صور الصفحة
PDF
النشر الإلكتروني

so nun Jemand sich reiniget von solchen,Leuten, der wird ein geheiligtes Fass seyn zu den Ehren, dem Hausherrn brauchlich und zu allem guten Werk bereitet." 2Tim. 3, 1.: ,,Es werden greuliche Zeiten kommen . . . und Menschen seyn, die von sich selbst halten, ruhinrüthig, hoffährtig, Lästerer, Schänder, Verräther . . . solche meide." 2 Tim. 4, 2.: „Predige das Wort, halte an, es sey zur rechten Zeit, oder zur Unzeit: strafe, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre." Tit. 1, 9 f.: „Ein Bischof soll seyn untadlig, ein Hanshalter Gottes . . . der da mächtig sey zu ermahnen durch die heilsame Lehre und zu strafen die Widersprecher. . Denn es sind viele freche und unnütze Schwätzer, welchen man muss das Maul stopfen." Tit. 3, 10. 11.: „Einen ketzerischen Menschen meide, wenn er einmal und abermal vermahnet ist." Hiezu gehören auch die Belobungen und Mahnungen an die Bischöfe in den Sendschreiben der Offenbarung Gap. 2,2.: „Ich weiss deine Werke . . - und dass du die Bösen nicht tragen kannst." V. 14. 15.: „Aber ich habe ein Kleines wider dich, dass du daselbst hast, die an der Lehre Balaams halten. Also hast du auch , die an der Lehre der JNicolaiten halten. Das hasse ich." — Zu diesen Pastoral-Vorschriften noch die an die christliche Gemeinde in ihrer Gesammlheit gerichteten: Rom. 16, 17. 18.: „Ich ermahne euch aber, 1. Br., dass ihr aufsehet auf die, die da Zerlrennung und Aergerniss anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt . . . und weichet von denselbigen." lCor. 5, 6 ff.: „Euer liiiluu ist nicht fein. Wisset ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig versauert? Darum feget den alten Sauerteig aus. . . . Ich habe euch geschrieben, ihr sollt Nichts mit ihnen zu schaffen haben; nämlich, so Jemand ist, der sich lasset einen Bruder nennen, und ist ein Hurer, oder ein Geiziger, oder ein Abgöttischer, oder ein Lästerer, oder ein Trunkenbold, oder ein Räuber: mit einem solchen sollt ihr auch nicht essen. Was gehen mich die draussen an, dass ich sie sollte richten? Richtet ihr nicht, die drinnen sind? Gott aber wird, die draussen sind richten. Thut von euch selbst hinaus, wer da böse ist." 2 Cor. 2,6 — 8: „Es ist genug, dass derselbige von Vielen also gestraft ist; dass ihr nun hinforf ihm desto mehr vergebet und tröstet, damit er nicht in allzugrosse Traurigkeit versinke. Darum ermahne ich euch, dass ihr Liebe an ihm beweiset. Denn darum habe ich euch auch geschrieben, dass ich eure Rechtschaffenheit erkennete , ob ihr in allen Stöcken

gehorsam seyd." 2 Cor. 6, 14 f.: ,,Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit für Geniess mit der Ungerechtigkeit u. s. w. —< Darum gehet aus von ihnen, und sondert euch ab, spricht der HErr." 2 Thess. 3, 6 ff.: „Wir ermahnen euch aber, dass ihr euch entziehet Toii allem Bruder, der da unordentlich wandelt und nicht nach der Satzung, die er von uns empfangen hat ... So aber Jemand nicht gehorsam ist unserm brieflichen Worte, den zeichnet an (oijftttova&i), und habt Nichts mit ihm zu schaffen, auf dass er schaamroth werde. Doch haltet ihn nicht als einen Feind, sondern ermahnet ihn als einen Bruder." 2 Joh. 7 f.: „Sehet euch vor, dass wir nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangen. Wer übertritt, und bleibet nicht in der Lehre Christi, der hat keinen Gott. So Jemand zu euch kommt und bringet diese Lehre nicht, den nehmet nicht zu Hause und grüsset ihn auch nicht; denn wer ihn grüsset, der macht sich theilhaftig seiner bösen Werke." Br. Jud.: „Es weiden zu der letzten Zeit Spötter seyn, die nach ihren eignen Lüsten des gottlosen Wesens wandeln ... ihr aber, meine Lieben, erbauet euch auf euern allerheiligsten Glauben durch den h. Geist und betet, und hasset selbst den vom Fleische befleckten Bock"*).

