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voll zu machen, ward über dem Stadtthor gen Bethlehem ein marmornes Schwein angebracht. Der Uebertritt zum Judenthum ward bei Todesstrafe verboten>»).

Mit dieser zweiten Eroberung Jerufalems durch die Hand der Römer löste sich das letzte Band, das noch die Juden äußerlich zusammen gehalten hatte. Von da an erscheinen sie als das aus der Heimath vertriebene, unstäte und flüchtige Volk, wie es bis auf den heutigen Tag sich uns darstellt, ein Zeugniß des göttlichen Gerichtes, wie des göttlichen Erbarmens, ein Volk, dessen Geschichte noch nicht beendet ist und das augenscheinlich aufbewahrt ist, um dereinst zur Vollendung des Reiches Gottes in seiner Weise verwendet zu werden.

Aber auch für die Geschichte des Christenthums war dieses Schicksal der Juden ein entscheidender Wendepunkt. Wollten die Christen auch jetzt noch in Jerusalem (Aeli« 6npiwlin3) bleiben. so mußten sie noch entschiedener, noch auffälliger vom Judenthum sich lossagen, als es bisher geschehen war. Nur so konnten sie auf Duldung von Seiten der Heiden Anspruch machen. So trat denn auch wirklich das erstemal ein Heidenchrist, Marcus, an die Spitze der dortigen Gemeinde in). Das Judenchristenthum, das bis anhin noch immer seine Vertreter im jüdischen Lande gefunden hatte, hörte damit auf, als solches zu eristiren; und die freiere Form, für die Paulus gekämpft hatte, trug den endlichen Sieg davon.

Dieß führt uns auf die innern Verhältnisse des Christenthums zur Zeit Hadrians, namentlich auf den Gegensatz des Juden- und Heidenchristenthums, wie er in den häretischen Gestaltungen des Ebionismus und des Gnosticismus hervortrat.

>») Vgl. Jost, Geschichte des israelitischen Volkes II, S. l09 ff.
") Euseb Kirchengesch. IV, «.

Achte Vorlesung.

Häretische Richtungen in der Christenheit. — Mioniten und Nazorener. —

K'mntl,. — Der Gnosticismus. — Basilides. — Valentinns. — Die Ophiten. — Andere Gnostiker. — Mareion.

Es ist eine altkirchliche Sage, daß bis auf Hadrian die Kirche in Absicht auf die Lehre ihre jungfräuliche Reinheit bewahrt habe, daß sie von keiner Ketzerei sei befleckt worden. Erst um die Zeit, mit der wir uns in der letzten Stunde beschäftigt haben, erst mit dem Beginn des zweiten Jahrhunderts der christlichen Geschichte, habe auch die Jrrlehre sich hervorgethan '). Streng buchstäblich darf man das wohl nicht nehmen; denn schon Paulus hatte ja zu kämpfen theils mit denen, die sich den jüdischen Satzungen hingaben, theils mit denen, welche aus Mißverstand der christlichen Freiheit, diese mißbrauchten, wie denn auch er schon einer falschen Philosophie, einer falschen Gnosis oder der „falschberühmten Kunst" entgegen trat. Eben so warnten auch die andern Apostel «or Jrrlehrern. Aber das ist gewiß, daß erst im zweiten Jahrhundert die häretischen Parteien sich sondern, und unter bestimmten Namen in bestimmten Gestaltungen hervortreten, gegen welche dann die Kirche, als die rechtgläubige, als die katholische Kirche sich um so kräftiger verwahren mußte, wenn sie nicht nach der einen oder andern Seite hin ihre Eigenthümlichkeit aufgeben und selbst eine Beute des Häretischen werden wollte. Das Christenthum

i) Hegesip bei Enscb Kirchengesch. III, 32.

