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Woher kommt es, daß gerade in unserer Synode so viel Willigkeit ist, dem Nädysten zu helfen? Die Bettelbriefe hören nicht auf; wir sind oft in großer Verlegenheit, wenn wir dieselben unsern lieben Christen vorlegen sollen, und denken: Die Leute werden sich endlich ärgern über unsere Bettelei; und siehe! es dauert nicht lange, so regnet und schneit es lauter Liebesgaben. Das kommt daher, weil durch Gottes Gnade bei uns wirk: lich, wenn auch in Schwachheit, doch wahrhaftig die reine Lehre von der Rechtfertigung aus Gnaden allein durch den Glauben an JEsum Christum so eifrig getrieben und mit glühenden Lippen verkündigt wird. Freilich haben wir darin erst einen schwachen Anfang gemacht; mußte schon Luther sagen, daß er davon nur so ein Bischen Geschmack bekommen hatte, wie viel tausendmal mehr müssen wir dies sagen! Aber das ist eine rechte Leuchte für uns, dieser Ausspruch Luthers: Ihr müßt so predigen, daß die Leute lernen, wie sie nichts sind und Christus Alles ist.

Ich kann daher auch nur dann von der Gnadenwahl recht lehren, wenn dieselbe mit diesem Ausspruch Luthers völlig übereinstimmt. Sobald eine solche Gnadenwahl gelehrt wird, nach welcher auch in den Menschen etwas gelegt wird, dann ist dieselbe falsch. Nun hütet man sich wohl, dem Menschen ein Werk zuzuschreiben, denn die Werklehre ist da zu anrüchig geworden; aber auch wenn man den Glauben in den Menschen legt als einen Beweggrund für Gott, auch das ist falsch.

Nein, wir wollen fröhlich bis an unsern Tod bekennen: Nichts im Menschen hat den lieben Gott bewogen, ihn selig zu machen; sondern es ist eitel seine Gnade und Christi Verdienst, was ihn bewogen hat. Wiederum bekennen wir aber ebenso entschieden: Wer verdammt wird, der schreibe es nicht dem lieben Gott, sondern sich selber zu!

Es ist darum eine greuliche Mißdeutung unserer Lehre, wenn man sagt: Die Missourier fangen an und stellen die Rechtfertigung in den Hintergrund hinter die Gnadenwahl, während wunderselten einmal von der Gnadenwahl bei uns gepredigt wird, und mit Recht. Das ist nicht eine solche Lehre, die man so vorherrschend wie andere Lehren treiben foll; denn die ist nicht dazu, daß sie Grund lege, sondern eine Lehre, die nur einen besonderen Trost gibt, wenn wir bereits auf dem Himmelsweg sind. Im Gegentheil, gerade dasjenige in der Gnadenwahlslehre, was mit der Lehre von der Rechtfertigung zusammen fällt, gerade das ist uns das Köstlichste, Tröstlichste und Lieblichste. Das treiben wir auch allezeit, wenn wir von der Gnadenwahl reden, und sagen unsern Zuhörern: Ach lieben Leute, ihr wollt selig werden; verzagt nur nicht, Gott verlangt ja nichts von euch, es ist eitel Gnade, kommt nur, ihr Durstigen, und trinkt, ihr Hungrigen, und esset, zählt kein Geld dar, umsonst follt ihr selig werden, die Seligkeit in Christo JEfu gehört der ganzen Welt. Macht es nicht wie die Weltkinder, die daran vorbei gehen und ergeben sich den Lüsten der Welt, sondern macht es, wie die Kinder Gottes

immer gethan haben, glaubt es! es wird euch nicht auf die Finger geklopft, wenn ihr zugreift. Denn so thun die falschen Propheten; die haben ges rade das Kennzeichen, daß sie denen, welche nach der Gnade hungern, sagen: Das und das muß erst in dir vor sich gehen, ehe du in dem Zustande bist, daß du die Gnade ergreifen darfst; während dagegen derjenige, welcher weiß, daß er mit seinen Sünden verloren geht, in dem rechten Zustand ist,

daß er die Gnade ergreife, die ihm durch das Evangelium dargereicht wird, · und dem rufen wir zu: Du kannst gar nicht schnell genug zugreifen.

