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im siebenzehnten Iahrhundert die Lehre in der lutherischen Kirche eingebürgert hat, daß Gott zwar nicht um des Glaubens willen, aber doch in Ansehung des Glaubens erwählt habe. Die also lehrten, meinten, sie könnten auf diese Weise allein die Calvinisten widerlegen. Wenn man sie aber nun fragt: Ihr gebt doch selbst zu, daß Gott nicht wegen des Glaubens erwählt habe, was wollt ihr denn mit diesem Ausdruck „in Ansehung des Glaubens" sagen? dann reden sie Allerlei; aber es wird Einem nicht klar, was sie meinen. Denn diese Männer lehren ganz entschieden, daß der liebe Gott dem Menschen den Glauben geben muß, wenn derselbe ihn erlangen soll, und daß Gott diesen gebe nach seinem Wohlgesallen.

Weil nun offenbar der Glaube eine Folge der Wahl ist, darum haben wir erklärt, wir gehen wieder zurück zu der Art und Weise, wie unser lutherisches Bekenntniß redet, und nehmen den Ausdruck „in Ansehung des Glaubens seien wir erwählt" nicht an; denn das steht weder in der Schrist noch in dem Bekenntniß. Wir wollen damit jene theuren Männer, die da um der Calvinisten willen so reden zu müssen meinten, nicht zu Ketzern machen; wir wollen aber auch nicht die Irrlehrer durch eine Lehre widerlegen, welche wir selbst nicht billigen. Wir sollen den lieben Gott nicht, wie Hiob sagt, mit List vertheidigen; darum reden wir so, wie die Schrist redet.

Chemnitz fährt sort: „Und Eph. 1. spricht Paulus nicht, daß wir erwählet sind, weil wir heilig waren oder heilig sein werden; sondern spricht: wir sind erwählet, auf daß wir heilig würden; denn die Gnadenwahl ist eine Ursach des alles, was zur Seligkeit gehöret; wie Paulus sagt: ,Wir sind zum Erbtheil kommen, die wir zuvor verordnet sind nach dem Fürsatz des, der alles wirket, nach dem Rath seines Willens, auf daß wir etwas seien zu Lob seiner Herrlichkeit; und nach der Wirkung glauben wir' u. s. w. Und ist dieselbige Wahl geschehen nicht aus Betrachtung unserer gegenwärtigen oder künstigen Werke, sondern aus Gottes Fürsatz und Gnade, Röm. 9. 2 Tim. 1. . . Hieraus ist gewiß, daß kein Auserwählter in Unbußsertigkeit und Unglauben endlich bleibet und verharret." (Citirt in Frank, Theologie der Concordien» formel. IV, 336. 338.)

Das ist sehr wichtig, daß zuletzt noch gesagt wird, daß kein Auserwählter in Unbußsertigkeit und Unglauben endlich bleibt und verharrt. Wer also in Unbußsertigkeit und Unglauben steht, dem können wir getrost sagen: Mach dir mit der Gnadenwahl nichts zu schaffen! Du kannst dich derselben nicht trösten, so lange du in Unbußsertigkeit bleibst.

Diese ganze Stelle zeigt deutlich, daß Chemnitz lehrt: Gott hat uns zum Glauben erwählt, darum kann er nicht in Ansehung des Glaubens er» wählt haben in dem Sinne: weil er den Glauben vorausgesehen hat.

Wie sonnenklar spricht dies die Schrist auch aus, wenn sie u. a. sagt, wie schon erwähnt worden, daß uns Gott verordnet hat zur Kindschaft; serner: „Und es wurden gläubig, wie viele ihrer zum ewigen Leben ver» ordnet waren" (ja, laut des Grundtextes heißt es: verordnet gewesen waren)! Es steht ja nicht da: und wurden zum ewigen Leben verordnet, so viele ihrer gläubig geworden waren — so müßte es heißen, wenn uns Gott um des Glaubens willen erwählt hätte — sondern umgekehrt steht da: und wurden gläubig, so viele ihrer zum ewigen Leben verordnet waren.

