صور الصفحة
PDF
النشر الإلكتروني

Gottessprüche (wir fassen mit Stier hóyos als „Inbegriff der einzelnen onuata) ganz austilgen aus seines Gewissens unerbittlich treuem Gedächtnisse; es heftet sich an seinen Fuss, wohin er gehe, im rauschenden Blatte des Baumes schreckt es ihn und legt sich mit ihm zu Bette, es begleitet ihn zu seinen Weltgeschäften und Weltgenüssen, um ihm leise ins Ohr zu flüstern: „Dennoch bist du elend !“ Am jüngsten Tage aber wird dies Wort laut ihm entgegentönen aus dem Munde des Menschensohnes, dessen errettende Liebe er von sich gestossen, und mit unaussprechlicher Pein wird er es wiedererkennen als dasselbige Wort, dem zur Seligkeit gehorsam zu werden er in der Gnadenzeit sich weigerte. Wie aber die Disposition der heiligen Liebe Gottes, nach welcher dem Sohne die Macht das Gericht zu halten als dem Menschensohne gegeben ist (Cap. 5, 27.), zugleich schrecklich und tröstlich ist – schrecklich für die, welche in Ihm mit heulendem Weh sehen werden, den sie gestochen haben; tröstlich für die, welche in Ihm sehen werden, den sie als das am Kreuze geschlachtete Lamm Gottes anzubeten gelernt haben: ebenso ist das Wort des Lebens, welches Christus geredet hat, als κριτικός ενθυμήσεων και ŠVVOLõv xoodías zugleich schrecklich und tröstlich - schrecklich für die Ungläubigen, denen es mit unwiderstehlicher Gewalt zum Tode sich aufdringt; tröstlich für die Gläubigen, die am jüngsten Tage mit unaussprechlicher Freude aus des Richters Munde dasselbige Wort hören werden, welches ibres Lebens Zuversicht und einige Richtschnur war. Darum wolJen sie auch keinen andern Gott und Christus kennen, als den im Worte offenbarten, und wissen gewiss, dass sie im Worte ihn haben, wie er ist. „Das Wort “ sagt Luther, der im Kampfe gegen Papstthum und Schwarmgeisterei den rechten Richter zu kennen herzlich froh war – das Wort kann keine Creatur umstossen, der Höllen Grund vermag Nichts dawider; und wenn ich auch schon dem Teufel in dem Rachen stecke, kann ich das ergreifen, so muss ich wieder heraus, und bleiben, wo das Wort bleibt. Darum ist es wohl eine göttliche Kraft, ja, Gott ist es selber“*).

Wir verweilen billig etwas linger bei diesem λόγος κριτικός, weil hier der eigentliche Gipfelpunct der ganzen, das öffentliche acheiv Christi überschauenden Rede gelegen ist, wess

*) In der Ausl. der ersten Ep. Petri, bei Waleh Bd. IX, S, 688. Es war unserm Luther ein Geringes, dass er um solcher und ähnlicher Aussprüche willen von Geistern wie Seb. Franck angeklagt wurde, er habe aus dem Schriftworte einen „ Abgott“ gemacht.

