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Unter Synergisten versteht man nämlich diejenigen Jrrlehrer, welche behaupten, daß der Mensch auch etwas zu seiner Bekehrung und Seligkeit thun könne und müsse. Synergisten heißt auf Deutsch Mitwirker. Dieser Jrrthum ist schon zu Luthers Zeit aufgekommen, aber ganz heimlich; und zwar ist der Erste, welcher Synergismus gelehrt hat, Melanchthon. Dieser sonst ausgezeichnete Mann hat sich von seiner Vernunft verführen lassen, schon zu Luthers Zeit in den späteren Jahren in seine Bücher die ersten Samenkörner des Synergismus hinein zu bringen. Dies läßt sich durch seine eigenen Worte beweisen.*)

Leonhard Hutter hat eine Vertheidigung der Concordienformel gesdrieben; er nennt dieselbe Concordia concors, oder einträchtige Eintracht, weil die Calvinisten gesagt hatten, unsere Concordia sei eine Concordia discors, das heißt, zwieträchtige Eintracht. In derselben gibt dieser Theolog u. a. auch an, warum die Concordienformel Melanchthon nicht ebensowohl wie Luther als einen Vorkämpfer der reinen Lehre hat hinstellen können. Da sagt

Hutter: „Die leßten loci communes oder Lehrhauptstüde Philipp Melanchthons sind nicht durchaus rechtgläubig. ... Er gründet (ponit) die Erwählung nicht allein auf Gottes Willen und Barmherzigkeit, son: dern zum Theil auf den Willen des Menschen. Denn er sagt ausdrüdlich: „Im Menschen sei und müsse sein eine Ursache, warum die einen zur Seligkeit erwählt, die anderen verworfen und verdammt werden. Und wiederum: ,Da die Verheißung allgemein sei und in Gott keine sich wider: sprechende Willen seien, so sei es nothwendig, daß in uns eine Ursache des Unterschiedes sei, warum Saul verworfen, David angenommen werde, das heißt, es sei nothwendig, daß in diesen beiden ein verschiedenes Verhalten (actionem) sei. Mit der rechtgläubigen Lehre vom freien Willen streiten schnurstrads (diametraliter) diese Embleme Philipp Melanchthons: , Es sei in uns eine Ursache, warum die einen der Verheißung der Gnade zustimmen, die anderen nicht.““. (Concordia concors, p. 345. sq.)

Wenn diejenigen, welche in den Himmel kommen, bloß deswegen selig werden, weil Gott alles Gute in ihnen gewirket hat, dann müssen ja auch, so sagte dann Melanchthon seine Vernunft, diejenigen, welche verloren gehen, bloß deswegen verloren gehen, weil Gott das Gute in ihnen nicht gewirket hat; also müssen wir annehmen, daß der Mensch auch ein klein wenig dazu thut, und wenn es nur ein schwaches Jawort sei, daß er selig

*) Derselbe schreibt: „Da die Verheißung allgemein, und in Gott kein doppelter, sich widersprechender Wille ist, so muß nothwendig die Ursache der Annahme der Einen und der Verwerfung der Anderen in den Menschen selber sein. Der richtige Gebrauch dieser Lehre in den Uebungen des Glaubens und im Trost der Seelen wird die Wahrheit bestätigen, daß drei zusammengehören, das Wort Gottes, der Heilige Geist und der Wille.“ (Corpus Reform. XXII, 658.)"

wird, oder er muß doch wenigstens das Widerstreben unterlassen. Dann muß doch schließlich die Ursache, daß ein Theil selig wird, im Menschen sein.

Das klingt freilich ganz vernünftig; wenn es so wäre, dann wäre das Geheimniß so schön gelös't, wie man es sich nur wünschen kann. Aber das ist doch nichts anderes, als wenn id sage: Wer gut ist, kommt in den Himmel, weil er gut ist. Das ist die Religion der Welt, mit dieser werden wir alle geboren, das ist aber nicht das Evangelium unseres Gottes. Wenn sich unsere Vernunft noch so sehr dagegen bäumt, es ist wahr und bleibt wahr: Es liegt nicht an Jemandes Wollen und Laufen, sondern an Gottes Erbarmen; und ebenso wahr ist dies: Der Tod ist der Sünden Sold, und ist nicht die Folge eines ewigen Rathschlusses Gottes, daß gewisse Menschen nicht selig, sondern verdammt werden.

