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gen als eine an ihr selbst geschehene Verletzung zu verspüren vermöchte. Das heilige taw hat im Bewusstseyu verweltlichter Gemeinden die Reactionskraft gegen Entweihung eingebüsst — kurz, es fehlt das Subject der Kirchenzucht, welches eben der Pastor allein nicht ist. Man darf gewiss nicht sagen, dass ein treuer Diener des Worts in dieser traurigen Lage sich dabei beruhigen könne, gar nicht zu handeln. Er wird seiner Gemeinde zu bezeugen haben, auf Grund der Schrift, dass sie nicht sey, was eine christliche Gemeinde seyn solle. Er wird, nach dem Vorbilde des heil. Paulus, der Gemeinde den sitndlichen Widerspruch vorzuhalten haben, dass sie Solche in ihrer Mitte als Brüder hege, welche er — der Pastor — in ihrer, als einer Christengemeinde, Versammlung dem Satan zu übergeben schon habe beschliessen müssen. Aber wie? Ist es dann möglich, dass er selbigen Tages eine solche Gemeinde, die das Gegentheil von der Corinthischen Unit, mit Leib und Blut Jesu Christi bediene? — Ich habe von einem Westphälischen Pastor gehört (erinnere ich mich recht, so ist es der sei. Weihe, f 1771), der um eines extremen Scandals willen, dessen er nicht Herr werden konnte, weil seine Gemeinde die Zucht hasste, die Spendung des heil. Abendmahls so lange ganz aussetzte, bis dem Aergemisse gewehrt war. Wer zählt wohl (ausser dem HErrn) die Seufzer frommer Pastoren, die zu der blutsauern Arbeit an Gemeinden Getaufter genöthigt sind, denen sie als Missionare mit Freudigkeit das Evangelium predigen würden 1 Es ist eine wohlgemeinte, aber unbedachte Rede, womit man uns zu ermuthigen wünscht: „Betrachtet euch doch als Missonare, behauptet gegen die Welt jeden Fuss breit Terrain und führet einen heiligen Eroberungskrieg!" Jög fioi, nov oriw 1 Wie können wir uns als das betrachten, was wir nicht sind, um am Altare dem zu widersprechen, was wir auf der Kanzel reden? — Doch wir bescheiden uns, im Einzelnen den kürzeren oder lungern Weg nicht bezeichnen zu können, der zu dem Ziele führt, wo die Bedingungen zur Uebung der Zucht in ihrem ganzen, schriftmässigen Umfange vorhanden seyn werden. Fest steht aber dies Eine, dass wir, Pastoren und Gemeindeglieder, die wir des HErrn Willen wissen, mit Ernst dahin zu arbeiten haben, dass die Gemeinden in den Namen, den sie haben, wahrhaftig hineinwachsen und solche Gemeinden werden, denen die Geheimnisse des Himmelreichs durch den Dienst der Haushalter Gottes mit Freudigkeit überantwortet werden mögen. Dies unser pium desiderium, unser Gebet vor dem HErrn der Kirche!

Was die Gesammtkirchc, als Eine Gemeinde, und die in ihr zu handhabende Zucht anlangt, woran die einzelnen Kirchenglieder je an ihrer Stelle sich zu beiheiligen haben, — zu betheiligen haben wahrlich anders als durch den trägen Wunsch, die Kirchenbehörden allein möchten den Schaden der Kirche wegdecretiren —, so sey es gestattet eine kirclienregimentliche Verfügung (aus dem J. 1743) anzuführen, wonach bei der Handhabung der, Irrlehrer betreffenden Disciplinarbestimmungen der Pomm. Kirchenagende (Tit. IX, f. 158) verfahren werden soll: „Wenn sonst ein Lehrer oder Prediger wider Jemand bei den Academien, in Schulen und im Predigtamte etwas Gegründetes in Betracht irriger Lehre oder der Heuchelei zu haben vermeinet, so muss er denselben desshalb brüderlich und privatim besprechen, und, wenn solches nicht fruchtet, so muss er ihn solcherhalb keineswegs als einen falschen Lehrer oder Heuchler öffentlich vor der Gemeinde bestrafen, noch sein eigner Richter seyn; sondern er muss vielmehr den Irrthum in der Lehre von einem im Lehramt stehenden seinem nächsten Vorgesetzten anzeigen, welcher denselben zuvörderst desshalb zu besprechen gehalten ist, worauf allererst die Klage an die Königliche Regierung und Consistoria gelangen muss."

