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Ihesis VII, 1. Die lutherische Kirche glaubt, lehrt und bekennt nadı Gottes Wort, daß a. zwar die Unterthanen sich auch dann der weltlichen Obrigkeit nicht mit Gewalt widerseßen dürfen, wenn ihnen dieselbe Unrecht thut, daß aber b. die weltliche Obrigkeit kein Recht habe, ihren Unterthanen zu gebieten, was Gott verboten, oder zu verbieten, was Gott geboten hat, und sie überhaupt zu zwingen, etwas wider ihr Gewissen zu thun.

Nach lutherischer Lehre muß der Unterthan der weltlichen Obrigkeit gehorchen, sie mag gebieten, was sie wolle, wenn er nur dadurch nicht gezwungen wird, wider sein Gewissen zu handeln. Die lutherisde Kirche erklärt die Obrigkeit für Gottes Dienerin. Es handelt sich daher hierbei nicht um Gehorsam gegen Menschen als Menschen, sondern gegen Gottes Majestät selbst, deren Abglanz die Obrigkeit ist. Hiermit ist freilich zugleich das ausgesprochen, daß die Obrigkeit nichts verlangen darf, was gegen dessen Gebot verstößt, der auch ihr Herr ist. Da muß ihr der Gehorsam verweigert werden. In allen andern Dingen aber hat ihr Gebot göttliche Verbindlichkeit.

Von dieser Lehre unserer Kirche behaupten wir, daß sie Gott alle Ehre gibt. Die Ehre, die Gott gebührt, können wir ja nicht nach unserer Vernunft oder unserm Gefühl abmessen. Da fönnten wir uns leicht sehr täuichen. Calvin meinte auch, mit seiner Lehre von der absoluten Erwählung und Verwerfung Gott die Ehre zu geben, und doch raubte er mit dieser Lehre Gott die Ehre, die ihm nach der Schrift gebührt, die Ehre seiner Liebe und Gerechtigkeit. Das Wort Gottes kann hier allein das Urtheil sprechen. Hören wir, was es hierüber sagt.

Röm. 13, 1–7. ist der Siß der Lehre von der Obrigkeit. Da wird zuerst gesagt, wer unsere Obrigkeit ist. „Jedermann sei unterthan der Dbrigkeit, die Gewalt über ihn hat.“ Db sie rechtmäßig in's Amt gekommen, oder ob sie fromm, oder ob sie unseres Glaubens ist, kann also hier nicht maßgebend sein. Das Christenthum läßt weltliche Drdnungen bestehen; es will nur die Herzen der Menschen anders gestalten. Widtig ist dies für die Ausbreitung der christlichen Kirche. Welder gottlose Fürst wollte der christlichen Religion in seinem Lande Eingang gewähren, wenn fie Rebellion guthieße gegen Solde, die unrechtmäßig in ihr Amt gekommen sind, oder die ihre obrigkeitliche Gewalt mißbrauchten? Es ist hier: nach auch klar, daß derjenige, der in ein anderes Land ausivandert oder durch ein solches reist, dann wieder der Obrigkeit unterworfen ist, unter deren Gewalt er sich begibt. Wohl zu merken ist hierbei, daß gerade das mals, als der Apostel Paulus dies an die Römer schrieb, der Bluthund Nero auf dem römischen Kaiserthron saß und seine Gewalt zur grausamsten Marter der Christen gebrauchte. Aber, sagt der Apostel, das alles fann keinen Unterschied machen; er hat die „Gewalt“; somit ist er die von Gott geseßte Obrigkeit. — Der Dbrigkeit, die die Gewalt über uns hat, sollen wir unterthan sein; sonst versündigen wir uns nicht sowohl an einem Menschen, als an Gott selbst. „Denn es ist keine Dbrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun wider die Dbrigkeit seßet, der widerstrebet Gottes Drdnung; die aber wider: streben, werden über sich ein Urtheil empfahen.“ Es ist nicht etwa nur eine Störung der öffentlichen Nuhe, wenn man sich der weltlichen Obrigkeit widerseßt, sondern recht eigentlich ein Kämpfen gegen die göttliche Majestät. Daher sollen wir „aus Noth unterthan sein“, aber nicht allein um der Strafe willen, sondern um Gottes und des Gewissens willen“. (V. 5.) Auch einem Nero sollen wir die Ehre geben, die ihm gebührt (V. 7.), nicht bloß äußerlich mit Geberden, sondern auch im Herzen; denn er hat die Ges walt des großen Gottes. Deshalb redet der Apostel selbst V. 3. und 4. von den Werken der Obrigkeit so, daß er von dem Zustand der römischen Obrigkeit seiner Zeit ganz absieht und nur den Willen Gottes bei der Einfeßung der Obrigkeit in's Auge faßt. – „Jedermann“ ist gehalten, der Dbrigkeit unterthan zu sein, auch die Prediger; es ist anticristisch, wenn Päbste und Priester sich von diesem allgemeinen göttlichen Gebote ausnehmen.

