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Gemeinden (die Christen in der Diafpora). Auch in diesen Briefen, so wie in dem zweiten Brief Petri und dem Brief Judä wird vielfach geklagt, theils über Mißbräuche in den Gemeinden selbst, theils über Jrrlehrer, Betrüger und Verführer aller Art. Was die innern Mißbräuche betrifft, so sehen wir aus dem Brief Jacobi, daß die Reichen und Angesehenen in den Versammlungen schon jetzt ansingen, sich über die ärmern Brüder zu erheben und von ihren weichen und guten Sitzen herab auf sie herunter zu blicken (Jac. 2, 2 ff.), daß auch viel leeres und faules Geschwätz die Gemüther bethörte, daher die Warnung, daß nicht jeder sich unterwinde Lehrer zu sein und daß man die Zunge möge im Zaum halten (Jac. 2, 26. vgl. Cap. 3). Auch geht aus dem dogmatischenTheile des Briefes hervor, daß die paulinische Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben gröblich mißverstanden wurde, so daß es nöthig schien, diesem Mißverstand gegenüber die guten Werke wieder einzuschärfen, ohne die der Glaube todt ist. (Jac. 2, 14 ff.) ')

Endlich haben wir noch in dem letzten Buch der Bibel, in der Offenbarung Johannis sieben merkwürdige Sendschreiben an sieben Gemeinden der Christenheit, unter denen wir einige schon genannt haben. Nur mit kurzen, aber charakteristischen Zügen wird uns hier die Physiognomie dieser Gemeinden gezeichnet und ihr Gutes, wie ihr Schlimmes hervor gehoben. Es sind die Gemeinden zu Ephesus, zu Smyrna, zu Pergamus, zu Thyatira, zu Sardes, zu Philadelphia und zu Laodicäa. An der Gemeinde zu Ephesus wird gerühmt ihre Arbeit und Geduld, aber getadelt, daß sie die erste Liebe verlafsen habe. Sie soll gedenken, wovon sie gefallen und Buße thun (Offenb. 2, 1—7). Auch an Smyrna wird die in Trübsal bewiesene Geduld hervor gehoben; sie wird ermuntert, getreu zu bleiben bis in den Tod, damit sie die Krone des Lebens empfange (Vs. 8—11). Ein ähnliches Lob ergeht an Pergamus; doch wird sie vor dem Einfluß gewisser Jrrlehrer gewarnt (11—18), eben so Thyatira, Sardes, Philadelphia

>) Daß in dem Briefe Jacobi gar keine Rücksicht auf die paulinische Lehre genommen sei, ist doch wohl schwer anzunehmen. Vgl. Vers 23—25. Siehe übrigens Neandcr, Paulus und Jacobus, die Einheit der evangelischen Christen in verschiedenen Formen (vom Jaln l822), in dessen «einen Welegenheitsschriften. Verlin 1829. S. « ff.

(2, 18. 3,13). Am schärfsten wird an der Gemeinde zu Laodicäa ihre Lauheit und Sicherheit gerügt: „Jch weiß deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du kalt oder warm wärest, weil du aber lau bist und weder kalt, noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Du sprichst: ich bin reich und habe gar satt und bedarf nichts, und weißt nicht, daß du bist jämmerlich und arm und blind und bloß. Jch rathe dir, daß du Gold von mir kaufest, das mit Feuer durchläutert ist, daß du reich werdest und weiße Kleider anziehest und salbest deine Augen mit Augensalbe, daß du sehen mögest. Welche ich lieb habe, die strafe und züchtige ich. So sei nun fleißig und thue Buße. Siehe, ich stehe vor der Thür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Thüre aufthun, zu dem werde ich eingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir. Wer überwindet, dem will ich geben mit mir auf meinem Stuhl zu sitzen, wie ich überwunden habe und bin gesessen mit meinem Vater auf seinem Stuhl." (Offenb. 3, 14-21.)

Mit diesen feierlichen Worten, wie sie der Seher als Worte des Geistes an die Gemeinden vernahm, schließen wir unsere Betrachtung über die Gemeinden des neutestamentlichen Bereiches. Wir schauen noch einmal auf zu diesen Leuchtthürmen, zu diesen Feuersäulen des christlichen Geistes, von denen eben dieser Geist seine Lichtstrahlen aussandte in die umherliegende Nacht des Heidenthums. Wie es nun dem Schiffer geht, wenn er den Hafen verläßt, das Ufer mehr und mehr aus den Augen verliert und auf der offenen See sich nach Richtpunkten umsehen muß, so weit eben seine Hülfsmittel reichen, so ergeht es dem Kirchenhistoriker, wenn er die Urkunden der neutestamentlichen Offenbarung hinter sich hat und nun über die weitere Ausbreitung des Christenthums auf dem Erdball Rechenschaft geben sott.

