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tempofeile und individuelle Erscheinung, eine „religiöse Privatmeinung" wie alle übrigen, bleibt, und dass die eigentliche Union der Zukunft nichts weiter sein kann, als die freie Gemeine, die aus dem Geiste und Schoosse der unirten Kirche geboren, gleich dem neuen Weine die alten Schläuche zersprengt und sich dem religiösen Grundcharakter der Union gemäss gestaltet. Sie hat lebendig begriffen, dass Union und Confession einander aufheben und dass von christlichen Confessionen entlehnte Formen für den unirten Geist nicht passen.

III. Einheit, Einigkeit und Bestand der Union wird vermittelt durch die vom Summepiscopat eingeführte Kirchenordnung.

Der evangelische Protestantismus legt auf „Kirchenordnungen, von Menschen gemacht," keinen sonderlichen Wertb, weil er die Vereinigung seiner Bekenner im Glauben und göttlichen Geiste, nicht in irdischen Formen und Ceremonien findet. Anders verhält es sich natürlich mit der Union, die beim Mangel eines gemeinsamen Glaubens und Geistes nicht durch reine Lehre des Evangeliums, sondern lediglich durch möglichst gleichförmige, streng gebotene und in ihrer Anwendung sorgfältig überwachte Kirchengebräuche zusammengehalten werden kann. Die äusserliche Verfassung ist das Lebenselement und zugleich das einzige Symbol der Union. Unirt ist, wer sich- der unirten Kirchenverfassung unterwirft. Es ist häufig über das Kleinliche und Peinliche in vielen rituellen Vorschriften, über die Doppelzüngigkeit der Liturgie, über die Zwangspflicht zu ihrer Annahme und Aehnliches geklagt worden, man hat Concessionen zum Gebrauche anderer Formulare gefordert, auch wohl im Stillen auf eigene Faust geändert. So gerecht auch jene Klagen und Forderungen vom evangelisch-christlichen Standpunkte aus sind*), so kann ihnen doch die Union, um ihrer eigenen Existenz willen, nur eine sehr eingeschränkte Berücksichtigung angedeihen lassen. Man vergesse nur nicht, dass sie in der Religionsgeschichte das erste Beispiel einer Kirche der absoluten Glaubenslosigkeit ist, dass schon bei ihrer factischen Ein

*) Diess aufgezwungene, zweideutige, todte Formelwesen, das für christliche Freiheit und Aufrichtigkeit keinen Kaum Ih'sst, verdunkelt gleich den römischen Kirchensatzungen das Verdienst Christi und die Kraft des Glaubens, führt Menschen wieder zu dem greulichen Wahne von der kirchlichen Notwendigkeit und Verdienstlichkeit der opera operata, stumpft den evangelischen Sinn zur mechanischen kirchlichkeit ab und trägt nicht wenig zu der jetzigeu religiösen Verwilderung bei.

Führung Pantheismus und Atheismus Aufnahme und Berechtigung (als „religiöse Privatmeinungen") bei ihr suchten und fanden, und dass sie doch auf den Namen einer christlichen Kirche nicht verzichten wollte, so wird man ihlje ängstliche Sorge um die Erhaltung christlicher Formen und Gebräuche, als ihrer einzigen Annäherungspunkte an das Christenthum, begreiflich finden. Dem unirten Geistlichen, der die seiner Gemeine zu predigende Religion in der eigenen Brust sucht, muss in liturgischer Hinsicht Vieles geboten werden, was dem aus der heil. Schrift schöpfenden evangelischen Prediger gar nicht erst gesagt zu werden braucht. So wird z. B. letzterer, auch ohne besondere agendarische Vorschriften und Formulare, schon auf Befehl und Anleitung der h. Schrift, die Sakramente verwalten, biblische Abschnitte beim Gottesdienste vorlesen und erklären, Psalmen und andere geistliche Lieder und Gebete gebrauchen, kurz, ohne alles kirchlich verordnete Ritual einen rechten äusserlichen Cultus zu veranstalten wissen. Wie würde es aber in der Union hergehen, wenn sie ihren Geistlichen gestatten wollte, aus ihrem individuellen Glauben heraus, ihrer „religiösen Privatmeinung" gemäss, den Gottesdienst zu gestalten? Wo würden in gar vielen Gemeinen Taufe, Abendmahl und biblische Vorlesungen bleiben, oder wie würden sie "gehalten werden, wenn nicht die Kirchenordnung dem Prediger beföhle, dass und wie er, unbeschadet seiner vielleicht ganz entgegengesetzten Ansicht, diese „ehrwürdigen Gebräuche" auch ferner zu halten habe? Die Unionsagende ist dabei übrigens auf ihrem Standpunkt sehr zuvorkommend; ihre Formulare sind so mannichfaltig und so dehnbar, dass wohl jeder Prediger eins findet, worein er seine Ansichten wenigstens deuten kann; auch sieht man ihn, nach den Maximen seiner Kirche, bei'm Gebrauche der vorgeschriebenen Liturgie blos als Anagnosten an, der mit dem Inhalte des Vorzulesenden nicht einverstanden zu sein braucht. Wenn hierbei immer noch Bedenken der Einzelnen hervortreten, wenn man in dieser ganzen Stellung des unirten Geistlichen etwas Unwahres findet, so liegt der Grund davon in dem organischen Fehler der Union, in dem seelenverderblichen Verhältnisse, worein sie ihre Mitglieder dadurch versetzt, dass sie dieselben vom Gehorsam Christi freispricht und zur Befolgung kirchlicher Gebote verpflichtet, während das Evangelium, gerade entgegengesetzt, seine Bekenner durch den Glauben mit Christo, als ihrem einigen Herrn, verknüpft und sie dadurch vom Zwange aller Menschensatzungen erlöst.

