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Ewigkeit geschehen. Wer erwählt ist, ist schon vor Grundlegung der Welt erwählt, und der Glaube hat nun nicht die Erwählung, sondern das Verdienst Christi zu ergreisen, damit er die Seligkeit erlangen möge, die ihm schon durch die Gnadenwahl zugesprochen ist.

Auch wir lehren, daß Niemand in den Himmel kommen kann außer durch den Glauben; daß also einem Auserwählten der Glaube eben so nöthig ist, als er überhaupt zum Seligwerden nöthig ist. Aber das sagen wir: Wen Gott von Ewigkeit auserwählt hat, dem hat er auch beschlossen den Glauben zu geben, und was er beschließt, das führt er auch wirklich aus. Wohl möchte Gott der ganzen Welt den Glauben geben; er bietet ihn auch derselben an. Wenn Einer also nicht glaubt, so dars er nicht sagen: Gott hat es nicht beschlossen, mir den Glauben zu geben, drum habe ich ihn auch nicht; sondern, weil Gott vorausgesehen hat, er würde ein Bösewicht bleiben, darum hat er beschlossen: So will ich ihn auch nicht mit Gewalt in den Himmel zwingen. Gott spricht zu einem solchen ungläubigen Menschen: Willst du nicht, so fahre hin zur Hölle; du sollst mich aber nicht anklagen, als hätte ich dich nicht selig machen wollen.

Die Lehre, welche wir bisher gehabt haben, wird also durch die Gnaden» wahl nicht im mindesten geändert. Wir müssen den Leuten immer wieder denselben Weg zeigen, den wir ihnen bisher gezeigt haben. Die Lehre von der Gnadenwahl bringt nur den gottseligen eisrigen Christen den füßen Trost: Wenn du an den HErrn IEsum glaubst, so darsst und sollst du nun auch gewiß sein, daß er dich in seine Arme nimmt und in denselben sest hält, und dasür sorgt, daß dich nichts im Himmel, auf Erden und in der Hölle aus seinen Armen herausreiße. Das ist der ganze Trost, den die Gnadenwahl gibt.

Gehen wir nun zu Punkt «. über, daß nämlich diejenigen, welche die in Punkt K. und k. ausgesprochene Lehre verwersen, nicht für in diesem Stücke bekenntnißtreue Lutheraner angesehen werden können.

Dasür ist Zeugniß, was dieConcordiensormel (M. S. 557. §21. St. L. Ausg. S. 381) sagt. In dem Vorhergehenden sind die drei Irr» thümer der Calvinisten verworsen, daß Gott nicht wolle, daß alle Menschen Buße thun und dem Evangelio glauben; daß, wenn Gott uns zu sich beruse, es nicht sein Ernst sei, daß alle Menschen zu ihm kommen sollen; daß Gott nicht wolle, daß Iedermann selig werde u. s. w. Hierauf wird der Irrthum verworsen, „daß nicht allem die Barmherzigkeit Gottes und allerheiligste Verdienst Christi, sondern auch in uns eine Ursache sei der Wahl Gottes, um welcher willen Gott uns zum ewigen Leben erwählet habe", und nun heißt es weiter in der

Concordiensormel: „Welches alles läfterliche und erschreckliche irrige Lehren sind, dadurch den Christen aller Trost genommen, den sie im heiligen Evangelio und Gebrauch der heiligen Sacramente haben, und der» wegen in der Kirche Gottes nicht sollten geduldet werden."

Mit diesem § 21. erklärt also unsere Kirche, daß alle diejenigen dem Vorbilde der rechten Lehre untreu sind, welche zur Barmherzigkeit Gottes und dem Verdienste Christi eine dritte Ursache, und selbst wenn es der Glaube wäre, hinzufetzen.

Soviel uns also darauf ankommt, daß wir bei der Lehre unserer lutherischen Kirche bleiben, so viel kommt uns auch darauf an, daß wir daran sest halten: es gibt nur zwei Ursachen der Gnadenwahl: Gottes Barmherzigkeit und Christi Verdienst. Wer eine dritte hinzufetzt, der hört auf, in diesem Punkte ein treuer Lutheraner zu sein. Es ist also kein geringes Ding, sondern etwas sehr Wichtiges, wenn man den Glauben zur Ursache der Wahl macht; denn unsere Kirche nennt dies schreckliche und läfterliche Lehre.

