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5ie „Völker", die gleichsam ihrer eignen Entwicklung überlassen sind, obgleich nicht ausgeschlossen von dem ««gen Weltplan der göttlichen Liebe (denn Gott ist ja auch der Heiden Gott); ihre Religion ist eine wildwachsende, der man die Sonderpstege des himmlischen Gärtners nicht anmerkt, obgleich er sein Auge auch über ihr offen hält; die andere, weitaus kleinere Hälfte bildet „das Holk Gottes", eben so genannt, weil es von Gott selbst ist erwählt und erzogen worden zum Volk des Heils, aus dem <d»s Heil der Welt hervorgehen sollte. Wir werden später diesen Gedanken noch näher beleuchten, wenn wir erst das Heidenthum betrachtet haben, worauf wir in dieser Stunde uns beschränken. Erwarten Sie nicht, daß ich Jhnen alle die verschiedenen Gestaltungen des Heideuthums vorführe, wie sie bei den Einen als Fetischismus, als Thier- und Gestirndienst, bei den Andern als Hie Religion des Feuers und des Lichtes und wieder bei Andern auf veredelter Stufe als Vergötterung des Menschen und der menschlichen Jdeale sich darstellen. Eine solche vergleichende Religionsgeschichte würde eine eigene Behandlung erfordern, die außerhalb des Bereichs unserer engern Aufgabe liegt. Für uns mag es genügen, einstweilen nur die Gestaltung des Heidenthums ins Auge zu fafsen, mit welcher das neu auftretende Christenthum zunächst in Berührung kam und die zu überwinden seine nächste Aufgabe war. Merken wir wohl, es ist nicht jenes Heidenthum dei vorderasiatischen Culte, das in den Büchern des alten Testamentes uns entgegentritt und wogegen die Propheten eifern, nicht der Vaalsoder Molochsdienst oder Aehnliches; noch weniger dürfen wir an ein Heidenthum denken, wie es etwa der christliche Missionar unserer Zeit vorfindet, wenn er zu den sogenannten wilden Völkern die Botschaft des Evangeliums bringt. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Aufgabe der ersten Glaubensboten in dieser Hinsicht eine verschiedene war von der der spätern Zeit. Wenn es (mU wenigen Ausnahmen) in unserer Zeit gilt und schon von dem Mittelalter an großentheils gegolten hat, mit dem Ehristenthum und zum Theil durch dasselbe Eultur uno Eivilisation zu den in Geistesdumpfheit versunkenen Völkern zu bringen >), so sehen wir dagegen

>) Allerdings kommt das Chnsttnihum auch in unserer Zeit zu Eultur

das Chnstenthum bei seinem Mntritt in die Welt einer hohen und in mancher Hinsicht vollendeten Bildung entgegentreten. Gerade mit den gebildetsten Völkern des Alterthums, die wir selbst noch immer als Mustervölker unserer Jugend vor Augen stellen, an deren Sprachen noch bis auf den heutigen Tag der Sprachsinn, an deren vollendeten Kunstwerken der Kunstsinn, an deren großartigen Volks- und Rechtsverhältnissen der Sinn für öffentliches Leben, für Politik und Recht sich ausbildet und stetsfort sich ausbilden muß, wenn es nicht rückwärts gehen soll mit der menschlichen Bildung, gerade mit diesen Völkern der antiken Welt, die wir mit Recht als die klassischen Mustervölker in Beziehung auf reinmenschliche Verhältnisse betrachten, tritt das junge Chnstenthum in Kampf. Nicht etwa setzt es der Barbarei eine hohe, bisher nicht erreichte menschliche Bildung entgegen, sondern vielmehr tritt es mit dem Anspruch auf, daß die menschliche Weisheit seiner göttlichen Thorheit weiche, daß auch was edel, groß und schön ist in den Augen der Menschen, sich beuge vor der Knechtsgestalt, in der Gott die Menschheit sich zu offenbaren für gut fand. Aus einem verachteten Volke, meist aus den untersten Schichten der menschlichen Gesellschaft gehen die Männer hervor, die der gebildeten und übergebildeten alten Welt den Untergang verkündigen, damit eine neue Ordnung der Dinge, das Reich Gottes auf Erden überhandnehme. Gerade das aber giebt diesem Kampfe um das Alte und Neue eine so hohe Bedeutung, macht aber auch die richtige BeurHeilung desselben doppelt schwierig. Hätte es sich bei diesem Kampfe lediglich darum gehandelt, einem rohen Götzendienste die Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit, einem barbarischen Volksleben eine schönere, mildere Sitte entgegen zu setzen, wäre mit einem Wort der Gegensatz zwischen dem Heidnischen und Christlichen ein schon fertiger, jedem Vernünftigen in die Augen fallender gewesen, so würde darüber nach 1800 Jahren wenig mehr zu sagen sein; das Urtheil der Geschichte wäre ein höchst einfaches und auf immer festgestelltes. Aber so. ist es nicht. Vis auf den heutigen Tag ist

