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sehen habe, erwählt habe; aber das sagen sie: Er habe solches gethan in Ansehung des Glaubens. Sie meinen, das stimme auch mit unserem Bekenntniß. Aber vergleichen wir, was dasselbe sagt.

Da lesen wir in der Concordiensormel (M. S. 557. § 20; St. L. Ausg. S. 380 f.): „Demnach verwersen wir solgende Irrthümer . . . 4. Item, daß nicht allein die Barmherzigkeit Gottes und allerhei» ligste Verdienst Christi, sondern auch in uns eine Ursach sei der Wahl Gottes, um welcher willen Gott uns zum ewigen Leben erwählet habe."

Hier werden also nur zwei Gründe der Wahl angegeben, nämlich die Barmherzigkeit Gottes und das Verdienst Christi, und dann wird verworsen, wenn man eine Ursache der Wahl im Menschen zu sinden meint. Dasselbe wird auch in der

8»!iä»DeoIar»tio wiederholt. Da heißt es nämlich (M. S. 723. § 87 u. 88; St. L. Ausg. S. 489): „Durch diese Lehre und Erklärung von der ewigen und seligmachenden Wahl der auserwählten Kinder Gottes wird Gott seine Ehre ganz und völlig gegeben, daß er aus lauter Barmherzigkeit in Christo, ohne allen unsern Verdienst oder gute Werke, uns selig mache, nach dem Vorsatz seines Willens, wie geschrieben stehet, Eph. 1, 5.: ,Er hat uns verordnet zur Kindschast gegen ihm selbst durch IEsum Christum nach dem Wohlgesallen seines Willens, zu Lobe seiner Herrlichkeit und Gnade, durch welche er uns hat angenehm gemacht in dem Geliebten.' Darum es falsch und unrecht, wenn gelehrt wird, daß nicht allein die Barmherzigkeit Gottes und allerheiligste Verdienst Christi, sondern auch in uns eine Ursache der Wahl Gottes sei, um welcher willen Gott uns zum ewigen Leben erwählt habe. Denn nicht allein, ehe wir etwas Gutes gethan, sondern auch, ehe wir geboren worden, hat er uns in Christo erwählet, ja, ehe der Welt Grund gelegt war, und ,auf daß der Vorsatz Gottes bestünde nach der Wahl, ward zu ihm gesagt, nicht aus Verdienst der Werke, sondern aus Gnaden des Berusers, also: der Größte soll dienstbar werden dem Kleinern; wie davon geschrieben steht: Ich habe Iakob geliebet; aber Esau habe ich gehasset', Röm. 9, 11. Gen. 25, 23. Mal. 1, 2 f."

Man achte auf die Worte im Lateinischen: „»liquiä in nobis", nach welchen es also falsch ist, wenn gelehrt wird, daß „irgend Etwas" in uns eine Ursache der Wahl sei; es heißt hier nicht: ein gutes Werk, eine Würdigkeit in uns, sondern irgend Etwas in uns. Und zuerst heißt es: allein die Barmherzigkeit Gottes und das Verdienst Christi; hiermit ist also offenbar auch der Glaube ausgeschlossen; denn derselbe ist eben Etwas in uns, »liquid in uobis. Wenn die Bekenner vor dreihundert Iahren die Lehre gehabt hätten, welche uns von Gegnern als die allein richtige, lutherische Lehre jetzt vorgehalten wird, so wären sie wohl auch so klug gewesen, daß sie gesagt hätten: die Barmherzigkeit Gottes, das Verdienst Christi und der Glaube; aber der Letztere wird eben nicht genannt, ja noch hinzugesetzt: „irgend Etwas in uns". Es mag also etwas sein, was wir selbst von Natur haben, oder was wir durch unsere natürlichen Kräfte uns verschafft haben, oder was Gott durch seinen Gnadengeist in uns gewirkt hat; das Alles wird ausgeschloffen.

Das liegt übrigens auch schon in dem, was wir unter Punkt ». besprochen haben, daß nämlich die Gnadenwahl der Grund und die Ursache unserer Seligkeit und alles dessen, was zu derselben gehört, ist. Wie könnte denn dies der Fall sein, wenn der Glaube die Ursache wäre, um derentwillen wir erwählt seien? Nein, der Glaube muß freilich bei der Wahl sein; es fällt uns gar nicht ein, zu sagen, daß ein Mensch ohne Glauben könne selig werden, oder daß Gott bei der Wahl nicht auch an den Glauben gedacht habe. Freilich hat er an den Glauben gedacht; aber an denselben als Mittel, durch welches der Mensch soll selig gemacht werden, und als dasjenige, was dem Menschen eben auf Grund der Wahl soll gegeben und erhalten werden.

