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aber ein Vater Tag für Tag- stumm an seinen Kindern vorübergeht, ihnen zwar kein Aergerniß gibt, aber auch nicht auf die jungen Herzen einzuwirken sucht, so hat er seine Pflicht schändlich vernachlässigt. Hier liegt die erste Pflicht der Eltern, sich ihrer Kinder anzunehmen, nicht nur dem Leibe, sondern audy der Seele nach. Wer müßte sich aber da nicht selbst anklagen? Es muß in diesem Stüde anders und besser werden, und unsere liebe Synode muß leuchten wie ein Leuchtthurm in dieser leßten Zeit. Wir sind ja schon durch Gottes Gnade ein großes Volk geworden. Wenn nun unter uns alle Eltern ihre Pflicht thun, so kann es gar nicht anders sein, als daß die Welt mit Erstaunen sieht, was für ein Hausregiment bei uns herrscht, und wir also durch unser Beispiel Gutes an ihr thun. Wehe einem Christen, bei welchem das Gegentheil stattfindet, wenn es von ihm heißt, er sei ein from: mer Mann, gehe fleißig zur Kirche u. f. w., aber er rede nie mit seinen Kindern von Gottes Wort; bei ihnen sei er mürrisch und habe den Kopf voll von anderen Dingen!

Auch die Kirche des neuen Testaments hat das erkannt und geübt. Davon zeugt 1 Tim. 4, 6.: „Du wirst ein guter Diener JEfu Christi sein, auferzogen in den Worten des Glaubens und der guten Lehre, bei welcher du immerdar gewesen bist.“ Wer den Timotheus auferzogen in den Worten des Glaubens und der reinen Lehre, sehen wir aus 2 Tim. 1, 5.: „Ich erinnere mich des ungefärbten Glaubens in dir, wel. der zuvor gewohnet hat in deiner Großmutter Loide und in deiner Mutter Eunike, bin aber gewiß, daß auch in dir“, und Kap. 3, 15.: „Weil du von Kind auf die heilige Schrift weis Best, kann dich dieselbige unterweisen zur Seligkeit.“ Diese beiden Stellen sind der Schlüssel zur ersteren. Die Großmutter Lois hat den kleinen Timotheus auf ihren Schooß genommen, hat ihm Sprüche vorgesagt, und hat versucht, die Sprüche auf das kleine Herz anzuwenden. Das ist in Timotheus' Herzen geblieben, und als er hernach mit Paulus zusammentraf, merkte der Apostel gleich, daß in dem jungen Manne ein auserwähltes Rüstzeug des HErrn stede. Auch von der Mutter des Timotheus wird dieses Lob ausgesprochen, leider aber nicht vom Vater. So geht es gewöhnlich auch heutzutage noch. Findet man einen jungen Christen von guter Erkenntniß und gottseligem Leben, und fragt ihn, woher er das habe, so antwortet er gewöhnlich: „Von meiner frommen Mutter." Was die Mutter gesagt hat, ist ihm tief in's Herz gedrungen, er hat es nie vergessen, auch nicht, wenn er dann und wann auf Irrwege kam. Da hat ihn dann der Gedanke an die Lehren der Mutter aufgeschređt und wieder zurecht gebracht. Es ist eine rechte Schande für die Männer, daß man so selten hört, sie haben mit ihrem Christenthum einen besonderen Eindruck auf ihre Kinder gemacht. Es gibt gewiß auch Ausnahmen; aber die Regel ist es, daß die Mutter sich mehr um das Seelenheil der Kinder bekümmert, als der Vater.

Eine herrliche Stelle, die hierher gehört, ist 5 Mos. 6, 6. 7.: „Diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen, und sollst sie deinen Kindern schärfen, und davon reden, wenn du in deinem Hause sikest, oder auf dem Wege gehest, wenn du dich niederlegest oder aufstehest.“ Es ist nicht einmal genug, daß ein Vater seinem Kinde sagt, was ges schrieben steht; er soll es auch einschärfen, soll dem Kinde vorhalten, wie groß und schwer die Sünde ist, wie es seinen Heiland damit beleidigt und den Heiligen Geist von sich treibt. Es kommt oft vor, daß gute Chriften in einer Gemeinde sich entschuldigen: „Das kann ich nicht, ich habe die Gabe nicht.“ Aber das ist eine leere Ausrede. Haben sie die Gabe wirklich nicht, so sollen sie Gott darum bitten, daß er sie ihnen schenke. Sie haben nicht, darum, daß sie nicht bitten. Diese Gabe kann man sich erbeten, und Gott wird sie gewiß dem nicht versagen, der ihn darum angeht.