Wenn wir in diese sonnenklaren Stellen die Lehre hinein tragen, daß uns Gott um des Glaubens willen erwählt habe, so machen wir die ganze Schrist dunkel, machen Alles ungewiß, und verlieren nach und nach den gesunden Blick für die Wahrheiten der heiligen Schrist. Nein, will man uns wankend machen, dann wollen wir sest und steis an diesen Worten halten, und wollen es ähnlich wie Luther machen, welcher sich in seiner Disputation mit Zwingli zu Marburg über das heilige Abendmahl mit Kreide die Worte auf den Tisch schrieb: „Das ist mein Leib." Denn das ist unwiderleglich: weil Gott verordnet hat, die Auserwählten der ewigen Seligkeit theilhastig zu machen, und alles das zu schaffen, was dazu nöthig ist, so muß die Gnadenwahl auch eine Ursache unsers Glaubens sein; denn zum Seligwerden gehört nothwendig der Glaube. Das ist der Hauptgrund, warum wir den Glanben nicht zur Ursache, sondern zur Folge der Wahl machen.

Sebastian Schmidt, welcher östers sagt, daß uns Gott in Ansehung des Glaubens erwählt habe, der aber doch immer so redet, daß man sieht, es fällt ihm gar nicht ein, den Glauben zur Ursache der Wahl zu machen, schreibt: „Allerdings ist diese Prädestination Gottes aus reiner Gnade geschehen, ohne irgend ein Verdienst der Werke, möge man nun sagen, daß dieselben aus natürlichen Kräften oder aus übernatürlichen geschehen, auch ohne irgend welche Rücksicht auf diese Werke, ja selbst auf den Glauben, als auf eine Bedingung, welche Gott auf Grund seiner Würdigkeit, sei sie eine eigentliche und natürliche oder zugerechnete, zur Prädestination bewege." (^.pkorismi tkeol. 1655. p. 294.)

Er sagt also ausdrücklich: Die Gnadenwahl ist ohne alle Rücksicht auf die Werke, ja auch ohne Rücksicht auf den Glauben geschehen, lateinisch: respsotu. Was ist aber für ein Unterschied zwischen „in Ansehung" und „in Rücksicht"? Doch so viel sieht man deutlich: er will durchaus nicht den Glauben zur Ursache der Wahl machen, auch nicht einmal, insosern demselhen"üm Christi willen eine Würdigkeit zugeschrieben wird.

Derselbe Schmidt schreibt: „In dem prädcstinirten Menschen ist ebensowenig eine Ursache der Prädestination, als in dem Verworsenen; sie geht vielmehr aus der bloßen göttlichen Verordnung hervor, welche auf die allgemeine Gnade und das Verdienst Christi gegründet ist, welche ihrer Natur nach jede Ursache von Seiten des Menschen ausschließt." (^.pK<>. rismi rksoI. 1655. x. 295.)

Also, wenn Iemand fragt: Warum werden gewisse Personen verdammt? so ist die Antwort: Aus ihrer eigenen Schuld. Wenn man aber fragt: Warum werden andere Personen selig? so müssen wir antworten: Davon liegt der Grund nicht in ihnen, sondern allein in Gottes Erbarmen und Christi Verdiens^^Änd es ist ein falscher Schluß, wenn man spricht: Liegt der Grund der Verdammniß im Menschen, so muß auch der Grund des Seligwerdens in ihm liegen.

Es ist hier gerade wie bei der Bekehrung. Die Synergisten haben je und je gesagt: Die Ursache, daß der Eine nichts bekehrt wird/ist sein Widerstreben^ also muß auch die Ursache, warum^der Andere bekehrt wzrd, sein, daß er nicht'widerstrebt. Nein, sagen all? unsere Theologen, das ist nicht

//die Ursache. Die Ursache, warum jener nicht bekehrt wird, liegt in ihm;

l I das ist eben sein Widerstreben; die Ursache aber, warum dieser bekehrt

iiwird, liegt nicht in ihm, sondern allein !n Gott.

>^ Endlich schreibt Schmidt: „Der Vlau?e ergreist auch die Wohl» that der Prädestination nicht, wie er die Wohlthat der Rechtfertigung, Heiligung u. s. w. ergreist, so daß er sich die Prädestination zu eigen machte durch den Glauben, wie er durch den Glauben seine Rechtsertigung erlangt; sondern der Gläubige tröstet und stärkt aus der Prädestination seinen Glauben, daß er mit dem Apostel sagt: ,Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?'" (^.pkorismi tkeol. 1655. p. 295.)