halb Lampe dieselbe nicht unschicklich eine „protestatio solennis “ nennt. Die hell einleuchtende Ursprünglichkeit die. ses Ausspruchs des HErrn nöthigt Stier die „Geneigtheit“ ab, „hier wörtlichen Bezug auf ein bisher nicht ausgezeichnetes Wort anzunehmen.“ Es ist an sich richtig, was er hinzufügt: „Doch bleibt es auch ohne das ein wirklicher Ansspruch Jesu durch seinen Geist in Johannes,“ und kein Leser wird uns in den Verdacht genommen haben, als schrieben wir dieses zu Gunsten der völlig uphaltbaren (und obenein schalkhaften) Theorie von einer qualitativ oder quantitativ unterschiedenen Dignität des von Christo mündlich und des vom Geiste Christi in den Propheten und Aposteln gesprochenen Wortes. Nein; nicht um apostolischem Worte einen vermeintlichen Zuwachs an normativer Autorität zu verschaffen, sondern um die Lauterkeit der evangelischen Ueberlieserung auch vor der leisesten Trübung bewahrt zu wissen, liegt uns die Frage am Herzen: ob eine vom Evangelisten mit: „Jesus rief und sprach“ eingeführte und von des HErrn heiligem „Ich“ durchtönte Rede eine wirklich so gesprochene Rede des HErrn sey, oder nicht? Und wir hoffen nachgewiesen zu haben, dass der Zusammenhang des Ganzen den 48. Vers aufs Beste in sich aufnimmt, so dass wir statt der Annahme, „der HErr habe wirklich einmal gerade so gesprochen,“ ganz einfach dabei beharren dürfen: der HErr hat wirklich eben diesmal gerade so gesprochen! Denselben Eindruck machen nun die Schlussverse, worin der HErr die ewige Würde seines Wortes begründet:

V. 49. 50. Denn ich habe nicht von mir selber geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat selbst mir ein Gebot gegeben, was ich sagen und reden solle; und ich weiss, dass sein Gebot ist ewiges Leben. Darum, was ich rede, das rede ich also, wie mir der Vater gesagt hat.

Dem Worte Christi kommt jene richterliche Herrlichkeit zu, weil (oti) es nicht das Wort eines Menschen, sondern Gottes ist, das Wort, welches ewiglich bleibet (1 Petr. 1, 23.) als die Sprache des ewigen persönlichen Logos. (Und doch wären hier „lauter vereinzelte Sentenzen ohne innern Zusammenhang aneinandergereihet“ ?! Man überblicke noch einmal den planen, durch adversative und causale Partikeln bezeich-. neten Fortschritt der Rede, um vom Gegentheile sich zu überzeugen !) Der HErr concentrirt hier die heilige Protestation gegen den Unglauben der Welt, womit er stets von Neuem sein Reden begleitete und den Hörern seiner Worte bezeugte, dass er nicht als vermessener Prophet eigner Eingebung, sons

dern als der verheissene wahrhaftige Prophet (5 Mos. 18, 18. 19.), der treue und wahrhaftige Zeuge, in dessen Munde lauter Amen erfunden wird, der glaubwürdige Verkündiger der Geheimnisse des Vaterschoosses, rede Alles was er rede. Vergl. Cap. 3, 11. 32.; 5, 30.; 6, 46. und namentlich Cap. 7. u. 8. ost. An drei Stellen der Abschiedsreden , Cap. 14, 10. 24. u. 15, 15., und zwar in der erstgenannten in gleichem Verhältnisse zu dem dort voraufgehenden Verse („Wer mich siehet, der siehet den Vater"), wie hier zu V. 45., kehrt dieses Zeugniss des treuen Offenbarers de einigen wahren Gottes wieder, der seine Jünger nicht mehr Knechte, sondern Freunde, in die Geheimnisse des Himmelreichs Eingeweihete, heisst. Wie höchst individuell aber ist in unserm Texte der Ausdruck der Rede gestaltet! Den unverwischlichen Stempel der Ursprünglichkeit trägt zunächst schon das : . Tós Mol {vtohny Swxa, einw xai ti hannow. Treffend allerdings vergleicht Stier zu dem εντολήν έδωκε das τόν hógov avtoŨ Tnpū in Cap. 8, 55., womit der HErr den geschlechtsstolzen Juden gegeüber sein wahrhaftiges idéval Gottes behauptet; aber es entgeht diesem Ausleger keineswegs das „Eigenthümliche “ des Ausdrucks in unsrer Stelle. Noch eigenthimlicher ist das: τί είπω και τι λαλήσω, wober einem wohl Luthers ,, Singen und Sagen“ ins Ohr fällt. Offenbar soll die Weitschaft des Ausdrucks jedes Sprüchlein und jede Predigt, jeden Ausruf und jedes Gespräch seines Mundes umschliessen, (, hadcò dicitur de sermone copioso et uovonheúow; énw de brevi et mutuo,“ Bengel), und nachdrücklich Alles ohne Unterschied als Gottes Wort darstellen, was je aus seinem wahrhaftigen Munde gehe. Bei Ihm, dem ewigen persönlichen Worte, findet vollkommen statt, was Petrus den Dienern des Worts – die ja Christus sendet, wie ibn gesandt hat der Vater – einschärft: „So Jemand redet, dass er es rede als Gottes Wort “ (1 Petr. 4, 11.).. Der Inhalt alles Seines Sagens und Redens aber ist ewiges Leben, wie es Petrus richtig aus den Worten seines HErrn herausgehört hatte (Cap. 6, 68.). Man beachte die ursprüngliche Concinnitat des Ausdrucks: Και οίδα, ότι η εντολή αυToŨ twn aidviós ļotiv, welche Worte am hellsten wiederklingen im hohenpriesterlichen Gebete, Cap. 17, 2-4. Ich weiss, spricht der Sohn Gottes, der ewige Inhaber des göttlichen Lebens (vgl. 7, 29.: ływ oida aŭtov, oti nuo aŭtoù & iu i, xoxzīvós å n é O TELE v), Ich weiss, dass der Christus-Auftrag, den mir der Vater zur Verklärung seines Namens auf Erden gegeben und den mein an des Vaters Munde bangendes Zeugniss gehorsam ausgerichtet hat, ist, nach der