2. Luther sagt**) einmal nach Anführung einiger von diesen Kirchenzuchtssprüchen: „Diese und dergleichen Sprüche sind Gottes der höchsten Majestät unwandelbarer Wille, Beeret und Meinung: dieselben zu iindern oder nachzulassen und aufzuheben haben wir keine Macht, sondern ernsten Befehl, dass wir mit allem treuen Fleiss darüber halten sollen, ungeachtet einiger Menschen Ansehen oder Gewalt; und ob der Bann im Papstthum schändlich missbraucht und eine rechte Stockmeisterei gewest ist, doch sollen wir ihn nicht fallen lassen, sondern recht brauchen, wie es Christus befohlen hat, zur Besserung und Erbauung der Kirche, nicht Verwüstung und Tyrannei damit zu üben, wie der Papst damit gethan hat." Und ein andermal***): „Christus hat der Kirche zween Schlüssel gegeben: einen, damit sie bin

*) Bengel: „Hi, ferme intacti a vobis, ex hoc ipso sentiant vestrum odium et fasüdium advcrsiis ipsam impuritatis siiperficiem."

»*) In den Tischreden, bei Walch XXII, S. 973.

***) A. a, O. S. 970.

den, den andern, damit sie losen soll, welche der Papst als der rechte Widerchrist zu Dietrichen gemacht und schändlich missbraucht hat. Nun aber, weil uns Gott aus Gnaden sein Wort wiederum rein gegeben hat, sollen wir sie recht gebrauchen, und nicht also in Winkel werfen und verrosten lassen, wie bisher geschehen ist, sondern wieder ganghal'l machen, dass sie können zu- und aulschliessen, binden und lösen; binden die Ruchlosen und Unbussfertigen, so in öffentlichen Sünden, beide, wider die erste und andre Tafel der zehn Gebote Gottes liegen, geben Andern Aergerniss, entweder mit falscher Lehre oder mit bösem Leben. Und da sie eins und zwier vermahnet sind und sich nicht bessern wollen, verachten alle Vermahnung, so schliesse man ihnen den Himmel zu, halte sie für Heiden, wie Christus ernstlich befiehlt; gebe sie dem Teufel, dess eigen sie allbereit sind, allein dass maii's Öffentlich erklärt, damit man sich vor ihnen hüten könne: bis so lang sie sich erkennen und bekennen, sie haben Gott greulich erzürnet und die Kirche geärgert, begehren Vergebung der Sünden, alsdann soll man sie wieder lossprechen und annehmen, wie St. Paulus lehret mit seinem Exempel zu Corinth."

Ebenso lehren bekanntlich auch unsre Bekenntnissschriften. Schmalk. Art. Tbl. III. A. 9. vom Bann: „Der rechte christliche Bann ist, dass man offenbare, halsstarrige Sünder nicht soll lassen zum Sacrament oder ander Gemeinschaft der Kirche kommen, bis sie sich bessern und die Sünde meiden. Und die Prediger sollen in diese geistliche (ecclesiastica) Strafe oder Bann nicht mengen die wellliche (civilis) Strafe." Apol. Conf, uirt. XXVIII. de potestate eccl.: „ Habet (epiacopus) et poteslatem jurisdielionis, hoc est, aucloritatem excommunicandi obnoxios publicis criminibus et rursus ahsolvendi eos, si conversi jietant absolutione?n. Neque vero habent potestatem tyrannicam, hoc est, sine certa lege, neque regiam, hoc est, supra legem, sed habent cerlum mandntum, certum verium Dei, quod docere, juxta quod exercere suam jurisdictionem debent."

Die Kirchenordnungen unsrer Kirche haben auf Grund dieser Principicn das Kirchenzuchtsverfahren geregelt, und vorgesehen, dass dabei Alles „ordentlich zugehe."

So steht denn zuvörderst fest: dass die Kirche in Gehorsam des göttlichen Worts und in Gemässheit ihres, durch die Kirchenordnungen ins Geineindelehen eingeführten Bekenntnisses, so berechtigt, w-ie verpflichtet ist, geistliche Zucht über ihre Glieder zu üben.

II.

Fassen wir nun, vom Schriftworte gelehrt, das Wesen der evangelischen K.-Z. ins Auge, so ergibt sich, dass dieselbe als Lebensfunction der Kirche eine doppelte, durch die beiden Seiten des Wesens der Kirche selbst bedingte Aufgabe zu lösen hat. Ist nämlich die Kirche dies beides: „gesegnet und ein Segen," 1 Mos. 12, 2., Versammlung der Heiligen und Ileilsanstalt, das geistliche Haus aus Menschen zur Wohnung Gottes erbauet und das geistliche Haus von Gott den Menschen zur Wohnung erbauet: so wird die K.-Z. beides seyn, sowohl Heiligkeilsbekenntniss als Heiligungsmittel; sie wird gesetzt seyn zu segnen sowohl die Glieder, welche sie üben, als die Glieder, an welchen sie geübt wird.