Aber noch mehr: die Unterweisung ist nicht genügend, es muß auch Ernst gemacht werden. Davon redet die Schrift Spr. 23, 13. 14.: „Laß nicht ab, den Knaben zu züchtigen; denn wo du ihn mit der Ruthe hauest, so darf man ihn nicht tödten. Du hauest ihn mit der Nuthe, aber du errettest seine Seele von der Hölle.“ Man spricht oft: „Hier ist ein freies Land, da hat auch ein Vater kein Recht, seine Kinder zu schlagen.“ Es ist aber eine erschreckliche Blindheit, so zu reden. Der Vater ist für das Kind verantwortlich und soll es nun nicht züchtigen dürfen? In dem angeführten Spruche ist nicht bloß gemeint „mit Worten züchtigen“, sondern der Text weist aus, daß auch die Ruthe gebraucht werden soll. Man darf auch nicht meinen, daß die Ruthe in irgend einem Falle überflüssig ist. Sie muß immer zur Hand sein. Das Böse steckt in aller Menschen Herzen. Wer die Ruthe spart, der zieht es dem Heil des Kindes ab.

Hierher gehört das Beispiel des Eli, 1 Sam. 2, 23.: „Und er sprach zu ihnen: Warum thut ihr solches? Denn ich höre euer böses Wesen von diesem ganzen Volk.“ Eli hat auch seine Kinder mit Worten gezüchtigt, hat aber keinen Ernst bewiesen. Gott aber hat seine Schwachheit nicht ges tragen, sondern Eli mußte diese Unterlassungssünde mit dem Tode büßen. Dieser merkwürdige Fall geht uns Alle an. Wer hätte noch ein ungebrochenes Genic, wenn der HErr mit einem Jeden so handeln wollte, wie mit Eli?

Man merke sich auch das Wort Spr. 19, 18.: „Züchtige deinen Sohn, weil Hoffnung da ist.“ Daraus lernen wir, daß die Zucht in der Wiege anfangen muß. Es ist ein unchristlicher Unverstand, wenn Eltern sagen, ein Kind sei zu jung und verstehe die Schläge nicht. Sobald die Bosheit ausbricht, beginnt die Pflicht, ihr mit Ernst zu steuern. Es gibt genug christliche Eltern, die ohne eigene Schuld mißrathene Kinder haben. Das ist ein großes und schredliches Kreuz, und ferne sei es, daß man solden Eltern, die alle Treue bewiesen haben, das Gewissen besdweren wollte. Vielmehr sollen sie in ihrem schweren Kreuz getröstet und ihnen gezeigt

werden, daß es den großen Heiligen, von denen die Schrift erzählt, oft nicht besser gegangen ist. Uber die Erfahrung lehrt, daß in den meisten solchen Fällen die Eltern selbst Schuld tragen. Sie fingen mit der Zucht nicht zeitig genug an. Selbst die kleinen Kinder, die noch an ihrer Mutter Brust liegen, schreien oft nicht bloß aus Schmerz, aus Hunger oder Durst, sondern man merkt, daß sie voll Zorn und Bosheit sind. Da soll das Kind nicht genommen und mit süßen Worten beruhigt werden, sondern da ist Züchtigung am Plaße. Das Kind versteht es gut genug. Es bekommt bald ein klein wenig Verstand, und kleine Kinder haben auch schon ein Ges wissen, merken bald, was es mit der Strafe auf sich hat. Mit dieser Zucht muß fortgefahren werden, und so kriegt man gute Kinder. — Man hüte sich aber, daß man keine ehrbaren Heuchler aus seinen Kindern mache. Es gibt Eltern, die von ihren Kindern nichts Böses glauben; die sie für gut und fromm halten; die böse werden, wenn man ihnen erzählt, daß ihre Kinder gelogen oder eine andere Sünde begangen haben; ja, fie sagen oft geradezu: „Mein Kind lügt nicht“, und dergleichen. Solche Eltern aber erziehen lauter Pharisäer und Heuchler. Wir sollen um Gottes willen unsere Kinder zeitig zu armen Sündern machen. Woher kommt es, daß so viele Kinder, wenn ihre Eltern gestorben sind, der Kirche den Rüden kehren? Sie waren vielleicht aufgewachsen zur Freude aller Leute, aber sie lebten allezeit als Heuchler, sind immer belobt worden, bei ihnen ist alles stets zum Besten ausgelegt worden. Wir müssen die Kinder zu armen Sündern machen durch die Art unserer Erziehung; das ist das allersicherste Mittel, sie beim Christenthum zu erhalten.

