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Wir sind die Ursache unserer Seligkeit; das ist ja viel schlimmer, als wenn ich sagte: Ich bin die Ursache, daß ich geschaffen worden bin. Denn da rede ich nur vom zeitlichen Leben; wer aber seine Werke zur Ursache der Wahl macht, der redet vom ewigen Leben. Aber nicht einmal das sagt ein Mensd), daß er sich selbst geschaffen habe; wer das sagen wollte, den wür: den die Leute schnell in das Jrrenhaus bringen, denn der wäre offenbar verrüdt. Wie viel greulicher ist es nun zu sagen: Ich habe mich zwar leiblich nicht geschaffen, aber das ewige Leben habe ich mir selbst verschafft!

Aber auch der Glaube kann die Ursache der Wahl nicht sein, wie Andere sagen. Die Schrift sagt ja an vielen Orten, daß Gott den Glauben gibt. Wie kann denn nun Gott mir um des Glaubens willen das ewige Leben geben? — Denn die Wahl ist ja eine Wahl zum ewigen Leben. — Umgekehrt ist es vielmehr: die Ursache, daß mir Gott den Glauben gibt, muß diese sein, daß er mid; ewig selig machen will. Wenn ich jemandem ein Gesdenk gebe, und er ist durch meine Liberalität reich geworden, so werde ich ihn doch nicht erst um seines Reichthums willen lieb haben und sagen: Der ist mir nun viel lieber, als erst, denn er ist ein reicher Mann geworden. Nein, meine Güte ist die Ursache, daß er reich geworden ist, darum kann sein Reichthum nicht die Ursache sein, daß ich ihn liebe. Ju gebe ja nicht deswegen Jemandem etwas, weil er es annimmt; sondern um: gekehrt, er hat es deswegen angenommen, weil ich es ihm gegeben habe. Durch den Glauben wird mir die Seligkeit geschenkt. Nun kann doch mein Annehmen, also mein Glaube nicht die Ursache sein, warum mir Gott die Seligkeit gibt; denn id fönnte sie ja gar nicht annehmen, wenn sie mir nicht vorher gegeben wäre.

Allerdings unterscheiden wir zwischen der Liebe, welche Gott vor, und welche er nach unserer Bekehrung zu uns hat; aber das wollen hier sagen: daß wir uns zu Christo befehrt haben, ist nicht die Ursache, daß uns Gott erwählt hat, so wenig das die Ursache ist, daß ein Mensch seinen Nächsten liebt, weil derselbe durch seine Güte reich geworden ist. Es gibt eine zweifache Liebe Gottes: zuerst die Liebe zur ganzen Welt, nach welcher er will, daß alle Menschen selig werden. Wenn aber Gott einen Menschen zum Glauben gebracht hat, dann entsteht die wohlgefällige Liebe. Dem lieben Gott gefällt doch die Welt nidyt, wie sie ist, im Gegentheil, Gottes Zorn ist entbrannt über der Welt Verruchtheit; aber wiederum hat er in seinem Herzen die Liebe der Erbarmung. Ist nun ein Mensch gläubig geworden, dann sieht ihn Gott, wie er angezogen ist mit dem Kleid der Gerechtigkeit Christi, und dann gefällt er ihm auch wohl. Da hat Gott nicht bloß Er: barmen über sein Elend, sondern gewissermaßen eine Freude an ihm. Gott schaut ihn nun an mit dem größten Wohlgefallen: alles, was er thut, ja, wenn er ißt, trinkt, schläft, das gefällt dem lieben Gott, denn er sieht ihn in Christo JEsu, mit dessen Gerechtigkeit er bekleidet ist. Gott ist es alio, der durch seinen Gnadenrathidhluß bewirkt, daß ich eine ihm angenehme Creatur werde. Zuvor war ich ihm nur ein Gegenstand des Mitleids; aber nachdem ich zum Glauben gekommen bin, so ist aus dem Mitleid eine väterliche Liebe geworden. Gott konnte ja die Menschen erst noch gar nicht väterlich lieben, weil sie seine Kinder noch nicht waren; damit er uns nun väterlich liebe, dazu hat er uns zu seinem Sohne JEsu Christo gezogen.