wurzelte, wie wir gesehen haben, auf dem Judenthum; aber keineswegs war es nur eine Wiederholung oder nur eine Erneuerung des Judenthums. Das Judenthum sollte im Christenthum aufgehen, seiner höhern Jdee nach. Darauf hatte schon Jgnatius hingewiesen, in der Stelle, die ich in der letzten Stunde aus seinen Briefen mitgetheilt habe. Nachdem die Weissagung der Propheten in Christo erfüllt war, konnte das Gesetz nicht mehr neben dem Evangelium bestehen als ein Besonderes, sondern das Evangelium war die Verklärung des Gesetzes, indem es den göttlichen Jnhalt desselben in sich schloß, aber unter der Form eines Gesetzes der Freiheit, nicht mehr als Buchstabe, sondern als Geist. Wollte nun dennoch neben dem freien Evangelium der Gnade und des Geistes ein jüdisches Gesetzeschristenthum sich geltend machen, so konnte dieß auf die Dauer nicht bestehen; es mußte entweder von selbst weichen, oder wo es sich gegen die Freiheit des Evangeliums erhob, als eine unberechtigte Erscheinung, oder doch wenigstens als ein Anachronismus bekämpft werden, als eine Erscheinung, die sich überlebt hatte. Das die eine Seite des Kampfes. Aber auch die andere Seite müssen wir in's Auge fassen. Paulus hatte, als der Heidenapostel, das Christenthum allerdings losgelöst von den Banden des Gesetzes; gleichwohl aber hatte er den tiefern geschichtlichen Zusammenhang des Christenthums mit dem Judenthum niemals übersehen und in seinem Brief an die Römer hatte er es deutlich ausgesprochen, daß die Zweige des guten Baumes auf den wilden Oelbaum seien gepfropft worden. Wollte nun das Heidenchristenthum, in falsch verstandener Unabhängigkeit vom Judenthum, sich über allen historischen Zusammenhang mit demselben hinwegsetzen, wollte es sich im Anschluß an die heidnische Philosophie und Mythologie als eine rein idealistische, poetischphilosophische Religion aufbauen, ohne die historische Grundlage, die in der Heilsanstalt des alten Bundes gegeben ist, so konnte auch dieses unhistorische, dieses gesetzcswidrige und gesetzstürmende Verfahren nicht geduldet werden. — Das Christenthum mußte also dastehen, fest auf seinen eigenen Lebenswurzeln; es durfte sich weder in's Judenthum zurückdrängen, noch in die Wildniß des Heidenthums hineinreißen lassen. Es mußte abwehren das Eine, wie das Andere. Nun aber sehen wir, daß zu Anfang

des zweiten Jahrhunderts die beiden entgegenstehenden Pole des Juden- und Heidenchristenthums in bestimmter Weise ihre Spitzen hervorkehren. Diess geschieht einerseits bei den judaistrenden Ebioniten, anderseits bei den heidnisch gesinnten oder doch heidnisch gefärbten Gnostikern. Von diesen beiden merkwürdigen Erscheinungen des Ebionismus und Gnosticismus werden wir nun in dieser Stunde zu handeln haben. Jch muß für diesen Gegenstand Jhre Nachsicht besonders in Anspruch nehmen, da es höchst schwierig ist, ihn für das allgemeine Verständniß so zuzurichten, daß nicht immer noch ein Anstrich von wissenschaftlich-abstracter VehandlungZweise dran hängen bleibt. Und doch läßt sich die Sache nicht mit Stillschweigen übergehen. Die Treue gegen die Geschichte fordert, daß wir uns von diesen sich theils abstoßenden, theils wieder sich in gewissen Punkten begegnenden und durchkreuzenden Anschaunngsweisen eine möglichst klare Vorstellung zu bilden suchen. Wir wollen es der gelehrten Forschung überlassen, die Geschichte dieser Parteien bis in ihre Uranfänge zu verfolgen und die ost unmerklichen Uebergänge aus der einen Form in die andere nachzuweisen. Für die Betrachtung des Großen und Ganzen mag es hinreichen, das festzuhalten, daß die beiden Hauptrichtungen, wogegen die junge Kirche zu kämpfen und deren sie sich zu erwehren hatte, die falschen Einflüsse jüdischer und die falschen Einflüsse heidnischer Denkweise waren. Reden wir zuerst von den jüdischen Einflüssen. Das Christenthum war aus dem Judenthum hervorgegangen, und als eine jüdische Secte wurde es im Anfang auch von den Heiden betrachtet. Die verächtliche Benennung Galiläer oder auch Nazarener kam allen Christen gemeinschaftlich zu. Noch zu Nero's Zeit haben wir gesehen, wurden sie als jüdische Secte verfolgt. Nachdem aber das Christenthum sich auch äußerlich vom Judenthum abgelöst hatte, wozu, wie wir gesehen, schon die Zerstörung Jerusalems und dann der jüdische Krieg unter Hadrian beitrug, blieb die Benennung Nazarzner für die übrig, die den frühern Standpunkt des Judenchristenthums ferner einhielten, und welche also auch als Christen noch immer das jüdische Gesetz als ein göttliches beobachteten. Es ist immer ras Schicksal einer sich abschließenden, an der Bewegung der Ieit keinen Antheil nehmenden Partei, daß sie nach und nach verkum

