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bringen will, aber freilich auf keinem andern Wege, als dem, auf welchem er alle Menschen zur Seligkeit bringen will. Er hat da keinen Unterschied gemacht und gesagt: Diese sollen in den Himmel kommen, und die Andern nicht; sondern er hat gesagt: Alle Menschen will ich in den Himmel haben; darum will ich meinen Sohn für Alle sterben lassen, will Alle ohne Ausnahme durch das Evangelium berufen lassen und will mit meinem Heiligen Geist durch das Evangelium an Ader Herzen anklopfen. Aber Gott weiß im voraus, daß an Vielen dies Alles vergeblich sein wird, und um ihres muthwilligen und halsstarrigen Widerstrebens willen, das er voraus gesehen hat, hat er beschlossen, diese zu verdammen. Bei den Auserwählten jagt er jedoch nicht etwa: Ich weiß, ihr werdet gute Leute sein und bleiben, und darum beschließe ich, euch jelig zu machen. Denn erstens ist das faljd, daß wir gut sind und bleiben; aber selbst wenn man sagt: Gott hat voraus gesehen, wer da glauben würde, und darum hat ihn Gott erwählt, fo ist das auch falsch; denn das ist eben nicht die Gnadenwahl, sondern die Gnadenordnung. Nein, von den Auserwählten hat Gott beschlossen, sie zum Glauben zu bringen, und wenn sie abfallen, wieder zur Buße zu führen und im Glauben bis an's Ende zu erhalten; deren Seligkeit steht darym so fest, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen sollen. Fragt man hierfür nach dem Beweis, so antworten wir: Christus spricht deutlich von seinen Schafen, Niemand soll sie ihm aus seiner Hand reißen.

Das ist ja nun freilich eine unbegreifliche Lehre; denn unsere Vernunft sagt: Wenn jene verdammt werden, weil sie ungläubig waren, warum werden denn diese selig, da doch von Haus aus alle Menschen ungläubig find? Ueber dieses Geheimniß sollen wir eben nicht forschen, sondern sollen uns an das Wort des Propheten halten, durch welchen Gott spricht: „Israel, du bringest dich in Unglück; denn dein Heil stehet allein bei mir.“ Wer in den Schranken dieses Spruches geht, der wird fort und fort einestheils vor Pelagianismus, anderntheils vor Calvinismus bewahrt bleiben, der wird auch immer die lutherische Lehre von der Gnadenwahl haben. Daran kann man auch erkennen, ob ein Prediger die Lehre recht lehrt, daß er den lieben Gott wohl zur Ursache unserer Seligkeit, aber nicht zum Urheber unserer Verdammniß macht.

In dem von der Concordienformel angeführten Spruch Ap. Gesch. 13, 48. steht es so klar, daß die Gnadenwahl eine Ursache unserer Seligkeit ist, und alles dessen, was zu derselben gehört, daß es geradezu unbegreiflich ist, wie man nicht sehen kann, daß hier der Glaube als eine Folge der Wahl bezeichnet wird. Umgekehrt wird aber auch zwei Verse vorher flar und deutlich der Grund angegeben, warum die Andern nicht zum Glauben kommen; denn da sprechen Paulus und Barnabas zu den verstockten Juden: ,,Euch mußte zuerst das Wort Gottes gesagt werden; nun ihr es aber von euch stoßet, und achtet euch selbst nicht werth des ewigen Lebens, siehe, so wenden wir uns zu den Heiden.“

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Man wirft uns vor, als ob wir lehrten: wenn die Auserwählten den Glauben in der Zeit empfangen in Folge der Wahl, so habe also der liebe Gott den Uebrigen den Glauben nicht geben wollen. Aber diesen Soluß machen wir nicht, sondern wir folgen der heiligen Schrift, welche sagt, daß die Ungläubigen in Folge ihres beharrlichen Widerstrebens nicht zum Glau: ben kommen, also nicht etwa in Folge davon, daß ihnen Gott den Glauben nicht habe geben wollen. Paulus sagt, daß die ungläubigen Juden sich des ewigen Lebens nicht werth achteten; also ist ihnen das ewige Leben ernstlich angeboten worden. Auch die Kraft zu glauben bot der Heilige Geist ganz ernstlich durch das Wort, welches Paulus predigte, denen an, welche nicht zum Glauben kamen; denn diese Kraft liegt im Worte, das denselben gebracht wurde.