Man bedenke doch nur: Wenn der Heiland zu seinen Iüngern spricht: „Ihr habt mich nicht erwählet, sondern ich habe euch erwählet, und gesetzt, daß ihr hingehet, und Frucht bringet, und eure Frucht bleibe", hat er damit sagen wollen: Ihr habt freilich vorerst das Gute gethan, daß ihr mich aufgesucht habt und mir nachgesolgt seid, und weil ihr nun im rechten Glauben stehet, will ich euch erwählen? Gewiß nicht; sondern Iedermann sieht ein, daß der HErr mit diesen Worten vielmehr das sagen will: Ihr waret unter den Schristgelehrten und Pharifäern und ließet euch von diesen zur Hölle führen; aber ich bin euch zuvor gekommen und habe euch aufgesucht, habe euch den Glauben geschenkt und will euch denselben auch bis an euer Ende erhalten, und euch ewig selig machen; das Alles habt ihr nicht euch selber, sondern mir zu danken. Nur wer mit vorgesaßter Meinung in die Schrist geht, wird diese Worte so auslegen, als wollte der Heiland sagen: Nun Gott Lob! ihr habt mich im Glauben angenommen, nun will ich euch auch erwählen. Nein, der HErr will den Iüngern alles Rühmen nehmen, und will ihnen sagen: Ihr seid um kein Haar besser, als das Iudenvolk, welches mich im Unglauben verwirst; aber ich sah euch in eurem Blute liegen, und da habe ich zu euch gesagt: Ihr sollt leben. Das heißt nicht bloß: Ihr sollt in den Himmel kommen; denn da würden sie fragen: Ia, wie sollen wir denn hinein kommen? sondern das heißt: Ich will euch den Glauben geben und erhalten, durch den allein und gewißlich ihr in den Himmel kommt.

Das ist die klare Lehre unserer Kirche, welche sie in den soeben gehörten Stellen niedergelegt hat. Die Gnadenwahl ist ja eine Ursache unserer Seligkeit und alles dessen, was zu derselben gehört. Nun, was gehört denn zu derselben? Doch vor allem der Glaube und das Beharren im Glauben. Es heißt in der angesührten Stelle: „Denn nicht allein, ehe wir etwas Gutes gethan" u. f. w. Hier wird gesagt: Daß wir Alles der Gnade Gottes und dem Verdienste Christi zufchreiben müssen, das kann man daraus sehen, daß ja die Gnadenwahl eine ewige ist. Ist sie aber eine ewige, so solgt daraus, daß die Werke nicht können die Ursache sein, denn es hat ja damals, da Gott erwählte, noch kein Mensch gute Werke gethan. Die Con» cordiensormel hat solgende Beweisführung: Gott hat die Gläubigen erwählt, ehe sie etwas Gutes gethan hatten; die Werke waren also noch gar nicht da, als Gott erwählte. Er hat sich also bei der Wahl durch gar nichts im Menschen bestimmen lassen; denn es war noch gar nichts in demselben, er war noch nicht einmal geboren. Wenn sich nun Gott durch nichts hat bestimmen lassen, was er im Menschen gesehen hätte, weil es noch nicht vorhanden war, so hat er sich auch nicht durch den Glauben bestimmen lasten; denn auch dieser war noch nicht im Menschen, denn derselbe war noch gar nicht geboren.

Wenn nun jener Schluß der Concordiensormel richtig ist, so ist auch offenbar dieser Schluß richtig: Also kann auch der Glaube nicht die Ursache der Wahl sein, weil er noch gar nicht vorhanden war, als die Wahl geschah. Ia, wenn diese in der Zeit solgte, dann wäre es wohl recht zu sagen, daß der liebe Gott wartet, bis sich ein Mensch bekehrt, und dann erwählt er ihn. Aber da der Mensch noch gar nicht war, und der Gnaden» wahlsrathschluß schon gesaßt war, ehe er geboren ward, so geht mit Noth» wendigkeit daraus hervor: wir sind nicht nur zur Seligkeit erwählt, sondern auch zu dem Wege, auf welchem der liebe Gott uns zur Seligkeit führen will.