Wir schliessen — in Bezug auf diesen letzten Punct, wie überhaupt hinsichtlich alles zur Wiederaufrichtung der Kirchenzucht zu Thuende, — mit dem beschämenden Worte Luther's *), worein er sich selber mit einschliesst: „Den Bann hindert jetzt zu unsrer Zeit nichts Anderes, denn dass Niemand in diesem Stück tliul, was einem Christen gebühret und zustehet" — und wünschen ein wenig dazu beigetragen zu haben, dass rechtschaffenen Lutheranern, d. h. Frommen Christen, die Kirchenzucht als ein umgekehrtes Carthago täglich vor die Seele trete, und ihre catonische Losung heisse: Ceterum censeo, disciplinam ecclesiasticam esse restituendam.

Beilaffe 2.

In dem HErrn geliebte Männer und Glieder der evangelisch lutherischen Kirche, die Sie Sich im August d. J. zu einer Conferenz zu Leipzig versammeln!

Bisher hat Gntt. der HErr, seinem Volke geholfen aus drohender Gefahr; ob Er ihm ferner daraus helfen wird, hängt da

*) A. a. O. S. 964.

von ab, dass wir Ihn lieb haben und seine Gebote halten; denn nur wer seine Gebote hat iin-l sie hält, hat den HErrn lieb (Joh. 14, 21.).

Als unser HErr Jeans Christus auf Erden wandelte, sah Er im Geiste die künftige Kirche vor Augen und gab ihr ein Gebot, von welchem Matth. 18,15 —17. geschrieben steht. Loehe nennt dasselbe in seinen „Aphorismen über die neutestamentlichen Aemter" das Reichs- Grund - Gesetz der Kirche und gewiss mit vollem Kechte. Denn nach den sieben Sendschreiben der Offenbarung droht der HErr derjenigen der sichtbaren Kirchen, welche seine Gebote nicht achtet, mit völliger Vernichtung. Das fragliche Gebot ordnet aber die Kirchenzncht oder das Strafamt der Kirche. Es wurde dasselbe in der ersten Zeit der christlichen Kirche hochgeachtet, und hatte daher auch dieselbe im vollsten Maasse die Verheissung, von welcher im 18. und 19. Verse der angezogenen Stelle geschrieben steht. Später hat es die mit dem Staate in Verbindung getretene Kirche dazu gemissbraucht, dass sie durch die Zucht, wie die Könige, über diese und deren Völker herrschen wollte. Dem HErrn dagegen die Seelen derer, welche, obschon getauft, dennoch offen die heiligen 10 Gebote übertreten, durch Zuchtühung wiederzugewinnen, blieb den Bischöfen Koni's um so mehr Nebensache, als sie in vielen Stücken nur nach Will'kiihr und ohne Rücksicht auf Gottes Gebote das Amt der Schlüssel sich zu Ehren und nicht um der Seelen willen verwalteten. Das brachte endlich die von dem HErrn befohlene Kirchenzucht bei allem Volke in eine so grosse Missachtung, dass die Staatsgewalt sich von ihr in dem Maasse losmachte, in welchem sie im Kirchenregimente festen Fuss zu erlangen vermochte. Auch die Kirchenzncht, welche man ans der römischen Kirche in die evangelischen Kirchen mit hinüber nahm, hielt sich nicht innerhalb der von dem II Kirn gesteckten Grenzen. Gegenwärtig ist sie nun aus dem landeskirchlichen Gebiete fast ganz verschwunden, und ihr Verschwinden hat nach und nach Znslände herbeigeführt, welche die staatliche Ordnung der Dinge auf Erden, und wohl auch die der Kirche, wenn diese nicht die Verheissung der Unüberwindlichkeit hätte, in Frage stellen. Darum gilt es denn vor allem, wieder zu thun, was der HErr zu thun ausdrücklich geboten. Wohl erscheint das jetzt nicht leicht. Schon der blosse Name „Kirchenzncht" erfüllt alle Welt (Hohe und Niedere, Kadicale und Conservative) mit Abscheu und Entsetzen. Ihr früherer Missbrauch scheint ihren Gebrauch geradezu unmöglich gemacht zu haben. Kirchenzucht kann man sich nicht mehr denken ohne Inquisitionsgericht, Folterkammer und Scheiterhaufen. Von dem Strafamt, wie es der HErr seiner Kirche zu üben befohlen, hat man keine Vorstellung und von dessen grossem Segen norh weniger. Gleichwohl geht die getaufte Welt, wenn sie sich nicht von der Kirche, wie es der HErr ihr befohlen hat, strafen lässt, ihrem Untergange sicher entgegen. Was ist da zu thun?

