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Ireuarch Herodes mit dessen Vater Nicetas, die ihn zu sich in ihren Wagen nahmen und ihm zuredeten, er möge doch dem Kaiser opfern und so sein Leben retten. Als aber der Greis sich dessen standhaft weigerte, stießen sie ihn endlich unter Schimpfreden aus dem Wagen, so daß er sich noch das Schienbein schürfte. Nun ward er in das Amphitheater geführt, wo schon das Volk seiner harrte unter großem Getümmel. Da war ihm, als slüsterte ihm eine Stimme von oben zu: Sei stark, Polykarp, und mannhaft. Er ward vor den Proconsul geführt. Auch dieser wollte ihn bereden, Christum zu verleugnen. „Bedenke doch, sagte er, dein hohes Alter; schwöre bei dem Glück (der Fortuna) des Kaisers, stehe ab von deiner Meinung und rufe mit den Uebrigen: Weg mit den Gottesleugnern!" — Mit ernstem Blicke sah sich Polykarp im Kreise um, seufzte, sah gen Himmel und sprach (freilich in anrerm Sinne als der Proconsul es meinte): „Näume die Gottesleugner aus dem Wege!" — Der Proconsul aber drang weiter in ihn; er solle den Glauben abschwören und Christum lästern. Da gab Polykarp die große Antwort: „Sechs und achtzig Jahre diene ich ihm, und er hat mir nichts zu Leide gethan; wie könnte ich denn jetzt meinen König und Heiland lästern?" — Der Proconsul fuhr fort: „schwöre bei dem Glück des Kaisers!" — Auch dieß lehnte Polykarp ab mit dem Vekenntniß: „Jch bin ein Christ, und willst du die Lehre Christi kennen, so gieb mir einen Tag Zeit, und du sollst sie hören." — „Berede das Volk dazu", sagte der Proconsul. Polykarp erwiederte: „Jch habe es für meine Pflicht gehalten, dir zu antworten: denn wir sind angewiesen, den von Gott eingesetzten Obrigkeiten und Gewalten die gebührende Ehre zu erweisen. Aber jene, die Volksmafse, achte ich nicht werth, mich vor ihnen zn rechtfertigen." — „Jch habe wilde Thiere", schnaubte der Proconsul, „und denen will ich dich vorwerfen lassen, damit du dich bekehrest."

— „Laß sie herankommen", entgegnete ruhig Polykarp. „Eine Bekehrung vom Bessern zum Schlimmern sindet bei uns nicht statt; schön ist es hingegen, wenn man sich von der Ungerechtigkeit zur Gerechtigkeit bekehrt." — „So will ich dich durch's Feuer zwingen."

— „Du drohest mit Fener, das nur kurze Zeit brennt und bald wieder verlöscht, weil du das Feuer des zukünftigen Gerichtes und der ewigen Strafe nicht kennest, das für die Gottlosen aufbewahrt wird. Aber was zögerst du? bring's herbei, was dir beliebt." — Das Alles sagte er mit der größten Gemüthsruhe, so daß der Proconsul selbst ob der Standhaftigkeit und Heiterkeit des alten Mannes erstaunte. Nun ließ der Proconsul den Herold auftreten und dreimal öffentlich rufen' „Polykarp bekennt, daß er ein Christ sei." Da brach das Volk (eine Mischung von Heiden und Judeul in Wuth aus und schrie: „Dieß ist der Lehrer Asiens, der Vater der Christen, der Zerstörer unserer Götter, der so Viele ermahnt, nicht zu opfern und die Götter nicht anzubeten." — Einstimmig verlangten sie von dem Astarchen, dem Vorsteher der Thierkämpfe, Philippus, daß er einen Löwen auf Polykarp loslafse. Als dieser sich dessen weigerte unter dem Vorwande, daß die für die 3hiergefechte bestimmte Frist vorüber sei, verlangte das Volk, man soll den Polykarp lebendig verbrennen. Sofort wurden aus den Werkstätten und den Bädern Holz und Reisig zusammengerafft, wobei auch die anwesenden Juden sich besonders geschäftig zeigten. Als der Holzstoß errichtet war, entkleidete sich Polykarp selbst und ließ sich die Zubereitungen gefallen, die mit ihm vorgenommen wurden. Als man ihn mit Nägeln an den Pfahl heften wollte, bemerkle er: „Laßt mich; denn der mir Kraft giebt, das Feuer auszustehen, wird mir auch Kräfte geben, ohne die Befestigung eurer Nägel, auf dem Scheiterhaufen Stand zu halten." So wurde er nur gebunden. Er betete also: „O Vater deines geliebten und hochgelobten Sohnes Jesu Christi, durch den wir deine Erkenntniß erlangt haben, o Gott der Engel und Kräfte und aller Kreatur und aller Gerechten, die vor dir leben: ich danke dir, daß du mich dieses Tages und dieser Stunde gewürdigt hast, teilzunehmen an der Zahl der Märtyrer und cm dem Kelch Christi zur Auferstehung der Seele und des Leibes zum ewigen Leben, in der Unvcrweslichkeit des heil. Geistes, unter welche ich heute von dir aufgenommen zu werden wünsche zu einem dir angenehmen Opfer, wie du, wahrhafter Gott, der du nicht lügen kannst, mich dazu vorher bereitet, es mir vorher verkündigt und nun erfüllet hast. Dir danke ich, dich lobe ich, dich preise ich für dieses alles durch den ewigen Hohenpriester, Jesum Christum, deinen geliebten Sohn, durch ihn sei dir mit ihm in dem heil. Geist Ehre jetzt und in alle Ewigkeit. Amen." — Alsobald loderte die Flamme auf in Gestalt eines Schwibbogens und wie ein Schiffssegel, vom Winde geschwellt, umgab etz den Leib des Märtyrers. Die Umstehenden wollten einen süßen Wohlgeruch, wie Weihrauchduft, verspürt haben. Jmmer mied das Feuer den Leib des Heiligen, der unangetastet blieb, gleich Gold und Silber, das im Ofen geläutert wird. Da stießen ihm die Henker das Schwert in den Leib, und die Ströme seines Blutes löschten die Flamme. Die Leiche ward nach römischem Gebrauche verbrannt, aber die Gebeine wurden von der Gemeinde aufbewahrt und köstlicher gehalten als Edelstein. — So weit der Bericht der Smyrnäer über den Tod ihres Bischofs'). Mag es auch schwer sein, die reine Thatsache von dem zu unterscheiden, was die fromme Phantasie vielleicht schon im Anblick dieses Todes selbst, oder später hinzugethan, immerhin giebt uns dieser Tod eines der würdigsten und ergreifendsten Bilder der ältern Kirchengeschichte. Der feinsinnige Herder hat ihn im Gedichte gefeiert«), und viele spätere Märtyrer haben sich an diesem Vorbilde gehoben und gestärkt.

