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Lehrverhandlungen.

Da mehrere Säße in unsern beiden leßten Synodalberichten, besonders in dem vom vorigen Jahre, innerhalb der Synodalconferenz Widerspruch gefunden hatten, so sah sich der District genöthigt, auch in diesem Jahre von dem noch vorliegenden Thema abzusehen, und abermals die Lehre von der Gnadenwahl, und zwar in Rücksicht auf die erhobenen Widersprüche, zu verhandeln. Dbgleich diesen Besprechungen wegen der Menge der vorlies genden Geschäftssachen nur vier Vormittagssizungen gewidmet werden konnten, so erkannte doch der District in dieser Zeit nicht nur einmüthig mit Dank gegen Gott die Nichtigkeit der erhobenen Einwände, sondern stärkte und gründete sich auch aus Gottes Wort und dem Bekenntniß der einmal erkannten Wahrheit. Auch diesmal wurden die Verhandlungen auf Grund von Thesen gepflogen, welche der Referent, Herr Dr. Walther, gestellt hatte, die jedoch leider wegen Mangels an Zeit nicht ganz durchge: sprochen werden konnten. Dieselben lauten:

Thesen betreffend die Lehre von der Gnadenwahl.

Thesis I. Die Lehre, daß die Gnaden wahl eine Ursache der Seligkeit der Auserwählten und alles dessen, was dazu gehört, sei (a), sowie daß allein die Barmherzigkeit Gottes uud das allerheiligste Verdienst Christi und nichts, was Gott im Menschen vorausgesehen hat, die Ursache der Gnadenwahl sei (b), ist nicht die calvi: nijde (c), sondern die reine lutherische Lehre, welche unsere evang.lutherische Kirche vor 300 Jahren öffentlich als die ihrige bekannt und in der Concordienformel auf Grund der heiligen Schrift für alle Zeiten nieders gelegt hat; daher diejenigen, welche diese Lehre verwerfen, nicht für in diesem Puncte bekenntnißtreue Lutheraner angesehen werden können.

a. Concordienformel, Seite 554. § 5. 705 f. $ 8.
b. 6.-F. 557. $ 20. 723. $ 87. 88. 713 f. $ 43.
c. 6.-F. 557. § 21.

Thesis II. Es ist dieses auch nicht die Lehre von einer Gnadenwahl in einem weiteren, sondern in ihrem eigentlichen Sinne.

C.-F. 706. S 9. 708. $ 24. Vgl. 707. S 15—23.

Thesis III. Wer den Anstoß, welchen die Vernunft an dieser Lehre nimmt, heben will, kann dies nur dadurch thun, daß er entweder wie die Syner: giften, was Gott im Menschen gesehen hat, zur Ursache seiner Erwählung macht, und so die lutherische Lehre vom freien Willen und von der Bekehrung verfälscht (a), oder daß er wie Calvin Gott zur Ursache der Verwerfung macht, und so die lutherische Lehre von Gottes Heiligkeit und allgemeiner Gnade umstößt (b).

a. C.-F. 588 f. $ 3. 5. 594. § 23. 25. 598. $ 40—42. 609. $ 87. 606 f. $ 75—78.

b. 6.-F. 557. § 17-19.

Thesis IV. Jene Lehre von der Gnadenwahl verdunkelt und schwächt nicht die Lehre von der Rechtfertigung und Seligkeit allein durch den Glauben, sondern hellt dieselbe vielmehr auf und bestätigt sie. C.-F. 713 f. § 43.

Thesis V. Nur Mißverstand und Mißbrauch dieser Lehre führt zu Verzweifa lung und Sicherheit (a), bei rechtem Verständniß und Gebrauch aber ist sie ebenso gegen die Verzweiflung tröstlich (b), wie gegen die Sicherheit erwedlich (c).

a. C.-F. 724. § 91. 92. 706. $ 9-11.
b. C.-F. 713 f. $ 43—50. 723. $ 89. 90. 711. $ 33.
C. C.-F. 715 ff. $ 51–72.

Thesis VI, Die Gewißheit der Erwählung, weldie ein Christ haben soll und kann (a), ist eine Glaubensgewißheit, welche sich auf die Algemeinheit der Gnadenverheißungen, auf den Beruf durch das Wort, auf die beiligen Sacramente und auf die Privatabsolution gründet (b).

a. C.-F. 709. $ 25. 719 f. $ 73. 74. 724. $ 90.714. $ 45–47. b. C.-F. 709 ff. § 26–38.

Es wurde bemerkt: Es gibt dreierlei Gegner der rechten Lehre von der Gnadenwahl. Die erste Klasse besteht aus denjenigen, welche sagen, die Lehre von der Gnadenwahl gehe uns Lutheraner gar nichts an; dieselbe sei vielmehr ausschließlich eine Lehre der Reformirten. Und leider ist es so, daß die Allermeisten, welche von Deutschland nach Amerika gekommen sind, ja gewiß auch Viele, welche sdon längst hier eingebürgert sind, nie etwas von der Gnadenwahl gehört haben. Diese meinen, man müsse sich vor dieser Lehre auf das ängstlichste hüten, denn es seien schon viele Tausende durch dieselbe in große Seelennoth, ja, in Verzweiflung oder in greuliche Sicherheit gerathen; es sei daher am besten, wenn man von derselben gar nicht rede. Aber das ist ein großer Irrthum.

