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gleich der wesentliche mangel der heiligen dichtling Englands überhaupt bezeichnet. Das kirchenlied fehlt ihr, weil nicht aus dem Volkslied sie erwachsen. Hierzu kommt freilich die englische antipathie gegen alles mystische, die so weitgreifend, dass z. B. die geniale Übersetzerin der deutschen theologie sich für ihre so eben zum drucke vorbereitete arbeit nur des Armischen textes zu bedienen gewagt hat, um allem pantheistischen anfluge sicher zu entgehen. Dieser zug aber im deutschen volkscharacter hat gerade auch den bronn heiliger begeisterung für das deutsche kirchenlied so lebensfrisch und tief erhalten. — Gegenüber nun jener sangesweise der anglikanischen kirche erscheint die von B. veröffentlichte Sammlung altkatholischer hyninen in dem interessantesten lichte, und sie kann eines bedeutsamen eindrucks nicht verfehlen. Zwar ist der klang der mittelalterlich lateinischen spräche, wie er mit den laubig flammenden formen der architektur des mittelalters so eigenthümlich verwandt und verwachsen ist, in keiner andern spräche ganz treu wiederzugeben. Aber schon das ist etwas, zu sehen, wie die Völker damit gerungen, hinweg über alle Schwierigkeit jene reichen schätze religiöser erhebung sich anzueignen. In den zwiefachen lesarten, welche der verf. von mehreren der alten hyninen giebt, ist dies ringen am besten wahrzunehmen. Und man muss sagen, dem alten englischen ist es doch besser gelungen, als etwa dem Italiener, der in dem Dono spirituale per le spose das Stabat mater in italiänische terzinen übertragen. Ueber einrichtung und form der Sammlung hat der verf. am besten einleitend sich erklärt. Ueber ihren zweck hat er sich nicht ausgesprochen. Der literarhistoriker wird sie jedenfalls ihm dank wissen. — Darf ich ein paar einzelnheiten bemerken, so ist der hyrnnus 6, s. 14 Joseph, the son of David, wohl eine in eigner weise geschehene zusammenschmelzung aus dem alten Te Joseph celebrant agmina Coelitum und dem responsorium: Quicumque sancte vioere cursumque vitae claudere cet. Oder haben beide eine ältere quelle? — In dem Vexilla regia 23 s. 33 steht die Übertragung: He on shis gibbet suffers woe, in fleah who causes all flesh to be — dem Lateinischen: Qua vita mortem sustulit, e morte vitam protulit freilich an eleganz sehr nach. — Der Zusatz zu dem Pange lingua gloriosi s. 45 scheint eine Umschreibung des gewöhnlichen schlussgebets beim besuch des sacraments zu sein: Deus qui nobis sub sacramento mirabili Patsionis tuae memoriam reliquisti, tribue quaesumus, ita nos Corporis et Sanguinis tui sacra mysteria venerari, ut redemptioni* tuae fructum in nobis jugiter sentiamus. — Interessant ist die vergleichung der beiden Übersetzungen des l'eni Creator Spiritus nr. 27 — 28 s. 34 f. mit denen im Common Prayer Hook. Man wird nicht verkennen dürfen, dass kraft und religiöse erhebung auf Seiten der altkatholischen version. [N ] 2. Der Friede und die Freude der Kirche. Lieder ». Otto

Ramsauer. Herausgeg. v. Dr. J. P. Lange. Zürich

(Hiihr, 1851. 12.

Ueberaus liebliche und sinnige geistliche Lieder eines noch jugendlichen Sängers (aus Oldenburg), zeugend von Leben in Christo, Vertiefung in die Schrift und Liebe zur Kirche. Sofern er sich nicht zersplittert und nicht dem aus dem Liede beim Nachtmahl S. 77 ersichtlichen Zuge anheimfällt, wird seine edle Dichtergabe ein Segensquell für unsre lutherische Kirche werden. m i

XX. Die an die Theologie angrenzenden Gebiete.

(Philosophie und Vermischtes.) 1. Schleiermachers Sittenlehre, ausführlich dargestellt und beurtheilt mit einer einleitenden Exposition des historischen Entwickelungsganges der Sittenlehre überhaupt. Von Franz Vorländer (Prof. d. Philos. in Marburg). Marburg (Elwert) 1851. 8.

