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die Zeit der Gerichte über das bundbrüchige Israel und die Zeit der negativen und positiven Vorbereitung der Völker auf Christum (der negativen durch den Druck der Weltreiche, der positiven durch das zerstreute Israel) gekommen war, zuerst in Assur, was sie, weil nicht ihr ursprünglicher Urheber, noch nicht vollendete, dann in Babel, ihrem uranfänglichen Träger, das sie, die Arbeit seines Vorgängers benutzend, zuerst zur Vollendung brachte. — Und wie die Nennung Babels als des Ortes, wohin Juda gefangengeführt werden sollte, eine Uebertragung dessen, was die Assyrier an demselben hatten thun sollen, aber wegen seiner Umkehr nicht an ibm gethan hatten, auf die Babylonier begünstigte, so erleichterte sie auch noch ein anderer Umstand, der Umstand nämlich, dass die Vollstrecker der Gerichte über beide Reiche in den rügenden und drohenden Theilen des Buches (C. 1-3 und G. 6-7, 6), also in den Theilen desselben, in welchen man ihre Nennung am meisten erwarten sollte, nie genannt werden, dass in diesen Theilen die Drohung überall trotz ihrer sonstigen grossen Schärfe und Bestimmtheit so allgemein gehalten ist, in ihm allenthalben nur Israels und Judas Sünde und die dafür nothwendige Strafe ohne Rücksicht darauf, wer die Vollstrecker derselben sein sollen, einander gegenübergestellt werden, dass Andeutungen über das Strafgerichtswerkzeug sich erst in den verheissenden Theilen des Buches (C. 4. 5. 7, 7 – 20) finden (4, 10. 5, 4. 5. 7, 12), und zwar hier nur mehr oder weniger indirekte. Diese Erscheinung bat darin ihren Grund, dass es Micha, seiner oben angegebenen Lebensaufgabe gemäss, our darauf ankam, scharf und nachdrücklich darauf hinzuweisen, dass das tiefe und furchtbare Verderben seiner Zeitgenossen unumgänglich nothwendig und upfehlbar gewiss Strafe und zwar die äusserste nach sich ziehen musste *), nicht auch darauf, hervorzuheben, dass dieses oder jenes Volk das Werkzeug dieser Strafe sein werile. Gleichwie er nur Götzendienst und Ungerechtigkeit rügt, nicht auch in Furcht vor den Weltmächten der Gegenwart und Vertrauen zu ihnen sich kundgebenden Unglauben an die Macht des Herrn, so tritt bei ihm auch die Wellmacht der Zeit, Assyrien, die in den wenigen Stellen seines Buches, wo auf sie hingedeutet wird, nur einfach als Straswerkzeug für die in demselben gerügten Sünden des Volkes Gottes in Betracht kommt, ganz in den Hintergrund, mud wird von den übrigen Weltmächten und Völkern der Gegenwart, von Israels und Juda's Verhältnissen zu jbnen und von den lämpfen zwischen dem Gottesreich in Israel und der Weltmacht gänzlich geschwiegen, ganz anders als bei Jesaja, der ausser den von Micha gerügten Sünden auch eitle Furcht vor und citles Vertrauen zu den Weltmächten aus Unglauben an die Macht des llerrn strast und dessen prophetische Schrill dadurch in ibren wesentlichsten Theilen einen, so zu sagen, politisch-othischen Character erhalten hat. Ja emellich selbst die Art, wie von den Sünden in Israel im Buche Micha gesprochen wird, ganz ohne Nennung irgend welches Namens oder Bezeichnung irgend welcher Gelegenheit, bei der gesündigt wurde (vgl. dgg. 2. B. Jes. 7 und 22 und die meisten Weissagungen Jeremia's), machte es sehr leicht, das, was Micha von seinen Zeitgenossen gesagt und womit er sie bedroht batte, auf spätere Zeiten zu übertragen. So gewiss es einerseits auch ist, dass Micha in seinen Rügen seine Zeitgenossen vor Augen gehabt hat, so hat er andererseits doch in solcher Allgemeinheit von ihnen gesprochen (er macht nur immer die vorzugsweise verderbten Klassen des Volkes namhalt, ohne je cinzelne Individuen aus denselben zu nennen, g. bes. C. 3 und hier wiederum namentlich 3, 11) und ist das, was er an ihnen stralt, Etwas, was so sehr zu allen Zeiten vorkam, dass Nichts leichter war, als dass Späterlebende ihre Zeiten in seinem Buche gezeichnet fanden. Durch alles Dreies also: dadurch dass in 5, 5 und 4, 10 Assur als das Land Nimrods und Babel als der Ort, wohin Israel solle gefangengeführt werden, bezeichnet waren, dadurch, dass Assur in den drohenden Theilen des Buches nicht als das Strafgerichtswerkzeug genannt war, und dadureli, dass sich in der ganzen Schrist weder irgend welche Gelegenheit, bei der gesündigt worden, noch irgend welches Individuum, das gesündigt hatte, uamhast gemacht fand, cignete sich der Johalt derselben ganz vorzüglich zu einer Uebertragung auf spätere Zeitverhältnisse. Und vielleicht ist es nicht zu gewagt, die Behauptung aufzustellen, dass schon der Urheber des Buches selbst, bei seiner Abfassung an eine soche Uebertragung gedacht hat. Auf der einen Seite musste es ihm nämlich feststehen, dass sich Juda in Folge seiner Drohworte bekehren und so der gedrohten Strafe entgehen könnte (sprach er seine Drohungen doch zu dem Zwecke aus, diese Bekehrung zu bewirken), auf der anderen aber musste er als ein Mann, der die Geschichte seines Volkes kannte und in das Verderben desselben tief hineingeschaut halle, wohl wissen, dass seine etwa eintretetende Bekehrung keine daurende sein, sondern, dass das Verderben früher oder später wieder hervorbrechen würde (vgl. Deut. 31, 21. 27. 29). Da konnte es ihm denn nicht so fern liegen, seine Schrist auch für die Zeiten der späteren Ausbrüche des Sündenverderbens Israels zu bestimmen. Und vielleicht, dass er eben deshalb, weil er sein Buch auch für spätere Zeiten bestimmte, sich über das Strafwerkzeug und die Sünder in Israel so allgemein ausgesprochen hat. Ob er auch in 4, 10 nebenbei schon an das eigentliche babylonische Weltreich als das Werkzeug der Strafe für das spätere Wiederliervorbrechen der Sünde Israels gedacht hat, indem er das Aulkommen dieses ja schon in der hiskianischen Zeit in seiner Psyche, der assyrischen Provinz Babylouien, mehrfach sich regenden (s. Jes. 39 and Euseb. Chron. arm. I, p. 42 s.) Weltreiches, gleich seinem Zeitgenossen Jesaja , vorausschaute, wollen wir dahingestellt sein lassen. Das wenigstens ist wahrscheinlicli, ja mehr als dies, dass Micha, nachdem seine Drohungen gegen Juda und Jerusalem nicht in Erfüllung gegangen waren, weil sie beim ganzen Volke Busse gewirkt hatten, angenominen hat, sie würden in späterer Zeit einmal sich erfüllen, indeni er, der Mann Goltes mit dem erleuchteten duge, sicher ein.