Kraft seines Inhaltes, ewiges Leben. Hiemit fasst der HErr die beiden Theile der Rede in Eins zusammen. Ewiges Leben gibt der vom Vater gesandte Sohn Allen, die an ihn glauben, und erfüllt damit des Vaters ernstlichen ihm ewigbewussten Liebeswillen (Cap. 3, 15.; 6, 39. 40.); so verachtet denn das ewige Leben, wer Christi Wort verachtet, und dies Wort des ewigen Lebens wird die Kinder des ewigen Todes richten am jüngsten Tage, auf dass erfüllet werde die alte Weissagung: „Wer meine Worte nicht hören wird, von dem will ich's fordern“ (5 Mos. 18, 19.).

Den Gesammteindruck dieser all sein Sagen und Reden zusammenschliessenden Predigt Christi wüssten wir nicht bündiger auszusprechen als mit den Liedesworten des sel. Woltersdorf, die der Frage : „Soll Alles sterben? hat denn Gott Gefallen am Verderben ? " mit der Antwort begegnen: „Nein, wahrhaftig nein! die sichern Sünder sind aus eigner Schuld des Todes Kinder, sie wollen sterben, ja sie schaffen selber ihr Verderben. O des Jammers, dass die Welt verdirbet, da der HErr am Kreuze für sie stirbet! O schnödes Sterben. Man verdirbt, und dürfte nicht verderben!“ Die reformirten Ausleger, welche sich der Worte V. 38 – 40. als einer Stütze für ihr absolutes Decret zu erfreuen wünschen (L a mpe erklärt das non posse credere für schlechthin gleichbedeutend mit non posse velle, und lässt beides aus der Unveränderlichkeit des göttlichen Decrets resultiren), sehen sich dazu verurtheilt, vor dieser Rede Christi, welche der Evangelist auf seinen mit prophetischer Schrift begründeten Ausspruch: „Darum konnten sie nicht glauben,“ sofort folgen lässt, mit hässlicher Entschlossenheit die Augen zu verschliessen und machen es sich unmöglich, den süssen evangelischen Geschmack derselben zu kosten. Wenn irgendwo in der Schrift, so in dem Verhältnisse dieser Rede zu der vorangehenden Zwischenbetrachtung des Evangelisten bewahrheitet sich, was Rudelbach so schön sagt: „Die heil. Schrift hat uns in dieser Hinsicht (nämlich in Hinsicht der Lehre von der Prädestination) die kräftigste Arzeney für unsre Seelen gereicht, indem sie nicht nur jeder möglichen Missdeutung einer einzelnen Stelle durch die entschiedenste Gegenerklärung in einer andern vorbeugt, sondern auch oft durch Bestimmungen, die dem geübten Auge nicht entgehen, sofort den klaren Verstand feststellt, was einmal ohne den Schein des Gegensätzlichen nicht geschehen konnte, den aber der Glaube überwinden soll, und der zugleich die einzige Art und Weise ist, wie schwache Staubgeborne, die nur bruchstückweise erkennen, und die ewige Wahrheit gleich

