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Iberis I. Die Lehre, daß die Gnadenwahl eine Ursache der Seligkeit der Auserwählten und alles dessen, was dazu gehört, sei (a), sowie daß allein die Barmherzigkeit Gottes und das allerheiligste Verdienst Christi und nichts, was Gott im Menschen vorausgeseben hat, die Ursade der Gnaden w ahl sei (b), ist nicht die calvis nische (c), sondern die reine lutherische Lehre, welche unsere evang.lutherische Kirche vor 300 Jahren öffentlich als die ihrige befannt und in der Concordienformel auf Grund der beiligen Schrift für alle Zeiten niedergelegt hat; daher diejenigen, welche diese Lehre verwerfen, nicht für in diesem Puncte bekenntnißtreue Lutheraner angesehen werden können.

a. Concordienformel, Seite 554. $ 5. 705 f. $ 8.
b. C.-F. 557. § 20. 723. S 87. 88. 713 f. § 43.
c. C.-F. 557. S 21.

Wir gehen an unsere Arbeit nicht bloß zu dem Zweck, um Gegner zu widerlegen, sondern vor allem: um unserer eigenen Seligkeit willen; denn um dieser willen ist uns die Lehre von der Gnadenwahl gegeben. Jeder wahre Christ freut sich nämlich unaussprechlich, daß er weiß, er hat einen gnädigen Gott und besißt bereits die Seligkeit. Aber nun möchte er auch gern wissen: Werde ich die Seligkeit auch dereinst erlangen? werde ich auch die Gnade Gottes behalten? werde ich nicht etwa wieder abfallen? Denn er weiß, Viele haben gut angefangen, aber sie sind wieder umgekehrt, haben die Gnade wieder verloren und sind endlich zur Hölle gefahren. Was hilft es darum einem Christen, wenn er weiter nichts weiß, als dies: Jeßt stehst du wohl in Gnaden; aber in Einem Jahr kannst du wieder Alles verloren haben, und wenn du einmal stirbst, mußt du in den ewigen Tod versinken, und dann wird dir dein jeßiger Gnadenstand deine Ver: dammniß nur noch vergrößern? Nein, ein wahrer Christ wünscht von Herzen zu erfahren: Kann ich denn gewiß sein, daß ich auch wirklich einst felig werde? Könnte er dies nicht, so würde er ja einem Gefangenen gleichen, der in einem Kerker sißt, um auf das Schaffot geführt zu werden, der wohl noch auf Begnadigung hofft, aber immer zwischen Furcht und Hoffnung schwebt. Mögen einem solchen Verurtheilten noch so föstliche Speisen und Getränke vorgeseßt werden, mögen ihm alle erdenklichen Bes quemlichkeiten bereitet werden — wenn er nicht weiß, daß er für immer begnadigt ist, so wird er immer in Angst und Schreden da liegen. So oft sich die Kerkerthüre aufthut, muß er denken: Jeßt werde ich wohl nach dem Richtplaß geführt werden. Aber so hat der treue Heiland für seine Christen nicht gesorgt. Derselbe spricht vielmehr: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und Niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen.“ Und Paulus ruft triumphirend: „Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes ?" womit er offenbar sagen will: Nichts, im Himmel, auf Erden, und in der Hölle. Diese Gewißheit soll und kann ein jeder Christ erlangen. Damit soll nicht gesagt sein, daß derjenige, welcher diese Gewißheit nicht hat, kein Christ sei; sondern nur dies, daß ihm noch ein wichtiges Mittel zu einem recht freudigen Christenthume fehlt.

Die erste These richtet sich nun sogleich gegen diejenigen, weldie uns vorwerfen, wir seien Calvinisten.