Der Gang, den der verewigte Schleier m acher zur Darstellung der Ethik nahm, war folgender. Indem er im Anfange des Jahrhunderts mit den Koryphäen der Naturphilosophie und Romantik das faule Holz der Popularphilosophie, wie nicht minder die hergebrachten ethischen, pädagogischen und ästhetischen Begriffe einem zum Theil wohlverdienten Vernichtungsprozess weihte, suchte er, ethisch wie religionsphilosophisch, nachdem reiner Boden gemacht war, einen neuen zu legen. In der ersten Periode seiner ethisch-wissenschaftlichen Productivität („Vertraute Briefe über die Lucinde,'" „Monologen") ist er durchaus gebunden von der ganzen , wie überschwenglich auch sich geberdenden, doch im Grunde negativen Tendenz der Romantik (wie dies Schwarz, trotz des Widerspruchs von Vorländer S. 71, ganz richtig erkannt hat), erhebt sich aber, an Piatons Hand, schnell über dieselbe und liefert nun in seinen „Grundlinien einer Kritik der bisherigen Sittenlehre" (1804) ein Werk, das, wie sehr auch das Resultat ein negatives und trostloses ist (beides die praktischen und die hedonischen Systeme mit sammt ihren Grundbegriffen und Hebeln werden als allewege ungenügend anerkannt), und wie wenig er auch den freien Blick erhebt zu dem, der die Ethik wie die Schöpfung frei macht, dennoch, von Seiten der historisch-philosophischen Kritik und der auf diesein Gebiete wohlberechtigten skeptischen Betrachtungsweise, ein Meisterwerk ist und bleibt. 'Eben durch Piaton angeregt, ergriff er nun die Lehre vom höchsten Gut nicht sowohl als die Spitze, sondern als das Centrale der ethischen Construction, und statt dass er auf dem kritischen Wege selbstständig hätte weiter gehen und denselben durch eine geschärfte ethische Beobachtung vervollständigen sollen (denn in der That ist keine Wissenschaft praktischer auch in ihrem Entstehen und Organisiren als diese des Praktischen) , suchte er die Ethik durch die Dialektik zu substruiren und entleerte den Begriff des rftog theils durch die blos dialektische Zurückfflhrung desselben auf den Genieinbegriff „der Vernunft" („es ist das Leerste", sagt Her bar t mit vollem Recht, „was an die Stelle einer ethischen Idee jemals zu setzen der Versuch gemacht worden ist;" s. Vorländer, S. 129), theils durch eine gewagte, blos postulirte, nie durchgeführte Parallele der ethischen und der kosmischen Entwickelung. Schleiermacher hat so, wie er überhaupt die Theologie durch die Philosophie verdarb, namentlich die Ethik durch diese todte dialektische Substruction verdorben, und in allen diesen Beziehungen enthält Herbart, weil er den rechten, umgekehrten Weg ging, die schärfste und lebendigste Kritik der Schwächen Schleiermachers. Letzterer versuchte noch in der Darstellung der „christlichen Sittenlehre," indem er manches von dem früher erträumten Gewinn aufgab, einen Rückweg und eine wirklich höhere Construction; aber auch hier stand ihm seine Grundbetrachtung des Christenthums als einer Religionsform entgegen, wie sehr auch andererseits sein Festhalten an dem Begriffe einer sittlich-religiösen Gemeinschaft zu Statten kam. Eine unbefangene Prüfung seiner Bemühungen in letztgenannter Rücksicht wird ergeben, dass er weder die letzten Gründe, noch die Urbilder, noch das unermessliche, so tief wie hoch sich erbauende, Gebiet der Motive in der christlichen Ethik recht gefasst, noch gewürdigt hat. Trotz alle dem müssen wir Schleiermachern eine gewisse ethische Intuition beischreiben (wie dies sich mit rechter Virtuosität in seiner Deduction der Tugenden, Pflichten und Güter, so wie nicht minder in Darlegung der Ordnungen der Pflichten herausstellt), und vor Allem seine Gedanken über Staat und Erziehung rühmen, auf welchen Gebieten er in vieler Hinsicht meisterlich waltet und austheilt.

Dies ist unser nüchternes christliches Urtheil von der Schleiermacher'schen Ehik. Es is allerdings nicht das Urtheil des vorliegenden Kritikers und kann es nicht seyn; denn, weit entfernt Schleiermachers späteren, dem Christlichen zugewandten Standpunkt auf ethischem Gebiete als einen Gewinn zu achten, meint er, Beine Betrachtung sey dadurch wesentlich verdorben, indem man, selbst gesetzt, das Christliche sey das höchst Vernünftige, dennoch sich keine genügende Rechenschaft geben könne, warum das Ethische eben auf Christum und seine Gemeinschaft bezogen werde, und indem dadurch immer ein Jenseits im Gegensatz zum Diesseits ponirt werde, das einmal nicht nöthig sey und dann auch nicht seyn solle. Damit ist uuser Urtheil im Allgemeinen über die gegenwärtige Schrift ausgesprochen: Sie kommt zwanzig Jahre zu spät; jener dünn, flach rationalistische Standpunkt, der sich durch dieselbe hindurch zieht, ist auf wissenschaftlichem Gebiete längst überwunden; der darin verhüllte Atheismus ist gerichtet und richtet sich selbst. Versäumen wir jedoch nicht, abgesehen von diesem tiefen Unglück des grundlosen Standpunkts, in welches der Verf. gelallen, auch dieser Schrift nach ihrem Maasse gerecht zu werden. Nicht nur sind in der einleitenden Exposition (zumal über die alte Griechische und neuere Deutsche Ethik) manche richtige Blicke gethan, sondern auch die Kritik der einzelnen ethischen Entwickelungen und Darstellungen Schleiermachers bietet manche Punkte dar, die erwogen zu werden verdienen und bei einem wissenschaftlichen Ausbau der Ethik überhaupt kaum umgangen werden können. Letzteres würde, nach unserer Meinung, in weit grösserm Umfange geschehen, wenn nicht die Darstellung des Verf.'s ungebührlich niedergedrückt wäre theils dnrch eine geleckte Schulsprache, theils durch Mangel an Lebendigkeit überhaupt. Wollte der geehrte Verf., dem gewiss bei aller speculativen Verirrung ein sittliches Streben einwohnt, es dem verhärteten, alten christlichen Theologen nicht übel nehmen, so würde derselbe zuletzt sagen: Der Vf. muss herum, an die Lebensquellen selbst heran, die den Durst wirklich löschen können; dann wird mit dem geänderten Standpunkt auch die Gabe sich vervollkommnen und veredeln. [It. |