So schreibt die Concordienformel (M. S. 713. § 43; St. L. Ausg. S. 483): „Und sofern ist uns das Geheimniß der Versehung in Gottes Wort geoffenbaret, und wann wir darbei bleiben und uns daran halten, so ist es gar eine nüßliche, heilsame, tröstliche Lehre; denn sie bes stätigt gar gewaltig den Artikel, daß wir ohne alle unsere Werke und Verdienst, lauter aus Gnaden, allein um Christus willen, gerecht und selig werden; denn vor der Zeit der Welt, ehe wir gewesen sind, ja ehe der Welt Grund gelegt (ward], da wir ja nichts Gutes haben thun können, sind wir nach Gottes Vorfaß aus Gnaden in Christo zur Seligkeit erwählet, Röm. 9, 11. 2 Tim. 1, 9."

Es gibt keine Lehre in der heiligen Schrift, welche uns die Lehre von der Rechtfertigung mehr bestätigte, heller und klarer machte, als die Lehre von der Gnadenwahl. Denn wenn das wahr ist, daß diejenigen, welche selig werden, schon von Ewigkeit dazu bestimmt sind, und zwar, daß Gott zugleich beschlossen hat, sie zu bekehren, zum Glauben zu bringen und im Glauben bis an's Ende zu erhalten, trokdem, daß er nichts Gutes in ihnen gesehen hat: was kann denn da die Lehre von der Rechtfertigung mehr bestätigen, als dieses? Denn wenn Gott uns schon von Ewigkeit die Seligfeit zugedacht hat, so muß es ja freie Gnade sein, daß wir uns selber gar nichts rühmen können, daß wir also nicht sagen können: Ich habe mir es aber auch was foften lassen, daß ich in den Himmel komme. Nein, dem HErrn haben wir Arbeit gemacht, er hat es sich etwas kosten lassen, uns selig zu machen, nämlich sein Gottesblut. Ihm müssen wir darum allein alle Ehre, allen Ruhm geben.

Geschäftsverhandlungen.

Die Vorschläge der Synodalconferenz, betreffend die Errichtung von

Staaten-Synoden und eines Gesammt-Seminars. Die Synode erachtet es Angesichts des ausgebrochenen Streites über die Lehre von der Gnadenwahl nicht für zeitgemäß, über dieselben jeßt Beidhluß zu fassen. Sie will hiermit diese Frage nicht endgiltig entscheiden, sondern die Entscheidung vertagen.

Zwar haben sich unsere Districtssynoden fast alle dahin erklärt, auf diese Vorschläge einzugehen. Sie meinen, die sich bildenden StaatenSynoden sollten sich zu zwei oder drei größeren Körperschaften vereinigen und dann zu einem Ganzen zusammentreten. Wir können aber keine rechte Freudigkeit gewinnen, die Beschlüsse der Synodalconferenz zu befür: worten, und zwar des ausgebrochenen Lehrstreites wegen. Als die anderen

Districte ihre Beschlüsse in dieser Sache faßten, konnte man noch hoffen, daß der Streit bald beigelegt sein würde; jeßt aber ist dafür wenig Hoffnung vorhanden. Will man sich für die Vorschläge erklären, so muß das „Ja" aus einem freudigen Herzen kommen; aber bei einem aufrichtigen Lutheraner kann das unter den gegenwärtigen Umständen nicht der Fall sein. Die Lehrstreitigkeiten berühren nicht bloß die Oberfläche, sondern sind tiefgehend: sie betreffen einen wichtigen Artikel unsers Glaubens. Die ande: ren Synoden werden darum auch nicht bereit sein, die Vereinigung eintreten zu lassen, ehe eine jede Synode klare Stellung in dem betreffenden Punkte genommen lyat, ehe die Lehrverschiedenheit ausgeglichen ist. Wir wollen also durchaus nicht kurzweg sagen: Wir sind gegen die Vorschläge; im Gegentheil, wir sind bereit, auf die Sache einzugeben, wir können nur jeßt nicht gleich in derselben vorwärts gehen.