Das müssen wir also nach § 23. festhalten: Gott hat verordnet, daß er seine Auserwählten zur Seligkeit bringen, oder, wie es im Lateinischen heißt, der Seligkeit theilhaftig machen will, participem reddere salutis. Nun gehört aber dazu der Glaube, das Beharren im Glauben; dies alles wird genannt eine Folge der Wahl, also muß dieselbe die Ursache von dem Allen sein.

Es ist auch sehr wichtig, daß nirgends in der Bibel steht, wir seien um des Glaubens willen erwählt. Es stehen wohl die Worte darinnen: „Welche er zuvor versehen hat, die hat er auch verordnet“ (Röm. 8, 29.); wenn aber nun Leute sagen: Was soll er denn zuvor versehen haben? das muß doch der Glaube sein, da sagen wir diesen: Ihr lieben Leute, wenn ihr der Heilige Geist wäret, dann wollten wir euch wohl glauben; aber von Menschen lassen wir uns nichts in die Bibel hineintragen. Hier steht weiter gar nichts, als: Der liebe Gott hat zuvor versehen, und nicht: Der liebe Gott hat zuvor den Glauben versehen. Nun hat kein Mensch, ja, fein Engel und Erzengel etwas in diese Worte hineinzutragen. Wohl geschieht es manchmal, daß die Schrift an einem Drte etwas nid)t angibt, was sie an einem andern Orte sagt; aber es gibt keine Stelle, in welcher gesagt würde, Gott habe den Glauben zuvor gesehen oder habe uns um des Glaubens willen erwählt.

Dies bezeugt auc Chemniß in seinem Handbüchlein. Derselbe schreibt: „Geschieht solche Wahl Gottes allererst in der Zeit, wenn die Menschen Buße thun und glauben? oder ist sie geschehen in Betrachtung der zuvor ersehenen ihrer Frömmigkeit? St. Paulus spricht Eph. 1.: „Wir sind erwählt in Christo, ehe der Welt Grund geleget ward“; und 2 Tim. 1.: ,Er hat uns selig gemacht und berufen nicht nach unseren Wer: fen, sondern nach seinem Fürsaß und Gnade, die uns gegeben ist in Christo JEsu vor der Zeit der Welt.' So folget auch die Wahl Gottes nicht nach unserem Glauben und Gerechtigkeit, sondern gehet fürher als eine Ursache dessen alles; denn die er verordnet oder erwäblet hat, die hat er auch berufen und gerecht gemacht. Tôm. 8."

Hier sagt Chemniß ganz deutlich: Die Wahl geht dem Glauben vorher, und der Glaube folgt der Wahl; darum fann Gott nicht um des Glaubens willen erwählt haben.

Uebrigens verwerfen dies auch alle Theologen ohne Ausnahme, auf welche man sich uns gegenüber beruft, daß Gott um des Glaubens willen erwählt habe. Denn das können wir uns freilich nicht verbergen, daß sich

im siebenzehnten Jahrhundert die Lehre in der lutherischen Kirche eingebürgert hat, daß Gott zwar nicht um des Glaubens willen, aber doch in Ansehung des Glaubens erwählt habe. Die also lehrten, meinten, sie fönnten auf diese Weise allein die Calvinisten widerlegen. Wenn man sie aber nun fragt: Ihr gebt doch selbst zu, daß Gott nicht wegen des Glaubens erwählt habe, was wollt ihr denn mit diesem Ausdrud in Ansehung des Glaubens“ sagen? dann reden sie Allerlei; aber es wird Einem nicht klar, was sie meinen. Denn diese Männer lehren ganz entschieden, daß der liebe Gott dem Menschen den Glauben geben muß, wenn derselbe ihn er: langen soll, und daß Gott diesen gebe nach seinem Wohlgefallen.

Weil nun offenbar der Glaube eine Folge der Wahl ist, darum haben wir erklärt, wir gehen wieder zurück zu der Art und Weise, wie unser lutherisches Bekenntniß redet, und nehmen den Ausdruck in Ansehung des Glaubens seien wir erwählt“ nicht an; denn das steht weder in der Schrift noch in dem Bekenntniß. Wir wollen damit jene theuren Männer, die da um der Calvinisten willen so reden zu müssen meinten, nicht zu Reßern machen; wir wollen aber auch nicht die Jrrlehrer durch eine Lehre wider: legen, welche wir selbst nicht billigen. Wir sollen den lieben Gott nicht, wie Hiob sagt, mit List vertheidigen; darum reden wir so, wie die Schrift redet.