Hören wir serner noch einmal mehrere Citate, welche wir schon in unserem Berichte vom Iahre 1877, S. 84 ff., angesührt haben, welche gleichfalls bezeugen, daß den lieben Gott nichts bewogen hat, uns zu erwählen,' das er in uns gesehen habe.

So schreibt Gerhard: „Wir bekennen mit lauter Stimme, daß wir dasür halten, daß Gott nichts Gutes in dem zum ewigen Leben zu erwählenden Menschen gesunden, daß er weder auf gute Werke, noch auf den Gebrauch des freien Willens, ja auch selbst auf den Glauben nicht so Rücksicht genommen habe, daß er, weil er dadurch bewogen worden wäre, oder um desselben willen Einige erwählt habe." (I»e. 6e eleot. st reprob. ß 161.)

Ferner schreibt Ioh. Olearius: „Die Lehre der Lutheraner .... schreibt Gott alles, dem Menschen nichts zu. Dem steht nicht entgegen .... 2. der G laube, denn dieser ist keineswegs unser Werk, sondern Gottes Geschenk, auch nicht eine von uns zu ersüllende Bedingung, sondern ein Ersorderniß, welches von Gott aus Gnaden durch die ordentlichen Mittel des Heils verliehen wird." «. p. 1684.)

Desgleichen schreibt Quenstedt: „Die bewegende Ursache (der Prädestination) ist theils eine innerliche, theils eine äußerliche. Di« innerliche ist die umsonst sich erweisende Gnade Gottes, welche durch» aus jedes Verdienst menschlicher Werke, oder alles das, was den Namen eines Werkes oder einer Handlung hat, geschehe sie nun durch Gottes Gnade, oder aus natürlichen Kräften, ausschließt. Denn Gott hat uns nicht nach den Werken, sondern aus seiner bloßen Gnade erwählt. Auch der Glaube selbst gehört nicht hierher, wenn er als eine mehr oder minder (sei es an sich, sei es nach einer durch den Willen Gottes dem Glauben beigegebenen Werthschätzung) würdige Bedingung angesehen wird, weil hiervon nichts zu dem Rathschluß der Erwählung als eine Gott zur Fassung eines solchen Rathschlufses bewegende und antreibende Ursache gehört, sondern dieses der purlauteren Gnade Gottes zugeschrieben werden muß. Dieser Satz wird erstlich aus Röm. 9, 15. 16. erwiesen: .Welches ich mich erbarme, deß erbarme ich mich. So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Lausen, sondern an Gottes Erbarmen.'" (Ik. äiä..poI. III, 25.)

Calov schreibt: „Nicht wegen des Glaubens werden wir Auserwählte genannt, sondern durch den Glauben an Christum, von denen jenes der bezeichnende Ausdruck der bewegenden Ursache, dieses der der werkzeug lichen Ursache ist. Der selige Meisner erinnert: ,Wenn der Glaube die Ursache der Erwählung genannt wird, so dars man nicht die bewegende oder antreibende verstehen.' ,Denn', sagt der selige Hutter, ,die Erwählung hängt nicht vom Glauben, als ihrer bewegenden oder verdienstlichen Ursache, ab.'... Und der selige Gerhard sagt, es sei widersinnig, zu sagen, daß der Glaube die antreibende Ursache der Erwählung sei." (SM. Iom. X, 629.)

Endlich schreibt Dannhauer; „Die Prädestination hängt nicht ab von irgend einem Werk, von einem Verdienst, von einem Beweggrund, der aus uns oder durch uns ist, in uns hastet, um derentwillen die Erwählung geschehen wäre; nicht vom Glauben, sosern er ein Werk oder des Glaubens Frucht ist. Denn also sagen auch wir, daß der Rathschluß ein rein gnadenvoller sei. Dieses Gnadenvolle schließt die Verdienste aus, nicht die Ordnung; der Glaube ist hier nicht ein Werk, sondern die vorausgesehene Bettlershand. Daher dem Glauben nichts von einem Rühmlein, auch dem geringsten, übrig gelassen wird, indem er nimmt, nicht schenkt oder erwirbt. Daher Gott nichts von thätiger Würdigkeit im Menschen sah, nichts Gutes, was nicht aus ihm, Gott selbst, wäre. Gott bleibt die Ursache und wird nie das Verursachte: eigentlich ist in ihm .nichts früher der Zeit nach; jedoch hängt auch der Wille nicht von dem Vorhersehen ab, obwohl er dem Begriffe nach früher ist." (Loäos. ?Ksev. 7. p. 289.)