Was ist denn aber die Lehre Calvins? Derselbe hat Folgendes gelehrt: Der liebe Gott habe beschlossen, seine Ehre zu offenbaren, und zu diesem Zwede habe er die Welt geschaffen, was ja richtig ist. Aber Calvin lehrt weiter: Um nun seine Liebe zu offenbaren, habe Gott von Ewigkeit gewisse Menschen zur Seligfert ausersehen, dieje sollen und müssen um jeden Preis, unter allen Umständen, selig werden. Er wolle sie durch eine unwiderstehliche Gnade zum Glauben bringen, sodaß, wenn sie auch nod) so sehr widerstreben, er sie doch zum Glauben zwingen, und ebenso sie auch mit Zwang im Glauben erhalten werde, indem er ihnen eine unverlierbare Gnade gebe. Ferner habe Gott beschlossen, alle Menschen in Sünde fallen zu lassen; er habe solches nidyt bloß zugelassen, sondern beschlossen. Denn sollte er seine Liebe an den Auserwählten offenbaren, so mußte er sie erst in einen recht elenden, greulichen Zustand stürzen, damit er nun diese schändlichen Creaturen selig mache. Zugleid, wollte Gott aber auch seine Gerechtigkeit und Heiligkeit offenbaren; und zu diesem Zweđe nöthigte er die Menschen zur Sünde. Er sandte deswegen den Teufel in das Paradies, damit dieser sie verführe, und entzog ihnen seine Gnade, damit sie sider fallen mußten. Denn er hat zugleich auch beschlossen, die allermeisten Menschen dazu zu schaffen, daß sie verdammt werden und in die ewige Pein kommen. Diese wollte er nicht erlösen, wollte ihnen auch keinen Glauben schenken. Freilich muß Gott in der ganzen Welt das Evangelium predigen lassen, sonst würden es ja seine Auserwählten nicht hören: aber wer nicht auserwählt ist, der ist mit dem Evangelio auch nid)t gemeint; den beruft Gott gar nicht ernstlich, dem bietet er gar nidt seine Gnade an; denn er hat einmal beschlossen, der soll und muß verdammt werden. Das ist die idändliche Lehre Calvins; von dem allen lehren wir das gerade Gegentheil.

Wir lehren nach der heiligen Schrift, daß Gott will, daß allen Mens schen geholfen werde, daß er die ganze Welt von Ewigkeit geliebt und ihr seinen Sohn JEfum Christum zum Heiland gegeben hat. Wir lehren von ganzem Herzen, daß Christus alle Meniden erlös't hat, ja, daß es keinen Menschen in der ganzen Welt gibt, dessen Sünde Christus nicht getragen und gebüßt habe. Wir lehren, daß Gott einen jeden Mensden ernstlich beruft, dem das Evangelium gepredigt wird, und daß Gott ihn auch gewiß selig macht, wenn er nicht muthwillig und halsstarrig widerstrebt; daß Gott einen jeden Menschen zum Glauben zu bringen und in demselben zu erhalten beabsichtigt. Es gibt keinen Menschen, der da sagen könnte: Ja, vielleicht bin ich nicht erwählt; was hilft es mir daher, daß ich die Predigt höre? Wer jo spricht, der führt die Rede des Teufels; denn die Kraft zu glauben liegt im Wort. Wem also das Wort gepredigt wird, dem reicht auch Gott seine Gnade und das ewige Leben dar. Wenn du darum ver: loren gehst, so klage Gott nid)t an, sondern schreie über dich selbst! Kein Mensch also, der um seine Seligkeit besorgt ist, braucht zu sagen: Ja, viel: leicht bin ich aber doch nicht erwählt. Gerade dieser soll sprechen: Das ist ja ein Beweis, daß Gott will, ich soll es glauben, daß ich auserwählt sei, weil er mir sein Evangelium gegeben hat und ich gerne glauben möchte. Denn diese Sehnsucht zu glauben ist ja schon eine Wirkung des Heiligen Geistes. Ich soll also nicht sprechen: Ja, ich soll, ich darf, ich kann vielleicht gar nicht glauben? Nein, du sollst, du darfst, du fannst glauben; denn die Gnade und der Geist, der den Glauben wirkt, sind im Worte, und das hast du. Das ist unsere Lehre; und diese Lehre verflucht und verdammt Calvin als eine greuliche, falsche Lehre, die wider Gottes Ehre streite.

Wie schändlid, ist es daher, wenn man uns des Calvinismus zeiht? Aber wir müssen auch dies gewohnt werden, daß man uns Jrrlehrer nennt. Den Aposteln ist es auch nicht anders ergangen. Kaum hat Paulus den Galatern das Evangelium gepredigt —; sobald er von ihnen gegangen ist, so kommen auch schon die falschen Propheten und nennen ihn einen Jrr: lehrer, und die Gemeinden fallen von ihm wieder ab. Nur mit vielen Thränen hat er eine Anzahl wieder zurecht bringen können. Wollen wir rechte, apostolische Christen sein, so muß es uns auch also gehen, man muß uns auch als Jrrlehrer verkeßern. Das ist ein Siegel auf unsern Glauben, und es würde traurig um uns stehen, wenn es anders wäre.