Wenn wir dies erklären, so ist es nicht unsere Schuld, daß die Ver: einigung noch nicht zu Stande kommt. Die anderen Synoden sind immer noch nicht bereit gewesen, darauf einzugehen, obwohl unsere Synode alles Mögliche gethan hat, die annehmbarsten Bedingungen gemacht, und erklärt hat, all ihr Eigenthum dran zu geben. Wir sind auch jeßt noch von Herzen bereit, das Meiste, ja Alles zu thun, und selbst zu bluten, wenn nur das Reid) Gottes gebaut wird. Aber wenn es so steht, daß wir nicht mehr fröhlich sagen können: Im nächsten Jahre stehen wir, die SynodalConferenz, zusammen auf dem Einen Boden des guten Bekenntnisses, so können wir nicht mit gutem Gewissen auf die Vorlage eingehen. Wir halten dieselbe noch nicht für sprudyreif.

Wir haben aber noch einen andern Grund, von der Beschlußnahme über dieselbe abzusehen, weil wir nämlich unserer eigenen Noth abhelfen

müssen. Unser altes Seminargebäude in St. Louis ist so baufällig geworden, daß es nicht mehr recht sicher ist. Da nun die anderen Synoden sich für die Vorschläge noch nicht bereit erklärt haben, so kann auf der nächsten Delegaten Synode überhaupt noch nichts erreicht werden. Wir können aber nicht mehr warten, bis die andern Synoden ihre Zustimmung zu der Sache gegeben haben und ein Gesammt-Seminar errichtet ist, son: dern müssen selbst mit dem Bau eines neuen eigenen Seminars vorangehen.

Bau eines neuen Seminars in St. Louis.

Der District beschloß ferner, seine Delegaten zu instruiren, daß die selben bei der nädysten Delegaten - Synode mit allem Ernst dahin arbeiten, daß ein neues Seminar in St. Louis gebaut werde.

Zu dem schon Erwähnten wurde noch Folgendes hinzugefügt: Da das bisherige Seminar:Gebäude schon vor Jahren bedenklich wadelig gewesen ist, so können wir es nur der Gnade Gottes zuschreiben, daß wir bisher vor Scha: den behütet worden sind; wir dürfen aber eine Aenderung der Sache nicht mehr anstehen lassen. Wir beten jeden Sonntag in unserem Kirchengebet für unsere Lehranstalten zur Ausrüstung treuer Arbeiter im Weinberge Gottes. Jeßt hören wir, wie die jungen Arbeiter, welche der HErr in seine Ernte senden will, dort, wo sie ausgerüstet werden, fast in Lebensgefahr schweben. Die beiden dreistöckigen Flügel z. B. ruhen auf einem Fundament, das nur für zwei Stocwerke berechnet war. Das dritte Stocwerk mußte später um der Noth willen aufgelegt werden. Da müßten wir ja wirklid, heuchlerische Mensden sein, wenn wir beten, Gott wolle Arbeiter senden, und wir wollten nicht, so viel an uns ist, dafür sorgen, daß sie nicht in Gefahr kommen.

Dazu ist noch zu bedenken, daß die jeßige Einrichtung des Gebäudes sehr unpassend ist. Dasselbe besteht aus drei Ganzen, und nicht etwa, wie es sein sollte, aus drei Theilen, zu einem Ganzen zusammengeseßt. Der Neubau ist also durchaus nothwendig.

