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Noch zweimal wurden durch Josephus Friedensanträge gemacht. aber wiederholt verworfen. Und so kam es denn endlich zum Sturm. Als die Belagerungswerkzeuge gegen die festen Mauern des Tempels nichts vermochten, ward Feuer in den Tempelhof gelegt. Die Juden wehrten sich durch Herabwerfen von Steinen und zogen sich zuletzt in das Jnnere des Tempels zurück. Auch dahin verfolgte sie der Feind. Ein römischer Soldat warf einen Feuerbrand in das Heiligthum. Vergebens suchte Titus dem Brande Einhalt zu thun. Seine Leute, die selbst durch Schläge sich nicht vom Sengen und Brennen abhalten ließen, drangen mit den Waffen in der Hand über die Leichen der Erschlagenen bis in die Nähe des Allerheiligsten vor. Mit ehrfurchtsvollem Schauer trat der Eroberer in dasselbe ein. Der reiche Schatz siel in seine Händen mit ihm auch die Gesetzesrolle, der goldene, siebenarmige Leuchter, der Tisch der Schaubrote, der Rauchaltar, die purpurnen Vorhänge und die übrigen Kostbarkeiten, die später dazu dienten, den Triumphzug des Eroberers zu verherrlichen. — Noch hatte sich ein Rest der dem Feuer und Schwert Entgangenen in den obern Theil der Stadt geflüchtet, wo sie sich, Johann von Gischala an der Spitze, in der Burg des Herodes verschanzten. Auch diese ward von den Römern erstürmt. Wer am Leben geblieben, ward gefangen genommen. Die Alten und Schwachen wurden getödtet, die schönsten der Jünglinge für den Triumphzug aufgespart; andere als Sclaven verkauft oder bei Thiergefechten als Kämpfer vorgeführt. Auch die beiden Hauptanführer der Empörung traf die verdiente Rache. Johann von Gischala ward zu lebenslänglicher Gefangenschaft verurtheilt, Simon für den Triumph aufbewahrt und hinterher vom Leben zum Tode gebracht. Sechs Monate hatte die schreckliche Belagerung gedauert. Die Zahl der Opfer läßt sich kaum berechnen. Nach Josephus, der es freilich mit den Zahlen nicht genau nimmt, war es über eine Million, die theils durch das Schwert, theils durch Hunger und Pestilenz vernichtet wurden. Titus selbst erklärte den traurigen Krieg als einen, den er nur mit Gottes Hülfe also habe führen und vollenden können. Zur Bewachung der zerstörten Stadt ließ er eine Legion seines Heeres zurück. Mit einem andern Theil desselben durchzog er Judäa und Syrien und im Anfange des Jahres 72 zog er triumphirend in

Nom ein. Erst im Jahr 74 war Judäa völlig beruhigt: obgleich, wie wir später sehen werden, nur auf kurze Zeit. Die Folgen der Zerstörung Jerufalems waren auch für das Schicksal der Christen nicht gleichgültig, wie die nächste Stunde uns zeigen wird.

Siebente Vorlesung.

Weitere Schicksale der Christen im römischen Reich. — Domitian «nv Nerva. — Schluß des apostolischen Zeitalters. — Die apostolischen Väter. (Clemens von Rom.) — Trajan und Pllnius. — Der Tod des Ignatins. Seine Vrlefe. — Schicksale der Christen unter Hadrian. — Der Tod Eymeons. — Bar Cochba und das Iudenthum.

Das schwere Gericht, das mit der Zerstörung Jerusalems über das Mische Land ergangen, war, wie ich zum Schlusse der vorigen Stunde bemerkt habe, auch für die Christen von großer Bedeutung. Allervorderst diente es ihnen zur Stärkung ihres Glaubens; sie sahen darin eine merkwurdige Erfüllung der Weissagungen ihres Herrn und Meisters. Sodann aber diente das Ereigniß dazu, die Scheidung zwischen Juden und Christen nun auch äußerlich zu vollziehen. Durch den Sturz von Jerusalem hatte das Judenchristenthum eine mächtige Stütze verloren. Jn dem dürftigen Pella und der Umgegend konnte es sich nur sehr kümmerlich erhalten; den angesehensten Städten der Heidenwelt gegenüber, in der das Christenthum seine frischen Wurzeln schlug, trat es bald in das Dunkel einer jüdischen Secte zurück. Eine Zeitlang wurden indessen die Christen auch jetzt noch von den Römern als Juden behandelt. So wurde der den Juden seit der Eroberung des Landes auferlegte Leibzoll auch von den Christen gefordert und oft mit Härte eingetrieben. Dazu kam, daß die Lehre vom Messias und seinem himmlischen Reich leicht dahin mißverstanden werden konnte, als nährten auch die Christen politische Hoffnungen und revolutionäre Gelüste. So geschah es, daß der Nachfolger des Titus,