Das sehen wir auch aus solgender Stelle der Koliäs Oeolarktio (M. S. 708. § 23. St. L. Ausg. S. 480), wo ausdrücklich gesagt wird: „Gott habe alle und jede Personen der Auserwählten, so durch Christum sollen selig werden, in Gnaden bedacht, zur Seligkeit erwählt, auch verordnet, daß er sie auf die Weise, wie jetzt gemeldet, durch seine Gnade, Gaben und Wirkung dazu bringen, helsen, fördern, stärken und erhalten wolle."

Also die Gnadenwahl ist nach unserem Bekenntniß eine Verordnung Gottes, einen Menschen auf dem Wege der Gnadenordnung zur Seligkeit zu führen. Das ist die Gnadenwahl der Concordiensormel. Somit ist die Buße, die Bekehrung, der Glaube, die Rechtsertigung, die Heiligung, die Geduld im Kreuz, das Beharren bis ans Ende eine Verwirklichung der Wahl, und nicht umgekehrt.

Wer da sagt, wie es die offenbaren rationalistischen Verkehrer thun: Ich glaube, ich bin ein Auserwählter; denn so und so habe ich es gemacht; ich habe mich zu Christo bekehrt, ich thue allerlei gute Werke, und darum hat mich Gott erwählt: der nimmt dem lieben Gott seine Ehre und gibt sie sich selbst, der macht sich also selbst zu Gott. Das ist aber schlimmer als wenn die Darwinisten jetzt sagen, daß der Mensch aus einem Affen entstanden sei. Denn diese Leute geben doch noch zu, daß sich der Mensch nicht selbst geschaffen hat, sondern daß er nach ihrer Meinung aus einem Affen hervorgekrochen ist, und daß er sich dann so und so verhalten hat, bis er so eine wunderschöne Creatur geworden ist, wie er ist. Diese aber sagen: Wir sind die Ursache unserer Seligkeit; das ist ja viel schlimmer, als wenn ich sagte: Ich bin die Ursache, daß ich geschaffen worden bin. Denn da rede ich nur vom zeitlichen Leben; wer aber seine Werke zur Ursache der Wahl macht, der redet vom ewigen Leben. Aber nicht einmal das sagt ein Mensch, daß er sich selbst geschaffen habe; wer das sagen wollte, den würden die Leute schnell in das Irrenhaus bringen, denn der wäre offenbar verrückt. Wie viel greulicher ist es nun zu sagen: Ich habe mich zwar leiblich nicht geschaffen, aber das ewige Leben habe ich mir selbst verschafft!

Aber auch der Glaube kann die Ursache der Wahl nicht sein, wie Andere sagen. Die Schrist sagt ja an vielen Orten, daß Gott den Glauben gibt. Wie kann denn nun Gott mir um des Glaubens willen das ewige Leben geben? — Denn die Wahl ist ja eine Wahl zum ewigen Leben. — Umgekehrt ist es vielmehr: die Ursache, daß mir Gott den Glauben gibt, muß diese sein, daß er mich ewig selig machen will. Wenn ich Iemandem ein Geschenk gebe, und er ist durch meine Liberalität reich geworden, so werde ich ihn doch nicht erst um seines Rcichthums willen lieb haben und sagen: Der ist mir nun viel lieber, als erst, denn er ist ein reicher Mann geworden. Nein, meine Güte ist die Ursache, daß er reich geworden ist, darum kann sein Reichthum nicht die Ursache sein, daß ich ihn liebe. Ich gebe ja nicht deswegen Iemandem etwas, weil er es annimmt; sondern umgekehrt, er hat es deswegen angenommen, weil ich es ihm gegeben habe. Durch den Glauben wird mir die Seligkeit geschenkt. Nun kann doch mein Annehmen, also mein Glaube nicht die Ursache sein, warum mir Gott die Seligkeit gibt; denn ich könnte sie ja gar nicht annehmen, wenn sie mir nicht vorher gegeben wäre.

