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rung, sowohl der Kaiser, als ihrer Beamten in den Provinzen. Anfänglich fümmerte fld; die Regierung wenig um ste. Sie erinnern ftdy, wie Gallio in Corinth die Klage der Juden über Paulus und seine Gefährten als eine nidyt in sein Nessort fallende Klage zurüdwies. Man betrachtete, wie fdyon bemerkt, die Christen als jüdisdhe Secte, und dieselbe Veradytung, die gegen die

Juden im Sdywange war, traf audy sie. Gelegentlid, konnte aber diese Verachtung in Haß umsdhlagen, der fid, dann um so ungehinderter Luft machte. Davon haben wir das erste schauberhafte Beispiel unter dem römisdien Kaiser Nero. Audy er ließ in den ersten Jahren seiner Regierung die Christen gewähren; wie er denn überhaupt erst später seine wilde mit Wollust gepaarte Grausamkeit in ihrer ganzen Scheußlichkeit hervortreten ließ. Nadiden er bereits seinen Halbbruder Vritannicus und seine Mutter Agrippina aus dem Weg geräumt hatte, denen bald nod; andere Opfer, wie die seiner Lehrer Burrhus und Seneca folgten, gerieth er im Jahr 64 auf den Einfall, einen großen Theil der Stadt Rom den Flammen Preis zu geben, wie die Ginen sagen, um sich an dem großartigen Sdhauspiele zu weiden (es sollte seiner wilden Phantasie den Brand Troja's vergegenwärtigen, wozu er die Gesänge der Jlias declamirte), nadh Andern gesdhah es, um auf der Brandstätte neue Bauten, namentlid) einen prachtvollen Kaiserpallast aufzuführen. Sedys Tage und sieben Nächte dauerte der verheerende Brand, wobei die schönsten Denkmäler der Kunst zu Grunde gingen. Nicht zufrieden mit dieser Sdhandthat, idjob Nero die Sdyuld derselben auf die Christen, auf diese „abergläubisdhe und verderblidye Secte", wie sic von den damaligen Geschichtsdyreibern bezeichnet wird. Mit der ausgesudytesten Grausamkeit wurden dieselben hingeridytet, theils an's Kreuz gesdylagen, theils in die Häute wilder Thiere eingenäht und die Hunde auf sie gehegt, theils in Pecyfäcke gestoßen und so verbrannt, um als Fackeln in den Gärten des Kaisers zu leuchten. So verhaßt auch die Christen im Ganzen beim römisdyen Volke waren, so erregte dieses Verfahren dod) Mitleiden mit ihnen, weil, wie Tacitus sagt, fie nicht dem gemeinen Wohl, sondern nur der Wuth eines Einzelnen geopfert wurden 2). Die Zahl der Opfer

2) Tat. Annal. XV, 44. ..., tamquam non utilitate publica , sed in saevitiam unius absumerentur.

wird uns nicht genannt. Eben so wenig ist sicher, wie weit die Verfolgung sid, aud) über Kom hinaus erstreckt und wie lange fie gedauert habe. Daß Petrus und Paulus in ihr das Leben ließen, beruht, wie früher gesagt, auf alten, nicht zu verwerfenden Zeugnissen. Nod) zeigt man in Rom die Stätte ihrer Hinrichtung 3), und ihrer Grabstätte daselbst erwähnt idyon das Alterthum 4). Der Eindruck der Verfolgung war so Kdyrecklich bei den Christen, daß sie audy nad Nero's Tode, der im Jahr 68 erfolgte, nidyt an denselben glauben wollten, sondern annahmen, er werde wieder kommen als der Antidyrist. Bekanntlich werden audy gemisse Stellen der Apocalypse auf ihn bezogen.

Unter den idynell sidy ablösenden Nadyfolgern Nero's, Galba Otto, Vitellius genossen die Christen Ruhe. Dagegen brad, unter Vespasian der jüdische Krieg aus, dessen Folge die Zerstörung Jerusalems unter Titus war. Die Gefdridite dieses Kriegs und namentlid, der Belagerung Jerusalems gehört zunädyst nicht in die dyristlidye Kirdyengeschichte. Streng genommen hätten wir davon nur das zu berühren, was die Schicksale der Christen daselbst betrifft. Indessen steht die ganze Begebenheit dod, wieder so sehr im Zusammenhange mit den Weissagungen des Herrn über diese Stadt, mit all den audy den Christen Heiligen Erinnerungen, die an diese Stadt Gottes fid, knüpfen, daß ein kurzes Verweilen bei den Hauptscenen des Krieges sid, wohl rechtfertigen läßt.