IV. Die Durchführung der Union geschieht mit weltlichen Mitteln.

Den Coinmentar zu diesem Satze liefert die Unionsgeschichte, namentlich der Dreissiger Jahre, so vollständig, dass jedes hinzugesetzte Wort überflüssig wäre. Wenn aber selbst unirte Stimmen die damals angewandten Mittel tadeln und vor ihrem weitern Gebrauche warnen, so übersehen sie, dass die Union solcher Mittel nicht entbehren kann. Sowie das Christenthum zur Erreichung seines geistlichen Zwecks, die Seelen zum ewigen Leben zu fuhren, nur geistliche Mittel zu benutzen vermag, so muss die, ein Himmelreich und den Weg dazu nicht kennende, Union ihre blos weltlichen Zwecke, gleich allen andern Weltreichen und Weltmächten, durch weltliche Waffen verwirklichen. Seit 1840 sind freilich diese Waffen mit unverkennbarer Milde gehandhabt werden; diess beweist aber nicht, dass sich die Union die Kraft zutraue, gleich dem Christenthum ihr Ziel auf dem rein geistigen Wege der Belehrung und Ueberzeugung durch unumwundene, freie Darlegung dessen, was sie ist und was sie will, zu erreichen, sondern scheint vielmehr darauf hinzudeuten, dass sie, den neuesten revolutionären und atheistischen Bestrebungen gegenüber, an einer für das Gemeinwohl wenigstens gefahrlosen Aufrechterhallung ihrer Grundgedanken und Lebenselemente selbst zu verzweifeln anfängt. Auch die mancherlei, ihren Gliedern ertheilten Concessionen, deren jede den Kir.chenverband schwächen und auflockern muss, scheinen dafür zu sprechen, dass sie an eine allmählige Selbstauflösung denkt. Doch wie dem auch sei, so lange sie sich nicht selbst aufgeben will, so lange muss sie das pelle intrare in wesentlich römischem Sinne geltend machen.

Auf diesen vier Grundgedanken beruht die Union; sie ist nichts weiter, als der in ein neues Pabsttlium umgeschlagene Rationalismus *). Ihre, von ihr selbst natürlich am wenigsten beabsichtigte und erkannte Bedeutung für das Reich Gottes liegt darin, in einem, wenn auch der Zahl nach geringen Theile der protestantischen Christenheit den grossen Abfall vom Evangelium zum lebendigen Bewusstsein gebracht zu haben. Sie ist das von Luther geweissagte göttliche Strafgericht, durch welches die in der Reformation wieder aufgegrabenen Lebenswasserbrunnen zum zweiten Male verschüttet wurden. Viele Seelen verschmachten darüber; andere aber treibt der brennende Durst, eifrig nach der Heilsquelle zu

*) Selbstverständlich wird hier unter Rationalismus der moderne Unglaube in allen seinen Entwicklungsstufen gemeint.

suchen, und, Dank sei der Gnade Christi! ihr Suchen ist nicht vergebens.

