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die Zeit der Gerichte über das bundbrüchige Israel und die Zeit der negativen und positiven Vorbereitung der Völker auf Christum (der negativen durch den Druck der Weltreiche, der positiveiv durch das zerstreute Israel) gekommen war, zuerst in Assur, was sie, weil nicht ihr ursprünglicher Urheber, noch nicht vollendete, dann in Babel, ihrem uranfanglichen Träger, das sie, die Arbeit seines Vorgängers benutzend, zuerst zur Vollendung brachte. — Und wie die Nennvma Babels als des Ortes, wohin Juda gefangengefuhrt werden solfte, eine Uebertragung dessen, was die Assyrier an demselben hatten thun sollen, aber wegen seiner Umkehr nicht an ihm gethan hatten, auf die Babylonier begünstigte, so erleichterte sie auch noch ein anderer Umstand, der Umstand nämlich, dass die Vollstrecker der Gerichte über beide Beiche in den rügenden und drohenden Theilen des Buches (C. 1—3 und C. 6—7, 6), also in den Theilen desselben, in welchen man ihre Nennung am meisten erwarten sollte, nie genannt werden, dass in diesen Theilen die Drohung überall trotz ihrer sonstigen grossen Schärfe und Bestimmtheit so allgemein gehalten ist, in ihm allenthalben nur Israels und Judas Sünde und die dafür nothwendige Strafe ohne Bücksicht darauf, wer die Vollstrecker derselben sein sollen, einander gegenübergestellt werden, dass Andeutungen über das

ben dem sinearitisch-assyrischen Reiche Nimrods eitstanden in den transeuphratensischen Gegenden später andere Reiche, und von diesen thaten es einzelne dem Reiche Nimrods zuvor und verdrängten es von seiner Würde als Repräsentant des Weltreiches. Was Kuschan Rischatajim anbetrifft, so nennt ihn die Schrift nur König von Mesopotamien. Aber dass er Israel unterdrückte, ist ein Beweis, dass auch in ihm und in seinem Reiche weltherrschaftliche Bestrebungen lebten, Bestrebungen, die sich, wie bei den vier transeuphratensischen Königen in Gen. 14, nach den Ländern diesseits des Euphrats, nach Westen richteten. In viel vollkommenerer Weise als Kedarlaomer und Kuschan Rischatajim realisirte , als die Zeit der Weltreiche gekommen war, zuerst das in dem Reiche Nimrods seeundäre Land , das nimrodische Nebenland Assur die Idee des Weltreichs; oder besser: von ihm ward diese Idee zuerst realisirt, indem ihre vorhergehenden Realisationen nur ganz unvollkommene (dereinstige vollkommene Realisation nur wie weissagende) Versuche waren. Assur ist das erste eigentliche Weltreich. Am vollkommensten jedoch wurde hernach, mit und nach Assurs Kall, die Weltreichsidee in dem Haupt - und Herzlanrie des alten nimrodischen ReichsSinear oder Babel (vgl.'Dan. 2, 49 mit 1,2), wo sie ihren Ursprung genommen hatte, realisirt. Das babylonische Weltreich ist das erste danielische, Nebukadnezar das goldene Haupt des Monarchienhildes. Die Eifinderinn und ursprüngliche Trägerinn der Idee, war auch ihre berufene und befähigtste Vollenderinn. Ihrer Vorgänger Arbeit benutzend vollendete sie dieselbe als die Zeit der Vollendung gekommen war.