Man darf uns also nicht vorwerfen, als meinten wir: Gott hätte es wohl ganz gerne, daß auch die Ungläubigen zum Glauben kommen, aber er fümmere sich nicht sonderlich um deren Seligkeit, er lasse sie ihre eigenen Wege gehen; er mache wohl einen schwachen Versuch, sie zum Glauben zu bringen, aber er gebe es bald wieder auf. Nein, wir lehren keine bloße complacentia, wie es Reformirte thun, die dem lieben Gott in Bezug auf die Verdammten nur einen schwachen, ohnmächtigen Willen zuschreiben. Wir glauben, daß Gott auch die, welche nicht erwählt sind, ganz ernstlich wolle selig machen, so ernstlich, daß er auch für sie seinen Sohn am Kreuz geopfert hat, und daß Christus über Jerusalem bittere Thränen weint, weil es sich nicht selig maden lassen will. Aber wir lisen bloß das Geheimniß nicht auf, das uns Gott gegeben hat, und welches darin besteht, daß wäbrend die Einen zum Glauben kommen in Folge der Wahl, die Andern zum Glauben nicht kommen, nicht in Folge davon, daß sie Gott nicht ernstlich selig machen wollte, sondern in Folge ihres muthwilligen und halsstarrigen Widerstrebens.

Und nun soll sich ein Christ der Gnadenwahl von Herzen freuen und getrösten, und es sich gefallen lassen und damit zufrieden sein, daß Gott nach seiner unergründlichen Barmherzigkeit sich vorgenommen hat, ihn sicher und gewiß in den Himmel zu führen. Darum fönnen wir uns auch darüber trösten, daß unser gegenwärtiger Lehrstreit ausgebrochen ist; denn wie ein Baum durch den Sturm immer fester in die Erde eingewurzelt wird, also werden auch wir durch Gottes Gnade in dem gegenwärtigen Kampfe immer fester auf dieser seligmachenden Lehre gegründet werden und dieselbe in immer hellerem Lichte erkennen.

Wir gehen nun zu Punkt b. unserer These über, daß nämlich allein die Barmherzigkeit Gottes und das allerheiligste Verdienst Christi, und nichts, was Gott im Meniden vorausgesehen hat, die Ursace der Gnadenwahl sei. Und das ist gerade der Hauptgrund, welcher an unserer Lehre angegriffen wird. Das geben wohl die Gegner zu, daß der liebe Gott nicht um guter Werke willen, welche er von Ewigkeit voraus gesehen habe, erwählt habe; aber das sagen sie: Er habe solches gethan in Ansehung des Glaubens. Sie meinen, das stimme auch mit unserem Bes kenntniß. Aber vergleichen wir, was dasselbe sagt.

Da lesen wir in der Concordienformel (M. S. 557. $ 20; St. L. Ausg. S. 380 f.): „Demnach verwerfen wir folgende Irrthümer ... 4. Jtem, daß nicht allein die Barmherzigkeit Gottes und allerheiligste Verdienst Christi, sondern auch in uns eine Ursach sei der Wahl Gottes, um welcher willen Gott uns zum ewigen Leben erwählet habe.“

Hier werden also nur zwei Gründe der Wahl angegeben, nämlich die Barmherzigkeit Gottes und das Verdienst Christi, und dann wird verwor: fen, wenn man eine Ursache der Wahl im Menschen zu finden meint. Dasselbe wird auch in der

Solida Declaratio wiederholt. Da heißt es nämlich (M. S. 723. $ 87 u. 88; St. L. Ausg. S. 489): „Durch diese Lehre und Erklärung von der ewigen und seligmachenden Wahl der auserwählten Kinder Gottes wird Gott seine Ehre ganz und völlig gegeben, daß er aus lauter Barmherzigkeit in Christo, ohne allen unsern Verdienst oder gute Werke, uns selig made, nach dem Vorsaß seines Willens, wie geschrieben stehet, Eph. 1, 5.: ,Er hat uns verordnet zur Kindschaft gegen ihm selbst durch IEsum Christum nach dem Wohlgefallen seines Willens, zu Lobe seiner Herrlichkeit und Gnade, durch welche er uns hat angenehm gemacht in dem Geliebten.' Darum es falsch und unrecht, wenn gelehrt wird, daß nicht allein die Barmherzigkeit Gottes und allerheiligste Verdienst Christi, sondern auch in uns eine Ursache der Wahl Gottes sei, um welcher willen Gott uns zum ewigen Leben erwählt habe. Denn nicht allein, ehe wir etwas Gutes gethan, sondern aud), ehe wir geboren worden, hat er uns in Christo erwählet, ja, ehe der Welt Grund gelegt war, und ,auf daß der Vorsaß Gottes bestünde nach der Wahl, ward zu ihm gesagt, nid)t aus Verdienst der Werke, sondern aus Gnaden des Berufers, also: der Größte soll dienstbar werden dem Kleinern; wie davon geschrieben steht: Ich habe Jakob geliebet; aber Esau habe ich gehasset, Röm. 9, 11. Gen. 25, 23. Mal. 1, 2 f."