ben dem sinearitisch - assyrischen Reiche Nimrods enstanden in den transeuphratensischen Gegenden später andere Reiche, und von diesen thaten es einzelne dem Reiche Nimrods zuvor und verdrängten es von seiner Würde als Repräsentant des Weltreiches. Was Kuschan Rischatajim anbetrifft, su nennt ihn die Schrift nur König von Mesopotamien. Aber dass er Israel unterdrückte, ist ein Beweis, dass auch in ihm und in seinem Reiche weltherrschaftliche Bestrebungen lebten, Bestrebungen, die sich, wie bei den vier transeuphratensischen Königen in Gen. 14, nach den Län. dern diesseits des Euphrats, nach Westen richteten. In viel voll. kommenerer Weise als Kedarlaomer und Kuschan Rischatajim realisirte, als die Zeit der Weltreiche gekommen war, zuerst das in dem Reiche Nimrods secundäre Land, das nimrodische Nebenland Assur die Idee des Weltreichs; oder besser: von ihm ward diese Idee zuerst realisirt, indem ihre vorhergehenden Realisa tionen nur ganz unvollkommene (dereinstige vollkommene Realisation nur wie weissayende) Versuche waren. Assur ist das erste eigentliche Weltreich. Am rollkommensten jedoch wurde hernach, mit und nach Assurs Fall, die Weltreichsidee in dem Haupt- und Herzlande des alten nimrodischen Reichs Sinear oder Babel (vgl. Dan. 2, 49 mit 1, 2), wo sie ihren Ursprung genommen hatte, realisirt. Das babylonische Weltreich ist das erste danielische, Nebukadnezar das gol. dene Haupt des Monarchienbildes. Die Erfinderinn und ursprüng. liche Trägerinn der Idee, war auch ihre berufene und befähigtste Vollenderinn. Ihrer Vorgänger Arbeit benutzend vollendete sie dieselbe als die Zeit der Vollendung gekommen war.