Wer da sagt: Der Mensch muß auch etwas dazu thun, oder muß doch wenigstens etwas Böses unterlassen, und das ist die Ursache, warum Gott den Einen dem Andern vorzieht, der kennt die Schrift nicht. Denn diese sagt: „Was hast du, das du nicht empfangen hast? so du es aber empfangen hast, was rühmest du dich denn, als der es nicht empfangen hätte?“ Das ist die ganze Bibel, das ist die ganze christliche Religion, das Wort: aus Gnaden seid ihr selig geworden. Jede andere Religion verweis't den Menschen auf sein Gutsein, auf seine guten Werke; die christliche Religion aber weist den Menschen allein zur Gnade Gottes, zum Verdienste Christi, zu Nichts weiter, und erklärt den Menschen für von Natur in Sünden todt. Wie aber derjenige, welcher todt ist, auch nicht das Allergeringste thun kann, um lebendig zu werden, so kann auch derjenige, welcher in Sünden todt ist, und das sind wir alle von Natur, nichts dazu thun, daß er aus seinem Sündentode aufwache, lebendig werde und Gutes thue.

Hören wir nun die angeführten Stellen aus der Concordienformel, in welcher der Synergismus verworfen wird.

So heißt es in der Solida Declaratio (M. S. 588. $ 3; St. L. Ausg. S. 401 f.): ,, Denn der eine Theil hat gehalten und gelehrt, obwohl der Mensch aus eignen Kräften nicht vermöge Gottes Gebot zu erfüllen, Gott wahrhaftig trauen, fürchten und lieben, ohne die Gnade des Heiligen Geistes, doch habe er noch so viel natürlicher Kräfte vor der Wiedergeburt übrig, daß er etlichermaßen sich zur Gnade bereiten, und das Jawort, doch schwächlich, geben, aber, wenn die Gnade des Heiligen Geistes nicht dazu komme, damit nichts ausrichten könnte, sondern im Kampf darnieder liegen müßte.“

Die Synergisten sagen: Der Mensch kann zwar nicht Alles thun, aber Etwas muß er doch thun, er muß sich wenigstens zur Gnade siden. Wenn ich z. B. nicht laufen kann, und es soll mich Einer tragen, so muß ich mich auch darnach schicken, daß er mich tragen kann. Aber in geistlichen Dingen ist das nicht so; wir können uns nicht darnach schicken, daß der liebe Gott Etwas in uns anfangen könne, sondern der liebe Gott muß Alles thun. Wie Christus Alles gethan hat, daß Lazarus aus dem Tode erwedt und aus dem Grabe wieder hervorgeholt wurde, so muß auch Gott in geistlichen Dingen Alles thun.

So heißt es in der Solida Declaratio (M. Š. 588 f. $ 5; St. L. Ausg. S.402): „Wider diese beiden Theile haben die reinen Lehrer Augs: burgischer Confession gelehret und gestritten, daß der Mensch durch den Fall unserer ersten Eltern also verderbt, daß er in göttlichen Sachen, unsere Bekehrung und Seelen Seligkeit belangend, von Natur blind [sei], wann Gottes Wort geprediget wird, dasselbige nicht verstehe nod) verstehen könnte, jondern für eine Thorheit halte, auch aus ihm selbst sich nicht zu Gott nähere, sondern ein Feind Gottes sei und bleibe, bis er mit der Kraft des Heiligen Geistes durch das gepredigte und gehörte Wort aus lauter Gnade ohn alles sein Zuthun bekehrt, gläubig, wiedergeboren und erneuert werde.“

Hier sagt die Concordienformel: so lange der Mensch nicht bekehrt ist, ist er ein Feind Gottes. „Denn fleisdlich gesinnt sein", sagt die Schrift, ,, ist eine Feindschaft wider Gott.“ Ist er aber ein Feind Gottes, so geht daraus hervor, daß er nichts anderes thut, als daß er dem lieben Gott widerstrebt. Das Widerstreben hört erst auf, wenn Gott ihn bekehrt hat; dann fängt er an, durch die Kraft des Heiligen Geistes mit zu wirken. Wer das lehrt, daß der Mensch vor seiner Bekehrung wenigstens das Widerstreben unterlassen kann, der widerspricht der Concordienformel und ist ein · Synergist.

