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des Ev. Joh. nennen. Möchte die hier versuchte neue Begründung der alten Annahme von der Ursprünglichkeit auch dieser Rede des HErrn an ihrem geringen Theile dazu beitragen, dass die vollkommen keusche, makellose Jüngerweise, in der Johannes „die Reden gefasst und gegeben hat,“ dem Bewusstseyn der schriftgebornen Gemeinde in freudiger iind von jedem Zweifelsschatten freier Gewissheit erhalten bleibe.

Ueber das Verhältniss Johannis des Täufers zum Herrn nach den evangelischen Berichten und mit Rücksicht auf die

christliche Heilsordnung

geschildert

von

B. Gademann,
zweitem Pfarrer zu Münchberg in Oberfranken,

Die Geschichte des Reiches Gottes auf Erden, dessen Urkunden in der heil. Schrift vorliegen, nimmt ihren grossartigen Verlauf an einzelnen hervorragenden Persönlichkeiten, an welchen sich die ganze Anlage, Bedeutung und Tendenz derselben anschaulich und deutlich dartbun lässt, an einzel-, nen concreten Erscheinungen, welche als die Repräsentanten ganzer Classen von Begebenheiten und Institutionen, als Sinnbilder des Geistes dieser Geschichte und als bündige Signaturen der einzelnen Perioden derselben angesehen werden können. Darf es mit Recht der neuern kirchlichen Geschichtsforschung und Geschichtsschreibung als ein Verdienst nachgerühmt werden, dass sie unter dem Vorgange des ehrwür.. digen Neander in einzelnen Bearbeitungen des Lebens solcher grossen, zusammenfassenden Repräsentanten und Träger alles dessen, was irgend ein, durch bestimmte Demarkationslinien abgesteckter Zeitraum an abschliessenden Resultaten oder neu aufkeimenden Bestrebungen Bemerkeuswerthes bieten kann, wie in einem engen Rahmen bio - und monographisch vorführt - eine Thätigkeit, der wir bereits eine gute Anzahl von Schriften, welche sich über alle Zeiträume der christlichen Geschichte verbreiten, zu danken haben -- $0 wäre es wohl an der Zeit, diese Bestrebungen auch auf dasjenige Gebiet, welches die eigentliche Grundlage für alle Kirchengeschichte, die eigentliche dnagxi derselben, ihren für alle Zeiten massgebenden vorbildlichen Anfang enthält, auszudehnen und in einem Sinne, welcher durch die in unserer Zeit einen

höchstessenschaft

naeam, Moses, Persönlichkeiteographische

neuen Aufschwung nehmenden, biblisch gläubigen Forschungen wie geboten so möglich ist, das wieder aufzunehmen, was im Geiste einer früheren theologischen Richtung bereits Niemeyer in der bekannten Charakteristik der Bibel darzulegen versucht hat. Aus dem eben angeführten Grunde dürfte es an guten Vorarbeiten und Hülfsmitteln kaum fehlen; frei hätten sich Exegese und biblische Theologie zu vereinigen, um der biblischen Biographie den nöthigen Stoff zu verabreichen und unendlich viel würde auch die gläubige Betrachtung und Behandlung der heil. Schrift – aller wissenschaftlich - theologischen Forschung letztes und höchstes Ziel gewinnen, wenn solche monographische Bestrebungen jene hervorragenden Persönlichkeiten der heil. Geschichte, einen Abraham, Moses, David, Elias und Elisa im A. T., einen Johannes den Täuser, einen Petrus, Johannes, Jacobus, Paulus im N. T., zum Gegenstand ihrer Forschung und Darstellung zu machen, ihre Stellung zum Organismus des Ganzen nachzuweisen und das Verhältniss der historischen Persönlichkeiten zu der Lehre und den Institutionen der beiden Testamente darzuthun versuchten.