Die so genannten Befreiungskriege erregten die Geister auf eine eigenthiimliche Weise. Einerseits wurde der durch den Uebermuth der fremden Unterdrücker beleidigte deutsche Nationalgeist zu den höchsten Kraftäusserungen getrieben, andrerseits fühlte man das Bedürfniss eines höhern Beistandes; der wieder erwachende religiöse Sinn sehnte sich nach einer bessern Nahrung, als die der Rationalismus zu bieten hatte, mit der Richtung auf das Altdeutsche überhaupt war namentlich auch der Blick auf den Glauben der Väter wieder eröffnet, er wurde gerühmt und geliebt, ohne verstanden zu werden. So entstand eine auf menschliche und göttliche Kraft zugleich gegründete Frömmigkeit, eine christlich gefärbte Subjectivität, die es gleich anfänglich rtiit der Unterscheidung des Protestantischen und „Katholischen" nicht eben genau nahm, späterhin sich mehr und mehr an ihre älteren Koryphäen, einen Thomas von Kempis, Joh. Arnd, Heinrich Müller, Scriver und "andere anlehnte und zuletzt unter dem Namen des modernen Pietismus eine vielverschriene kirchliche Macht geworden ist. Bei der allgemeinen Einführung der Union, 1830, bot der grössere Theil der Partei dem Rationalismus die Bruderhand zur äusserlichen Vereinigung, angeblich in der Hoffnung, ihn so desto leichter bekehren zu. können, vermuthlich aber mehr aus unwiderstehlichem, wenn auch unbegriffenem Triebe des auch unter anderm Kleide doch immer noch verwandtschaftlich schlagenden Herzens. Nur eine anfangs sehr geringe Zahl verwarf die ihr innerhalb der Union zugedachte Berechtigung ihrer „religiösen Priyatmeinüng," ertrug standhaft die härtesten Verfolgungen und nennt sich gegenwärtig „die evangelisch-lutherische Kirche in Preussen." Sie nennt sich so, aber sie ist es nicht, und konnte «s nach den Verhältnissen, unter denen sie ins Leben trat, nicht sein. Ihre ursprünglichen Wortführer waren blos durch die pietistische Schule gegangen; den Glauben der Reformatoren hatten sie nicht einmal annäherungsweise, sondern gingen auf einem ganz andern Wege. Wer sich gründlich davon überzeugen will, der vergleiche nur die „lutherischen" Lehr- und Streitschriften von 1830/40 mit denen von 1530/40. Statt aber den ursprünglichen Sauerteig nach und nach auszufegen, betrachtet ihn diese „lutherische" Kirche vielmehr als ihren" eigentlichen Typus. Wir können daher in ihr nicht eine Schaar evangelisch-protestantischer

Zeugen, sondern nur den Culminationspunkt des Pietismus erblicken und betrachten sie zusammen mit allen anderen pietistiscben Richtungen in und ausserhalb der Union. Sie alle vereinigen sich in einem tiefverkappten Ingrimm gegen das Evangelium und die Reformation, und in einer nur künstlich verhehlten Hinneigung zur römischen oder einer ihr gleichenden Religion. Noch sprechen sie ihre Herzensmeinungen nur äusserst behutsam aus, namentlich vor „Ungläubigen;" unter den „Brüdern" aber sind schon seit langer als heute und gestern folgende Ansichten in weiteren oder engeren Kreisen^ zur Sprache und wenigstens theilweise zum Abschluss gekommen:

I. Die Kirche ist die oberste Auctoritä'l in Sachen des Glaubens, der Lehre, des Cultus und der Verfassung.

Kirche, Kirchenlehre, Kirchenverfassung, kirchlicher Sinn, kirchliches Leben, Kirchlichkeit u. s.w., — um diese Dinge drehen sich lediglich die Berathungcn der pietistischeii Convente und Conferenzen, wie der Inhalt aller ihrer, mit den jetzigen Religionszuständen sich beschäftigenden Bücher. Warum sprechen denn die Leute, die doch Protestanten sein wollen , so überaus wenig von den protestantischen Kleinodien, dem Evan^kim, dem evangelischen Glauben, der reinen, einhelligen evangelischen Lehre? u. s. w. OefTentliclie Antwort Einiger: Die setzen wir, als sich von selbst verstehend; voraus. -— Also das, worauf der Menschen ewige Wohlfahrt beruht, setzt ihr voraus, als wäre es in unserer Zeit so überflüssig vorhanden, dass es Zeitverschwendung wäre, sich lange damit aufzuhalten, und handelt unterdessen von Dingen, die für See!' und Seligkeit gerade so wichtig sind, wie des Kaisers Bart! Daran erkennt man eure grosse Verschieb denheit von den Propheten, Aposteln und Reformatoren. Der wahre Grund jenes immerwährenden Geschreies nach Kirche und Kirchlichkeit ist kein anderer, als der alte papistische; die Pietisten stellen die Kirche über das Evangelium, das also nothwendig in den Hintergrund kommen muss *). Die meisten von ihnen erklären freilich noch die h. Schrift für

*) Bekannt ist der pietistische Sat«: Die Kirche ist älter als die h. Schrift. Ergo —. Er scheint seihst Protestanten zu jniponiren, und doch ist er eine leere Phrase. Die Kirche ist jünger als Gottes Wort, sie ist erst aus ihn» geboren. Das mündliche Wort ist unbestritten älter, als die Kirche; das geschriebene ist aber nur die Fixirung des mündlichen für spälere Zeiten, und steht, als Wort Gottes, über der Kirche und ihrem Urtheil, das nur Menschenwort ist. Apostel und Propheten, in welcher Kirchenzeit sie Gott auch sende, sind in der (schriftlichen

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