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desherriiche Episkopat sei kein Produkt organisch notwendiger Entwicklung der lutherischen Kirche. — Prof. KaJinis: Zwischen Landeskirche und Landeskirche ist ein grosser Unterschied. Auch die katholische Kirche hat Landeskirche. Auch die preussischen Lutheraner sind eine Landeskirche. Hier verstehen wir darunter die Körper, in welche sich die lutherische Kirche zerlegt hat, in denen die oherste Leitung in den Händen der Fürsten ist. Bekanntlich ist der Summepiskopat nur die kirchenrechtliche Interpretation des Faktums, dass die Episkopalgewalt in die Hände der Fürsten gekommen ist. Aus der Schrift kann er nicht bewiesen werden. Erbliche Kirchcnämler sind ein Unding. In unserer Zeit ist der Summepiskopat eine Monstrosität. Fälschlich begründet man den Summepiskopat auf die UnteiScheidung von Amt und Kirchenreghnent. Das Kirchenregiment ist Amt. — Prof. Thomasius: Allerdings sei zwischen Amt und Kirchenregiment zu scheiden, Das landesherrliche Kir chenregiinent sei nicht Kirchenamt. Dieses sei jure divino, jenes jure humano. Unsre Reformatoren seien zum Sumniepiskopat durch den richtig verstandenen Amlsbegriff gedrangt worden, im Zusammenhange mit der protestantischen Ansicht von der christlichen Obrigkeit. Wenn der Sumraepiskopat auch nicht nolhwendig, so sei er doch gewiss mit dem Wesen und den Grundbegriffen der lutheiischen Kirche vereinbar. — G. J. R. Huschke entgegnet, das landesherrliche Kirchenregiment entspreche nicht den Principien der lutherischen Kirche. Die Conf. Augustana mache einen ganz bestimmten Unterschied zwischen welllicher und kirchlicher Gewalt. Bei der Gründung unserer Kirche hat man auf die Landesherren recurrirt, dass sie Ordnung machten, aber es sei niemals principiell ausgesprochen, auch nicht im Reichsstaatsrechte , dass die Landesherren Episcopi seien: blos das ju» reformandi stehe ihnen zu. Die Kirche, wenn sie das landesherrliche Episkopat aufgebe, werde darum und damit nicht von ihrem Princip abfallen. Daraus, dass das landesherrliche Episkopat providentiell genannt werden müsse, folge nicht, dass man es deshalb beibehalten müsse. Durch die Unterscheidung vou Kirchenamt und Kirchenregiment sei es nicht zu rechtfertigen, dass die Landesherren das Kirchenregiment principiell zu führen habeu, es sei dies blos Nolhstaml. Eine Thäligkeit, welche die Kirche nach Innen bin zu iufluenziren habe , könne nicht vom Leibe der Kirche losgerissen werden. Wer ein Kirchenregimeut führen wolle, müsse, wenigstens an das Bekenntniss der Kirche gebunden sein. Durch das landesherrliche Kirchenregiment sei die Kirche etwas Weltliches, Terrestres geworden. Die Kirche müsse auch ihre Temporalia verwalten, in ihr sei nichts weltlich, was sie habe, das habe eine geistliche Bedeutung und sei durchdrungen von Gottes Wort; das Ziel sei daher gesteckt, dass die Kirche durch ihre eignen Organe, welche vom Bekenntnisse der Kirche getragen und von der Kirche bestellt seien, regiert werde. Es sei nicht gut, mit bestimmten allgemeinen Principien die Sache entscheiden zu wollen, denn es gelte hier eben den Nothstand; man dürfe dabei auch nicht vom blossen Verfassungspuncte ausgehen, denu die Kirche sei nicht auf Verfassung, sondern auf Wort und Sacrament gegründet, sei also keine Verfassungskirche. Wenn Wort und Sacramcnt bedrängt seien, dann sei aber der Nothstand da. — Sup. Münchmeyer erklärt Gewissenshalber, er könne nur zugestehen, dass das landesherrliche Kirchenregiment in der Form, wie es jetzt bestehe, nicht ohne providentielle Zulassung geschehen sei. — Prof. Lindncr/m. verwahrt die Reformatoren gegen den Vorwurf, als hatten sie durch Uebertragung des Kirchenregimenles an die Fürsten einen „Unsinn" begangen; sie hätten es betrachtet als einen Dienst, den die Fürsten kraft ihrer Würde als praeeipua membra der Kirche zu leisten haben, sie hätten also damit keineswegs ein Amt übertragen. Die meiste Opposition gegen das landesfürstliche Kirchenregiment sei aus der Beschuldigung hervorgangen, dass es der Kirche Schaden gemacht. Gegen das Princip der lutherischen Kirche sei das landesherrliche Kirchenregiment eben so wenig, als aus demselben hervorgegangen. — Hr. v. Thadden stellt das Recht des christlichen Hausvaters mit seiner Hausgenieinde in Vergleich mit dem Rechte des Landesvaters in der ganzen Landesgemeinde; der Landesherr sei Hauptpalron im ganzen Laude, — Dem entgegnet Pastor Besser, dass mau nicht Naturordnungen mit geistlichen Ordnungen vermischen dürfe; selbst inif das 4. Gebot zurückgeführt lasse er jenes Gleichniss nicht gelten. — Im Schlussworte giebt Präs. Dr. Petri als Resultat der Besprechungen an, darin sei mini einverstanden, dass das landesherrliche Kirchenregiment aus der Noth hervorgegangen, aber kein der Kirche wesentlich kirchlicher Zustand sei. Auf eine Aenderung dieses Zu stau des sei wohl zu zielen, aber so, dass mau dabei auf Gottes Finger sehe und achte, nicht w illkUhrlich mit Hast und Drängen. Es könne nicht genug gewarnt werden vor dem Fieber des Kirchenniacheus, das in der Luft 1 i c « e.