Strafgerirhlswerkzeug sich erst in den verheisseiiden Theilen des Buches (C. 4.5.7, 7 — 20) finden (4, 10. 5,4.5.7, 12), lind zwar liier nur mehr oder weniger indirekte. Diese Erscheinung hat darin ihren Grund, dass es Micha, seiner ohen angegebenen Lebensaufgabe gemäss, nur darauf ankam, scharf und nachdrücklich darauf hinzuweisen, dass das tiefe und furchtbare Verderben seiner Zeitgenossen unumgänglich notwendig und unfehlbar gewiss Strafe und zwar die äusserste nach sich ziehen musste*), nicht auch darauf, hervorzuheben, dass dieses oder jenes Volk das Werkzeug dieser Strafe sein werde. Gleichwie er nur Götzendienst und Ungerechtigkeit rügt, nicht, auch in Furcht vor den Weltmächten der Gegenwart und Vertrauen zu ihnen sich kundgebenden lTu— glauben an die Macht des Herrn, so tritt bei ihm auch die Weltmacht der Zeit, Assyrien, die in den wenigen Stellen seines Buches, wo auf sie hingedeutet wird, nur einfach als Strafwerkzeug für die in demselben gerügten Sünden des Volkes Gottes in Betracht kommt, ganz in den Hintergrund, und wird von den übrigen Weltmächten und Volkern der Gegenwart, von Israels und Juda's Verhältnissen zu ihnen und von den Kämpfen zwischen dem Gottesreich in Israel und der Weltmacht gänzlich geschwiegen, ganz anders als bei Jcsnja, der ausser den von Micha gerügten Sünden auch eitle Furcht vor und eitles Vertreuen zu den Weltmächten aus Unglauben an die Macht des Herrn straft und dessen prophetische Schrill dadurch in ihren wesentlichsten Tbeilen einen, so zu sagen, politisch-ethischen Character erhalten hat. — Ja endlich selbst die Art, wie von den Sünden in Israel im Buche Micha gesprochen wird, ganz ohne Nennung irgend welches Namens oder Bezeichnung irgend welcher Gelegenheit, bei der gesündigt wurde (vgl. dgg. z. B. Jes. 7 und 22 und die meisten Weissagungen Jeremia's), machte es sehr leicht, das, was Micha von seinen Zeitgenossen gesagt und womit er sie bedroht hatte, auf spätere Zeiten zu übertragen. So gewiss es einerseits auch ist, dass Micha in seinen Bilgen seine Zeitgenossen vor Augen gehabt hat, so hat er andererseits doch in solcher Allgemeinheit von ihnen gesprochen (er macht nur immer die vorzugsweise verderbten Klassen des Volkes namhaft, ohne je einzelne Individuen aus denselben zu nennen,

*) Dies, tritt z. B. sehr klar in der Hauptdrohung des Buches in 3, 12 vgln. mit 3, II hervor; ferner auch in 1, 5 dem Thema zu 1, 6 — 16 und zu 1, 6 — 3, 12 überhaupt und dem Angelpunkte in C. 1 und C. 1 — 3 (1, 5 bezieht sich einerseits zurück auf 1, 2 — 4 und wird andererseits in 1, 6 ff, entwickelt); endlich auch in Stellen , wie 2, 10 vgln, mit 2, 8. 0.

