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Gotteswort gepredigt, wer kann sich das erklären? Das ist die große Schwierigkeit, daß wir wissen, der Mensch kann nichts dazu thun, daß er selig werde, Gott muß Alles thun, und doch: wer verloren geht, hat die Schuld selbst. Das ist unvereinbar für die menschliche Vernunft; und dod sind beide Säße wahr, unumstößlich wahr. Mancher hört Gottes Wort lange Jahre und bekehrt sich nicht, der liebe Gott fährt immer fort, und endlich wird er bekehrt. Ein Anderer hört Gottes Wort nur etliche Male, er bekehrt sich nicht, und Gott gibt ihn in Verstodung dahin. Warum hat er jenem Jahre lang sein Wort predigen lassen und diesen hat er so schnell dahin gegeben? Da sagt unsere Concordienformel: Wir können weiter nichts thun, als an jenem Gottes Güte preisen, an diesem aber sollen wir erkennen Gottes sdredliches Gericht; denn das ist ein verdientes. Das fordert Gott von uns. Darum sollen wir vor allem an uns selbst, die wir durch Gottes Gnade bekehrt sind, Gottes Gnade preisen. Denn also spricht unsere

Concordienformel endlich: „Denn weil unsere Natur durch die Sünde verderbt, Gottes Zorn und der Verdammniß würdig und schuldig, so ist uns Gott weder Wort, Geist oder Gnade schuldig, und wenn ers aus Gnaden gibt, so stoßen wir es oft von uns und machen uns unwürdig des ewigen Lebens Act. 13, 46. Und solch sein gerechtes wohlverschuldtes Gericht läßt er schauen an etlichen Ländern, Völkern und Personen, auf daß wir, wenn wir gegen ihnen gehalten und mit ihnen vrrglichen, desto fleißiger Gottes lautere unverdiente Gnade an den Gefäßen der Barmherzigkeit erkennen und preisen lernen. — Denn denen geschieht nicht Unrecht, so gestraft werden und ihrer Sünden Sold empfangen; an den andern aber, da Gott sein Wort gibt und erhält und dadurch die Leute erleuchtet, befehret und erhalten werden, preiset Gott seine lautere Gnade und Barmherzigkeit ohne ihren Verdienst. — Wann wir sofern in diesem Artikel gehen, so bleiben wir auf der redyten Bahn, wie geschrieben stehet Hof. 3, 9.: ,Israel, daß du verdirbest, die Schuld ist dein; daß dir aber geholfen wird, das ist lauter meine Gnade.' — Was aber in dieser Disputation zu hoch und aus diesen Schranken laufen will, da sollen wir mit Paulo den Finger auf den Mund legen, gedenken und sagen: Wer bist du, Mensch, der du mit Gott rechten willst?“

Das haben auch die treuen Bekenner der Concordienformel erkannt. Chemniß, Selneder und Kirchner haben auf Befehl der lutherisden Fürsten eine Apologie derselben geschrieben, ähnlich wie Melanchthon eine Apologie oder Vertheidigungsschrift der Augsburgischen Confession ge(drieben hat.

In dieser Apologie der Concordienformel lesen wir: „Wann aber gefragt wird, warum denn Gott der HErr nicht alle Men: fchen (das er doch wohl könnte) durch seinen Heiligen Geist befehre und gläubig mache u. f. w., mit dem Apostel ferner sprechen