Die Schrist sagt: „Der Tod ist der Sünden Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christo IEsu, unserm HErrn." Röm. 6, 23. Sie nennt also das ewige Leben eine Gabe Gottes; ist es aber eine Gabe, so rede man ja nicht von Etwas, was Gott in dem Menschen sah, und das ihn bewogen habe, über denselben den Rathschluß zu fassen, ihn zum ewigen Leben zu erwählen.

Luther schreibt: „Es ist ein köstlich Ding um den Glauben und große Gewalt; ja, wenn er in unserer Macht stünde oder, wenn wir ihn gleich haben, auch zu behalten! Es ist ohne Zweisel, der Glaube thut's alles, daß ihm Teusel und Tod weichen muß; aber wo ist die Kunst, daß man dabei bleibe und ihn behalte? Gott hat's ihm selbst fürbehalten, den Glauben zu geben und zu nehmen, wenn er will, und stark oder schwach zu machen, wie es ihm gesällt." (Predigten über das 1. B. Mose von 1527. Erl. Bd. 34, S. 195. Ueber das 32. Cap.)

Dasselbe sagt auch unsere Concordiensormel, wenn sie (M. S. 713. § 43. St. L. Ausg. S. 483) also spricht: „Und sosern ist uns das Geheimniß der Versehung in Gottes Wort geoffenbaret, und wenn wir dabei bleiben und uns daran halten, so ist es gar eine nützliche, heilsame, tröstliche Lehre; denn sie bestätigt gar gewaltig den Artikel, daß wir ohne alle unsere Werke und Verdienst, lauter aus Gnaden, allein um Christus willen, gerecht und selig werden; denn vor der Zeit der Welt, ehe wir gewesen sind, ja, ehe der Welt Grund gelegt sward^, da wir ja nichts Gutes haben thun können, sind wir nach Gottes Vorsatz aus Gnaden in Christo zur Seligkeit erwählet, Röm. 9, 11. 2 Tim. 1, 9. Es werden auch dadurch alle opiniones und irrige Lehren von den Kräften unsers natürlichen Willens ernieder gelegt, weil Gott in seinem Rath vor der Zeit der Welt bedacht und verordnet hat, daß er alles, was zu unserer Bekehrung gehört, selbst mit der Krast seines Heiligen Geistes durchs Wort in uns schaffen und wirken wolle."

Hier wird wieder gesagt: Nur die Barmherzigkeit Gottes und das Verdienst Christi ist die Ursache unfrer Wahl, und serner: Zum Gnaden» wahlsrathschluß gehört auch dies, daß Gott verordnet hat, alles, was zu unserer Bekehrung gehört, selbst in uns wirken zu wollen.

Man spricht nämlich zu uns: Der Glaube geht ja der Rechtsertigung voraus; warum soll er denn nicht auch der Gnadenwahl vorausgehen? es ist doch wirklich Niemand für seine Person gerecht, außer wer schon vorher geglaubt hat! Wir antworten: Das Letztere ist wahr: woher kommt es denn aber, daß ich durch den Glauben gerechtsertigt werde? Das kommt daher, weil der liebe Gott schon alle Menschen ohne Ausnahme von seiner Seite gerechtsertigt hat. Als der himmlische Vater seinen Sohn von den Todten auserweckte, da hat er ihn, der unser Stellvertreter ist, gerechtsertigt, und also hat er in diesem unserem Stellvertreter zugleich die ganze Menschheit gerechtsertigt. Aber so ist es nicht mit der Gnadenwahl. Das Verhältniß des Glaubens zur Wahl ist ein anderes, als das zur Rechtsertigung. Gott hat nicht alle Menschen zur Seligkeit erwählt, und etwa gesagt: Nun mögt ihr auch durch den Glauben die Gnadenwahl herausnehmen. Die Gnadenwahl ist nicht eine allgemeine, wie die Rechtsertigung, sondern eine besondere, oder wie die Lateiner sagen: eine particuläre; denn der Heiland spricht: „Viele sind berusen, aber Wenige sind auserwählt." Darum muß sich der Mensch nicht erst durch den Glauben die Gnadenwahl herausnehmen, damit er ein Erwählter werde; denn diese ist schon von

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