Der Hang zu Empörungen im jüdischen Volke hatte idyon wenige Jahre nad, Christi Geburt unter jenem Judas von Gamala und dann unter Theudas fid; Luft gemadyt, und eben dieser unglückselige Hang dauerte audy nadı dem Tode Jesu fort. Vergebens Hatten seine Augen über Jerusalem geweint; Wergebenê hatte er die denkwürdigen Worte gesprochen: „Jerusalem, Jerusalem, die du tödtest die Propheten und steinigft die zu dir gesandt sind, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küdylein unter ihre Flügel, und ihr Habt nidyt gewollt.“ (Matth. 23, 37.) „Wenn du es wüßtest, so würdest du

3) S. Gelzers protestantische Briefe aus Südfrankreid; und Italien. S. 140. Ebendă über die Kirche : Domine, quo vadis. Š. 138.

· 4) Euseb Kirchengesd). II, 25.

aud) bedenken zu deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet, aber nun ist's vor deinen Augen verborgen." (Luc. 19, 42.) Nur zu bald ging in Grfüllung das Wort, „daß die Feinde werden kommen, eine Wagenburg zu schlagen um die Stadt, fie zu belagern und allen Orten zu ängsten, sie zu sdyleifen und keinen Stein auf dem andern zu lassen.“ (Luc. 19, 43. 44. Matth. 24, 2 ff.)

Es waren besonders die Bedrückungen des römisdjen Statthalters Gessius Florus, welche die Juden dahin trieben, daß sie idyon im 12. Jahre der Regierung Nero's, also im sechs und sechzigsten der dyristlichen Zeitredinung, die Waffen ergriffen und unter der Anführung eines gewissen Manahem die Burg Antonia erstürmten und die römisdhe Vesagung daselbst tödteten. Ein gleiches Schicksal traf auch nod; die Besaßung anderer Burgen der Stadt. Dagegen fielen die heidnisdyen Einwohner von Cäsarea über die dortigen Juden her, deren sie zu Tausenden hinmordeten. Ein ähnliches Blutbad wurde unter den Juden zu Alerandrien ange= ridytet. Um den Tod ihrer Brüder in Cäsarea zu rächen, (daarten sidy Haufen von Juden zusammen, und machten Einfälle in das syrisdye Gebiet, verheerten mehrere Städte und mordeten die Einwohner. Da rückte der Statthalter von Syrien, Cestius Gallus, mit einem Kriegsherr wider die Empörer an. Er entriß ihnen ihre Eroberungen wieder, drang in Palästina ein, warf sid, vor Jerusalem, und nachdem er sdon des nördlidhen The' .es der Stadt sidy bemädytigt hatte, hob er die Belagerung wieder auf. – Das war nur das Vorspiel zum Kriege. Die in Jerusalem wohnenden Christen benükten die Zwisdienzeit, um nach dem kleinen Pella, jenseits des Jordan zu flüdyten. Und nun erst, „nad, Entfernung dieser Heiligen und Gerediten“, wie Euseb fidh ausdrückt, „brady die Radye des Himmels aus über die gottloje Stadt." 5)

Auf Befehl Nero's saminelte der Feldherr Vespasian ein Kriegêheer von mehr als 60,000 Mann, brachy in Galiläa ein und nahm mehrere Städte. Im Winter bereitete. Vespasian die Bea lagerung Jerusalems vor, die im Frühling 68 beginnen sollte. Die Stadt befand sich in der größten Aufregung. Die sogenannten Zeloten, die blinden Eiferer, schürten das Feuer des Hasses.

6) Euseb Kirdyengesch. III, 5.