Zeitschr. f. luth. Theol. IV. 1852.

[ocr errors]

sam nur durch einen Spiegel sehen, derselbigen theilhaftig werden können. Alle Håresis, formell betrachtet, hat sich aus dem Verkennen dieses Verhältnisses, dem Ueberspringen jener Schranken entwickelt; die Gläubigen aber verehren in solcher Darstellung die unerforschlichen Wege des HErrn, den Reichthum seiner Gnade und seines Erkenntnisses“ *).

,,So gibt uns Johannes hier in der Mitte zwischen den öffentlichen und vertraulichen Reden Jesu den Aufschluss darüber, wie er die Reden gefasst und gegeben hat.“ So lautet die Folgerung, welche Stier **) aus der von ihm behaupteten Nicht - Ursprünglichkeit dieser Rede des HErrn zieht. Aehnlich verwendet Tholuck (Glaubwürdigkeit der ev. Gesch. $. 339 2. A.) die Rede, „, in welcher Joh. einige Schlagworte aus den Reden Christi als den Inbegriff derselben zusammenfasse“ zur „Bestätigung“ seiner Darstellung der Johanneischen Eigenthümlichkeit, einer gewissen „Kreisbewegung und Zerflossenheit der Gedanken,“ welche auf die von ihm referirten Reden in der Weise influirt habe, dass er in denselben vorzugsweise die Beziehungen auf die seiner Seele tief eingeprägten Grundideen hervorgehoben und auch da, wo sie ursprünglich in andrer Form vorgetragen waren, sie auf diese Form werde zurückgeführt haben.“ Wir irren daher wohl nicht, wenn wir das so oder anders ausfallende Resultat der von uns angestellten Untersuchung ein principiell folgenreiches für die Totalanschauung von der Anlage

*) Reformation, Lutherthum und Union, S, 248.

**) Da wir, hier Herrn Dr. Stier mit wiederholter Einsprache hegegnen mussten, halten wir uns schliesslich zu dem Bekenntniss verpflichtet, dass aus keinem neuern Commentare zum Ev. Joh. wir mehr gelernt haben und zu lernen wünschen, als aus dem seinigen (Thl. 4. u. 5. der „Reden des HErrn Jesu," auch als besonderes Werk erschienen), und dass wir überhaupt vor jeder Solidarität +) hinsichtlich jüngst im bibliogr. Theile dieser Zeitschr. von einem Mitarbeiter über den Hrn. Verf. gefällter Urtheile uns verwahren Denn so sehr wir auch die blasirte Subjectivität beklagen, womit Dr. Stier als Vindex unionis begabt ist, und so widerwärtig uns die Vornehmheit ist, womit er das ,, bornirte Lutherthum " in majorem gloriam einer „Kirche der Zukunft“ zu behandeln pflegt (während er doch vor einem Exegeten unsrer Kirche, wie z. E. Joh. Gerhard, als gelehriger Schüler sich zu bücken hätte); dennoch sind wir ihm aufrichtig dankbar für den liebenden Fleiss, womit er dem Worte der Schrift die feinsten Nüancen des Gedankens abzulauschen sucht, hierin den alten Auslegern ähnlicher, als er selbst zu wissen scheint.

+) Sie Andet in dieser Zeitschrift nirgends statt. Jeder Autor nennt seinen Namen und vertritt sich selbst,

Die Red.

« السابقةمتابعة »