv.

Im Infinitiv nichts weiter als ein Substantivum sehen, ist durchaus falsch. Auf diese Ansicht will ich nicht näher einge-· hen; sondern mich sogleich zu Humboldt wenden. In seinem letzten grofsen Werke hat Humboldt nicht vom Infinitiv gesprochen. Neuerdings ist aber ein Brief von ihm, der vorzüglich den Infinitiv betrifft, veröffentlicht worden in: Aufrecht und Kuhn, Zeitschr. f. vergl. Sprachforschung II, 4. Dieser Brief stammt aus dem Jahre 1826. Alle Schriften Humboldts aber vor dem grofsen Werke können nicht als Darstellung seiner vollen wahren Ansicht gelten; und so dürfte Humboldt leicht, wäre er später auf den Infinitiv zurückgekommen, die Sache vollständiger erfasst haben.

« السابقةمتابعة »