Warum wirft man uns aber Calvinismus vor? Hauptsächlich aus zwei Gründen: Erstlich, weil wir lehren, daß die Gnadenwahl eine lir: sache unserer Seligkeit ist. Man hält nämlich die Gnadenwahl für nidhts anderes, als für die Gnadenordnung, und Jagt: Wenn ein Mensch sich in die Gnadenordnung fügt, dann spricht der liebe Gott hinterdrein: du hast gethan, was du thun solltest, du sollst darum nun auch selig werden. Natürlich ist dann die Gnadenwahl keine Ursache unserer Seligkeit, sondern sie drückt nur das Siegel darauf, daß ein Mensch die Seligkeit angenommen hat; er hat sie, und soll sie nun auch haben. Der zweite Grund ist: weil wir lehren, daß die Ursache der Gnadenwahl nur eine zweifache ist, nämlich, die Barmherzigkeit Gottes und das allerheiligste Verdienst Christi. Aber gibt es denn noch einen dritten Grund ? Es frage sich doch ein jeder Christ, ob er irgend etwas dazu gethan habe, daß er zum Glauben gekommen und bisher in demselben geblieben ist, oder ob es nicht allein Gottes Barmherzigkeit, einzig und allein Gottes Werk ist? Wird er nicht sprechen: Ich habe oft gebetet, gefämpft, auf meinen Knieen vor Gott geweint wegen meiner Sünde, habe oft wie ein armer Wurm vor ihm im Staube gelegen; aber das muß ich sagen: wenn ich das gethan babe, so ist es immer der liebe Gott gewesen, der mich dazu getrieben hat! Ich wäre längst wieder abgefallen und in den Abgrund der Sünde hinein: gesprungen, wenn mich der liebe Gott nicht gehalten hätte. Ja, müssen wir nicht sprechen: Ich hätte längst verdient, daß Gott nichts mehr nach mir fragte; er hat mich durch das Blut Christi von dem Koth der Sünde rein gewasden, und siehe! ich habe midy doch die Sünde wieder gelüsten lassen, bin wieder zur Welt zurückgekehrt und habe mich vom Teufel blenden lassen; aber der liebe Gott hat doch bei mir wieder angeklopft, hat mir treue Seel: sorger, liebe Christen zugeschidt, hat mir gute Bücher in die Hand gegeben und hat mich erinnert meines früheren seligen Zustandes, und da empfand ich etwas, was ich mir nicht erklären konnte, ein geheimes Klopfen in meinem Herzen, und da wurde es mir so ängstlich zu Muthe, während ich vorher so sicher und sorglos dahin ging. Woher kam denn diese geheimnißvolle Ge: walt, die mich aus dem Sündenschlamme wieder herauszog? Das war einzig und allein die Barmherzigkeit meines Gottes in Christo JEsu.

Das ist der Punkt, auf den Alles ankommt, und das er: kennen auch die einfältigen Christen, die keine Theologen sind. Das wollen wir aussprechen, daß Gott Alles an uns gethan hat und daß auf unserer Seite nichts als Sünde und Schande ist, wenn wir die Lehre von der Gnadenwahl bekennen. Wahrlich, würde uns jenes Bekenntniß fehlen, dann fehlte unserer Kirche die Hauptsache. Wäre jenes Bekenntniß Calvis nismus, dann wäre die Hauptsache bei den Calvinisten.

Das ist eine Teufelsehre, die Calvin dem lieben Gott gibt, indem er lehrt, daß derselbe gewissermaßen in einen Topf gegriffen habe, und nun habe er die Einen, welche selig werden sollen, in die eine Schadytel geworfen, und die Anderen, welche verdammt sollen weiden, in die andere

Schachtel. Aber damit geben wir dem lieben Gott alle wahre Ehre, daß Mwir lehren, daß Gott alle Menschen ohne Ausnahme wirklid selig maden

will, und diejenigen selig madt, die an Christum JEsum glauben, und daß Ver es allein ist, der diesen Glauben in den Auserwählten erzeugt oder, wenn Tia das Glaubenslicht verlijd)t, es wieder anzündet.