Ich, meines geringen Theils, habe die Sache in dem (in sechs Exemplaren) beiliegenden Schriftstücke, so gut mir's der grundgütige Gott gelingen liess, erwogen und besprochen und mein Wunsch ist's nun, dass auch Sie, in dem HHrrn geliebte Männer, die Sache erwögen und durch den Ihnen von Gott verliehenen Einfluss zur Kenntniss der in Deutschland bestehenden Kirchenregimente brächten. Vielleicht dass man endlich die Sache von der rechten Seite ansehen lernte und alle Furcht überwände, wenn man »ich überzeugte, dass das Strafamt der Kirche von dem der weltlichen Obrigkeit grundverschieden sei und unbeschadet dieses, ja neben demselben recht segensieich bestehen könne. Während der strafende Staat zum Tröste der Guten und zum Sehrekkpn der Hosen spricht: „ thusl Du Böses, so widerfahre Dir Böses;" spricht die strafende Kirche, welche segnet, die ihr fluchen, zu ihren Gliedern: ,,thust Du Böses, so widerfahre Dir Gutes durch meine züchtigende Hand , auch wenn Deine Sünde meinen Liebpsarmen Dich auf einige Zeit entreissen sollte; denn diese bleiben Dir fort und fort geöffnet, und die drei Wörtlein: „„es reuet mich"" führen Dich alsbald in meine Arme zurück." Fürwahr die Uebung einer solchen Strafgewalt kann nur ein sanftes Joch, ein hohes Glück für die Glieder einer Kirche sein und der Strafgewalt und dem Ansehn des Staates nun und nimmer gefährlich werden , sondern diesem nur förderlich sein.

Gestattet doch die Staatsgewalt jeder Privatgesellschaft die Ausschliessung derer, die den Gesellschaftszweck gefährden. Sie selbst schliesst Staatsglieder, welche sich grober Unsittlichkeiten schuldig gemacht, von Corporationen, Collegien, Aemtern und Kammern aus. Offenbaren Verbrechern reisst sie unter Schimpf und Schande das nationule Ehrenzeichen von der Kopfbedeckung und schliesst sie durch Zuchthäuser und Verbannung, ja durch den Tod von der Gemeinschaft des Staatskörpers unerbittlich und mit vollstem Rechte ans. Wie mag nun die Staatsgewalt der Kirche wehren wollen, dem ausdrücklichen, unzweifelhaften Gebote ihres HErrn und Hauptes nachzuleben, welches ihr befiehlt, die, welche durch ihr muthnilligcs Beharren in einer offenbar gewordenen Sünde sich innerlich von ihr längst ausgeschieden haben, auch als äusserlich von ihr ausgeschiedene zu bezeichnen, anf dass dieselben ihr nach freiwilliger Busserklärung desto inniger wieder verbunden werden , sie seihst aber sich nicht der offenbar gewordenen Sünden ihrer Glieder durch Stillschweigen theilhaftig mache? Verstände die Staatsgewalt ihren Vortheil, so müsste sie die Landeskirche darum strafen, dass sie das ihr vom HErrn befohlene Strafamt versäume. So sie aber gegen ihren Vortheil fortfahren sollte, der Landeskirche das Strafamt zu verkümmern, so sollte diese doch billig bedenken, dass geschrieben steht: „man soll Gott mehr gehorchen, als den Menschen," sowie dass nur denen, die dem HErrn gehorchen, des Landes Gut zu geniessen verheissen ist fjes. 1, 1!).), und dass, wenn ein Volk ungehorsam ist, den HErrn das Gute reuet, welches er ihm veiheissen hatte zu thun (Jer. 18, 10.). Verleugnet nun ein christliches Volk rlurch seinen Ungehorsam gegen des HErrn Gebot Matlh. 18, 14 — 17. das ihm verliehene besondere Priesterthum, so mag jeder Einzelne aus dem Volke kraft des allgemeinen Prie.«■terthums die befohlene Zucht gegen seine Taufgenossen, so weit es ihm möglich ist, üben und sich zu dem Zwecke mit Gleichgesinnten vereinigen, bis die Landeskirche wieder thut, was ihres Amtes ist. Ich meine das Amt, dass die Versöhnung prediget. Wie mag aber das Amt die Versöhnung predigen, wenn es unterlasse den offenbar gewordenen Sünder durch Zuchtübung mit Gott zu versöhnen, und vielmehr ohne Versöhnung die Gemeinschaft mit ihm fortbestehen lässt? Die Wahrheit hält sich nur zu denen, die ihr gehorchen (Sir. 27, 10.). Wie mag nun die Wahrheit bei denen sein, die dem klaren Befehle des HErrn SVlatth, 18, 14 —17. nicht gehorchen? Auf dass wir aber in der Wahrheit bleiben, so gehorchet dem Rath und nehmet die Zueilt an (Spr. Sal. 12, 15.). Hier ist keine »eitere Wahl, und das ist auch recht gut. Entscheiden wir uns aber für des HErrn Willen, so wissen wir ja: seine Hand ist nicht zu kurz, dass Er nicht helfen könnte (Jes. 59, 1.). Doch es wird seine Hand zu unserer Hilfe sich nimmermehr ausstrecken, so lange wir in Ungehorsam gegen Ihn verharren; vielmehr wird Er seine Hand ausstrecken, um uns gar zu verderben; denn wer des HErrn Willen weiss und thut ihn nicht, ist doppelter Strafe werth.