s. bes. C. 3 und hier wiederum namentlich 3, 11) und ist das, was er an ihnen straft, Etwas, was so sehr zu allen Zeiten vorkam, dass Nichts leichter war, als dass Späterlebende ihre Zeiten in seinem Buche gezeichnet fanden. — Durch alles Dreies also: dadurch dass in 5, 5 und 4, 10 Assur als das Land Nimrods und Ha hei als der Ott, wohin Israel solle gefangengeführt werden, bezeichnet waren, dadurch, dass Assur in den drohenden Theilen des Buches nicht als das Slrafgerichtswerkzeug genannt war, und dadurch, dass sich in der ganzen Schritt weder irgend welche Gelegenheit, bei der gesündigt worden, noch irgend welches Individuum, das gesündigt hatte, namhaft gemacht fand, eignete sich der Inhalt derselben ganz vorzüglich zu einer Uebertragung auf spiitere Zeitverhältnisse. Und vielleicht ist es nicht zu gewagt, die Behauptung aufzustellen, dass schon der Urheber des Buches selbst, bei seiner Abfassung an eine soche Uebertragung gedacht hat. Auf der einen Seite musste es ihm nämlich feststehen, dass sich Juda in Folge seiner Drohworte bekehren und so der gedrohten Strafe entgehen könnte (sprach er seine Drohungen doch zu dem Zwecke ans, diese Bekehrung zu bewirken), auf der anderen aber musste er als ein Mann, der die Geschichte seines Volkes kannte und in das Verderben desselben tief hineingeschaut hatte, wohl wissen, dass seine etwa einlretctcnde Bekehrung keine daurende sein, sondern, dass dits Verderben früher oder später wieder hervorbrechen würde (vgl. Deut. 31, 21. 27. 29). Da konnte es ihm denn nicht so fern liegen, seine Schrift auch für die Zeiten der späteren Ausbrüche des Süudenverderbens Israels zu bestimmen. Und vielleicht, dass er eben deshalb, weil er sein Buch auch für spätere Zeiten bestimmte, sich über das Strafwerkzeug und die Sünder in Israel so allgemein ausgesprochen hat. Ob er auch in 4, 10 nebenbei schon an das eigentliche babylonische Weltreich als das Werkzeug der Strafe für das spätere Wiederhervorbrecheu der Sünde Israels gedacht hat, indem er das Aufkommen dieses ja schon in der hispanischen Zeit in seiner Psyche, der assyrischen Provinz Babylouien, mehrfach sich regenden (s. Jes. 39 und Euseb. Chron. arm. 1, p. 42 s.) Wellreiches, gleich seinein Zeitgenossen Jesaja, vorausschaute, wollen wir dahingestellt sein hissen. Das wenigstens ist wahrscheinlich, ja mehr als dies, dass Micha, nachdem seine Drohungen gegen Juda und Jerusalem nicht in Erfüllung gegangen waren, weil sie beim ganzen Volke Busse gewirkt hatten, angenommen hat, sie würden in späterer Zeit einmal sich erfüllen, indem er, der Mann Gottes mit dem erleuchteten Auge, sicher ein

sah, dass das Verderben des jüdischen Volkes, jetzt durch sein Wort keinesweges etwa gebrochen, sondern nur einigermassen zurückgedrängt, so tief sei, dass es nothwendig später wiederhervortreten und endlich einmal durch keine prophetische Drohung mehr auch nur momentan zurückzudrängen sein würde. Und eben diese aus seinem tiefen Einblick in das Verderben seines Volkes hervorgegangene Annahme war es vorzüglich, die ihn dazu bestimmte, seine Schrift, nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt zu haben schien, nicht etwa wieder zu vernichten , sondern sie der Nachwelt zu überliefern.

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Eine kurze Beleuchtung der Frage, ob der gegenwärtige sogenannte geistliche Stand, als ein von den anderen christlichen Ständen abgesonderter, ein christlicher oder ein unchristlicher sei.

Von
Jacob Diehl*~).

Um dem obigen Titel, den wir der hochwichtigen Sache, davon wir hier reden wollen, vorgesetzt haben, auch rechtmässig entsprechen .zu können, müssen wir vor allen Din- ■■■'u ufiWl

*) Den «eist dämpfet nicht! In Befolgung dieses apostolischen Wortes übergibt die Red. der Zeitschr. f. d. gesummte luth. Theol. u K. (in dem lebendigen Bewusstseyn, dass sie in dem Darbieten verschiedenartigster Abhandlungen ein anderes Bild von den Zuständen der luther. Gesammtkirche nicht gibt, als diese selbst es gewährt) die obige Ahhandlutig der Oeffentliclikeit. Der Hr. Vf., ein fast 70jähriger rüstiger Lehfer, jetzt zu Pyrmont wohnhaft, hat eine ..lutherische'' Genieine im Lippischen gesammelt, zu deren Dienst er die Ordination und mit ihr die staatsbürgerliche Berechtigung noch nicht zu erhalten vermocht hat. Auswärtige freie lutherische Kirchen nahmen Anstoss an jener Gemeinschaft, insofern dieselbe — in Nachfolge des Beispiels strengster Lutheraner des lej. Jahrhunderts, eines Heshusius u, A- ~ die symbolische Autorität der Concordienformel als eines nicht lauteren, als eines zu laxen, unionistischen Bekenntnisses, verwirft, und ihr eigenes Bekenntniss zur Augustana durch die Interpretation motivirt und limitirt, dass es in dem Sinne genieint sei, nicht wie sie jedweder sich deuten möge, sondern wie sie Luther zuvor öffentlich gepredigt, und namentlich durch seine Streitschriften (insbesondere z. B. de servo arbiirio) cummentirt habe. — Die Red. braucht nicht «rst hier auszusprechen, dass sie die C.-F. für ein recht und acht lutherisches Bekenntniss erkennt; dennoch aber kann sie nur bedauern, dass man j'-ner streng und alt lutherischen Gemeinschaft, zumal dieselbe wohl