»ölken,, wie zu den Jndien!, Chinesen, zn gebildeten Mahomedanern und Juden; aber doch sind diese Völker nicht die Träger der Culwr, wie die Griechen nnd Römer es waren im Alterthum. Jm Ganzen ist auch ihnen das Christenthum in Absicht auf Cultur überlegen.

der Gegensatz zwischen antiker und christlicher Wellanschauung, das Verhältniß, in welcher sich die klassische Bildung zur christlichen zu setzen hat, als noch nicht vollkommen erledigt anzusehen, und noch ist es eine der ernstesten und schwierigsten Aufgaben der Wissenschaft, sich darüber gehörig in's Klare zu setzen. Darum ist es auch ungemein schwierig, eine allseitig gerechte Beurtheilung, ja nur eine vollkommen getreue Darstellung des antiken Heidenthums zu geben 2). Wie leicht begegnet es da den Einen, daß sie, hingerissen von der Bewunderung der Antike, jeden Vorwurf als engherzig zurückweisen, der vom christlichen Standpunkt aus gegen die alte Welt, ihren Staat, ihre Sitten und ihre Religion erhoben wird; wie leicht aber auch geschieht es nun, daß die Andern, bloß an die Mißgestalt und das Zerrbild sich haltend, die tiefern religiösen Grundzüge, die verborgenen Keime des Göttlichen verkennen, die im klafsischen Heidenthum liegen und daß sie so in ihrem vermeinten christlichen Vifer auch das mit verdammen, was seine unverkennbare geschichtliche Berechtigung hat. Um nicht in den einen oder andern Fehler zu verfallen, wird es nöthig sein bei der Betrachtung der alten Religionen selbst wieder zu unterscheiden das Ursprüngliche und das Entartete, die tiefere religiöse Jdee, die, wenn auch noch in unklarer Symbolik verhüllt, den antiken Culten zum Grunde lag, und die mißverständliche Auffassung derselben, die sie in das Gemeine, in das Lächerliche, ja in das Unheilige und Unsittliche herabzog. — Wie ganz anders wird doch jetzt, gerade vom Standpunkte einer ächt christlichen Wissenschaft aus, die Mythologie der Griechen und Römer behandelt, als etwa noch vor 50 Jahren! Man hat sich überzeugt, daß damit dem Christenthum keine Ehre zuwächst, wenn man die alten Religionen, die es gestürzt, auf die gleiche Linie setzt mit dem Heidenthum der rohesten Fetischdiener. Aber eben so fest wird auch bei weiterm Studium

2) Außer der bekannten Abhandlung von Tholuck: „Das Wesen und die sittlichen Einflüsse des Heidenthums, besonders unler Gnechen und Römern, von dem Standpunkte des Ehristenthums aus betrachtet" (Neander Denkw. I.), verweisen wir auf Lutterbeck: Die neutestamentlichen Lehrbegriffe oder Untersuchungen über das Zeitalter der Religionswende, die Vorstufen des Christenthums und die erste Gestaltung desselben. Erster Band: die vorchristliche Entwicklung. Mainz 1822.