follen: ,Quam incomprehensibilia sunt judicia ejus et impervestigabiles viae ejus!', mit nichten aber Gott dem HErrn selbst die willige und wirkliche Ursache der Verwerfung oder Verdammniß der Unbußfertigen zuschreiben. Dringen sie aber auf uns und sprechen: weil ihr die Wahl der Auserwählten gestehet, so müßt ihr auch das Andere gestehen, nämlich daß in Gott selbst eine Ursache sei der Verwerfung von Ewigkeit, auch außer der Sünde u. 1. w.: so sagen wir, daß wir keinesweges bedacht sind, Gott zum Ursacher der Verwerfung zu machen (die eigentlich nicht in Gott, sondern in der Sünde stehet) und ihm selbst wirklich die Ursache der Verdammniß der Gottlosen zuzuschreiben; sondern wollen bei dem Sprüchlein des Propheten Hosea Cap. 13. bleiben, da Gott spricht: ,Israel, du bringest dich in Unglück, dein Heil stehet allein bei mir. Wollen auch, wie droben aus Luthero gehört, von dem lieben Gott, sofern er verborgen ist und sich nicht geoffenbart hat, nicht forschen. Denn es ist uns dod zu hoch und können's nicht begreifen; je mehr wir uns diesfalls einlassen, je weiter wir von dem lieben Gott kommen und je mehr wir an seinem gnädigsten Willen gegen uns zweifeln. Soldergestalt ist auch das Cone cordienbuch nicht in Abrede, daß Gott nicht in allen Meniden gleicher Weise wirke; denn viel sind zu allen Zeiten, die er durchs öffentliche Predigtamt nicht berufen hat; daß wir aber darum mit dem Gegentheil schließen sollten, daß er eine wirkliche Ursache sei der Ver: werfung solcher Leute, und daß er's für sich aus bloßem Rath be: schlossen, daß er sie verwerfen und ewiglich verstoßen wolle, auch außerhalb der Sünde, sollen sie uns nimmermehr dazu bereden. Denn genug ist es, daß, wenn wir an diese Tiefe der Geheimniß Gottes kommen, mit dem Apostel Röm. 11. sprechen: Seine Gerichte sind unerforsclich', und 1 Cor. 15.: „Wir danken Gott, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern HErrn JEsum Christum. Was darüber ist, wird uns unser Seligmacher Christus im ewigen Leben selbst offenbaren." (Apologie der Concordienformel. Dresden, 1584. fol. 206. f.)

Ferner schreibt Chemniß: „Wie kömmts dann aber, daß Judas nicht wird aufgenommen, daß der nicht Vergebung der Sünde empfähet, da es ihm doch gereuet, was er gethan hatte? Und was mangelt an seiner Reue und Buß, daß er keine Gnade erlangen kann? Er hatte keinen Glauben an Christum, gläuber nicht, daß Gott gnädig sei und Sünde vergebe, das thut ihm den Schaden, dann wo der Glaube nicht ist, da ist auch keine Gnade Gottes, noch Vergebung der Sünde. Nun sagt aber unser Katechis: mus im dritten Artikel unsers christlichen Glaubens, der Mensch kann nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an JEfum Christum gläuben oder zu ihm kommen, sondern der Heilige Geist müsse ihn zu solchem Glauben bringen, denn der Glaube ist eine Gabe Gottes; wie fömmt es denn, daß Gott dem Juda solchen Glauben nicht ins Herz gibt, daß er auch hätte glauben können, daß ihm fönnte durch Christum geholfen werden? Da müssen „D, welch eine Tiefe des Reichthums, beide der Weisheit und Erkenntniß Gottes, wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforsdlich seine Wege ! Wir können und sollen dies nicht ausforschen und uns in solche Gedanken zu weit vertiefen, sondern dies also gebrauchen, daß wir uns nicht vorsäßlich in die Sünde begeben und Gott versuchen, auf daß Gott nicht die Hand von uns abziehe und uns sinken lasse; denn, wo das geschieht, so fallen wir immer aus einer Sünde in die andere, und gleiten allmählich so tief in die Sünde hinein, daß hernach kein Wiederkehren ist, und wir nicht wiederum zum Stande greifen können. Wie es mit dem Juda ist ergangen.“ (Passionspredigten. Th. IV. S. 17. f.)