gen fragen, ob wir auch die Macht haben, in dieser Sache ein rechtsgültiges Unheil zu stellen; und dies um so mehr, damit wir nicht Gefahr laufen, von den Verkehrten, die aus Sauer Süss, und aus Süss Sauer machen (Jes. 5, 20), als die Verkehrten verschrieen zu werden. Diesen müssen wir, um zu beweisen', dass uns solche Macht gegeben sei, den Spruch des Apostels enlgegenhalten, der 1 Geriniher 2, v. 15 also geschrieben steht: „Der Geistliche richtet alles, und wird von niemand gerichtet." Haben wir nun den heiligen Geist, woran denn auch nicht zu zweifeln ist, wie der Beweis vor Augen liegt, so lassen wir uns auch von niemand richten, sondern wollen vielmehr die Macht haben, alles zu richten, besonders aber diese Sache, davon hier die Hede ist, und dies um so mehr, weil uns Christus auch befohlen hat, dass wir uns vor den falschen Propheten hüten sollen (Matth. 7, 15 IT). Niemand aber vermag sich vor den falschen Propheten zu hüten, er habe sie denn zuvor als solche gerichtet. Also nun zur Sache, weil uns von Christo und seinem Apostel das Richteramt gegeben ist.

weiss und wahrt, was Princip und LebensnervLutherscher Reformation ist und bleibt, Anerkennung und Hülfe versagt, wahrend man sie den lax und neu lutherischen in reichemMaasse gewährt. Wirkliche Einigkeit ist unter den Lutheranern dieser Tage ja einmal nicht da, und alle straussenmüssige Verhüllung des Hauptes vor dem Factum der Uneinigkeit wird sie auch nicht machen. Wer weiss aber, ob durch offene Reibung der Gegensätze, durch offenes Aufeinanderplatzen der Geister, des zu Strengen und des zu Laxen, die lautere Wahrheit reiner Mitte nicht gerade am sichersten und nachhaltigsten gefördert würde! — sicherer und nachhaltiger ja wenigstens gewiss, als durch doctrinäre mittelnde Formeln nichtssagenden Inhalts. Und jedenfalls sollte der Genuss der Gewissens- und Religionsfreiheit doch wohl nicht blos zu laxen, sondern auch zu strengen, nicht blosNeu-, sondern auch Alt-Lutheranern unverkümmert seyn.

Zum Schluss dieser Vorbemerkung noch ein zwiefaches Wort des Vfs. selbst aus seinen Begleitschreiben an die Red. vom 8. Nov. und 27. Nov. 1851; das eine zur Erläuterung seiner Vorgeschichte, das andere zur Verhütung eines Missverständnisses. Er schreibt: „Ich habe schon oft im Feuer gestanden, und der Herr hat mich durch das Feuer hindurchgeführtfJes. 43, 2); er hat mich hindurchgeliihrt, da er durch mich schwaches Werkzeug meine Gemeinde aus der reformirteti Kirche herausriss, und sie in die altlutherische Kirche hineinführte; er hat mich hindurchgeführt, da ich zu Braunfels gegen die Union der preuss. Staatskirche stritt und sie verwarf; und darum hoffe ich, Er wird auch die rauebenden Löschbrände zu dieser letzten Zeit wohl zu finden wissen." Dann aber: ,,Eins sei nicht vergessen, nämlich das Bekenntniss, welches ich hiermit abgebe, dass ich in dieser Heleuchtung Niemanden persönlich habe beleidigen, noch an seiner Ehre, die ihm gebührt, habe kränken wollen, sondern dass ich nur allein die Sache im Auge gehabt und nur für die Wahrheit gefochten habe."

Die Red. G.

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