Eine Missionsgeschichte der ersten Zeit giebt es für uns nicht. Die paulinischen Reisen, die wir in der vorigen Stunde betrachtet haben, sind die einzige zusammenhängende Berichterstattung über die Verbreitung des Christenthums in der ersten Zeit. Alles was wir noch sonst haben, verliert sich theils in das Dunkel der Sage oder beschränkt sich auf vereinzelte Spuren, denen wir wohl nachgehen können, ohne daß es uns vergönnt wäre, den

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nachzuweisen, den das Christenthum nach den verschiedenen Gegen, den unserer Erde genommen hat. Sie erinnern sich, daß die Sage jedem der Zwölfe sein eigenes Missionsgebiet angewiesen hat; aber wer auf diese Sagen bauen wollte, der würde sich in die Nacht der Abenteuer verlieren; denn nun müßte er auch das noch mii in den Kauf nehmen, was von den angeblichen Schülern des Apostels, was von einem Vucharius, Valerius und Maternus als Schülern des Petrus, von einem heil. Crescens als Schüler des Paulus erzählt wird, die nach der Legende schon im ersten Jahrhundert das Christenthum in unsere Gegenden würden gebracht haben. Die Eitelkeit gewisser Kirchen und Bischossitze hat sich in solchen Sagen gefallen, um sich den Ruhm des Alterthums bei der unwissenden Menge zu sichern. Aber auch gewisse Aeußerungen der frühern Kirchenväter (z. V. Jrenäus und Tertullian), aus denen eine schon sehr weite Verbreitung des Christenthums im zweiten Jahrhundert hervorzugehen scheint, dürfen wir nicht gar zu wörtlich nehmen, da sie offenbar von rhetorischer Uebertreibung nicht immer frei zu sprechen sind und. uns auch solche Völker als christliche nennen, von denen sie selbst nur ungenaue Vorstellungen hatten. — Gehen wir also mit Vorsicht den Spuren nach, so treffen wir zunächst auf eine alte, nicht alles Grundes der Wahrscheinlichkeit ermangelnde Sage, daß Johannes Marcus, der frühere Begleiter des Paulus und Varnabas, das Christenthum in Alerandrien verkündet habe; indessen läßt sich auch ohne diese Annahme sehr wohl erklären, daß in diese wichtige Stadt Aegyptens, in der viele Juden wohnten, frühzeitig auch die Kunde vom Christenthum Eingang erhielt. War doch jener Apollos, der Mitarbeiter des Paulus, ein alerandrinifch gebildeter Jude. Das Christenthum in Alerandrien mußte bald eine eigenthümliche Richtung und Färbung annehmen bei der dort herrschenden hellenischen Bildung und bei dem Hange zu philosophischer Speculation. Wir werden dort später eine blühende Schule der Christen finden, aus der große Kirchenlichter hervorgegangen sind. — Auch weiter nach Oberägypten hin verbreitete sich das Christenthum im zweiten Jahrhundert. Ein Lehrer der alerandrinischen Schule Pantänus soll im Morgenlande bis nach Jndien hin die Lehre des Heils getragen haben; doch ist nicht zu vergessen, daß der Name „Indien" von den alten Schriftstellern sehr unbestimmt gebraucht wird. Nach Aethiopien uiochte jener von Philippus bekehrte Beamte, wie schon fruher bemerkt, die erste Kunde von Christo gebracht haben. Was Paulus selbst bei seinem Aufenthalt in Arabien für die Verbreitung des Christenthums gethan, wird uns nicht gesagt. Er scheint die Zeit mehr zu stiller Vorbereitung benutzt zu haben. Doch kam gewiß frühzeitig von Syrien aus das Christenthum dahin und im dritten Jahrhundert finden wir arabische Gemeinden mit Bischöfen, wie z. V. die Gemeinde von Bostra. Jn Mesopotamien erscheint nach der Mitte des zweiten Jahrhunderts der christliche Furst Abqarus Bar Manu, ein Nachkomme jenes Abgarüs, der an Christus den fruher erwähnten Brief soll geschrieben haben. Jst auch der Briefwechsel fabelhaft, so ist dagegen Thatsache, daß im zweiten Jahrhundert das Christenthum in Edessa blühte, und von da aus mag es sich dann weiter nach Armenien, nach Persten