Wir sollen also einfältig Gottes Wort glauben, und unser Herz nicht erfüllen mit Gedanken über Gottes geheimen Rathschluß. Fragst du: Ja, kann ich denn nicht darüber nachdenken? so antworten wir: Freilich kannst du es; aber wer hat es dir denn geheißen, soviel darüber nachzudenken und zu grübeln, wie es in Gottes Herzen hergeht? das sollst du ja nicht; das ist ja deine Sünde. Wenn du alfo über dieser Lehre in Anfechtung fälst, so hast du selbst daran Schuld. Denn, wenn du einfach die Bibel nimmst, wie sie lautet, die da sagt: Wer an den HErrn JEsum glaubt, der wird selig, der ist ein Auserwählter, und du glaubst an ihn, dann sollst du und kannst du sagen: Gott Lob! ich glaube an Christum, ich will auch nicht von ihm abfallen, ich will ihn auch alle Tage bitten, er wolle mich im Glauben erhalten; darum will ich fröhlich sein, und mich nicht damit bekümmern, daß so vieles in der Bibel steht, was ich nicht reimen kann. Nein, wer ein solcher Gemsensteiger ist, wie Luther sagt, und die geheimen Dinge forschen will, der wird vom Felsen herab stürzen und den Hals breden. Denn Gott will es nicht haben, daß wir über seine Geheimnisse grübeln.

Endlich schreibt Tim. Kirchner: „Ist denn Gott die Ursache, daß Etliche verdammt werden? Antwort: Reinesweges; denn er ichwört und spricht selbst, er wolle nicht den Tod des Sünders, sondern daß er bekehret werde und lebe, Ezech. 18. Darum sollen wir nicht sagen, daß die Verwerfung der Gottlosen Gottes Wille oder Drdnung sei; son: dern vielmehr bekennen, daß Sünde eine Ursache derselben sei; ,denn der Sünden Sold ist der Tod'; Röm. 6. — Er könnte sie ja aber wohl alle mit einander bekehren? Antwort: Da ist kein Zweifel an, wenn er seine Allmächtigkeit brauchen wollte;*) daß er's aber nicht thut, haben wir ihn nicht drum zu besprechen. Paulus Röm. 9. schreibt, er ,erzeige seinen Zorn und thue fund seine Macht und trage mit großer Geduld die Gefäße des Zorns' 2c. In denen, die er also in ihrem Unglauben bleiben läßt, erzeigt er seine Gerechtigkeit und Zorn wider die Sünde. Er ist ja unser keinem nichts schuldig, sondern was er gibt und thut, das thut er aus lauter Gnaden, um JEsu Christi willen; dem haben wir alles zu danken und zuzuschreiben. — Weil denn der Glaube an Christum eine sonderliche Gabe Gottes ist, warum gibt er ihn nicht allen? Antwort: Dieser Frage Erörterung sollen wir in's ewige Leben sparen; unterdeß uns daran genügen lassen, daß Gott nicht will, daß wir seine heimlichen Gerichte erforden sollen, Röm. 11.: ,D welch' eine Tiefe des Reichthums, beide der Weisheit und Erkenntniß Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Gerichte!' – Es hat aber das Ansehen, als sei Gott ungerecht, daß er nicht allen Menschen, Tür: ken, Heiden und Unbußfertigen, sein Erkenntniß und Glauben gibt? Antwort: Wie kann er ungerecht sein, weil er keinem Menidhen nichts schuldig ist (Matth. 20.) und hätte sie wohl alle in ihren Sünden können sterben lassen! Darum auch der Apostel Röm. 9. spridit: „Lieber Mensch, wer bist du, daß du mit Gott recyten willst?“ Es ideinet ja auch Gott in de m ungerecht zu sein, daß er's hier auf Erden den Frommen übel und den Bösen mehrentheils läßt wohl gehen; und kann sich die Vernunft hierein gar nicht diden (das Evangelium zeigt Ursache an, warum Gott den Seinen hie mancherlei Kreuz auflegt und die Herrlichkeit dorthin spart): also dünket es uns auch hie, Gott sei ungerecht in dem, daß er nicht allen Menschen sein Wort und den Glauben an Christum gibt, und vermag sich unsere Vernunft hieraus in diesem Leben nicht zu finden. Wann wir aber dorthin und in jenes Leben kommen werden, alsdann werden wir sehen und verstehen, daß Gott nidt ungerecht ist, ob er wohl nicht allen Menden das Wort und den Glauben gibt. Das Licht der Herrlid keit wird diese Frage alsdann fein und leichtlich auflösen; welche Auflösung wir im Licht der Gnade nicht allerdings sehen können. Got: tes Strafen und Gerichte über die Sünde müssen ebenso: wohl erkannt werden, als seine Gnade. Aller Menschen Natur ist durch die Sünde verderbt; derwegen ist uns Gott nichts als die Verdammniß schuldig! Da er auch gleich zuweilen sein Wort und Gnade gibt, stoßen wir dieselbige aus und maden uns des ewigen Lebens unwürdig, wie Act. 13. von den Juden stehet. Darum kann Gott dem HErrn dies: falls keine Ungerechtigkeit zugemessen werden.“ (Deutsches Enchiridion, S. 142 f.)