Thestö II.

Es ist dieses auch nicht die Lehre von einer Gnadenwahl in einem weiteren, sondern in ihrem eigentlichen Sinne. C.»F. 706. § 9. 708. § 24. Vgl. 707. S 15—23.

Diese Thesis ist deswegen hinzugesetzt, weil man sagt, in einem gewissen Sinne gebe man zu, daß der Glaube eine Frucht und Folge der Gnadenwahl ist, und somit, daß die Gnadenwahl auch eine Ursache des Glaubens ist; aber, sagt man, nur dann, wenn man unter Gnadenwahl etwas versteht, was nur in einem weiteren Sinne so genannt werden kann. Und da behauptet man, die Concordiensormel rede nicht von der Gnadenwahl im engeren Sinne, wenigstens nicht allein, sondern von der Gnadenwahl in einem weiteren Sinne; und das will man beweisen aus den angesührten Stellen.

In der 8oIiäa Deol»rätio heißt es (M. S. 706. 8 9; St. L. Ausg. S. 479): „Dieselbige ewige Wahl oder Verordnung Gottes zum ewigen Leben ist auch nicht also bloß in dem heimlichen unersorschlichen Rath Gottes zu betrachten, als hielte solche nicht mehr in sich, oder gehörte nicht mehr dazu, wäre auch nicht mehr dabei zu bedenken, denn, daß Gott zuvor ersehen, welche und wieviel selig, welche und wieviel verdammt sollten werden, oder daß er allein solche Mufterung gehalten: dieser soll selig, jener soll verdammt werden; dieser soll beständig bleiben, jener soll nicht beständig ? bleiben."

Man behauptet: hier sagt sich die Concordiensormel los von einer Gnadenwahl im engeren Sinne, als sei darunter nichts anderes zu verstehen, als daß Gott die Einen zur ewigen Seligkeit bestimmt, die Anderen zur ewigen Verdammniß verurtheilt habe. — Ferner beruft man sich darauf, daß es in der

Concordiensormel (M. S. 708. § 24. St. L. Ausgabe S. 480) also heißt: „Dieses alles wird nach der Schrist in der Lehre von der ewigen Wahl Gottes zur Kindschast und ewigen Seligkeit begriffen, soll auch dar» unter verstanden und nimmer ausgeschloffen noch unterlassen werden, wann man redet von dem Vorsatz, Vorsehung, Wahl und Verordnung Gottes zur Seligkeit."

Da sagt man: Nach der Concordiensormel gehört ja zur Lehre von der Gnadenwahl auch die Lehre von der allgemeinen Gnadenordnung; wenn man nun diese dazu rechnet, dann könnte man wohl sagen, daß die Gnaden» wahl die Ursache des Glaubens sei; denn der Glaube werde ja freilich verursacht durch die Predigt des göttlichen Wortes. Wenn nun die Berufung durchs Wort auch mit zur Gnadenwahlslehre gehört, so könne man auch ganz gut sagen: „Der Glaube komme aus der Gnadenwahl. Aber wie wir von der Gnadenwahl redeten, da sei es falsch; denn wir redeten von der Gnadenwahl im engeren Sinne.

Aber diese ganze Darlegung ist nicht richtig. Die Concordiensormel redet von einer Gnadenwahl im engeren oder im eigentlichen Sinne des Worts, und nicht von einer Gnadenwahl, welche in sich begreist die allgemeine Heils» und Gnadenordnung. Das kann aus Folgendem ersehen werden.

In der Concordiensormel heißt es nämlich (M. S. 705. §5; St. L. Ausg. S. 478): „Die ewige Wahl Gottes aber vel prseäestirmtlo, das ist, Gottes Verordnung zur Seligkeit, gehet nicht zumal über die Frommen und Bösen, sondern allein über die Kinder Gottes, die zum ewigen Leben erwählt und verordnet sind, ehe der Welt Grund gelegt ward, wie Paulus spricht Eph. 1, 5.: ,Er hat uns erwählet in Christo IEsu und verordnet zur Kindschast.'"