Hierauf theilt Sup. Pistorius der Couferenz folgende (Beil. 4. u. 5.) Briefe des Pfarrers Eichhorn in 'Baden an Prof. Kahnis und die Couferenz mit.

G. J. B. Husch ke steht ein für die Richtigkeit der Berichte des Pastor Eichhorn. Auch Dr. Harless erkennt Eichhorn's Angahen über den Bekenntnissstand in Baden als richtig an. Past. Besser beantragt, die Conferenz wolle erklären, dass sie. die Kunde von dem Kampfe der in Baden wiedererstandenen lutherischen Kirche mit brüderlicher Theilnahme vernommen, dass sie den von den dort zeugenden Gliedern, namentlich von Eichhorn gelhanen Schritt des gliedlichen Austrittes entschieden billige und in der Hitze des Gefechtes ein „Fahne fort" zurufe. — Dr. Harless will dies darauf beschränkt wissen, den Austritt aus der unirten Kirche Badens für gerechtfertigt zu erklären, und Präs. Dr. Petri verlangt, dass die nachgesuchte Erklärung gegen Staats und Polizei-Kirchenthum abgelehnt werde. — Die Conferenz schliesst sich dem an, gibt einstimmig die Erklärung ab: Dass sie den Austritt aus der Badischen Kirche als durch die Bekenntni sspflicht lutherischer Christen gerechtfertigt anerkenne, und beuftragt den Ausschuss, diese Erklärung an Pfarrer Eichhorn zu befördern.

Auf Antrag des Prof. Kahnis erhebt sich die Versammlung, um dem Dr. Petri für die würdige Führung des Präsidiums ihren Dank auszudrücken.

Dr. Petri dankt in der Schlussrede der Conferenz für ihre Liebe und ihr Vertrauen, und spricht im Namen derselben der Stadt Leipzig, deren Behörden, der Universität, allen lieben Gastfreunden, so wie den Secretären, den innigsten Dank aus, worauf derselbe Nachmittags 4 Uhr mit inbrünstigem Gebete die Conferenz schliesst.

Beilage 1.

lieber Kirchenzucht.

Vortrag auf der Leipziger Conferenz, 28. Aug. 1851,

von
W. F. Besser.

Zu einem brüderlichen Gespräch über K i r c h e n z u c h I Soll ich ein einleitendes Wort reden. Dass dieser Gegenstand

als drittes Conferenzthcraa gewählt worden, beweist, dass dessen durchschlagende Wichtigkeit für die Kirche in unsern Tagen nicht minder auf Anerkenntniss rechnen darf, als die Wichtigkeit der beiden andern uns vorgelegenen, in der That „brennenden" Fragen*); dass aber ein Preussischer Lutheraner zur Beantwortung dieses Gegenstandes aufgefordert ist, wird den Wunsch zum Motive haben, eine Stimme aus derjenigen Provinz unserer Kirche zu vernehmen, welche nach der ihr speciell widerfahrenen gottlichen Führung auf dem Gebiete der Kirchenzucht besonders reichliche Erfahrung zu sammeln hat. In diesem Sinne habe ich den ehrenvollen Auftrag, an dieser Stelle zu reden, freudig angenommen, wiewohl ich sonst gern statt meiner einen Besseren hier gesehen hätte.