*) Daß Gott, wenn er wollte, alle Menschen bekehren könnte durch die Kraft seiner Almacht, leugnen alle neugläubigen Theologen, weil sie denken, nur das sei ein wahrer Glaube, welcher des Menschen eigene freie That sei.

I befis IV. Jene Lehre von der Gnadenwahl verdunfelt und schwächt nicht die Lehre von der Rechtfertigung und Soligkeit allein durdh den Glauben, sondern belt dieselbe vielmehr auf und bestätigt sie.

C.-F. 713 f. § 43.

Luther sagt zu Matth. 5, 16.: „Christum recht lehren und bekennen, ist nicht möglich ohne'den Glauben. Wie St. Paulus 1 Cor. 12, 3. sagt: Niemand kann JEsum einen HErrn heißen, ohne durch den Heiligen Geist. Denn kein falscher Christ noch Rottengeist kann diese Lehre verstehen. Wie viel weniger wird er sie recht predigen und bekennen, ob er gleich die Worte mit nimmt und nachredet, aber doch nicht dabei bleibet nod rein lässet? predigt immer also, daß man greift, daß ers nicht redyt habe; schmieret doch seinen Geifer daran, dadurch er Christo seine Ehre nimmt, und ihm selbst zumisset. Darum ist das allein das gewisseste Werk eines rechten Christen, wenn er Christum so preiset und predigt, daß die Leute solches lernen, wie sie nichts, und Christus alles ist.“ (VII, 623.) .

Das ist höchst wichtig! ja, darauf kommt es an, ob ein Prediger jo predigt, daß die Zuhörer lernen: sie sind nichts und können nichts, und Christus ist Alles und thut Alles. Das ist die summa summarum, die reine, wahre Lehre von der Rechtfertigung und Seligkeit allein aus Gnaden durch den Glauben an JEsum Christum. Wer die Rechtfertigung so treibt, daß die Zuhörer in ihr eigenes Wirken hinein gebracht werden, der verfälscht diese Lehre spändlich, der hat bei allem Geschwäß vom Glauben und von der Gnade Gottes den Kern herausgenommen.

• Und gerade die allereifrigsten Prediger versehen es darin oft. In ihrer Angst, die Leute fönnten verloren gehen, wollen sie Alles thun, damit ihre Zuhörer ja nicht in Sicherheit gerathen, daß sie ja nicht in den falschen Wahn eines bloßen Kopfglaubens hineinkommen; und nun verklausuliren sie die Gnade so, und verbergen den HErrn JEsum vor den armen Sündern so, daß diese nicht zur Gnade kommen und den HErrn JEsum nicht in seiner ganzen Herrlichkeit sehen. Der Prediger hat die Leute wohl ängstlich gemacht und voll Furcht, ob sie können selig werden, so daß sie immer im Zweifel steden; aber sie sind nicht fröhlich und lustig zu guten Werken, weil sie nie ihres Gnadenstandes und ihrer Seligkeit gewiß werden. Denn wer nicht weiß, daß Gott ihm schon den Himmel aufgesd lossen und das ewige Leben geschenkt hat, der wird auch nicht fröhlich zu allen guten Werken, sondern er bleibt zeitlebens ein elender Gesebesknecht; nur hie und da läßt er ein sogenanntes gutes Werk aus sich herauspressen. Dagegen wer da weiß: der Himmel ist dein, der HErr JEsus ist dein, du kannst jeden Augenblid sterben, so wirst du selig — von einem solchen Menschen kann ich Alles verlangen; er thut auch Alles, wenn er nur sieht, daß die Liebe solches fordert.

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