Endlich gehört hierher die Stelle 5 Moj. 21, 18–21.: „Wenn jes mand einen eigenwilligen und ungehorsamen Sohn hat, der seines Vaters und Mutter Stimme nicht gehorchet, und wenn sie ihn züchtigen, nicht gehorchen will, so foll ihn sein Vater und Mutter greifen und zu den Aeltes sten der Stadt führen, und zu dem Thor desselbigen Orts, und zu den Aeltes sten der Stadt sagen: Dieser unser Sohn ist eigenwillig und ungehorsam, und gehorcht unserer Stimme nicht, und ist ein Schlemmer und Trunkenbold. So sollen ihn steinigen alle Leute derselbigen Stadt, daß er sterbe, und sollst also den Bösen von dir thun, daß es ganz Israel höre und sich fürchte.“ Im alten Bunde war die Kirche mit dem Staate verschmolzen. Wenn daher die Kinder zu Hause nicht ges horchen wollten, wurde es endlich ein bürgerliches Verbrechen. In dem auserwählten Volke Gottes sollten soldie ungehorsame Menschen nicht geduldet, sondern vom Leben zum Tode gebracht werden. Aber auch jeßt, im neuen Testament, versündigen sich die Eltern schwer, die ihre ungehors samen, ungerathenen Kinder im Hause dulden. Sie sollen sie nicht vor die weltliche Obrigkeit bringen; aber wenn sie sich nicht in die Hausordnung fügen, sollen sie zum Hause hinaus. Solange die Kinder jung sind, hat die Kirche, die Gemeinde, nichts mit ihnen zu thun. Hat aber ein solches uns

gehorsames, widerspenstiges Kind schon das Alter erreicht, daß es zum heiligen Abendmahl zugelassen wurde, so ist die Gemeinde die oberste Richterin. Und wenn ein solches Kind durch seine Bosheit der ganzen Gemeinde Aergerniß gibt, muß es vor die Gemeinde gebracht und vom Abendmahl ausge: sQlossen werden, wenn es nicht Buße thun will. —

Hierzu folgende Zeugnisse lutherischer Theologen:

Luther schreibt: „Es hat Gott noch nie zu Keinem gesagt: Nimm das Land oder Königreich ein', ohne allein zu den Juden. Er hat aber eingeseßt der Eltern Gewalt, welche die größte und beste ist, über die Kinder und Gesinde; die ist unserem ersten Vater Adam mit ausgedrüdten Worten befohlen. Darnad hat er es wieder durch Mosen (2 Moj. 20, 12.) geboten: ,Du sollst Vater und Mutter ehren!' Darum ist diese Gewalt größer, denn aller Könige und Kaiser Gewalt ist, die nächste nach Gott. ... Diese Gewalt ist nun darum gegeben und eingeseßt, daß man die Kinder ziehen soll und Gottes Wort lehren, Gott erkennen, fürchten und ihm glauben, also daß ein Vater eigentlich ein Bischof und Pfarrer seines Hauses sein soll. Denn ihm eben das Amt gebühret über seine Kinder und Befinde, das einem Bischof gebühret über sein Volk." (Pred. über das 1. Buch Mof. 1527. III, 285 f.)