Allerdings unterscheiden wir zwischen der Liebe, welche Gott vor, und welche er nach unserer Bekehrung zu uns hat; aber das wollen hier sagen: daß wir uns zu Christo bekehrt haben, ist nicht die Ursache, daß uns Gott erwählt hat, so wenig das die Ursache ist, daß ein Mensch seinen Nächsten liebt, weil derselbe durch seine Güte reich geworden ist. Es gibt eine zweifache Liebe Gottes: zuerst die Liebe zur ganzen Welt, nach welcher er will, daß alle Menschen selig werden. Wenn aber Gott einen Menschen zum Glauben gebracht hat, dann entsteht die wohlgesällige Liebe. Dem lieben Gott gesällt doch die Welt nicht, wie sie ist, im Gegentheil, Gottes Zorn ist entbrannt über der Welt Verruchtheit; aber wiederum hat er in seinem Herzen die Liebe der Erbarmung. Ist nun ein Mensch gläubig geworden, dann sieht ihn Gott, wie er angezogen ist mit dem Kleid der Gerechtigkeit Christi, und dann gesällt er ihm auch wohl. Da hat Gott nicht bloß Erbarmen über sein Elend, sondern gewissermaßen eine Freude an ihm. Gott schaut ihn nun an mit dem größten Wohlgesallen: alles, was er thut, ja, wenn er ißt, trinkt, schläft, das gesällt dem lieben Gott, denn er sieht ihn in Christo IEsu, mit dessen Gerechtigkeit er bekleidet ist. Gott ist es also, der durch seinen Gnadenrathschluß bewirkt, daß ich eine ihm angenehme Creatur werde. Zuvor war ich ihm nur ein Gegenstand des Mitleids; aber nachdem ich zum Glauben gekommen bin, so ist aus dem Mitleid eine väterliche Liebe geworden. Gott konnte ja die Menschen erst noch gar nicht väterlich lieben, weil sie seine Kinder noch nicht waren; damit er uns nun väterlich liebe, dazu hat er uns zu seinem Sohne IEsu Christo gezogen.

Das muffen wir also nach H 23. sesthalten: Gott hat verordnet, daß er seine Auserwählten zur Seligkeit bringen, oder, wie es im Lateinischen heißt, der Seligkeit theilhastig machen will, psrtieipem reääer« s»lutis. Nun gehört aber dazu der Glaube, das Beharren im Glauben; dies alles wird genannt eine Folge der Wahl, also muß dieselbe die Ursache von dem Allen sein.

Es ist auch sehr wichtig, daß nirgends in der Bibel steht, wir seien um des Glaubens willen erwählt. Es stehen wohl die Worte darinnen: „Welche er zuvor versehen hat, die hat er auch verordnet" (Rom. 8, 29.); wenn aber nun Leute sagen: Was soll er denn zuvor versehen haben? das muß doch der Glaube sein, da sagen wir diesen: Ihr lieben Leute, wenn ihr der Heilige Geist wäret, dann wollten wir euch wohl glauben; aber von Menschen lassen wir uns nichts in die Bibel hineintragen. Hier steht weiter gar nichts, als: Der liebe Gott hat zuvor versehen, und nicht: Der liebe Gott hat zuvor den Glauben versehen. Nun hat kein Mensch, ja, kein Engel und Erzengel etwas in diese Worte hineinzutragen. Wohl geschieht es manchmal, daß die Schrist an einem Orte etwas nicht angibt, was sie an einem andern Orte sagt; aber es gibt keine Stelle, in welcher gesagt würde, Gott habe den Glauben zuvor gesehen oder habe uns um des Glaubens willen erwählt.

Dies bezeugt auch Chemnitz in seinem Handbüchlein. Derselbe schreibt: „Geschieht solche Wahl Gottes allererst in der Zeit, wenn die Menschen Buße thun und glauben? oder ist sie geschehen in Betrachtung der zuvor ersehenen ihrer Frömmigkeit? St. Paulus spricht Eph. 1.: ,Wir sind erwählt in Christo, ehe der Welt Grund geleget ward'; und 2 Tim. I.: ,Er hat uns selig gemacht und berusen nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem Fürsatz und Gnade, die uns gegeben ist in Christo IEsu vor der Zeit der Welt.' So folget auch die Wahl Gottes nicht nach unserem Glauben und Gerechtigkeit, sondern gehet fürher als eine Ursache dessen alles; denn die er verordnet oder erwählet hat, die hat er auch berufen und gerecht gemacht. Röm. 8."

Hier sagt Chemnitz ganz deutlich: Die Wahl geht dem Glauben vorher, und der Glaube solgt der Wahl; darum kann Gott nicht um des Glaubens willen erwählt haben.

Uebrigens verwersen dies auch alle Theologen ohne Ausnahme, auf welche man sich uns gegenüber beruft, daß Gott um des Glaubens willen erwählt habe. Denn das können wir uns freilich nicht verbergen, daß sich

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