In der katholischen und reformirten Kirche wird das Gewissen in die: sem Stücke nicht geschärft. Die Geschichte zeigt die Folgen davon. Wäh. rend man von wirklich lutherischen Staatsangehörigen und in wirklich lutherischen Ländern nie von Revolution gehört hat, es sei denn, daß die lutherische Kirche in denselben zu existiren aufgehört hatte, selbst in Zeiten der furchtbarsten Bedrückungen der Lutheraner, so lesen wir auf den Blät: tern der Geschichte katholischer und reformirter Länder viel von Empörungen gegen die Dbrigkeit. Die lutherische Kirche kann daher mit ganzem Her: zen singen:

„Was fürcht'st du Feind Herodes sehr,
Daß uns gebor'n kommt Christ, der HErr?
Er sucht kein sterblich Königreich,
Der zu uns bringt das Himmelreich." (Gesgb. Nr. 60, 1.)

1 Petr. 2, 13—17. ist die zweite hierhergehörige Stelle. „Seid unterthan aller menschlichen Drdnung“ (nicht als wäre die Obrigkeit eine Ordnung, von Menschen gemacht, sondern eine Schöpfung [xtío.5] Gottes unter den Menschen) „um des HErrn willen." Und nicht nur „dem Könige, als dem Obersten“, sondern auch den Hauptleuten, als den Ges fandten von ihm", sind wir Unterthänigkeit und Ehre schuldig. In unses rem Lande ist z. B. nicht der Präsident, Congreß zc., sondern das Volk der Souverän. Aber widerseßen wir uns diesen vom Volk angestellten Beamten, so widerseßen wir uns der Souveränität des Volkes und damit Gott selbst.

Als einst das Volk 3srael, seiner freien Verfassung überdrüssig, einen König verlangte, wie ihn die umliegenden Heiden hatten, da mußte ihnen Samuel auf Gottes Befehl das „Recht des Königs verkündigen, der über sie herrschen würde". (1 Sam. 8, 9-20.) Seiner Gewalt sollten sie nicht widerstehen dürfen, wenn auch der Gebrauch derselben noch so himmelschreiendes Unredyt und Willfür in sich schließen würde. Ja, wenn sie dann auch über ihren König zum HErrn schreien würden, so sollten sie keine Erhörung finden, denn wer einen wirklichen König verlange, der soll auch wissen, was sein Recht sei.

Eine weitere Stelle ist Matth. 26, 51. 52. Man sollte doch denken, wenn es je eine Zeit gab, wo ein Christ der Dbrigkeit sich hätte widerseßen dürfen, so wäre es jener Augenblick gewesen, als Petrus das Leben seines HErrn und Heilandes gefährdet sah. Aber Christus spricht: ,,Stede dein Schwert an seinen Ort; denn wer das Schwert nimmt, der soll durch's Schwert umkommen.“ Christus erklärt es für einen Raub des Schwertes und darum für eine todeswürdige Sünde, daß Petrus ihn gegen die Knechte des Hohen Rathes durch Anwendung von Gewalt zu vertheidigen suchte.

Joh. 19, 10. 11. ist eine überaus wunderbare Stelle. Denn da stellt sich der HErr der Herrlichkeit selbst unter die Botmäßigkeit des Pilatus und gibt ihm zu, daß er die Macht habe, ihn zu freuzigen. Er erklärt ihm freilich zugleich, daß er große Sünde thue, wenn er die ihm von Gott verliehene Macht dazu gebrauche.