Hier sagt unsere Concordiensormel, sie rede von einer solchen Gnadenwahl, welche nur die gläubigen, frommen Kinder Gottes betreffe. Nun werden doch die Gegner nicht behaupten, daß die allgemeine Heils» und Gnadenordnung nur die Frommen angehe; die geht ja die ganze Welt an. Wenn also die Concordiensormel sagt: Die Gnadenwahl, von welcher sie rede, gehe nur über die Frommen, so bezeugt sie damit, sie rede von einer Gnadenwahl im eigentlichen Sinne.

Dann wird in der Lpito me (M. S. 554. 5. St. L. Ausg. S. 379) gesagt: „Die Prädestination aber oder ewige Wahl Gottes gehet allein über die Frommen, wohlgesälligen Kinder Gottes, die eine Ursach ist ihrer Seligkeit, welche er auch schafft, und was zur selbigen gehöret, verordnet."

Aber die Gnadenordnung ist ja allen Menschen gegeben. Wenn es heißt: Die Wahl gehe über die Kinder Gottes, so soll dies so viel bedeuten, als: sie betresfe dieselben, wie es im Lateinischen heißt: pertinet.

Das ist der eine Grund. Der andere Grund, warum wir sest glauben, die Concordiensormel rede von der Gnadenwahl im eigentlichen Sinne, ist dieser: weil, nachdem in den acht Punkten (M. S. 707 u. 708. St. L. Ausg. S. 480) geredet ist von der Gnadenordnung, so sortgesahren wird in der

öoliäk Oe«I»r»tio: „Und hat Gott in solchem seinem Rath, Vorsatz und Verordnung nicht allein ingemein die Seligkeit bereitet, sondern hat auch alle und jede Personen der Auserwählten, so durch Christum sollen selig werden, in Gnaden bedacht, zur Seligkeit erwählt, auch verordnet, daß er sie auf die Weise, wie jetzt gemeldet, durch seine Gnade, Gaben und Wirkung dazu bringen, helsen, fördern, stärken und erhalten wolle."

Im Lateinischen heißt es, Gott habe die Seligkeit der Seinen bereitet; woraus deutlich hervorgeht: in dem Vorausgegangenen wird von der Gnadenordnung geredet, sosern sie die Auserwählten betrifft. Denn wenn bloß die allgemeine Gnadenordnung gemeint wäre, sosern sie alle Menschen betrifft, so hätte in den acht Punkten zugleich angegeben werden müssen, wer verdammt wird. Das gehört ja auch zur allgemeinen Gnaden» ordnung, daß wir den Leuten sagen: wenn sie sich nicht zu Christo bekehren, daß sie dann verloren gehen; nicht bloß, daß der Glaube selig mache, sondern daß auch der Unglaube verdamme. Davon aber ist in den acht Punkten Nichts die Rede. Im ersten Punkte wird gesagt, worauf sich die Gnadenwahl gründe, nämlich auf die Erlösung IEsu Christi. So heißt es auch

8oIi<I» äeol»rsrio (M. S. 720. § 75. St. L. Ausg. S. 487) ausdrücklich: „Und weil unsere Wahl zum ewigen Leben nicht auf unsere Frömmigkeit oder Tugend, sondern allein auf Christus Verdienst und gnädigen Willen seines Vaters gegründet ist, der sich selbst nicht verleugnen kann, weil er in seinem Willen und Wesen unwandelbar ist" u. f. w.

Der erste Punkt ist also bloß deswegen hinzugesetzt, damit man wisse, worauf die Gnadenwahl gegründet ist. Ohne Zweisel will die Concordien» sorme! hier lehren: Ihr Lutheraner, wenn ihr recht biblisch die Lehre von der Gnadenwahl predigen wollet, so müsset ihr nicht damit ansangen, daß Gott eine Anzahl Menschen ausersehen hat, sondern damit, daß die ganze Welt durch Christum erlös't ist; und erst nachdem sie erlös't ist, ist ein Gnadenwahl Rathschluß möglich.

Dann heißt es weiter: „Ä. Daß solch Verdienst und Wohlthaten Christi durch sein Wort und Sacrament uns sollen vorgetragen, dargereicht und ausgetheilt werden."