Eine Räuberbande und in ihrem Gefolge ein ganzes Heer von 20,000 Mann fdumäern, ertrofte den Einlaß in die Stadt und übte Erpressungen und Gewaltthaten aller Art. In Verbindung mit den Zeloten ermordeten ste über 8000 der friedliebenden Einwohner, unter ihnen audy die Hohenpriester. - Vespasian, der durdy Ueberläufer von dem Zustande der Stadt unterridytet war, wollte sie ihrem eigenen Schicksal überlassen und beschränkte fid darauf, Judäa und Idumäa von den Streifparthien zu säubern und einige der festen Städte in seine Gewalt zu bekommen. Als er nun endlid) gegen Jerusalem Heranzog, ward er zum römischen Kaiser erwählt und überließ seinem Sohn Titus die Belagerung der Stadt. Im April des Jahres 70 nahm sie ihren Anfang. As war gerade die Zeit der Ostern, da sich viel Volks in Jerusalem aufhielt, so daß mit Inbegriff dieser Fremden (freilid, übertrieben) die Zahl der Einwohner bis nahe an drei Millionen soll betragen haben 6). Diese Anhäufung von Menschen trug wesentlid, zur Vergrößerung des Elends bei, indem dadurd, der Mangel an Lebensmitteln sehr bald empfindlid) wurde. Die Stadt selbst hatte Titus ohne bedeutenden Widerstand in seine Gewalt erhalten. Aber die Burg Antonia und der Tempelberg waren nody unbesiegt. Der jüdisdie Gesdhichtsdyreiber Flavius Josephus, der erst die Festung Jotapata vertheidigt hatte, befand sid) nunmehr in der Gefangensdíaft des Eroberers, der ihn milde behandelte. Ihn ordnete Titus als Unterhändler an seine Mitbürger ab, um fie zur Uebergabe zu bewegen. Allein umsonst. Der Mangel an Lebensmitteln steigerte sich zur furchtbaren Hungersnoth. Viele gaben ihr ganzes Vermögen für ein Maaß Getreide. Andere drangen mit Gewalt in die Häuser und raubten das Vorhandene. Wie Schattenbilder wanften die Mensden umher. Wer ein gesundes Aussehen hatte, kam in Verdacht, im Besige von Lebensmitteln zu sein; ihm drohte der Tod, wenn er nid)ts geben konnte oder nidyts geben wollte. Den gierigen Thieren gleidy fielen die Hungernden über den Bissen, den sie im Munde des Andern gewahr wurden. Weiber rissen den Männern, Kinder den Vätern, selbft Mütter ihren Kindern das Essen aus dem Munde. Wo fidnodGetreide fand, ward es ungemahlen in rohen Körnern verzehrt. In Ermanglung des Kornes dienten Wurzeln und Kräuter zur Nahrung, die des Nachts auf den Feldern von denen gesammelt wurden, die sich heimlid, aus der Stadt zu schleichen wußten. Kamen sie mit dieser dürftigen Beute zurück, so liefen sie Gefahr, daß ste ihnen wieder gewaltsam von denen entrissen wurde, die hungernd in der Stadt zurück geblieben waren. Oder es traf fie ein nod kläglicheres Sdyicffal, indem sie den Belagerern in die Hände fielen und an's Kreuz geschlagen wurden. Zu Hunderten wurden täglid) auf diese Weise hingerichtet, so daß es zulegt an Holz für die Kreuze gebrady.. Und dennod blieben beim Anblick all dieses Jammers die Herzen der Obern ungebrodhen. Simon, das Haupt der Zeloten, und Johannes von Gischala (Giskala), der Oberste der Banditen, leiteten die Vertheidigung; jeder raubte und inordete für fidy und seinen Anhang. „Sie tranken einander“, sagt Josephus, „das Blut der Bürger zu, und theilten unter fid, die Leidhen.“ Die Noth stieg auf's Hödyste. Zum Hunger gesellte sich die Peft, da die Leiden der Verhungerten nicht begraben werden konnten, sondern nur über die Mauern in die Gräben geworfen wurden. Endlich wurden auch die unnatürlidhsten Speisen nidyt versdymäht. Das Leder der Schuhe, der Gürtel, der Sdyildriemen ward Verzehrt; aus dem Kehricht ward Nahrung hervorgesucht und mit Gold bezahlt; felbft Goldstücke wurden von den Verzweifelnden verschlungen. Die gräßlidifte That, die Josephus nur mit Schaudern uns meldet, ist nur zu bekannt, als daß ste versdywiegen, aber auch zu barbarisdy, als daß sie mit ihren Einzelnheiten erzählt werden dürfte: eine Mutter sdhladytete ihr eigenes Kind, um es zu verspeisen. – Nur mit dem tiefsten Gefühl des Mitleids hatte der edelmüthige Titus fdyon lange diesem unsäglidyen Jammer zugesehen. Da keine Vorstellungen halfen, so sudyte er durch eine gewaltsame Groberung dem unnatürlichen Hinmorden des Volkes ein Ziel zu seßen. Er ließ neue Wälle aufthürmen, und nad vielen Anstrengungen gewann er die Burg Antonia. Aber nod) hielt sid, die Burg Zion. Titus wollte den D'empel und die Stadt schonen,

6) Josephus, de bello judaico VI, 9. nennt 270 Myriaden, also 2,700,000 Menschen, ohne die Áussäßigen u.s.w., die nicht mitgezählt wurden. ; Lacitus dagegen will nur von 600,000 gehört haben. Hist. V, 13: Multitudinem obsessorum omnis aetatis virile ac muliebre secus, sexcenta millia fuisse accepimus. Gin gar bedeutender Unterschied!

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