Sprüchw. 24, 21. wird Jeder gewarnt vor Gesellschaften, die sich mit rebellischen Plänen tragen.

Daß wir uns auch einer tyrannischen Dbrigkeit nicht mit Gewalt widerseßen dürfen, hören wir also in allen diesen Stellen. Aber eine Erlaubniß gibt uns der HErr Matth. 10, 23.: „Wenn sie euch in einer Stadt verfolgen, so fliehet in eine andere.“ Das ist also nicht Revolution, wenn man, ohne Gewalt zu gebrauchen, sich der Gewalt der Dbrigkeit entzieht. So ist der Apostel Paulus einst aus Damascus entflohen vor dem Landpfleger des Königs Areta, der ihn greifen wollte. (2 Cor. 11, 32. 33.)

Daß die lutherische Kirche so lehre, sehen wir aus ihren öffentlichen Bekenntnissen, wie aus den Schriften ihrer rechtgläubigen Lehrer.

So heißt es im 16. Artikel der Augsburgischen Confession: ,,Das Evangelium lehret nicht ein äußerlich, zeitlich, sondern innerlich, ewig Wesen und Gerechtigkeit des Herzens und stößt nicht um weltlich Regiment, Polizei und Ehestand, sondern will, daß man solches alles halte als wahrhaftige Drdnung, und in solchen Ständen christliche Liebe und rechte gute Werke, ein Jeder nach seinem Beruf, beweise. Derhalben sind die Christen schuldig, der Oberkeit unterthan und ihren

Geboten gehorsam zu sein in allem, so ohne Sünde ge. schehen mag.“ (Artikel XVI. Müllers Concordienbuch S. 42 f.)

Apologie der Augsburgischen Confession: ,,Das Evange: lium bringt nicht nur Gefeße im Weltregiment, sondern gebeut und will haben, daß wir den Gefeßen sollen gehorsam sein und der Oberkeit, darunter wir wohnen, es seien Heiden oder Christen, und daß wir in sols chem Gehorsam unsere Liebe erzeigen sollen." (Artikel XVI. Müller S. 215.)

Dannhauer macht es vor Andern klar, was unter dem „Recht“ eines Königs zu verstehen sei. Er schreibt nämlich zu 1 Sam. 8, 11.: „Daß ein König, der dies dem Rechtsanspruch nach, obwohl er der Ausübung nach ein Tyrann ist, von dem Unterthan nicht mit Ges walt angegriffen werden dürfe, wird leicht bewiesen: 1. aus der göttlichen Beschreibung, welche 1 Sam. 8. gegeben wird: ,So gehorche nun ihrer Stimme. Doch bezeuge ihnen und verfündige ihren das Recht des Königs, der über sie herrschen wird', V. 9—18., wo Samuel, indem er das fönigliche „Recht“ vorlegt, ohne Zweifel niot von dem gerechten und rechtmäßigen Rechte redet; denn das 5 Moj. 17, 14—20. vorgelegte stimmt mit diesem bei weitem nicht überein; aud nicht von der bloßen Thatsache (daß sich der König so verhalten werde), denn darin wäre nichts Sonderliches, weil auch Privatpersonen anderen Privatpersonen Unrecht zufügen; sondern von einer Thatsaķe mit der Wirkung einer Rechtsverbindlichkeit zum Nicht-Wider: stehen. Das königliche Recht ist also ein solches, welchem nicht wider: standen werden, sondern von dem man allein an Gott, als den Räder des Unredyts, appelliren darf. 2. Aus der apostolischen Abmahnung vom Widerstand, Röm. 13,' 1., welche nicht weniger von dem Tyrannen Nero, als von dem gegen die Christen milderen Herrn, dem Tiberius, angenommen werden mußte. 3. Aus dem Verbote, in ein fremdes Amt zu greifen, 1 Petr. 4, 15. Da nämlich das ges gebene Sdwert nad Röm. 13, 4. Sadhe der Obrigkeiten, das genommene nach Matth. 26, 52. Sache der Unterthanen ist, so greift der, welder dasselbe an sid reißt, in ein fremdes Amt. 4. Aus der Nothwen: digkeit der Ordnung und des öffentliden Friedens, was, wenn jedermann das Recht des Widerstandes hat, nicht bestehen kann, und in cyclopisches Wesen ausartet.“ (Lib. conscient. I, 873.)