Chemniß fährt fort: „Und Eph. 1. spricht Paulus nicht, daß wir erwählet sind, weil wir heilig waren oder heilig sein werden; sondern spricht: wir sind erwählet, auf daß wir heilig würden; denn die Gnadenwahl ist eine Ursach des alles, was zur Seligkeit gehöret; wie Paulus sagt: Wir sind zum Erbtheil kommen, die wir zuvor verordnet sind nach dem Fürsaß des, der alles wirket, nach dem Rath seines Willens, auf daß wir etwas seien zu Lob seiner Herrlichkeit; und nach der Wirkung glauben wir' u. 1. w. und ist dieselbige Wahl geschehen nicht aus Betrachtung unserer gegenwärtigen oder fünftigen Werke, sondern aus Gottes Fürsaß und Gnade, Röm. 9. 2 Tim. 1... Hieraus ist gewiß, daß kein Auserwählter in Unbußfertigkeit und unglauben endlich blei: bet und verharret.“ (Citirt in Frant, Theologie der Concordien: formel. IV, 336. 338.)

Das ist sehr wichtig, daß zuleßt noch gesagt wird, daß kein Auserwählter in Unbußfertigkeit und Unglauben endlich bleibt und verharrt. Wer also in Unbußfertigkeit und Unglauben steht, dem fönnen wir getrost sagen: Mach dir mit der Gnadenwahl nichts zu schaffen! Du kannst dich derselben nicht trösten, so lange du in Unbußfertigkeit bleibst.

Diese ganze Stelle zeigt deutlich, daß Chemniß lehrt: Gott hat ung zum Glauben erwählt, darum kann er nicht in Ansehung des Glaubens ers wählt haben in dem Sinne: weil er den Glauben vorausgesehen hat.

Wie sonnenklar spricht dies die Schrift auch aus, wenn sie u. a. sagt, wie schon erwähnt worden, daß uns Gott verordnet hat zur Kindschaft; ferner: „Und es wurden gläubig, wie viele ihrer zum ewigen Leben vers ordnet waren" (ja, laut des Grundtextes heißt es: verordnet gewesen waren)! Es steht ja nicht da: und wurden zum ewigen Leben verordnet, so viele ihrer gläubig geworden waren — so müßte es heißen, wenn uns Gott um des Glaubens willen erwählt hätte – sondern umgekehrt steht da: und wurden gläubig, so viele ihrer zum ewigen Leben verordnet waren.

Wenn wir in diese sonnenklaren Stellen die Lehre hinein tragen, daß uns Gott um des Glaubens willen erwählt habe, so machen wir die ganze Schrift dunkel, machen Alles ungewiß, und verlieren nad) und nach den gesunden Blick für die Wahrheiten der heiligen Schrift. Nein, will man uns wankend machen, dann wollen wir fest und steif an diesen Worten halten, und wollen es ähnlich wie Luther machen, welcher sich in seiner Disputation mit Zwingli zu Marburg über das heilige Abendmahl mit Kreide die Worte auf den Tisch schrieb: „Das ist mein Leib.“ Denn das ist unwiderleglich: weil Gott verordnet hat, die Auserwählten der ewigen Seligkeit theilhaftig zu machen, und alles das zu schaffen, was dazu nöthig ist, so muß die Gnadenwahl auch eine Ursache unsers Glaubens sein; denn zum Seligwerden gehört nothwendig der Glaube. Das ist der Hauptgrund, warum wir den Glanben nicht zur Ursache, sondern zur Folge der Wahl machen.

Sebastian Schmidt, welcher öfters sagt, daß uns Gott in Ansehung des Glaubens erwählt habe, der aber doch immer so redet, daß man sieht, es fällt ihm gar nicht ein, den Glauben zur Ursache der Wahl zu machen, schreibt: „Allerdings ist diese Prädestination Gottes aus reiner Gnade geschehen, ohne irgend ein Verdienst der Werke, möge man nun sagen, daß dieselben aus natürlichen Kräften oder aus übernatürlichen geschehen, auch ohne irgend welche Rücksicht auf diese Werke, ja selbst auf den Glauben, als auf eine Bedingung, welche Gott auf Grund seiner Würdigkeit, sei sie eine eigentliche und natürliche oder zugerechnete, zur Prädestination bewege.“ (Aphorismi theol. 1655. p. 294.)