2. Antiharharus logicut. Enth. einen kurzen Abriss

der allgemeinen Logik und die Lehre von den Trugschlüssen

und falschen Beweisen , fasslich dargestellt und durch viele

Beweise aus ältester und neuester Zeit erläutert von Cujus

nebst einer, Vorrede von Sempronius. Halle, in diesem

Jahr (1851). Comm. v. Mühlm. XII u. 57 S. gr. 8. 71/, Ngr.

Wir sind mit dem verehrten Verf. des vorliegenden An

iibarbarus logicus der unvorgreiflichen Ansicht, dass in der

'Chat, um die Truggewebe der modernen Sophistik zu zer

reissen, Nichts geschickter ist, als eine wahre Medicina tuentis, eine ^tatsächliche Erinnerung an die unzerstörbaren Grundsätze der Logik, die nicht nur für Menschen, sondern auch für Engel geschrieben ist; denn hier gilt es, was Luther sagt: „So etwas wider die natürliche Vernunft ist, wie vielmehr wird es wider des Geistes Licht seyn!" Zwar könnte es scheinen, als ob die Alogie des Pantheismus am äussersten Rande des logischen Gebiets liege, und als sich selbst aufhebend in jedem Satze um so weniger zu bedeuten habe; allein man muss Dreierlei bedenken: erstlich die sittliche Impudenz, die einem solchen Verfahren zu Grunde liegt — es ist offenbar eine Leugnung nicht nur des Wissens, sondern auch des Gewissens — dann die nothwendige Wechselwirkung zwischen dem formalen und realen Denken (wo jenes mit Füssen getreten wird, da ist dieses in seinen Grundvesten erschüttert) , und endlich das Mephistophelische Treiben, das schon an sich in dem Aufheben sogar des prineipium contradictionis et identitath und überhaupt der logischen Grundsätze liegt. Dieses klar und unwiderleglich, in der entsprechendsten, durchsichtigsten Form, mit den schärfsten Warten der Selbstgew issheit und durchdringenden Klarheit, überall mit lehrreichen Beispielen aus Hegels, Erdmanns, Michelets, Werders u. a. Monisten Schriften belegt, aufgezeigt zu haben ist das grosse Verdienst der vorliegenden Schrift, die in ihren wenigen Bogen mehr gesundes Denken enthalt, als der ganze, jetzt in Fäulniss übergegangene, Körper des Monismus. Die wahre Wissenschaft hat, überall wo sie auf ihrem Gebiete bleibt, etwas Unbestechliches, Ehrfurcht Gebietendes, Zustimmung Gewinnendes. Dass Letzteres auch an dem Antibarbarus logicus sich bewähren werde, sind wir vollkommen überzeugt, und empfehlen denselben zum ileissigsten Gebrauch allen, die da sehen wollen, die den grossen Werth der Nüchternheit, deren Uebung selbst in den höhern Sphären Niemanden gereuen wird, noch nicht ganz verlernt haben, [lt.]

Die in der Vorrede erzählte Entstehungsgeschichte des ,. Antibarbarus," so wie die Wahl der Beispiele für die aufgestellten Regeln lassen keinen Zweifel, dass die philosophische Logik hier gleichsam nur als ein Spiegel vorgehalten wird, worin wir die Logik der Geschichte und des Lebens schauen und die letzten Gründe der politischen, kirchlichen und wissenschaftlichen Verwirrung unserer Zeit, samnit den eigentlichen Ursachen des Scheiterns ihrer besten Wünsche und Bestrebungen wahrnehmen sollen. In einen solchen Spiegel zu blicken mag wohl den Dünkel unseres hochfahrenden Jahrhunderts erbittern; heilsamer aber wäre eine demüthige

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