Daß nun die Gnadenwahl eine Ursadie unserer Seligkeit ist, lehrt die Concordienformel mit klaren Worten. Es ist überhaupt, als wollte der liebe Gott dreihundert Jahre nach dem Erscheinen des Concordien buches durch uns den Beweis liefern, welch' eine große Wohlthat es ist, daß unsere lutherische Kirche das Concordienbuch hat. Denn da wir angegriffen wor: den sind, wir seien Calvinisten, so müssen wir natürlich den Beweis liefern, daß wir Lutheraner sind. Wie beweisen wir nun das? Gehen wir in die Bibel, so sagt man uns: Ja, ihr verdreht das Buch; wir können darum nichts anderes thun, als daß wir in das Concordienbuch gehen. Denn da hat die lutherische Kirche niedergelegt, was ihr Glaube sei. Wunderbarer

AN

Weise aber haben die Verfasser der Concordienformel, deren 11. Artikel von der Gnadenwahl handelt, denselben hauptsächlich um der Nachkommen willen aufgeseßt, wie sie selber im Eingang sagt.

In der Epitome, dem ersten Theil der Concordienformel, heißt es (Müller S. 554. $ 4., St. Louiser Ausgabe S. 379): „Die Prädestina: tion aber oder ewige Wahl Gottes gehet allein über die frommen, wohlgefälligen Kinder Gottes, die eine Ursady ist ihrer Seligkeit, welche er auch schafft, und was zur selbigen gehört, verordnet, darauf unsere Seligkeit so steif gegründet [ist], daß sie die Pforten der Hölle nicht überwältigen können.“

Hier steht es klar und deutlich, daß die Gnadenwahl nicht etwa bloß die Ordnung des Heils, sondern eine Uriache unsers Heils ist, ja, daß Tie auch alles schafft, was zu demselbigen gehört, und das Alles verordnet. Hier ist natürlich nicht von der Seligkeit die Rede, sofern sie erworben ist, sondern sofern ich sie bekommen soll; denn erst kommt die Erlösung, durch welche uns die Seligkeit erworben ist. Gerechtigkeit und ewiges Leben hat Christus allen Menschen durch sein Leiden und Sterben erworben. Weiß ich aber, daß mir die Seligkeit erworben ist, so ist für mich nun die zweite Frage, ob ich dieselbe auch bekomme? Es ist ja den Menschen Vieles erworben, ja, von Gott angeboten und geschenkt, und sie bekommen es dochy nicht. Da antwortet mir die heilige Sdyrift: Du wirst die Seligkeit auch haben. Denn es gibt nicht nur einen Rathschluß der Erlösung und Heiligung, sondern auch einen Rathschluß der Erwählung. Die Wahl ist die Ursache, daß du die Seligkeit erlangst; denn sie verursacht auch alles das, wodurch du zur Seligkeit geführt wirst. Das wird noch deutlicher aus: gesprochen in der

Solida Declaratio, dem zweiten Theile der Concordienformel. Daselbst heißt es (M. S. 705. f. $ 8.; St. L. Ausg. S. 478. f.): „Die ewige Wahl Gottes aber siehet und weiß nicht allein zuvor der Aus: erwählten Seligkeit, sondern ist auch aus gnädigem Willen und Wohls gefallen Gottes in Christo JEsu eine Ursache, so da unsere Seligkeit, und was zu derselben gehöret, schaffet, wirket, hilft und befördert; darauf auch unsere Seligkeit also gegründet ist, daß die Pforten der Höllen nichts da wider vermögen sollen; wie gesdrieben stehet: „Meine Scafe wird mir niemand aus meiner Hand reißen'; und abermals: Und es wurden gläubig, so viel ihrer zum ewigen Leben verordnet waren.“

Hiermit bezeugt uns die Concordienformel: Da Christus uns erlös't hat, so wissen wir allerdings, daß es einen Weg gibt, auf welchem Gott alle Menschen selig machen will; denn uns wird gelehrt: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden.“ Aber die weitere Frage ist: Db ich auch wirklich das Ende des Glaubens davon bringe nach der Schrift? Auch dafür hat der liebe Gott gesorgt; denn er hat uns auserwählt, das heißt, er hat eine Verordnung gemacht, daß er uns sicher in den Himmel

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