Was nun den Kosten punkt betrifft, so wird derselbe keine großen Schwierigkeiten machen. Die Gemeinden werden gewiß, wenn sie hören, daß die Noth da ist, gern bereit sein, nach Kräften beizusteuern. Unsere Synode ist so arm nicht mehr. In Fort Wayne und Addison hat sie sdon stattliche Anstalts - Gebäude errichtet, da follte auch unsere Hauptanstalt nicht mehr zurücstehen; anstatt des jeßt so armseligen sollte ein stattliches Gebäude steben. Freilich ist die Hauptsache, daß dasselbe ein großes, geräumiges, bequem und zweckmäßig eingerichtetes sei, in welchem alle Infassen leidt controlirt werden können, was jeßt nid)t der Fall ist.

Auch sollte die Anstalt in St. Louis bleiben, einmal, weil diese Stadt die gesundeste ist, in der dieselbe überhaupt sein könnte, und sodann, weil sie im Mittelpunkt der Synode liegt.

Daß endlich unser District in dieser Angelegenheit ein fräftiges Wort einlegt, ist ganz in der Drdnung; denn da das Seminar in unserer Mitte ist, so ist es ganz recht, daß wir die Vormundschaft über dasselbe über: nehmen.

Die Errichtung eines Progymnasiums innerhalb des Wehlichen

Districtes betreffend, welche von der St. Louis Pastoral - Conferenz der Synode zur Erwägung vorgelegt worden war, wurde beschlossen: Diese Angelegenheit der nächst: jährigen Delegaten-Synode vorzulegen, und die Entwerfung eines Planes für die beabsichtigte Anstalt einer Committee zu übergeben, bestehend aus den PP. Präses Bils, Hanser und Gruber.

Innere Mission. Der von der Commission eingesandte Bericht zeigte, daß die Missions: sache einen großen Aufschwung genommen und durch Gottes Gnade viel Segen gestiftet hat. Weil aber dieselbe immer mehr an Ausdehnung gewinnt, so muß auch immer mehr für sie gethan werden. Unsere Mission ist groß und viel versprechend; darum sollten wir alle unsere Gemeinden recht warm und inbrünstig ermahnen, gerade dies Werk auf dem Herzen zu tragen. Es ist ja ein überaus schönes, edles und herrliches Ding, unsere verwahrlosten Glaubensbrüder aufzusuchen, ihnen Wort und Sacrament zu bringen, sowie ihnen zu Kirchen und Schulen zu verhelfen. Falsdgläubige Kirchen - Gemeinschaften entwideln zum Theil einen großen Eifer, die Einwanderer zu fangen; darum sollten wir um so eifriger sein. Lassen wir die Methodisten oder irgend welche Schwärmer uns zuvor kommen, dann ist es gewöhnlich für uns vorbei! Auch sollten wir nicht vergessen, daß, menschlich geredet, gewissermaßen die Zukunft unserer Synode von der Missionsjache abhängt. Es sollte darum ein jeder Pastor mit seiner Gemeinde das Wert nach Kräften fördern. Es fönnte etwa in unseren Gemeinden an einem bestimmten Sonntage im Jahre eine besondere Predigt über unsere innere Mission gehalten, und dabei eine Collecte erhoben werden; oder es könnte auch eine Missionskasse in der Gemeinde errichtet werden, in welche regelmäßige Beiträge eingeliefert würden. Besonders aber sind die Missionsfeste im Freien dazu angethan, immer regere Theilnahme an dem Werke der Mission zu erweden. Natürlich muß es den einzelnen Gemeinden überlassen sein, welche Schritte sie als die für sie passendsten thun wollen: aber das sollten wir uns Alle merken, daß wir die Sache mit Fleiß und Inbrunst betreiben müssen.

Folgende Beschlüsse wurden gefaßt:

1. Herr P. M. Meyer soll zum Missionar für Denver City, Col., berufen werden.

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