Man achte auf das Wort „uns"; also uns Christen, nicht der Welt! Denn gleich im Ansang sagt ja die Concordiensormel, sie rede von der Gnadenwahl, welche die gläubigen Kinder Gottes betreffe; und nun sagt sie: da ist auch das zugleich zu lehren, wie uns Gott die Wohlthaten Christi durch sein Wort darreicht.

Punkt 4. wird auch nur von denen geredet, welche Christum im wahren Glauben annehmen.

Endlich wird zuletzt Alles wieder summirt Punkt 8., und zuerst die Erwählung, dann die Berufung angegeben, daß also in den acht Punkten immer von den Auserwählten die Rede war, aber von den Auserwählten im Allgemeinen; denn nun heißt es: „Und hat Gott in solchem seinem Rath, Vorsatz und Verordnung nicht allein ingemein die Seligkeit bereitet, sondern hat auch alle und jede Personen der Auserwählten, so durch Christum sollen selig werden, in Gnaden bedacht, zur Seligkeit erwählt, auch verordnet, daß er sie auf die Weise, wie jetzt gemeldet, durch seine Gnade, Gaben und Wirkung dazu bringen, helsen, fördern, stärken und erhalten wolle."

Im Lateinischen beginnt dieser Satz mit den Worten: et quicteiri, das heißt wörtlich: und zwar hat Gott in solchem seinem Rath u. s. w. Es soll damit angezeigt werden: jetzt kommt die Hauptsache. Wenn du nämlich nun weißt, daß Gott im Allgemeinen für Auserwählte die Seligkeit bereitet hat, so entsteht die Frage: Hat Gott auch an bestimmte Personen gedacht, und sie zur Seligkeit verordnet? Antwort: Ia, darum heißt es: nicht allein ingemein die Seligkeit der Seinen bereitet, sondern auch alle und jede Personen der Auserwählten zur Seligkeit erwählt.

Die Concordiensormel will sagen: Gott hat nicht bloß beschlossen, wenn die Leute so und so sind, so will ich sie auserwählen, sondern er hat bestimmte Personen schon in seinem Geist getragen und sie bei ihrem Namen genannt und gesagt: Die will ich erwählen. Wenn es hier heißt, daß er sie auf die Weise, wie jetzt gemeldet, zur Seligkeit zu bringen u. s. w. verordnet habe, so wird damit zugleich auch angegeben, daß in den acht Punkten die Art und Weise beschrieben wird, auf welche der liebe Gott die Auserwählten will selig machen.

Also der Gnadenrath von der Seligkeit der Menschen gehört nur in sosern zum Gnadenwahlsrathschluß,' als Gott auch den Auserwählten denselben Weg zur Seligkeit vorgeschrieben hat, den alle Menschen gehen sollen; nicht daß Gott, was die Auserwählten betrifft, eine besondere Ordnung gemacht habe, als wolle er dieselben auf einem andern Wege selig machen, als alle Menschen.

Es ist also gar kein Zweisel: die Concordiensormel redet von der Gnadenwahl in ihrem eigentlichen Sinne, und nicht im weiteren Sinne. Denn wcnu auck in den acht Punkten von dem Weg zur Seligkeit die Rede ist, den^edc^Äiensch^gehen sollte, so wird derselbe doch hier dargestellt als der 'Ivcg. auf welchem der liebe Gott die Auserwählten zum Himmel führen will. Aber d..r Hauptgrund bleibt dieser, den wir schon K 5. gehört haben, der ist auch den Einsältigen klar, nämlich: daß die Gnadenwahl allein gehe über die frommen Kinder Gottes. Das ist aber die Gnadenwahl in einem sogenannten engeren Sinne, und nicht eine Gnadenwahl, die im Grunde nichts mehr ist, als die Lehre von dem Weg zur Seligkeit; denn diese letztere ist für alle Menschen offenbart, und nicht bloß für die Auserwählten.

Sodann schlagen sich die Gegner auch selbst; denn reden sie, wie sie sagen, von einer sogenannten Gnadenwahl in einem engeren Sinne, und nicht von der Gnadenwahl im weiteren Sinne, wie sie die Concordiensormel lehren soll, so geben sie eine Lehre, welche die Concordiensormel ver»

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