Es gibt eine Lehre von der Gnadenwahl oder Prädestination, welche sonnenklar in der heiligen Schrift gelehrt ist; diese gibt von derselben nicht nur hie und da eine Andeutung, sondern sie handelt von ihr, wie die Gelehrten sagen: ex professo, das heißt, mit der Absicht, sie gründlich auseinanderzuseßen. Die zweite Hälfte des 8. Capitels des Briefes Pauli an die Römer, sowie Cap. 9–11. handeln von nichts weiter, als von der Gnadenwahl; ebenso wird dieselbe Ephes. 1. in allen ihren Beziehungen verhandelt. Wie oft redet ferner der Heiland von den Auserwählten! Zwei seiner Gleidinisse schließt er mit den Worten: ,, Denn Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.“ Und wenn er von den leßten Zeiten redet, von den Gefahren und Versuchungen, von den schrecklichen Trübsalen, denen die Christen in denselben ausgeseßt seien, von den falschen Propheten, die zu denselben große Zeichen uud Wunder thun würden, um, wo es möglich wäre, auch die Auserwählten zu verführen: so offenbart er uns wiederum, daß um der Auserwählten willen diese Tage verkürzt werden. Gäbe es also zu jener Zeit keine Auserwählten mehr, so würde der liebe Gott diese sdredlichen Versuchungen, Anfedytungen und Trübsale bis an den jüngsten Tag fortdauern lassen, denn dann würde doch kein Mensch mehr selig. Aber die Auserwählten sollen selig werden: darum läßt Gott die Tage verkürzen, damit dieselben nicht auch verführt werden. Denn freilich wenn Gott seine Auserwählten nicht behütete, dann würden auch diese nach der Schrift verführt werden. Aber das gehört eben zur Gnadenwahl, daß Gott beschlossen hat, mich zum Glauben zu bringen und in demselben bis an mein Ende zu erhalten.

Wie oft redet ferner der Heiland von der Gnadenwahl seinen Jüngern gegenüber! Er sprid)t: „Ihr habt mich nicht erwählet, sondern ich habe euch erwählet"; und wiederum: „Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihre lieb; dieweil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch von der Welt erwählet habe, darum hasjet euch die Welt.“ Und wenn er den jüngsten Tag beschreibt, so beschreibt er auch, wie die Engel die Auserwählten aus allen vier Winden des Erdfreises vor seinem Richterstuhl versammeln werden.

Wie oft reden daher auch die heiligen Apostel von der Gnadenwahl! wie trösten sie die damals in großen Nöthen sich befindenden Christen gerade mit dieser Lehre! Ihr wisset, daß ihr auserwählet seid und zwar von Anfang der Welt, sagt der Apostel. Es ist darum ganz thöridyt, wenn man uns zum Vorwurf macht, daß wir überhaupt einmal von der Gnadenwahl gehandelt haben.

Wir Prediger sind ja bei unserer Seelen Seligkeit verpflichtet, den ganzen Rath Gottes von dem Heile in Christo zu verkündigen; nun steht ja diese Lehre klar in der heiligen Schrift; also wären wir untreue Men: ichen, Verräther an den Seelen, wenn wir den Kindern Gottes nicht auch diese trostreiche selige Lehre auseinanderseßen wollten. Darum stoße man sich auch nicht daran, daß es bisher so friedlich in unserer Synode hergegangen ist, und nun über dieser Lehre Streit entstanden ist! Es ist wahr, wir hätten noch den Frieden, wenn wir diese Lehre nicht verhandelt hätten. Aber was wäre das für ein Friede, den wir damit erkauft hätten, daß wir eine seligmachende Lehre versdwiegen hätten? Das wäre ein Kirchhofsfriede, und nicht der Friede, den zu bringen Christus in die Welt gekom: men ist. Er hat es uns ja gesagt, er bringe uns den Frieden, den die Welt nicht geben kann: aber er sagt auch: „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden auf Erden, sondern das Sdwert“, nämlich Zanf und Streit, Haß und Verfolgung.

Darum laßt uns nicht betrübt sein, daß Streit gekommen ist! Die entstandene Uneinigkeit ist eine selige Uneinigkeit; denn sie ist nichts anders, als die Erfüllung der Weissagung Christi, wie es gehen wird, wenn man wirklich die Wahrheit verfündigt.