3. Und so verhalt es sich in Wahrheit. Im Ueben der Zucht erweist sich erstlich die Kirche und wird erhalten als das, was sie ist: unu, sancta, catholica et apostolica ecclesia. — Weder ihre auf das apostolische Wort gegründete Einheit und Allgemeinheit, noch ihre auf den im apostolischen Worte enthaltenen Christus gegründete Heiligkeit, vermag die Kirche anders zu bewahren, als dadurch, dass sie den Brunnen ihres Lebens, das h. Evangelium, und die aus solchem ßrunnen bewasserte Feldmark, den evangelischeu Wandel, ehrt und behütet durch Uebung der Zucht über falsche Lehre und böses Leben in ihrer Mitte. Was die durch Zuchtilbung zu bewahrende Einheit der Kirche betrifft, so stand diese der alten Kirche bei ihrer Disciplin so entschieden im Vordergründe, dsss Bingham das IGte Buch seiner Orig. eccl. „de unitute et disciplina veteri» ecclesiae" überschreiben darf*). In Betreff der durch die Zucht zu wahrenden Heiligkeit der Kirche ist die Meinung nicht, als beanspruche die Zucht übende Kirche, in novatianischer Weise, eine reale Heiligkeit — völlige Beinhcit des Wandels aller Getauften, sittliche Vollkommenheit der Kirche als solcher in allen ihren Gliedern; sie weiss ja vielmehr, dass wohl der Gläubigen Gerechtigkeit eine vor Gott vollendete ist, ihre Heiligung aber auf Erden „inchoata" bleibt, dass die Congruenz ihrer idealen und ihrer realen Heiligkeit die nota speeifica ihrer vorbehalteuen himmlischen Verklärung ist; und sie weiss ausser

*) Er leitet dies Buch mit den Worten ein: „Disciplina eccl eo p otissimum special, ut in rebus omnibus necessariis unilatent conservet eccl., eamque puram praestet alque a corruptiont liberum, exlrudendo indigna membra societote et communione ipsius, et deneoando Ulis omnia, quae ad eam speclant privilegia." dem, dass Scheinglieder — keiner irdischen Zucht erreichbar — am Leibe, faule Fische im Netze und Unkraut unter dein Weizen, bleiben werden bis auf den lieben jüngsten Tag. Sie hält sich desshalb fern von dem vermessenen Beginnen, den himmlischen Kern ihres Wesens von der irdischen Schaale loslösen zu wollen, und achtet es nicht für paradox, dass Luther eiu gewisses Grauen empfand vor einer Kirche, die aus „ lauter Heiligen" zu bestehen vorgebe — denn das ist wesentlich Pharisäismus und beruht auf einer laxen Ansicht von der Sünde. Aber gleichwie der einzelne Christ sein Rechtschaffenseyn dadurch bewährt, dass er an das seiner Hoffnung vorgehaltene Ideal seiner selbst rückhallslos sich hingibt und vom Geiste der Heiligung sich züchtigen lässt der anklebenden Sünde halben, die sein Hinankommen zu jenem Ideale aufhält (Uoh. 3,3.), und also die Wahrheit thut, indem er zu dem sich bekennt, was er in Christo ist und seyn wird: ebenso reagirt der der Kirche innewohnende Geist der Heiligung gegen jedwede Hemmung ihres herrlichen Berufs, das Leben Jesu Christi, ihres Hauptes im Himmel, als sein heiliger Leib auf Erden darzustellen (1 Joh. 4, 17.), und Zucht übend bekennt sie sich thatsächlich zu der Heiligkeit, womit sie den Namen Gottes des Vaters ehren soll. Der Segen dieses Bekenntnisses wird sich zu der Kirche zurückwenden, auch wenn die Gezüchtigten sich desselbigen nicht theilhaftig machen sollten.

Und zwar hat dieser rückwirkende Segen der Zucht eine positive und eine negative Seite, indem die Zucht übende Kirche sowohl den an sich selbst heiligen Namen Gottes in ihrer Mitte heiligt, als der Entheiligung desselben sich entzieht.

,,Es kam eine grosse Furcht über die ganze Gemeinde," so beschreibt die Apostelgesch. Cap. 5. den Eindruck des gewalligen, wunderthätigen Zuchtacts, den der heil. Petrus an dem Ananias und der Sapphira vollzog. Im Wesentlichen lässt noch heute derselbe Eindruck sich verspüren, so oft das Wort des IIErrn: „ Ihr sollt heilig seyn, denn Ich bin heilig," 1 Petri 1, 16., sammt dem Worte des Apostels: „Der Tempel Gottes ist heilig, welcher seyd ihr!" 1 Cor. 3, 17., der Zucht übenden Gemeinde in concreter Lebendigkeit heimkommt. Man pflegt nachdrücklich vor der Gefahr zu warnen, dass der Segen der Kirchenzucht durch pharisäische Selbstrechtfertigung derer, welche activ dabei betheiligt sind, verkümmert werde; und da das verkehrte Herz einmal der Spinne gleicht, welche auch aus der Lilie Gift saugt, so darf jene Gefahr nicht in Abrede gestellt werden. Doch muss ich anZeitschr. f. luth. Thepl. I. 1852. 9

« السابقةمتابعة »