die Ueberzeugung sich bilden, daß bei allem Edeln und Schönen dcr alten Welt, doch eben das religiöse Leben ein mit Jrrthum umnachtetes Traumleben war, nicht im Stande, dem Volke die ewigen sittlichen Grundlagen zu geben und auf die Dauer zu sichern, deren die Menschheit bedarf, wenn sie ihre höchste und edelste Bestimmung erreichen soll. Und so verschieden auch die Gestaltungen des Heidenthums sein mögen, so weit sich der hellenische Polytheismus mit seinen vollendeten Kunstidealen von dem rohen Fetischismus unterscheidet, ein Zug geht durch dasselbe hindurch, der sich überall wiederfindet, der Zug der unbefriedigten Sehnsucht, des unversöhnten Zwiespaltes, der Gottverlafsenheit bei allem Gottesdienste, bei aller Gottesfurcht, bei allen Anstrengungen, der Gottheit sich geneigt zu machen. Auch da, wo das religiöse Leben in rührenden Zügen hervortritt, erscheint es eben doch gebunden, versenkt in die Natur und heimgegeben ihren dunkeln Mächten und der Macht eines unbeugsamen Schicksals. Es fehlt dem Heidenthum das sichere und freie Bewußtsein um einen Gott und Vater im Himmel, der als der alleinige Schöpfer der Welt, unabhängig von ihr, über ihr waltet als der Allheilige, Allweise und Allgütige; es fehlt die durchgeführte sittliche Bezieziehung des Menschen zu diesem Gott und Vater; es fehlt die tiefere Einsicht in das Wesen der Sünde und mithin auch der Sündenvergebung. Die Jdee der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes, wenn sie auch in einzelnen Momenten ergreifend hervortritt, kommt nie zu ihrem vollen Rechte, indem das Böse auch innerhalb der Gottheit seinen Sitz hat. Die Einheit Gottes fällt entweder auseinander in eine Bielheit der Götter oder sie fällt zusammen mit der Welt; hier Pantheismus, dort Polytheismus, und im Gefolge beider eine Unklarheit des Bewußtseins über die Stellung des Menschen zur Natur und ihren Gewalten. Daher die unheimlichen Gestalten des Zauberwesens und Wahrsagerthums. Die griechische Mythologie hat freilich das voraus vor den orientalischen Natureulten, daß sie die Gottheit nicht unter unförmlichen, scheußlichen Thiergestalten, sondern unter den edelsten menschlichen Gestalten verehrt; allein gerade das Aesthetische an ihr, das Sinnengefällige, das Harmonische in der äußern Form, führte auch wieder ab von dem eigentlich Religiösen; es galt am Ende mehr, die Gottheit

durch die Kunst zu verherrlichen, als durch heilige Gesinnung. Nicht zufällig ist es, wie selbst in der Sprache das Schöne und das Gute dem Griechen in Eins zusammenfließen, und häusig muß das Erstere den Mangel des Letztern, die vollendete edle Form den nichtswürdigen Jnhalt verdecken. Das Schwärmen in Jdealen bei Vernachläßigung der alltäglichen Lebenspflichten ist ja wohl auch ein Götzendienst, der bis in unsere Zeit fortwuchert; seine Wurzel liegt in der griechischen Welt und ihrer Religion. Einen tiefern sittlichen Ernst, als bei der griechischen Mythologie, mag man in dem durch Religion geheiligten Volksleben der Römer sinden; aber wie bei den Griechen die Religion in der Kunst und ihren Jdealen, so ging sie bei den Römern im Staate und dem Staatszweck auf. Nur im engsten Zufammenhang mit der Geschichte und den Schicksalen des römischen Staates hat die römische Mythologie und Symbolik ihre große und ewige Bedeutung. Das individuelle Leben aber, das Heil der einzelnen Seele, in ihrer Stellung zu Gott, kommt dabei offenbar zu kurz, und auch diese Vergötterung des Staates und seiner Zwecke hat bis in die neuere Zeit hinein ihre Anhänger auch mitten im Christenthum gefunden. Uebrigens mag sich über die eigentliche Bedeutung der griechischen, wie der römischen Mythologie das Urtheil so oder so feststellen, das ist gewiß, daß zur Zeit, als das Christenthum in die Welt trat, diese Religionen sich bereits überlebt hatten, und daß auch das Gute und Löbliche, das wir an ihnen nicht verkennen wollen, nicht mehr im Stande war, die Oberhand über das Schlechte und Verderbliche, das in ihnen lag, zu gewinnen.

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