Die Zeiten, in welchen sichtbar vorbereitende Uebergänge zur höheren Gestaltung und genauern Entfaltung, zur Tehaiwois dessen, was der lebendige Gott über das Geschlecht der Menschen beschlossen, hervortreten, fordern durch ihr reiches Interesse ganz besonders zu einer solchen Betrachtung auf. Viel ist in unsern Tagen für die Aufhellung des Zusammenhangs zwischen dem A. und N. Testamente geschehen, nachdem nach langer und ungerechter Verkennung dieses Zusammenhangs in Leben und Wissenschaft die Reformatoren jenes lange Zeit wider Gebühr vernachlässigte, durch anderweitige Bestrebungen verdunkelte, doch, so lange es eine heil. Schrist gab und mit ihrem Besitze wie Möglichkeit so Verpflichtung gegeben war, Lehre und Leben nach ihren Aussagen zu läutern und zu regeln, nie ganz abhanden gekommene, nur unbenutzte Erbe, welches Augustin kräftiger Forschung in dem herrlichen Worte übergeben hatte: Vetus Testamentum in Novo patet, Novum in Vetere latet, angetreten hatten und der ganze Sinn, die segensreiche Tendenz der gereinigten, auf den Grund des Evangeliums fussenden Kirche in der Erkenntniss und praktischen Anerkennung dieses Verhältnisses ihren eigentlichen cardo fand. Jene Zeit der Reformatoren war es, welche in Folge des Fleisses, mit welchem sie sich auf Erforschung der heil. Schrift warfen, und der Verehrung, welche ihr mit Recht gezollt wurde, das Streben hervorries, ihre viel umfassenden Haupttheile in einzelpen prägnanten Schlagwörtern, die nicht erst zu erfinden. sondern für diesen Zweck aus der heil. Schrift nur zu nehmen waren, anschaulich zu machen und den ganzen Inhalt der Geschichte und Lehre zurückzuführen auf das Verhältniss, in welchem das Gesetz zum Evangelium , die Erkenntniss der Sünde zum freudigen Ergreifen der Gnade Gottes in Christo Jesu stand, und nicht zu verwundern ist es, dass sich um diesen Gegenstand geraume Zeit hindurch die theologischen Streitigkeiten auch innerhalb der lutherischen Kirche beweg. ten. Und war auch die Art, wie diese Streitigkeiten geführt. wurden, in einzelnen Aeusserungen verwerflich, die Gegenstände, um welche es sich handelte, waren immerhin der Art, dass sie jene Aufmerksamkeit in einer Zeit verdienten, wo der im Beginne stehenden Gefahr innerhalb der Kirche zu begegnen dringenderes Bedürfniss war, als die Abwehr äusserer Feinde *). Es war keineswegs Ueberdruss an diesen Streitigkeiten, welcher die Sache selbst, über die sie geführt wurden, in Vergessenheit brachte. Noch zeigen kirchliche Bestimmungen wie in der formula concord. solid. declaratio art. V. (Cum discrimen legis et evangelii magnam et clarissimam lucem sacris literis adferat, cujus adminiculo verbum Dei recte secari et prophetica et apostolica scripta dextre explicari et intelligi possunt : accurata diligentia illud est in ecclesia conservandum et retinendum, ne haec duo doctrinarum genera inter se commisceantur, aut evangelium in legem transformetur. Ea enim ratione meritum Christi obscuraretur et conscientiis perturbatis dulcissima consolatio, quam in evangelio Jesu Christi sincere praedicato habent , qua etiam sese in gravissimis tentationibus adversus legis terrorem sustentant, prorsus eriperetur), die Bearbeitung dieses 'loous in den älteren dogmatischen Systemen und die Erklärungen, die sich darüber in den früheren katechetischen Lehrbüchern finden, wieviel der Kirche an einem richtigen Urtheil über diese Herzensangelegenheit gelegen war **). Es war vielmehr die von

*) Zur richtigen Würdigung dieser, der antinomistischen Streitigkeiten gegenüber der Darstellung derselben von Bretschneider und Plank, welche die Entstehung derselben lediglich in Ehrgeiz und Streitsucht verlegten, führt das Programm von Elwert: de Antimonia Joa. Agricolae dissertatio historico theologica. Turic. 1836.

**) so sehr von den Verfassern der formula concord. wie von Melanchthon in der Apologie auf die Unterscheidung der bei. den doctrinarum genera gedrungen wird, so wenig lassen sie eine Trennung gelten. Ihr gegenseitiges Verhältniss sehen wir solid. declarat. V. 18 gut bezeichnet, wenn gesagt wird, dass das Ge. setz agnitione peccatorum ad fidem salvificam fübre, legis doctri. nam per evangelium illustrari atque declarari.

der formula concordiae im Voraus cavirte transformatio evangelii in legem, welche diesen wichtigen, die christliche Heilsordnung in ihrem Wesen constituirenden Punkt in Vergessenheit brachte. An die Stelle der Verkündigung der freien Gnade Gotles in Christo Jesu, die von den zur Erkenntniss ihrer Sünden gelangten Herzen freudig ergriffen dort die Liebe entzündete, die des Gesetzes Erfüllung ist, waren ausschliesslich sittliche Forderungen getreten ; man hatte vergessen, dass für ein durch den Glauben gewecktes, freies Wollen das fortwährende Reden von einem Sollen etwas Ueberflüssiges war; man redete nur von einer Sittenlehre Jesu, ihn selbst pries man nur als Sittenlebrer; den Glauben aber schob man als ein nápoyov bei Seite und liess die constituirenden Thatsachen der evangelischen Geschichte höchstens als secundäre Beweismittel gelten. Dieser Betrachtungsweise gegenüber, welche Resultate forderte, ohne sich um die Genesis derselben, um ibren Grund etwas zu kümmern, hat die neuere lutherische Theologie im Interesse für das wahre haft kirchliche Leben wieder angeknüpft, wo man voreilig die Fäden der christlichen Heilsordnung abgerissen hatte; sie hat eben damit wieder im Centrum der christlichen Heilsordnung ihre Stellung genommen und mehr und mehr fängt man an einzusehen, dass die sincera praedicatio evangelii in demselben Maasse eine declaratio et illustratio. evangelii sey, wie die vera praedicatio legis ein yvauwv, ein noidea γωχός εις Χριστόν.

