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Kritik erschüttert worden, und über die nädyfte sogenannte Nadyfolge des Petrus, Linus, Cletuo, Anacletus sdhwanken die Angaben hin und her. Dadurdy kommt audy eine Unfidyerheit in die Zeitbestim= mung des Clemens, den die Einen noch vor der Zerstörung Jerusalems, die Andern in die ersten Regierungsjahre des Trajan feßen. Eine, freilid, ganz unverbürgte Sage läßt ihn sogar von Trajan nad; dem taurisdyen Chersones verbannt werden und dort

den Märtyrtod sterben. Auch von den übrigen Schicksalen und · Thaten des Mannes wissen wir wenig. Was ihn hingegen für - die Kirchengeschichte widytig madıt, ist sein Brief, den er von Nom : auß an die Genteinde zu Corinth gesdhrieben hat, und der bei der

ersten Kirche in großem Ansehen stand, so daß er sogar unter die heiligen Schriften gezählt und in den Versammlungen vorgelesen wurde. Aus diesem Briefe, der zu dem Besten gehört, was wir aus der Litteratur der apostolisyen Väter haben, können wir uns ein Bild von der corinthischen Gemeinde machen, wie fie wenige Jahrzehnte nad Paulus fid, darstellte. Wir sehen daraus, daß die Streitigkeiten, die idyon der große Apostel zu sdylidhten bemüht war, nod). Fortdauerten oder vielmehr in veränderter Gestalt empor gekommen waren. Der väterliche Ton, in dem Clemens die Streitenden zur Einheit ermahnt, ist überaus wohlthuend und ganz der Gesinnung des großen Apostels würdig, den er sich zum Vorbild genommen hatte. Clemens weißt hin auf die große Ordnung und Harmonie in der Schöpfung, auf die Beispiele der heil. Gesdhichte, vor allem auf das Beispiel Christi selbst. Auch den Trost der Auferstehung, von dem schon Paulus in seinem Vrief gehandelt, sucht Clemens aufs Neue in seinen Lesern zu beleben, und er steht

in der äußern Natur, im Wedysel der Jahres- und Tageszeiten ein e sprechendes Sinnbild davon. Selbst der Wundervogel Phönir in

Arabien, der fidy felbst verbrennt und aus seiner eigenen Asche verjüngt emporsteigt, ist ihm ein solches Sinnbild. Mandjes in seiner Beweiðart mag uns fremdartig berühren, und aud) bei ihm werden wir den vorhin berührten Abstand wahrnehmen zwisdhen apostolischer und nadhapoftolischer Production; nichts desto weniger werden wir begreifen, wie die Kirche bei der Verehrung des Mannes dazu kam, diesen Brief so hody in Ehren zu halten. — Außer diesem ersten Brief des Clemens an die Corinther hat man noch

einen zweiten, der aber eher bas Brudystück einer alten chriftlichen Homilie, und wohl auch nicht von Clemens verfaßt ist. Von den erwiesen falschen Schriften, die man diesem Kirchenlehrer untersdhoben hat, den sogenannten Clementinen, werden wir später zu reden haben.

Wir nehmen jeßt den Faden der allgemeinen Geschidyte wieder auf, die uns die Schicksale der Kirche im Großen und Ganzen darstellen sou.

Die neunzehnjährige Regierung des Trajan (98—117) wird bekanntlid als eine der besten und ruhmwürdigsten ges()ildert, welche die römisdhe Kaiserzeit aufzuweisen hat. Trajan hat sich den Beinamen des „Besten“, den Ruhm des größten Cäsaren, eines „ Vaters des Vaterlandes" errungen. Unter ihm hob sich das Reich, für dessen innere Angelegenheiten er auf's Eifrigste besorgt war. Der äußere Wohlstand, die Rechtspflege fanden an ihm ihren weisen Ordner und kräftigen Beschüßer. Seinen siegreidyen Feldzügen, wodurch er das römische Reid, über den Euphrat er: weiterte und die er bis nad Indien auszudehnen beabsichtigte, können wir hier nidit folgen. Wir haben es mit seiner Stellung zum Christenthum und zu der sich heranbildenden dyristlichen Kirche zu thun. Ein Mann, dessen Wahlsprud) war, so zu herrfchen, wie er wünschte beherrscht zu werden, und der täglich seines dem Senat gethanenen Gides eingedenk war, „niemaló etwas zu unternehmen, das dem Leben oder der Ehre rechtschaffener Leute nadytheilig sein könnte," ein Soldier kann dody wohl nicht zu ungeredyten Verfolgungen der Christen die Hand geboten haben? Mit Wissen freilid nid)t. Aber es ist ein eigenes Verhängniß, dem wir in der Geschichte des Christenthums und seiner Stellung zu den römischen Kaisern begegnen, daß oft gerade die Edlern und Beffern dieser Kaiser, wie ein Trajan, ein Marc Aurel, ein Diocletian, unter den Verfolgern des Christenthums genannt werden, während manche der schlechtern, wie ein Caracalla, dieselben uns angefochten ließen. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß der römische Kaiser vor allen Dingen den Staat und das Wohl des Staates im Auge hatte und daß je mehr er dieses Wohl bedachte, er um so strenger gegen alles Verfahren mußte, was ihm dieses Wohl zu gefährden schien. Mit dem römischen Staatsleben hielt. Irajan