So heißt es in der Solida Declaratio (M. S. 594. SS 24. 25; St. L. Ausg. S. 405 f.): „Aber zuvor und ehe der Mensch durch den Heiligen Geist erleuchtet, bekehrt, wiedergeboren, verneuert und gezogen wird, fann er für sich selbst und aus seinen eigenen natürlichen Kräften in geistlichen Sachen und seiner selbst Bekehrung oder Wiedergeburt etwas anzu: fangen, wirken oder mitzuwirken, gleich so wenig, als ein Stein oder Blod oder Thon. Denn ob er wohl die äußerlichen Gliedmaßen regieren und das Evangelium hören und etlichermaßen betrachten, auch davon reden kann, wie in den Pharisäern und Heuchlern zu sehen ist: so hält er es doch für Thorheit, und kann es nicht glauben, hält sich auch in dem Fall ärger als ein Block, daß er Gottes Willen widerspänstig und feind ist, wo nicht der Heilige Geist in ihm fräftig ist, und den Glauben und andere Gott gefällige Tugenden und Gehorsam in ihm anzündet und wirket. - Wie denn zum dritten die heilige Schrift die Bekehrung, den Glauben an Christum, die Wiedergeburt, Erneuerung und alles, was zu derselbigen wirklichem Anfang und Vollziehung gehöret, nicht den menschlichen Kräften des natürlichen freien Willens, weder zum ganzen, noch zum halben, noch zu einigem dem wenigsten oder geringsten Theil zugelegt, sondern in solidum, das ist, ganz und gar, allein der göttlichen Wirkung und dem Heiligen Geist zuschreibet, wie auch die Apologia sagt.“

Hier lesen wir, daß der Mensch in geistlichen Dingen von Natur einem

Stein, Block oder Thon gleicht. Nun gehe man einmal zu einem Bilds hauer, der aus einem Marmorblock eine schöne Statue verfertigt hat, und frage ihn, wieviel ihm der Marmorblock bei seiner Arbeit geholfen habe; so wird derselbe sagen: Der Block hat nichts gethan, als mich nur so viel wie möglich gehindert. Was habe ich an ihm herum hauen und feilen und glätten müssen, ehe das Bild fertig geworden ist! So muß auch der liebe Gott als der rechte geistliche Bildhauer Alles an dem Menschen thun, damit er das Bild Gottes an ihm wieder hervorbringe, und wir thun gar nichts; denn die Schrift spricht, daß Gott die Gefäße der Barmherzigkeit allein macht. So wenig ein Kind, das in diese Welt geboren ist, etwas zu seiner Geburt gethan hat, eben so wenig hat ein Mensch, der durch den Heiligen Geist wiedergeboren ist, etwas zu seiner Wiedergeburt gethan. Wenn ein unbekehrter Mensch in die Kirche geht und Gottes Wort hört, dann denkt derselbe gewöhnlich zuerst: Was schwaßt der Pfaffe da von der Kanzel herab? zu dem gehe ich nie wieder, der will mich zu einem Kopfhänger machen. Aber siehe da! er kommt doch wieder zur Kirche, das Gesek überführt ihn von seinem sündlichen Verderben, das Evangelium wirft sein Licht in seine Seele, und ehe er es sich versieht, hat ihn Gott überwunden; das neue geistliche Kindlein ist geboren und befindet sich in einer neuen geist

lichen Welt, in Christi Gnadenreich. · Aber meistens bleiben die Leute Feinde Gottes, besonders wenn sie das

Wort schon lange gehört und sich doch nicht bekehrt haben. Wenn ihnen auch Gottes Zorn und die Verdammniß vorgehalten wird, wenn ihnen auch von der Gnade Gottes gegen die armen Sünder, vom Himmel und dem ewigen Leben gepredigt wird, so wollen sie doch ihren fleischlichen Lüsten ergeben bleiben; der Trunkenbold will fort saufen, der Dieb will fort stehlen, der unzüchtige Mensch wil der Wollust fort leben. Kurz, was es nur für Stricke des Teufels gibt, der fündige Mensch will in denselben verharren, und da wird er freilich nicht bekehrt.