Die Zucht, welche die Kirche über ihre Glieder übt, gehört zu den gültlich geordneten Mitteln, wodurch sie ihre Aufgabe auf Erden zu erfüllen hat: Eine (una) Gemeinde der Heiligen zu seyn. Zwar ist die Kirchenzucht nicht ein Gnadenmiltel im engeren und eigentlichen Sinne: sie ist kein Factor der Kirche, neben den einigen/Factoren: Wort und Sacrament; aber als Lebensfunetion und Thatbekenntniss der aus Wort und Sacrament erzeugten und ernährten Kirche ist die Zucht allerdings im weiteren, abgeleiteten Sinne ein Gnadenmiltel zu nennen, dessen Verachtung ohne schweres, wo nicht tödlliches, Erkranken des Leibes der Kirche nicht abgehen kann. Mit nicht geringerem Nachdrucke, wie der h. Paulus sagt: „Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte!" hat die des lauteren Evangeliums mit Becht sich rühmende Kirche — soll andere ihr Ruhm ein feiner seyn — zu sprechen: „Wehe mir, wenn ich die mir gebotene Zucht nicht übte!" —

I.

1. Die heilige Schrift gibt für die Kirchenzucht helle, klare, unmissverstehbare Vorschriften, deren perspieuita» von Niemand angezweifelt werden kann und zu deren Innehalten die Kirche heilig verpflichtet ist, so wahr sie des HErrn Kirche ist, der da spricht: „So ihr bleiben werdet an meiner Bede, so seyd ihr meine rechten Jünger," Job. 8., und wiederum: „Lehret sie halten Alles, was ich euch geboten habe," Matlh. 28.

*) ,,I)ii' Stellung des geistlichen Amts in der Gemeinde" und „Laudeskirche und Separation,"

Obwohl nun diese Zuchtgebote des göttlichen Worts uns Allen bekannt sind , so du rite es doch die fruchtbarste und direeteste Weise seyn, uns in die rechte, dem Gegenstände ziemende Stimmung zu setzen, wenn wir eine Reihe der betreffenden Schriflsprüche lebendig uns vergegenwärtigen und ins Gewissensauge lassen. Ich bitte also darum, diese Sprüche anführen zu dürfen:

Zuerst die sedes proprio, Malth. 18.: „Sündiget dein Bruder an dir, so gehe hin und strafe ihn zwischen dir und ihm allein. Höret er dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Höret er dich nicht, so nimm noch einen oder zween zu dir, auf dass alle Sache besiehe auf zweier oder dreier Zeugen Mund. Höret er die nicht, so sage es der Gemeinde. Höret er auch die Gemeinde nicht, so halte ihn als einen Heiden und Zöllner. Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden seyn; und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los seyn" — womit denn die beiden andern vom Schlüsselamt handelnden Aussprüche des HErrn, Malth. 16. und Joh. 20., zusammenzuhalten sind. Sodann der Spruch Mallh. 7, 6., welcher eine Wehr um das Heiligthum Gottes zieht: „Ihr sollt das Heiligthum nicht den Hunden geben, und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen, auT dass sie dieselhigen nicht zertreten mit ihren Füssen, und sich wenden und euch zerreissen." Ferner die eigentliche Generalinstruclion des Apostels Paulus an die Bischöfe, Apg. 20, 28 f.: „So habt nun Acht auf euch selbst und auf die ganze Heerde, unter welche euch der heil. Geist gesetzt hat zu Bischöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, welche er durch sein Blut erworbeu hat. Denn das weiss ich, dass nach meinem Abschied werden kommen greuliche Wölfe, die der Heerde nicht verschonen werden. Auch aus euch selbst werden aufstehen Manner, die da verkehrte Lehre reden, die Jünger an sich zu ziehen: darum seyd wacker!" Und nun die apostolischen Zeugnisse, welche solch „Wackerseyn" (ygrtfOQiTv) auslegen: 1 Tim. 1, 18 f.: „Dies Gebot befehle ich dir, mein Sohn Timolbeus, dass du eine gute Riltex*schaft übest und habest den Glauben und gutes Gewissen, welches Etliche von sich geslossen und am Glauben Schiffbruch erlitten haben, unter welchen ist Hymenäus und Alexander, welche ich habe dem Satan übergeben, nicht mehr zu lästern." 1 Tim. ü, 3 f.: „So Jemand anders lehret und bleibet nicht bei den heilsamen Worten unsers HErrn Jesu Christi u. s. w. — thue dich von solchen." 2 Tim. 2, 17.: „ Uud ihr Wort l'risscl um sich, wie der Krebs, . . .

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