alles sonderbündische Wesen, alles Bilden von Gemeinschaften unverträglid), die unabhängig vom Staat sich selbst regieren wollten. Er erließ Verbote gegen alle geheimen Gesellsdhaften und Verbindungen, weil er in ihnen den Heerd der Revolutionen erblickte. Selbst eine Gesellschaft von Handwerkern, die sid, zusammengethan Hatten, um bei Feuersgefahr schleunige Hülfe zu leisten, mußte sich wieder auflösen, weil aud; fte in diese Kategorie der Verbotenen Gemeinsdyaften fiel 6). Nun war es natürlid), daß die Zusammenkünfte der Christen im römisdhen Reich von den Statthaltern der Provinzen als solche geheime Verbindungen betrachtet und so nads dem Gefeße bestraft wurden. Mancher modhte dabei seine Befugniß überschreiten, und nid)t alle waren wohl so gewissenhaft, wie der Statthalter in Bithynien, Plinius der Jüngere, der Neffe des be- rühmten Naturforschers, der, unschlüssig was er thun follte, fidy

Verhaltungsbefehle von Trajau ausbat. Wir haben noch den högyft merkwürdigen Brief desselben an den Kaiser, sowie audy die Rückantwort Trajané an Plinius. Der erstere lautet so 7):

„In allen zweifelhaften Fällen pflege ich, Herr! an didy zu berichten; denn wer kann besser mid leiten, wo ich zögere, mid; unterriţsten, wo id) irre? Den (geridytlichen) Untersuchungen über die Christen habe id, nie beigewohnt, daher weiß id, nid)t, was man an ihnen und wie weit man sie zu ftrafen pflegt. Auch bin idy nicht in geringer Verlegenheit, ob man niht einen Unterschied des Alters bei ihnen machen soll, oder ob die' von zarter Jugend gleichmäßig wie die von kräftigem Alter zu behandeln seien; ob der Neue Vergebung zu gewähren sei und ob es ehmaligen Christen nidit zugutkommen soll, wenn sie aufhören es zu sein? ob fdyon der Name allein, wenn auch keine Verbrechen dran haften, oder ob nur die mit dem Namen zusammenhängenden Verbrechen ftrafbar seien? Inzwischen habe ich bei denen, die mir als Christen Verzeigt wurden, folgendes Verfahren beobadytet. Ich habe fte gefragt, ob fie Christen seien. Wenn sie bekannten, so habe id; sie zum zweiten- und drittenmal gefragt und ihnen mit der Todesstrafe gedroht; beharrten sie darauf, so habe ich sie zum Tode bringen

6) Plinii Epp. X, 42. 43.
7) Ebend. 97. 98.