verbreitet haben; dock) freilich nur unvollkommen, so daß es sich leicht mit der parsischen Religion vermischte, eine Mischung, aus der wir später den Mauichaismus werden hervorgehen sehen. Frühzeitig muß auch von Rom aus die Kunde des Evangeliums nach dem proconsularischen Afrika gekommen sein. Jm zweiten Jahrhundert finden wir diese nordafrikanische Kirche mit ihrem Sitze zu Karthago schon fest gegründet. Aus ihr werden wir scharf markirte Charaktere, wie einen Tertullian und Cyprian, hervortreten sehen. Auch längs der Nordküste in der Cyrenaica und Tripolitana war das Christenthum zerstreut. — Von Kleinafien aus sehen wir es nach Gallien übersiedeln. Wenn wir von der Sage absehen, die bald den Dionys vom Areopag, bald einen Schüler des Petrus, Crescens, zum Apostel der Gallier macht, so finden wir thatsächlich ini zweiten Jahrhundert blühende Gemeinden an den Ufern der Rhone, zu Lugdunum (Lyon) und Bienne. Daß die Legende das Christenthum durch Jacobus den Aeltern nach Spanien bringen läßt, haben wir früher erwähnt. Wir mußten diese Sage als reine Dichtung abweisen. Dagegen ist schon ernster die Frage, ob Paulus dafelbst gewesen? Daß er sich vorgenommen, dahin zu gehen, erhellt aus seinen Briefen (Rom. 16, 24. 28); aber ob er je dazu gekommen, diesen Vorsatz auszuführen, ist eine andere Frage. Wir haben darüber nur noch eine Notiz in einem Brief des römischen Bischofs Clemens (aus dem ersten Jahrhundert) an die Gemeinde zu Corinth, wo von Paulus gesagt wird, er sei mit der Verkündigung des Evangeliums bis an die Grenze des Westens vorgedrungen. Das hat man nun schon in den alten Zeiten von Spanien verstanden, von den sogenannten Säulen des Hereules. Und eben dieser Annahme zu Gunsten hat man sich auch jene früher erwähnte zweite Gefangenschaft des Paulus gefallen lassen, damit Zeit zu dieser Reise gewonnen würde. Andere haben dagegen jene Worte des Clemens anders gefaßt; nicht von der westlichen Grenze Europas, sondern von dem weitesten Ende der paulinischeN Reisen nach dem Westen zu, mithin von Rom selbst, was mit dem Bericht der Apostelgeschichte vollkommen übereinstimmt. — Die englische Hoch-Kirche hat sogar die Stelle auf England (Britannien) bezogen, um ihren apostolischen Ursprung damit zu begründen. — Wie früh nun das Christenthum nach Britannien gekommen, ist schwer zu bestimmen. Am einfachsten ist die Annahme, daß es an die dortigen Küsten von Kleinasien aus eingewandert ist. — Fragen wir endlich nach den Spuren des Christenthums in unfern nächsten Umgebungen, so kommt freilich auch hier die gefällige Sage mit ihren heiligen Namen zu Hülfe. Allein die Geschichte weiß von einer Verbreitung des Christenthums in den ersten drei Jahrhunderten in uusern Gegenden nichts. Nur einige Spuren sinden wir am Niederrhein, und zwar auf dem linken Rheinufer (6ermnN!3 ci8inennN3). Ein gernrani fches, vollends ein helvetisches Christenthum bildete sich aber erst in den folgenden Zeiten.

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Fafsen wir das Bisherige zusammen, so zerfällt die alte Kirche im Ganzen in zwei große Hälften, die morgen- und in die abendländische Kirche. Zur erstern rechnen wir außer Syrien und Palästina Kleinafien, Macedonien, Griechenland, Aegypten und was dann noch weiterhin im Orient sich hinein erstreckt; zur letztern Jtalien, Nordafrika, Gallien und als die letzten (zum Theil unsichern) Ausläufer Spanien und Vrittamckn. — Die Halt- und Stützpunkte sind zu suchen in Jerusalem und Cäsarea, in Antiochien, in Ephesus, in Alerandrien, in Rom, in Karthago; alle umschlungen von dem römischen Reichsverbande. Und so hängen denn auch die äußern Schicksale dieser Gemeinden ab von der wechselnden Stimmung der römischen Regie

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