(Calov und einige andere rechtgläubige Theologen finden 1 Sam. 8. sogar die rechtliche Gewalt eines Königs beschrieben.)

Dannhauer beweist auch, daß man auch einer auf unrechtmäßige Weise in's Amt gekommenen Obrigkeit unterthan sein müsse, folgender: maßen: „Hierher gehört auch die langjährige Verjährung, welde Richt. 11, 28. anerkannt wird; denn wenn diese nicht gälte, welche Herrschaft würde dann von Gültigkeit sein? Wie

fehlt, die Bertio weil es wahrscheinen in der Zwischenzent.

, viele Könige haben, wenn man auf ihren Ursprung zurüdgeht, einen ge

leßlichen Rechtsanspruch ?" „Sonst verbleibt jedoch“, seßt Dannhauer hinzu, „auf kurze Zeit auch dem Unterthan das Recht, welches Jeder gegen einen öffentlichen Feind hat; doch so, daß, solange die Gewalt, Widerstand zu leisten, fehlt, die Herrschaft desselben verbindliche Kraft hat, nicht als ob es so recht wäre, sondern weil es wahrscheinlich ist, daß derjenige, welcher das Recht zu herrschen hat, lieber wolle, daß in der Zwischenzeit dasjenige gültig sei, was befohlen wird, als daß durch Aufhebung der Ges seße und Gerichte alles in Verwirrung geseßt werde.“ (Lib. conscientiae, I, 872. sq.)

Die Römer haben bekanntlid, fast alle ihre Provinzen durch unrechtmäßige Eroberungen an sich gezogen; dennoch unterwirft sich Christus dem römischen Landpfleger Pilatus und die Apostel ermahnen alle Christen ihrer Zeit, den Römern gehorsam zu sein. Eine Zeit lang haben zwar, wie gesagt, die Bürger Recht, sich einem in das Land eingefallenen Eroberer und Thronräuber entgegenzustellen, wie es z. B. in den Zeiten Napoleons I. war. Da ist dann jeder Bürger ein Soldat. Sobald sich aber ein solcher Eroberer festsekt, so ist er die zum Gehorsam verbindende Dbrigkeit, denn er hat die Gewalt, welche schließlich zur gültigen Obrigkeit macht.

Spener spricht sich hierüber so aus: „Es ist zu merken: es gehöre auch zu der Obrigkeit ein göttlicher Beruf, denn sie ist“ (nach Gottes Wort Röm. 13, 4. 6.) „Gottes Dienerin, und doch ist solcher Beruf nicht allemal so, daß alles nad göttlicher Ordnung hergegangen wäre, sondern es ist vielmehr ein göttliches Verhängniß, und gehet auf die Weise her, daß nichts Göttliches dabei zu finden ist, als die Gewalt selbst.“ (Theol. Bedenken. Hallische Ausgabe. IV, 523.)

Ad. Djiander: „Etwas anderes ist die Form der Regierung, und etwas anderes die Gewalt. Die Gewalt, und zwar die hödy ste, bezeichnet die Majestätsrechte, die Herrschaft und die Oberhoheit. ... Die A risto kratie“ (in welcher die Vornehmen die Gewalt haben) „und die Demokratie“ (in welcher das Volk die Gewalt hat) „sind zufällige Formen des Staates, auf welche der Apostel Röm. 13, 1. keine Rücksicht nimmt, welchen die Unterthanen nicht als solchen untergeben sind, sondern der hödsten Gewalt, die sich auch in der Aristokratie und Demokratie befindet." (Colleg. th. VIII, 3.)

Luther: „Ich halt und will's allezeit halten mit dem Theil, das Aufruhr leidet, wie unrechte Sache es immer habe; und wider sein dem Theil, das Aufruhr macht, wie rechte Sache es immer habe.“ (Treue Vermahnung zu allen Christen, sich zu verhüten vor Aufruhr und Empörung. Vom Jahre 1522. X, 413.)

Gerhard: „Augustinus schreibt in seiner Schrift vom Gottesstaate (5, 21): „Derjenige, welcher die kaiserliche Gewalt Constantin dem Christen

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