*) Dies, tritt z. B. sehr klar in der Hauptdrohung des Buches in 3, 12 vgln. mit 3, 11 hervor; ferner auch in 1, 5 dem Thema zu 1, 6-16 und zu 1, 6-3, 12 überhaupt und dem Angelpunkte in C. 1 und C. 1-3 (1, 5 bezieht sich einerseits zurück auf 1, 2-4 und wird andererseits in 1, 6 ff, entwickelt); endlich auch in Stellen, wie 2, 10 vgln, mit 2, 8. 9.

sah, dass das Verderben des jüdischen Volkes, jetzt durch sein Wort keinesweges etwa gebrochen, sondern nur einigermassen zurückgedrängt, so tief sei, dass es nothwendig später wiederhervortreten und endlich einmal durch keine prophetische Drohung mehr auch nur momentan zurückzudrängen sein würde. Und eben diese aus seinem tiefen Einblick in das Verderben seines Volkes hervorgegangene Annahme war es vorzüglich, die ihn dazu bestimmte, seine Schrift, nachdem sie ihre Aufgabe erfüllt zu haben schien, nicht etwa wieder zu vernichten, sondern sie der Nachwelt zu überliefern.

Eine kurze Beleuchtung der Frage, ob der gegenwärtige sogenannte geistliche Stand, als ein von den anderen christlichen Ständen abgesonderter, ein christlicher oder ein

unchristlicher sei.

Uhonderter, ein en den anderenwärtige

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Um dem obigen Titel, den wir der hochwichtigen Sache, davon wir bier reden wollen, vorgesetzt haben, auch rechtmässig entsprechen zu können, müssen wir vor allen Dingen fragen, ob wir auch die Macht haben, in dieser Sache ein rechtsgültiges Urtheil zu stellen; und dies um só mehr, damit wir nicht Gefahr laufen, von den Verkehrten, die aus Sauer Süss, und aus Süss Sauer machen (Jes. 5, 20), als die Verkehrten verschrieen zu werden. Diesen müssen wir, um zu beweisen', dass uns solche Macht gegeben sei, den Spruch des Apostels entgegenhalten, der 1.Corinther 2, v. 15 also geschrieben steht : ,, Der Geistliche richtet alles, und wird von niemand gerichtet.“ Haben wir nun den heiligen Geist, woran denn auch nicht zu zweifeln ist, wie der Beweis vor Augen liegt, so lassen wir uns auch von niemand richten, sondern wollen vielmehr die Macht haben, alles zil richten, besonders aber diese Sache, davon hier die Rede ist, und dies um so mehr, weil uns Christus auch befohlen hat, dass wir uns vor den falschen Propheten hüten sollen (Matth. 7, 15' fr). Niemand aber vermag sich vor den falschen Propheten zu hüten, er habe sie denn zuvor als solche gerichtet. Also, nun zur Sache, weil uns von Christo und seinem Apostel das Richteramt gegeben ist.