Derselbe: „Das sollen die Eheleute wissen, daß sie Gott, der Christenheit, aller Welt, ihnen selbst und ihren Kindern kein besser Werk und Nußen schaffen mögen, denn daß sie ihre Kinder wohl aufziehen. Es ist nichts mit Wallfahrten gen Rom, gen Jerusalem, zu St. Jakob, es ist nichts Kirchenbauen, Messestiften, oder was für Werke genannt werden mögen, gegen diesem einigen Werke, daß die Ehelichen ihre Kinder ziehen. Denn dasselbe ist die wichtigste Straße gen Himmel, mögen auch den Himmel nicht eher und besser erlangen, denn mit diesem Werk. Es ist auch ihr eigen (d. h. insonderheit ihnen aufgetragenes) Werf, und wo sie sich desselben nicht befleißigen, so ist es gleich ein verkehrt Ding, als wenn Feuer nicht brennet, Wasjer nicht neßet. Also wiederum ist die Hölle nicht leichter verdient, denn an seinen eigenen Kindern, mögen auch kein schädlicher Werk nicht thun, denn daß sie die Kinder versäumen, lassen fie fluchen, schwören, schandbare Worte und Liedlein lehren, und nach ihrem Willen leben. Dazu etliche sie selbst reizen mit übrigem Schmuck und Förderung zu der Welt, daß sie nur der Welt wohlgefallen, hoch steigen und reich werden, allezeit mehr sorgen, wie sie den Leib, denn die Seele genugsam versehen. — Es ist auch kein größerer Schade der Christen: beit, denn der Kinder versäumen. Denn soll man der Christen: beit wieder helfen, so muß man für wahr an den Kindern anheben, wie vorzeiten geschah. ... Derhalben ist hoch vonnöthen einem jeglichen ehelichen Menschen, daß er seines Kindes Seele mehr, tiefer, fleißiger ansehe, denn das Fleisch, das von ihm kommen ist, und sein Kind nicht anders achte, denn als einen köstlichen ewigen Schag, der ihm von Gott befohlen sei zu bewahren, daß ihn der Teufel, die Welt und das Fleisch nicht stehlen und umbringen. Denn er wird von ihm gefordert werden im Tode und jüngsten Tage mit scharfer Rechnung. Denn wo meinst du, daß herkommen wird das schredliche Heulen und Klagen derer, die da rufen werden (Luc. 23, 29.): D selig sind die Leiber, die Kinder nicht geboren haben, und Brüste, die nicht gesäuget haben!'? Dhne Zweifel darum, daß sie ihre Kinder nicht wieder zu Gott gebracht haben, von dem sie sie zu behalten empfangen haben. D wahrlich, ein edler, großer, seliger Stand, der eheliche Stand, so er recht gehalten wird. ... Endlich, willst du alle deine Sünde wohl büßen und den höchsten Ablaß hier und dort erlangen, seliglich sterben und dein Geschlecht auch zeitlich weit und ferne strecken, so schaue nur mit allem Ernst auf das dritte Stück: die Kinder wohl zu ziehen. Kannst du es nicht, so bitte, und. suche andere Leute, die es können, und laß dich kein Geld, Kost, Mühe und Arbeit dauern. Denn das sind die Kirchen, Altar, Testament, Vigilien und Seelmessen, die du hinter dir lässest, die dir auch leuchten werden im Sterben und wo du hinkommst. Soli Deo Gloria!“ (Sermon von dem ehel. Stand. 1517. X, 761—763.).

Derselbe: „Was ist’s anders, denn sein eigen Kind dem Abgott opfern und verbrennen, wo die Eltern ihre Kinder mehr ziehen der Welt zu Liebe denn Gott? Lassen sie so hingehen und, in weltlider Lust, Liebe, Freude, Gut und Ehre verbrannt, Gottes Liebe, Ehre und ewige gute Luft in ihnen ausgelöscht werden. D, wie gefährlich ist's, Vater und Mutter zu sein, wo nur Fleisch und Blut regiert! Denn fürwahr, an dies sem (vierten) Gebot liegt es gar, daß die ersten drei und die leßten sechs werden erkannt und gehalten, dieweil den Eltern befohlen ist, die Kinder folches zu lehren, wie Pf. 78, 5. 6.: ,Er richtete ein Zeugniß auf in Jakob und gab ein Geseß in Israel, daß er unseren Vätern gebot, zu lehren ihre Kinder, auf daß die Nachkommen lerneten und die Kinder, die noch sollten geboren werden, wenn sie auffämen, daß sie es auch ihren Kindern verkündigten. Das ist auch die Ursache, warum Gott die Eltern ehren, das ist, mit Furcht lieben heißt; denn diese Liebe ist ohne Furcht, darum ist's mehr Unehre denn Ehre.“ (Sermon von guten Werkeh. 1520. X, 1644 f.)

Gerhard: „Der König David ,that seinen Sohn Salomo unter die Hand Nathan des Propheten' (2 Sam. 12, 25.), das ist, er sorgte dafür, daß er von Nathan, seinem Hofprediger, in der wahren Religion fleißig unterrichtet und zu aller Gottseligkeit und Tugend angeleitet wurde.“ (Loc. de magistr. § 151.)

Luther: „Insonderheit treibe auch daselbst die Obrigkeit und Eltern, daß sie wohl regieren und Kinder ziehen zur Schule, mit Anzeigen, wie sie solches zu thun schuldig sind, und wo sie es nicht thun, weld eine vers

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