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der argwöhnische Domitian, in Palästina Nachforschungen anstellen ließ, ob sich daselbst noch Davidische Nachkommen befänden, was übrigens auch schon Vespastan gethan hatte'). Nun waren wirklich noch Anverwandte Jesu, nämlich die Enkel jenes Judas vorhanden, der ein Bruder des Herrn genannt wurde. Der Kaiser ließ sie vor sich führen; es waren schlichte Landleute. Auf die Frage, ob sie von Davids Geschlecht seien, antworteten sie mit Ja. Nach ihrem Vermögen befragt, gestanden sie, daß sie im Ganzen nur 9000 Denarien besäßen, wovon jedem die Hälfte gehöre. Dieß hätten sie aber nicht in baarem Geld, sondern in einem Grundstück, daß sich auf 39 Morgen Landes belaufe. Dieses Grundstück bearbeiteten sie selbst, und zum Beweis davon wiesen sie auf die harten Schwielen ihrer Hände. Als sie darauf über Christum und sein Reich befragt wurden, antworteten sie, es sei dieß kein irdisches Reich, sondern ein himmlisches, das am Ende der Welt sich aufthun werde, wenn der Herr kommen werde, zu richten die Lebendigen und die Todten, und einem Jeden zu vergelten nach seinen Werken. Da entließ sie der Kaiser. So erzählt den Vorgang der älteste Kirchengeschichtschreiber Hegesipp bei Euseb 2). — Daß Domiiian von Manchen als der Kaiser genannt wird, der den Johannes nach Patmos verwiesen, haben wir bereits erwähnt. Eine eigentliche Christenverfolgung sinden wir unter seiner Regierung nicht, wohl aber ließ er einzelne Christen hinrichten. So einen Flavius Clemens und seine Gemahlin Domitilla und noch Andere, wie es heißt, um ihrer Gottlosigkeit (ihres Atheismus) willen; wahrscheinlich weil sie die Götter nicht mehr anbeten wollten. Unter dem milden Nerva genossen die Christen vollkommene Ruhe; aber wie seine Regierung, so dauerte auch diese Ruhe nur kurze Zeit.

Mit dem Tode Nerva's und dem Regierungsantritte Trajans schließt sich denn auch der Abschnitt der Geschichte, den man gemeiniglich das apostolische Zeitalter nennt. Verweilen wir dabei noch einen Augenblick.

Schon bei der Zerstörung Jerusalems waren wohl die wenigsten der unmittelbaren Jünger Jesu noch am Leben. Am längsten

i) Euseb Kirchengesch. III. ,2. l) a. a. O. Ill, 20.

Hogenbach. Vorlesungen II.

vertrat Johannes das Geschlecht der Apostel. Aber auch er ging, wahrscheinlich zu Anfang der Regierung Trajans zu seiner Ruhe ein, und ein neues Geschlecht der Christen trat in die Lücken derer ein, die in seliger Erwartung des Herrn und seines Reiches entschlafen waren. — Jn die Fußstapfen der Apostel traten ihre Schüler, und unter diesen ragen die Männer hervor, die man die apostolischen Väter nennt. Zu diesen sogenannten apostolischen Vätern zählt die Kirche Clemens, Barnabas, Hermas, Jgnatius, Polykarp und Papias. Mit Ausnahme des letztern haben wir von Allen noch schriftliche Denkmäler oder wenigstens Schriften, die ihren Namen tragen. Aber wie groß ist der Abstand dieser Werke von den apostolischen, namentlich von den geistesfrischen und geisteseigenthümlichen paulinischen Schriften! Es ist uns, als ob wir aus der frischen Alpenluft hinunter uns ließen in die gewohnten Niederungen des Landes. Wir wollen uns nicht bei diesen Schriften aufhalten, nicht bei dem Brief, der dem Varnabas, dem Begleiter des Paulus zugeschrieben wird und der in Typen und Allegorien sich ergeht'), die uns schwerlich zusagen würden, auch nicht bei dem visionären Buche des Hermas, das den Namen des Hirten führt, und das trotz seiner Seltsamkeiten bei der Kirche in großem Ansehen stand ^). — Nur einer dieser Männer mag uns näher ansprechen, es ist der Bischos Clemens von Rom. Ueber sein Leben wissen wir zwar sehr wenig«). Jn seinem Brief an die Philipper (4, 3) nennt uns Paulus einen Clemens als Mitarbeiter, dem er das Zeugniß giebt, „er sei eingeschrieben im Buche des Lebens". Ob dieser Clemens derselbe ist, den wir nachmals als Aeltesten oder Bischos in Rom finden, läßt sich nicht bestimmen. Eben so wenig läßt sich genau ermitteln, wie sich die Bischöfe der römischen Kirche gefolgt find. Schon die petrinische Grundlage dieses Bisthums ist, wie wir gesehen haben, vielfach durch die

2) Ob diese Epistel des Varnabas wirklich von dem Begleiter des Paulus herrühre, darüber sind die Meinungen der Gelehrten noch heute getheilt. So viel ist gewiß, daß die spielende Art der Allegorie, die sich von der im Hebräischen hervortretenden Behandlung des A. T. bedeutend unterscheide!. sich kaum als Werk eines apostolischen Mannes begreifen läßt; vgl. Neander (Kirchengesch.I, 3. NNO-NM) und Thiersch apostol.Zeitalter, S.334. 35.

ä) Thiersch S. 350. 5l.

°) Vgl. meinen Aussatz in Piper's evang. Kalender l852.

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