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Das sittliche Leben.

Eine Ethik auf psychologischer Grundlage.

Mit einem Anhang:

Nietzsche's Zarathustra-Lehre.

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H E NEW YORK

20

»STÖR, LtNOX AHO
TILDEN FOUNDATIONa

H 1901 L.

Alle Rechte, auch das d«r Übemetanng, vorbehalten.

Herrn Geh. Hofrat Dr. Max Heinze

Professor an der Universität Leipzig

in Verehrung

gewidmet.

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Das Leben stellt uns in vielgestaltige Verhältnisse, vor wechselnde Aufgaben. So bunt und unübersichtlich erscheinen die menschlichen Angelegenheiten, sie scheinen den Willen des Einzelnen so übermächtig zu drängen und zu bestimmen, dafs es diesem schwer fällt, sich nicht in ihnen zu verlieren. Da thut es not, dafs wir uns des tiefen Gehalts der Persönlichkeit bewufst werden und uns auf unser geistig-sittlich Innerstes besinnen. Es ist etwas Königliches und Freies in uns, durch das wir allem Andrang von Welt gegenüber selbständig sind oder sein können. Werden wir dieses Innersten gewifs, so wird nicht uns das Leben aufsaugen und erdrücken, biegen und zwingen. Gehobenen Hauptes, Säemänner von Ewigkeitsgehalt, schreiten wir hindurch und verklären es, indem wir uns verklären. Mit dieser Aufgabe erhält das Leben Sinn, einen sittlichen Sinn. Aber wie löst sich die Aufgabe? Was ist der sittliche Geist, der in uns aufwachen mufs, durch den wir, innerlich frei geworden, die Welt in uns und um uns versittlichen? Und wie, nach welchen Grundgesetzen bethätigen wir ihn? Giebt es Grundgesetze des sittlichen Lebens, die fest wie Felsen und klar wie Sonnen sind? Die wie Fackeln leuchten, wenn wir bereit sind, unser geistig und sittlich Tiefstes zu suchen? Ja, es giebt solche Grundgesetze, es giebt sittliche „Axiome". Die menschliche Sittlichkeit bewegt sich, wie sehr die Lebensverhältnisse wechseln, immer in den Formen der Gerechtigkeit und Rücksichtnahme, der Selbstbeherrschung und der selbstlosen Hingabe. Den Schlüssel zu diesen sittlichen Bethätigungsweisen geben jene Axiome. Indem die ethische Wissenschaft sie entdeckt, wird sie den Menschen zur Fackelträgerin. Sie hilft ihnen bei dem Versuche, sich auf

*) In meiner „Psychologie des Willens", .Leipzig, Engeliuann, 1900, habe ich öfters auf einen „Grandrifs der Ethik" aus meiner Feder hingewiesen. Es ist das dem Publikum hier dargebotene Werk gemeint, dessen Titel damals noch nicht genau feststand.

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