Liebe Herren, dass solches nicht mit uns geschehe, wollen wir nach dem Maasse unserer Kraft den unzweifelhaften Willen unseres HErrn auszurichten suchen. Bedenken wir nur, dass Christus das Lamm ist, das erwürget ward um unserer Sünden willen, und nicht nur das, sondern auch, dass Er der Hohepriester ist, welcher die, so seine Befehle nicht ausrichten, mit dem zweischneidigen Schwerdte seines Mundes bedräuet und bei fortgesetztem Ungehorsam unter seine Füsse tritt, welche dem glühenden Messing gleichen. Wie mag sich jemand — auch wenn er all seine Habe auf Errichtung von Rettungshäusern verwendete — der Liebe zu Christo und den Brüdern rühmen, wenn er nicht dadurch, dass er die offenbar gewordenen Sünden seiner Taufgenossen straft, beweist, wie sehr er deren Seelen auf seinem Herzen trägt? Darum bitte ich Sie, vor allem Hand an's Werk zu legen, dass der Mattli. 18, 15 —17. ausgesprochene Befehl des HErrn wieder ausgerichtet werde.

Mein Bittschreiben aber, das Ihnen vielleicht vorerst als ein unberufenes erscheint, wollen Sie mit der grossen Dringlichkeit desselben entschuldigen. Das Schreckliche, was sich bei fortgesetztem Ungehorsam der Landeskirchen mit diesen und dem Staate begeben wird, wird nicht lange mehr auf sich warten lassen. Es gilt, den HErrn durch Gehorsam uns wieder zu versöhnen. Lassen Sie darum nicht die menschliche Schwachheit, in welcher ich hier rede, der hochheiligen Sache, für die ich rede und die für sich selbst redet, entgelten.

Das die zweite Bitte

Ihres

in dem HErrn verbundenen
Merz.

Beilage 3.

Theuerster Freund,

In meinem letzten Schreiben, in welchem ich Ihnen die Hindernisse anzeigte, die meiner Anwesenheit bey der diesmaligen theologischen Conferenz in Leipzig im Wege stehen, versprach ich Ihnen, einige Bemerkungen über das Thema: „ Landeskirchenthum und Separation," über welches Ihre Güte mich zum Referenten bestimmt hatte, einzusenden. Ich erfülle dies Versprechen freylich unter dem Drange amtlicher Arbeiten, und theile Ihnen diese Bemerkungen deshalb nur in einzelnen Andeutungen und Fingerzeigen, und nicht in ausführlicher Exposition mit.

Unter Landeskirchenthum verstehen wir die Eigenthümlichkeit unsrer lutherischen Kirche, kraft der sie sich auf der Basis des

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