So war es mit Felix. Der wollte Geld von Paulo haben, und dieser predigt ihm Buße. Er erschrak über die Worte des Apostels, der Heilige Geist hatte an sein Herz geklopft; aber anstatt nun in seinem Schreden Paulum zu fragen: Was muß ich thun, daß ich selig werde? spricht er zu ihm: Gehe hin für dies Mal; seine Geldgier ließ es bei ihm zu feiner Bekehrung kommen.

So geht es den meisten Menschen, welche zur Kirche kommen; sie mer: ken wohl, daß etwas in ihnen vorgeht, aber anstatt, durch die Gnadenwir: kung des Heiligen Geistes ergriffen, zu sagen: 0 Gott, sei willkommen, du bist jeßt meinem Herzen erschienen, um mich aus meinem Elend heraus zu holen, ich nehme die Gnadenbotschaft an, die du mir bringen lässest; statt dessen sagt man: Zu dem Prediger gehe ich nicht wieder, da wird man ganz melancholisch. Das ist das schändliche Widerstreben; das kann leider der Mensch nur zu gut; und nur der liebe Gott kanr uns von diesem

Widerstreben heilen durch die Macht seiner Gnade. Darum auch in unserer Stelle steht, daß die heilige Sdrift dem Menschen in Bezug auf seine Bekehrung auch nicht das Geringste zuschreibt.

Hier steckt der Punkt. Wenn wir darin einig werden, dann wird sich das Andere bald finden. Aber das ist es, woran sich ein Jeder von Natur stößt: gar nichts soll er thun, daß er selig wird, und jene, die nicht felig werden, sollen doch daran Schuld sein, daß sie nicht selig, sondern verdammt werden. Das kann kein Mensch begreifen. Aber der liebe Gott ist eben auch kein Mensch; er ist die Allweisheit, und wir armen Erdenwürmer sollen uns nicht dessen rühmen, daß wir dem lieben Gott in die

Tiefen seines Geistes sehen können und da auseinanderseßen: Ja, das bewegt Gott und jenes bewegt Gott, und endlich entsteht dies und das. Nein, der liebe Gott will verborgen bleiben, so weit er sich uns nicht offenbart hat; und erst im ewigen Leben sollen wir ihn schauen von Angesicht zu Angesicht, das heißt, wir sollen alle seine geheimnisvollen Rathschlüsse herrlich verstehen, die sollen uns dann wie Sonnen aufgehen, während sie uns hier erscheinen als eitel Finsterniß und Widerspruch. Darum wollen wir getrost warten, bis die Zeit kommt, und nicht jeßt das Geheimniß lösen wollen, es geht doch nicht.

In der Solida Declaratio heißt es (M. S. 598. SS 40–42; St. L. Ausg. S. 408): „Im kleinen Katechismus D. Luthers stehet also geschrieben: Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an JEsum Christum, meinen HErrn, glauben oder zu ihm kommen kann, sondern der Heilige Geist hat mich durch's Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten; gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet und bei JEsu Christo erhält im rechten einigen Glauben'“ 2c.

Das soll auch in der Schule getrieben werden. Rechte Schullehrer müssen diesen Grund legen, daß der Mensch zu seiner Bekehrung gar Nichts, Gott aber Alles thut; dann werden sie auch solde Schüler ausbilden, welche sich auch durch diese schwierigen Disputationen, als von der Gnadenwahl, nicht irre machen lassen. Ein guter Confirmand wird, wenn zu ihm Einer kommt, der die Lehre von der Gnadenwahl falsch lehrt, sagen : Wenn du sprichst, daß der Mensch auch etwas thun muß, um in den Himmel zu kommen, so nehme ich das nicht an; das hat mir schon mein Schullehrer aus dem dritten Artikel erklärt, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Christum JEsum, meinen HErrn, Iglauben oder zu ihm kommen kann. Diese Worte unseres Artikels müssen der Prüfstein sein, an welchem wir auch die Lehre von der Gnadenwahl bemessen; wie denn auch wirklich ein Knabe, als derselbe eine falsche Lehre von der Gnadenwahl hörte, die auch dem Menschen etwas bei der Bekehrung beimißt, erklärte, daß dieselbe gegen die Worte sei: Ich glaube, daß ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesum Christum, meinen HErrn, glauben oder zu ihm kommen kann.

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