Er sagt also ausdrücklich: Die Gnadenwahl ist ohne alle Rücksicht auf die Werke, ja auch ohne Rüdlicht auf den Glauben geschehen, lateinisch: respectu. Was ist aber für ein Unterschied zwisden ,,in Ansehung“ und -„in Rüdsicht"? Doch so viel sieht man deutlich: er will durchaus nicht den Glauben zur Ursache der Wahl machen, auch nicht einmal, insofern demselben um Christi willen eine Würdigkeit zugesdrieben wird.

Derselbe Schmidt (dhreibt: „In dem prädestinirten Meniden ist ebensowenig eine Ursache der Prädestination, als in dem Verworfenen; sie geht vielmehr aus der bloßen göttlichen Verordnung hervor, welche auf die allgemeine Gnade und das Verdienst Christi gegründet ist, welche ihrer Natur nach jede Ursache von Seiten des Menschen ausschließt.“ (Aphorismi theol. 1655. p. 295.)

Also, wenn jemand fragt: Warum werden gewisse Personen ver: dammt? so ist die Antwort: Aus ihrer eigenen Schuld. Wenn man aber

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fragt: Warum werden andere Personen selig? so müssen wir antworten: Davon liegt der Grund nicht in ihnen, sondern allein in Gottes Erbarmen und Christi Verdienst. Und es ist ein falscher Schluß, wenn man spricht: Liegt der Grund der Verdammniß im Menschen, so muß auch der Grund des Seligwerdens in ihm liegen.

Es ist hier gerade wie bei der Bekehrung. Die Synergisten haben je und je gesagt: Die Ursache, daß der Eine nicht bekehrt wird, ist sein Wider: streben; also muß auch die Ursache, warum der Andere befehrt wird, sein, daß er nicht widerstrebt. Nein, sagen alle unsere Theologen, das ist nicht pie Ursache. Die Ursache, warum jener nicht bekehrt wird, liegt in ihm; das ist eben sein Widerstreben; die Ursache aber, warum dieser bekehrt wird, liegt nicht in ihm, sondern allein in Gott. 11 Endlich schreibt Schmidt: „Der Glaube ergreift auch die Wohls that der Prädestination nicht, wie er die Wohlthat der Nechtfertigung, Heiligung u. f. w. ergreift, so daß er sich die Prädestination zu eigen machte durch den Glauben, wie er durch den Glauben seine Rechtfertigung erlangt; sondern der Gläubige tröstet und stärkt aus der Prädestination seinen Glauben, daß er mit dem Apostel sagt: ,Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?"" (Aphorismi theol. 1655. p. 295.)

Hören wir ferner noch einmal mehrere Citate, welche wir schon in uns serem Berichte vom Jahre 1877, S. 84 ff., angeführt haben, welche gleichfalls bezeugen, daß den lieben Gott nichts bewogen hat, uns zu erwählen, das er in uns gesehen habe.

So schreibt Gerhard: „Wir bekennen mit lauter Stimme, daß wir dafür halten, daß Gott nichts Gutes in dem zum ewigen Leben zu erwäh. lenden Menschen gefunden, daß er weder auf gute Werke, nody auf den Gebrauch des freien Willens, ja auch selbst auf den Glauben nicht so Rüd: sicht genommen habe, daß er, weil er dadurch bewogen worden wäre, oder um desselben willen Einige erwählt habe.“ (Loc. de elect. et reprob. § 161.)

Ferner schreibt Joh. Olearius: „Die Lehre der Lutheraner .... schreibt Gott alles, dem Menschen nichts zu. Dem steht nicht entgegen ....2. der Glaube, denn dieser ist keineswegs unser Werk, sondern Gottes Geschent, auch nicht eine von uns zu erfüllende Bedin: gung, sondern ein Erforderniß, welches von Gott aus Gnaden durch die ordentlichen Mittel des Heils verliehen wird." (L. c. p. 1684.)

Desgleichen schreibt Quenstedt: ,,Die bewegende Ursache (der Prädestination) ist theils eine innerliche, theils eine äußerliche. Die innerliche ist die umsonst sich erweisende Gnade Gottes, welche durchs aus jedes Verdienst menschlicher Werke, oder alles das, was den Namen eines Werkes oder einer Handlung hat, geschehe sie nun durde Gottes Gnade, oder aus natürlichen Kräften, ausschließt. Denn Gott hat uns nicht nach den Werken, sondern aus seiner bloßen

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