*) Den Geist dämpfet nicht! In Befolgung dieses apostolischen Wortes übergibt die Red. der Zeitschr. f. d. gesammte luth. Theol. u K. (in dem lebendigen Bewusstseyn, dass sie in dem Darbieten verschiedenartigster Abhandlungen ein anderes Bild von den Zuständen der luther. Gesammtkirche nicht gibt, als diese selbst es gewährt) die obige Abhandlung der Oef. fentlichkeit. Der Hr. Vf., ein fast 70jähriger rüstiger Lehrer, jetzt zu Pyrmont wohnhaft, hat eine ., lutherische Gemeine im Lippischen gesammelt, zu deren Dienst er die Ordination und mit ihr die staatsbürgerliche Berechtigung noch nicht zu erhalten vermocht hat. Auswärtige freie lutherische Kirchen nahmen Anstoss an jener Gemeinschaft, insofern dieselbe – in Nachfolge des Beispiels strengster Lutheraner des 16. Jahrhunderts, eines Heshusius u A. – die symbolische Autorität der Concordienfurmel als eines nicht lauteren, als eines zu laxen, unionistischen Bekenntnisses, verwirft, und ihr eigenes Bekenntniss zur Augustana durch die Interpretation motivirt und limitirt, dass es in dem Sinne gemeint sei, nicht wie sie jedweder sich deuten möge, sondern wie sie Luther zuvor öffentlich gepredigt, und namentlich durch seine Streitschriften (insbesondere z. B. de servo arbitrio) commentirt habe. - Die Red. braucht nicht erst hier auszusprechen, dass sie die C.-F. für ein recht und ächt lutherisches Bekennt. niss erkennt; dennoch aber kann sie nur bedauern, dass man ji. ner streng und alt lutherischen Gemeinschaft, zumal dieselbe wohl

weiss und wahrt, was Princip und Lebensnerv Lutherscher Reformation ist und bleibt, Anerkennung und Hülfe versagt, während man sie den lax und neu lutherischen in reichem Maasse gewährt. Wirkliche Einigkeit ist unter den Lutheranern dieser Tage ja einmal nicht da, und alle straussenmässige Verhüllung des Hauptes vor dem Factum der Uneinigkeit wird sie auch nicht machen. Wer weiss aber, ob durch offene Reibung der Gegensätze, durch offenes Aufeinanderplatzen der Geister, des zu Strengen und des žui Laxen, die lautere Wahrheit reiner Mitte nicht gerade an sichersten und nachhaltigsten gefördert würde! - sicherer und nachhaltiger ja wenigstens gewiss, als durch doctrinäre mittelnde Formeln nichtssagenden 10 halts. Und jedenfalls sollte der Genuss der Gewissens- und Religions. freiheit doch wohl nicht blos zu laxen, sondern auch zu strengen, nicht blos Neu-, sondern auch Alt-Lutheranern unverkümmert seyn.

Zum Schluss dieser Vorbemerkung noch ein zwiefaches Wort des Vfs. selbst aus seinen Begleitschreiben an die Red. vom 8. Nov. und 27. Nov. 1851; das eine zor Erläuterung seiner Vorgeschichte, das andere zur Verhütung eines Missverständnisses. Er schreibt : „Ich habe schon oft im Feuer gestanden, und der Herr hat mich durch das Feuer hindurchgeführt (Jes. 43, 2); er hat mich hindurchgeführt, da er durch mich schwaches Werkzeug meine Gemeinde aus der reformirteu Kirche herausriss, und sie in die altlutheri. sche Kirche hineinführte; er hat mich hindurchgeführt, da ich zil Braunfels gegen die Union der preuss. Staatskirche stritt und sie verwarf; und darum hoffe ich, Er wird auch die rauchenden Löschbrände zu dieser letzten Zeit wohl zu finden wissen." Dann aber: „Eins sei nicht vergessen, nämlich das Bekenntniss, welches ich hiermit abgebe, dass ich in dieser Beleuchtung Niemanden persönlich habe beleidigen, noch an seiner Ehre, die ihm gebührt, habe kränken wollen, sondern dass ich nur allein die Sache im Auge gehabt und nur für die Wahrheit gefochten habe.“

Die Red. G.

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