mert und vertrocknet und daß sie, ehe sie stch's versieht und wider ihren Willen zur Secte wird. So scheint es den Nazarenern ergangen zu sein, die uns erst als rechtgläubige, bloß etwas gesetzesängstliche und in ihrer Freiheit beschränkte Christen erscheinen, später aber von der größern katholischen Kirche als häretisch bezeichnet und häufig mit einer andern Partei zusammen geworfen wurden, die unter dem Namen der Ebioniten erscheint. Wer sind diese Ebioniten? Früher hat man sie auf einen Stifter, Namens Ebion zurückgeführt; allein richtiger ist wohl die Ableitung dieses Namens von dem hebräischen Worte: Lbiun (arm). also: die Armen. Nach den Einen hießen sie so von ihrer wirklichen leiblichen Armuth. Den Stamm bildeten die aus Jerusalem nach Pella geflüchteten Judenchristen, die gewiß auch äußerlich in dürftigen Umständen lebten. Andere, wie schon der Kirchenlehrer Origenes, bezogen diese Benennung mit einer geistreichen, witzigen Wendung auf ihre geistige Armuth, auf die Armseligkeit und Dürftigkeit ihrer Lehre. Als der Stifter der Partei wird bald nach der Zeit der Zerstörung Jerusalems unter Titus ein gewisser Thebuthis genannt, der, weil er nicht Bischos geworden, dic alten Judenchristen zum Abfall von der reinen Lehre verführt habe. So viel ist gewiß, daß die Ebioniten in den wesentlichen Grundlehren des Glaubens sich von der gemeinsamen Lehre der Christen trennten, und daß sie dem jüdischen Glauben näher standen als dem christlichen. Einmal hielten sie strenge auf dem mosaischen Gesetze und machten dieses für alle Christen verbindlich. Dann aber lehrten sie auch von Jesu, er sei ein Sohn Josephs und der Maria, mithin nicht der Sohn Gottes von Ewigkeit gewesen Nichts desto weniger war ihnen Jesus Christus ein Wesen höherer Art; auch sie verehrten in ihm den Messias der Nation, den Sohn Davids, und Origenes vergleicht sie daher dem Blinden im Evangelium, der obwohl blind, dennoch zum Herrn rief: Sohn Davids, erbarme dich meiner! (Mare. I0, 47). — Einige unter ihnen nahmen auch an, erst bei der Taufe am Jordan habe sich der Logos »der die göttliche Natur, der himmlische Christus auf den Menschen Jesus herabgesenkt und sich da mit ihm verbunden, eine Vorstellung, die wir auch bei dem Judenchristen Cerintb. angeblich einem Zeitgenossen des Apostels Johannes, und bei einigen

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