Man achte auf die Worte im Lateinischen: „aliquid in nobis“, nach welchen es also falsch ist, wenn gelehrt wird, daß irgend Etwas“ in uns eine Ursache der Wahl sei; es heißt hier nicht: ein gutes Werk, eine Würdigkeit in uns, sondern irgend Etwas in uns. Und zuerst heißt es: allein die Barmherzigkeit Gottes und das Verdienst Christi; hiermit ist also offenbar auch der Glaube ausgeschlossen; denn derselbe ist eben Etwas in uns, aliquid in nobis. Wenn die Bekenner vor dreihundert Jahren die Lehre gehabt hätten, welche uns von Gegnern als die allein richtige, lutherische Lehre jezt vorgehalten wird, so wären sie wohl auch so klug gewesen, daß sie gesagt hätten: die Barmherzigkeit Gottes, das Verdienst Christi und der Glaube; aber der Leştere wird eben nicht genannt, ja nod) hinzugesekt: „irgend Etwas in uns“. Es mag also etwas sein, was wir selbst von Natur haben, oder was wir durch unsere natürlichen Kräfte uns verschafft haben, oder was Gott durch seinen Gnadengeist in uns gewirkt hat; das Alles wird ausgeschlossen.

Das liegt übrigens auch schon in dem, was wir unter Punkt a. be: sprochen haben, daß nämlich die Gnadenwahl der Grund und die Ursache unserer Seligkeit und alles dessen, was zu derselben gehört, ist. Wie könnte denn dies der Fall sein, wenn der Glaube die Ursache wäre, um derentwillen wir erwählt seien? Nein, der Glaube muß freilich bei der Wahl sein; es fällt uns gar nicht ein, zu sagen, daß ein Mensch ohne Glauben fönne selig werden, oder daß Gott bei der Wahl nicht auch an den Glauben gedacht habe. Freilich hat er an den Glauben gedacht; aber an denselben als Mittel, durch welches der Mensch soll selig gemacht werden, und als dasjenige, was dem Menschen eben auf Grund der Wahl soll gegeben und er: halten werden.

Man bedenke doch nur: Wenn der Heiland zu seinen Jüngern spricht: „Ihr habt mich nicht erwählet, sondern ich habe euch erwählet, und geseßt, daß ihr hingehet, und Frucht bringet, und eure Frucht bleibe“, hat er damit sagen wollen: Ihr habt freilich vorerst das Gute gethan, daß ihr mich auf: gesucht habt und mir nachgefolgt seid, und weil ihr nun im rechten Glauben stehet, will ich euch erwählen? Gewiß nicht; sondern Jedermann sieht ein, daß der HErr mit diesen Worten vielmehr das sagen will: Ihr waret unter den Schriftgelehrten und Pharisäern und ließet euch von diesen zur Hölle führen; aber ich bin euch zuvor gekommen und habe euch aufgesucht, habe euch den Glauben geschenkt und will euch denselben auch bis an euer Ende erhalten, und euch ewig selig machen; das Alles habt ihr nicht euch selber, sondern mir zu danken. Nur wer mit vorgefaßter Meinung in die Schrift geht, wird diese Worte so auslegen, als wollte der Heiland sagen: Nun Gott Lob! ihr habt mich im Glauben angenommen, nun will ich euch auch erwählen. Nein, der HErr will den Jüngern alles Rühmen nehmen, und wil ihnen sagen: Ihr seid um kein Haar besser, als das Judenvolk, welches mich im Unglauben verwirft; aber ich sah euch in eurem Blute liegen, und da habe ich zu euch gesagt: Ihr sollt leben. Das heißt nicht bloß: Ihr sollt in den Himmel kommen; denn da würden sie fragen: Ja, wie sollen wir denn hinein kommen? sondern das heißt: Ich will euch den Glauben geben und erhalten, durch den allein und gewißlich ihr in den Himmel kommt.