lafsen; denn worin auch immer ihr Verbrechen mochte bestanden .haben, das war mir ausgemad»t, daß ihr. Eigenfinn und ihr unbeugsamer Starrsinn in allewege geahndet werden müsse. Andere von eben diesen Wahnsinnigen habe ich, weil sie römische Bürger waren, zur Deportation nad Nom bezeichnet. Da im Verlauf dieses Prozesses, wie das zu gesdhehen pflegt, das Verbrechen sich weiter ausbreitete, so haben sid, aud) nachgerade Verschiedene Arten desselben gezeigt. Es wurde eine anonyme Klagsdyrift vorgelegt, worauf viele Namen von Personen standen, die leugneten, daß fie Christen seien oder gewesen seien. Als diese nach meinem Vorgang die Götter anriefen, und deinem Bildniß, das id) zu diesem Behuf nebst den Götterbildern herbeisdjaffen ließ, Wein und Weihraud, opferten, und überdieß Chrifto fluđiten, wozu die fidh nie sollen zwingen lassen, die wirklich Christen find, so glaubte idy sie entlassen zu follen. Andere, die von einem Angeber waren verzeigt worden, sagten, sie seien Chriften und leugneten es nachher wieder ab; sie seien eś zwar gewesen, aber fte seien wieder zurückgetreten, einige vor drei, andere vor mehr, einer sogar vor zwanzig Jahren sdyon. Diese alle beteten dein Bild und die Bilder der Götter an und verwünschten Christum. Sie gestanden aber, ihr größtes Verbrechen oder ihr größter Irrthum habe darin bestanden, daß sie an einem bestimmten Tag vor Sonnenaufgang zusammengekommen und ein Lied auf Chriftuś als auf einen Gott weyselsweise gesungen hätten; sodann hätten fie fid, durch einen Gid (sacramentum) verbunden, nicht zu irgend einer Hebelthat, sondern daß sie keinen Diebstahl, keinen Raub, keinen Ehebrud, begehen, ihr Wort nidyt brechen und anvertrautes Gut nicht verleugnen wollten, wenn es von ihnen zurückgefordert würde. Darnadı wären sie gewöhnlich auseinander gegangen, bald aber wieder zusammen gekommen, um gewöhnliche und unschuldige Speisen zu genießen. Das hätten sie aber auf meine Verordnung hin unter: lassen, in weldiem id dein Verbot der geheimen Verbindungen kund madyte. Um so nothwendiger hielt idy, von zwei Mägden, welche Dienerinnen (miniştrae) genannt wurden, durch die Folter zu erfahren, was Wahres an der Sache sei. Aber id) habe nichts : gefunden, als einen verkehrten, aussdyweifenden Aberglauben. Deße halb habe ich die Untersuchung aufgeschoben und mich bei dir Raths

zu erholen befliffen; denn die Sadje idhien mir allerdings der Ueberlegung werty, besonders wegen der Menge derer, die dabei in Gefahr kommen. Denn Viele, von jedem Alter, von jedem Stand und Gesdhledyt kommen in diese Gefahr oder werden nody brein kommen, denn nicht nur in die Städte, sondern auch in Flecken und Dörfer hat sich die Ansteckung dieses Aberglaubens verbreitet, von der es jedody den Ansdyein hat, daß ihr könne Einhalt gethan und mit Heilmitteln begegnet werden. Wenigstens ist es Thatsadje, daß die beinahe berlassenen Tempel wieder anfangen besucht zu werden, daß die längst unterlassenen Ceremonien wieder gefeiert und hie und da audy wieder Opferthiere Verkauft werden, die bis dahin selten einen Käufer gefunden hatten. Hieraus läßt fid, leidyt abnehmen, weldye Menge von Mensdhen nod) gebessert werden könne, wenn man ihnen Gelegenheit dazu giebt.“ –

Trajan sdyrieb zurück: „Du haft, mein Lieber, in Ansehung der Christen, die bei dir verklagt wurden, den redyten Weg eingeschlagen; denn es läßt sid, darüber nichts im Allgemeinen, was in allen Fällen maaßgebend wäre, bestimmen. Aufsuchen soll man sie nicht; wenn sie aber angeklagt und überwiesen werden, soll man sie strafen; dody so, daß wenn einer leugnet, er sei Christ gewesen und das durd, die That beweist, indem er unsere Götter anbetet, er der Reue wegen Verzeihung erlangt, auch wenn nodi ein Verdacht aus früherer Zeit her auf ihm lasten sollte. Namenlose Klagschriften aber dürfen bei seinem Criminalprozeß etwas gelten; denn das giebt ein sdyledytes Beispiel und ist unserm Jahrhundert (d. h. unserer Regierungszeit und Regierungsmarime) unangemessen."

Diese beiden Briefe geben uns zu versdj iedenen Bemerkungen Anlaß. Wir sehen daraus für's Erste, wie die Hodygestellten und Gebildeten unter den Heiden über das Christenthum vaditen. Gs ist ihnen trauriger Aberglaube, verberbliche Schwärmerei. Beide, sowohl Plinius, als Trajan bemitleideten die Christen; ihr mensdhlidies Gefühl sträubte fid; gegen alle Gewaltthat; aber beide waren zu sehr Nömer, zu felir in den Ansidsten der Staatsreligion befangen, als daß sie nicht gleidwohl die Christen schon als Christen für strafbar hielten. So sdheut sidy Plinius nid)t, gegen schwache Frauen die Folter anzuwenden und redet davon mit einer Objecti

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