Die zweite Klasse der Gegner besteht aus denen, welche sagen: Wir geben wohl zu, daß die Gnadenwahl in der Bibel gelehrt wird, wir können es daher unsern Pastoren nicht zum Vorwurf machen, daß sie auch einmal von dieser Lehre gehandelt haben; aber man hätte doch dieselbe nicht so wichtig machen sollen. Ja, man wirft uns sogar vor, die Missouri-Synode stelle jeßt diese Lehre über alle anderen Lehren der Schrift. Früher habe man immer die Lehre von der Rechtfertigung als Hauptlehre getrieben, jeßt trete diese hinter jener zurüc.

Aber man lasse sich durch solche Reden nicht irre machen! Erstlich wird gerade durch die rechte Darstellung der Lehre von der Gnadenwahl die Lehre von der Rechtfertigung bestätigt und ins rechte Licht gestellt, wie wir sehen werden; und zum Andern: was können wir denn dafür, daß wir zum zweiten Male von der Gnadenwahl handeln mußten? Wir wären mit Einem Male gerne zufrieden gewesen! Aber faum hatten wir unsere Stimme erhoben, so fanden wir auch schon Widerspruch, und zwar in unserer eigenen Mitte. Daher wir denn vor einem Jahre die Sache nod ausführlicher besprechen mußten. Aber der Widerspruch ist immer lauter geworden, und so haben wir uns denn, durch die Noth getrieben, ents schließen müssen, auch in diesem Jahre wieder von dieser Lehre zu handeln. Wir thun dies aber nicht, weil wir glaubten, dieselbe sei die Hauptlehre unserer Kirche; o nein! wir glauben von ganzem Herzen, daß die Haupts lehre die Lehre von der Gnadenordnung ist. Das haben wir auch be: wiesen; Niemand kann uns das ableugnen. Wir haben die Lehre von der Gnadenwahl immer gehabt, wie wir sie jeßt haben; es ist eine greuliche Unwahrheit, wenn man spridit, das sei eine jeßt aufgekommene neue Lehre. Wir haben sie nur nicht so häufig getrieben, als jeßt, damit wir unsere lieben Christen nicht einseitig machten, und weil uns die Hauptsache immer die Lehre von der Rechtfertigung gewesen ist. Und so foll es auch künftighin mit Gottes Hilfe unter uns bleiben; die Rechtfertigung wird die Sonne sein, die uns auf unserem Wege voranleuchtet; sie wird der goldene Faden bleiben, der sich durch alle unsere Predigten hindurch zieht. Aber wenn Gegner eine Lehre angreifen, dann müssen wir uns natürlich wehren, dann müssen wir für Gottes Wort und Gottes Ehre einstehen. Dann sieht es zwar immer aus, als ob man die angegriffene Lehre zur Hauptsache mache; aber das geht nicht anders.

Wenn Leute in einer Burg eingeschlossen sind, welche belagert wird, und der Feind durchbricht die Mauer an einer Stelle, wäre das wohl ein guter General, welcher da sagte: Ich muß die ganze Burg vertheidigen, darum darf ich an die Lücke nicht mehr Soldaten hinstellen, als an die übrige Mauer? Gewiß nidyt! Ein solcher wird vielmehr dahin seine ganze Macht werfen, wo die Deffnung bineingebrochen ist; denn da droht die Gefahr. So ist es auch jeßt innerhalb unsrer Synode. Wir hatten bis jekt Ruhe und Frieden, Niemand griff unsere Lehre an. Da auf einmal will der Feind in die Mauer unsers Bekenntnisses eine Lücke machen, in: dem er unsere Lehre von der Gnadenwahl angreift. Darum treten wir nun auch mit unserer ganzen Macht vor diese Lücke, weil wir wissen, wenn der Teufel in die Kirche einbricht, um ihr Eine Lehre zu rauben, so will er die ganze Burg zerstören. Ueberhaupt hängen ja die Lehren unsers Glaubens so enge mit einander zusammen, daß es gar nicht möglich ist, daß Jemand könnte Eine Lehre angreifen, ohne damit auch die anderen anzutasten.

Die dritte Klasse der Gegner endlich besteht aus denjenigen, welche zugeben, daß die Schrift eine Lehre von der Gnadenwahl hat, daß es auch sehr wichtig sei, dieselbe zu lehren; die aber sagen: Wie wir sie darstellten, das sei nicht Lutherisch, sondern Calvinisch. Ja, man wirft uns vor, wir seien Kryptocalvinisten, das heißt, heimliche Calvinisten, die wohl wüßten, daß sie nicht Lutherisch seien, die aber unter dem Sdyein des Lutherthums in aller Stille heimlich Calvinische Lehre einsdmuggelten, um die Leute zu betrügen.

Nun wohlan, so müssen wir uns denn gegen diese Angriffe vertheidigen. Gerade unser District hat es nöthig, diese Vertheidigung mit zu übernehmen; denn wir haben – das wollen wir gerne zugeben – das Feuer angezündet. So wollen wir wenigstens dafür sorgen, daß dieses Feuer nicht unser Haus verzehre, sondern ein Feuer werde, von dem der HErr jagt, er wollte, es brennete schon.

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