Erwägungen dieser Art waren es, welche von der Zeit an, wo dem Verfasser das Eindringen in den Zusammenhang der heil. Schrift zum unabweisbaren Bedürfniss und zur vorwiegenden Beschäftigung wurde, vorzugweise bei der Betrachtung Johannis des Täufers ibn festhielten. Unwillkührlich trat ibm die Betrachtung seiner ganzen Erscheinung in Verbindung mit der evangelischen Heilsordnung; wir sehen an Johannes durch eine natürliche Ideenassociation einen nothwendigen Uebergang von der Geschichte zur Doctrin vermittelt, oder richtiger gesagt: weil die Thatsachen im Reiche Gottes auch Lehren sind, die Lehren aber allewege in. Thatsachen Halt und Rube finden, geht die historische und dogmatische Betrachtung, eine die andere bedingend und sich gegenseitig beleuchtend in einander über. Der apódqouos des Herrn ist ja ganz eigentlich der Repräsentant des Gesetzes, welches nicht aufzulösen sondern zu erfüllen der Heiland gekommen ist, und so wird Johannes der Täufer, im Namen und in der Kraft dieses raidaywyòs els Xolotów. auftretend, in concreto das, was das Gesetz noch fortwährend dem Christen seyn soll. Und

indem eine solche Betrachtung nicht nur ein wissenschaftliches, sondern auch sowohl in ihrem Grunde als auch in ihren Consequenzen ein praktischos wahrhaft kirchliches Interesse hat, entschloss er sich, seine Gedanken - nicht in der Meinung als vermöge er etwas Neues zu geben, oder als wolle er bereits Geleistetes zum vollen Abschluss bringen, sondern mit dem Wunsche, darüber ein Mehreres und Besseres von Männern, die durch tiefere Einsicht in den Gegenstand dieses vermogen, zu vernehmen, öffentlich auszusprechen.

Gewiss fesselt die Erscheinung Johannis B., wie sie uns von den Evangelien geschildert ist, schon den Blick desjenigen der mit psychologischen Augen die Geschichte überhaupt betrachtet. Unverkennbar reiht er sich in die Zahl der testes veritatis ein. Sind aber diese zweifacher Art, je nachdem sie in Zeiten leben, wo die Erinnerung an eine vergangene, geschichtliche Grösse nur von wenigen, ernsten, in der pietas erga proavos lebenden Gemüthern gegen einreissenden Verfall repräsentirt und wach erhalten wird, die eine untergegangene oder nahen Untergang drohende Herrlichkeit beklagend, an dem Punkte, wo omnia in pejus ruunt, steben, oder, um hier ein Bild zu gebrauchen, in der geistigen Entwickelung die Zeit der Abenddämmerung andeuten, auf welche die Nacht folgt - oder aber in Zeiten, wo sie ihre Umgebungen für eine im Entstehen begriffene, sich still vorbereitende Entwicklung bereits vorhandener Bestrebungen und Einrichtungen empfänglich und reif machen (wie die dem Reformationszeitalter voraufgehenden Zeugen), also mehr die Zeit der Morgendämmerung im Geistigen bezeichnen, auf die der Tag folgt: so ist jedenfalls wohlthuender und anregender die Betrachtung der Letztern. Zu dieser Classe der Wahrheitszeugen gehört Johannes. Er geht ganz eigentlich wie die Morgenröthe an dem Punkte, wo das Testament der Schatten in dem Höhern, das zur Erfüllung gebracht werden sollte, aufgenommen ward, dem Aufgang aus der Höhe, dem Lichte des Lebens voraus, mit der Fackel des Gesetzes leuchtet er der Gnade Gottes, die allen Menschen erschienen ist, voran.

· An Johannes B. ist Alles anziehend. Die Richtung seines ganzen innern Wesens hat in seinem äussern Auftreten eine so adäquate Verwirklichung, Worte und Thaten sind mit seiner Gesinnung, mit seiner Stellung zu der Zeit, in welcher er lebte, mit seiner Ansicht über die Zeitgenossen genetisch so durchaus eins, die rauhe Härte seines Auftretens, die mit allen Verhältnissen schroff abbricht, das wahrhaft Scenische und Plastische seiner Persönlichkeit und seines aus einem Geiste gehenden Wirkens; diese uubeugsame Entschiedenheit

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