Das ist die klare Lehre unserer Kirche, welche sie in den soeben gehörten Stellen niedergelegt hat. Die Gnadenwahl ist ja eine Ursache unserer Seligkeit und alles dessen, was zu derselben gehört. Nun, was gehört denn zu derselben? Doch vor allem der Glaube und das Beharren im Glauben. Es heißt in der angeführten Stelle: „Denn nicht allein, ehe wir etwas Gutes gethan“ u. 1. W. Hier wird gesagt: Daß wir Ales der Gnade Got: tes und dem Verdienste Christi zuschreiben müssen, das kann man daraus sehen, daß ja die Gnadenwahl eine ewige ist. Ist sie aber eine ewige, so folgt daraus, daß die Werke nicht können die Ursache sein, denn es hat ja damals, da Gott erwählte, noch kein Mensch gute Werke gethan. Die Con: cordienformel hat folgende Beweisführung: Gott hat die Gläubigen erwählt, ehe sie etwas Gutes gethan hatten; die Werke waren also noch gar nicht da, als Gott erwählte. Er hat sich also bei der Wahl durch gar nichts im Menschen bestimmen lassen; denn es war noch gar nichts in demselben, er war noch nicht einmal geboren. Wenn sich nun Gott durch nichts hat bestimmen lassen, was er im Menschen gesehen hätte, weil es noch nicht vor: handen war, so hat er sich auch nicht durch den Glauben bestimmen lassen; denn auch dieser war noch nicht im Menschen, denn derselbe war nod) gar nicht geboren.

Wenn nun jener Schluß der Concordienformel richtig ist, so ist auch offenbar dieser Schluß richtig: Also kann auch der Glaube nicht die Urfache der Wahl sein, weil er noch gar nicht vorhanden war, als die Wahl geschah. Ja, wenn diese in der Zeit folgte, dann wäre es wohl recht zu sagen, daß der liebe Gott wartet, bis sich ein Mensch bekehrt, und dann er: wählt er ihn. Aber da der Mensch noch gar nicht war, und der Gnadenwahlsrathschluß schon gefaßt war, ehe er geboren ward, so geht mit Nothwendigkeit daraus hervor : wir sind nicht nur zur Seligkeit erwählt, sondern auch zu dem Wege, auf welchem der liebe Gott uns zur Seligkeit führen will.

Das sehen wir auch aus folgender Stelle der Solida Declaratio (M. S. 708. $ 23. St. L. Ausg. S. 480), wo ausdrücklich gesagt wird: „Gott habe alle und jede Personen der Auserwählten, so durch Christum follen selig werden, in Gnaden bedacht, zur Seligkeit erwählt, aucy verordnet, daß er sie auf die Weise, wie jeßt gemeldet, durch seine Gnade, Gaben und Wirkung dazu bringen, helfen, fördern, stärken und erhalten wolle."

Also die Gnadenwahl ist nach unserem Bekenntniß eine Verordnung Gottes, einen Menschen auf dem Wege der Gnadenordnung zur Seligkeit zu führen. Das ist die Gnadenwahl der Concordienformel. Somit ist die Buße, die Bekehrung, der Glaube, die Rechtfertigung, die Heiligung, die Geduld im Kreuz, das Beharren bis ans Ende eine Verwirklichung der Wahl, und nicht umgekehrt.

Wer da sagt, wie es die offenbaren rationalistischen Verkehrer thun: Id glaube, ich bin ein Auserwählter; denn so und so habe ich es gemacht; ich habe mich zu Christo bekehrt, ich thue allerlei gute Werke, und darum hat mich Gott erwählt: der nimmt dem lieben Gott seine Ehre und gibt sie sich selbst, der macht sich also selbst zu Gott. Das ist aber (dilimmer als wenn die Darwinisten jeßt sagen, daß der Mensch aus einem Affen entstanden sei. Denn diese Leute geben doch noch zu, daß sich der Mensch nicht selbst geschaffen hat, sondern daß er nach ihrer Meinung aus einem Affen hervorgefrochen ist, und daß er sich dann so und so verhalten hat, bis er so eine wunderschöne Creatur geworden ist, wie er ist. Diese aber sagen:

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