Wir haben von P o lykarp weiter keineSchriften, als einen einzigen Brief, den er an die Gemeinde zuPhilippi schrieb. Diese Gemeinde hatte ihn um die Briefe desJgnatius ersucht, die er ihr auch übersandte. Bei diesem Anlaß erinnert er die Gemeinde an die Zeit, da Paulus sie gestiftet und seinen Brief an sie gerichtet habe. Jn schlichten Worten ermahnt ersie, festzuhalten indem Glauben an Christum, den Gekreuzigten und Auferstandenen, und sich vor den Jrrlehrern zu hüten. „Jeder, der nicht bekennet, daß Jesus Christus im Fleische erschienen ist (so schreibt er wohl mit Anspielung auf die Gnostiker, von denen wir in der vorigen Stunde gehandelt haben), ist der Antichrist, und wer nicht bekennet die Leiden am Kreuze, der ist vom Teufel, und wer die Worte des Herrn nach seinen eigenen Begierden umwandelt und nicht bekennet die Auferstehung und das Gericht, der ist der Erstgeborene des Satans." — Er ermahnt dann ferner die Gemeinde zum Gebet, zur Geduld, zur Ausübung jeder christlichen

?) Vergl. Euseb Kirchen«,. IV, l5, der den Brief nur fragmentarisch giebt. Bekanntlich ist derselbe erst später durch den gelehrten englischen Bischof Usher entdeckt und herausgegeben worden (1L47); der Brief selbst füllt in's Jahr lL8 n. Chr.

») Jn den Legenden, s. Werke zur Litteratur und Kunst IN. S. 288: der Tapfere.

Tugend, besonders auch zur Wohlthäligkeit, mit Bezug auf die Stelle im Tobias: „Almosen retten vom Tode." An verschiedenen Stellen seines Briefes warnt er vor Geiz, und richtet seine besondern Vorschriften an die Neltesten, an die Jünglinge, an die Jungfrauen der Gemeinde. Es sind keine besonders geistreichen originellen Gedanken, denen wir in diesem Briefe begegnen; vieles darin ist Reminiseenz aus Paulinischen Briefen und andern Vibelstellen. Allein wir dürfen nicht vergessen, es war nicht das Geistreiche, das Pikante, was in solchen Briefen die Leser ansprach. Die Kirche jener Zeit bedurfte nicht sowohl der feinen Denker und der schmuckreichen Redner, als der glaubenstreuen und glaubenskräfcigen Seelen, die sich zu opfern, die für ihren Glauben zu sterben wußten; sie bedurfte der charaktervollen, der mit aller Hingebung ihres Wesens liebenden Persönlichkeiten, und eine solche war Polykarp. Durch solche ist es der Kirche allein gelungen, sich aufrecht zu halten inmitten der Verfolgungen. Auch hier waren es nicht Theorien, nicht philosophische und theologische Systeme, es waren Ueberzcugungen, Gesinnungen, Thaten und Leiden, die aus diesen Gesinnungen hervorgingen, wodurch das Reich Gottes erbaut und gefördert wurde, wodurch es endlich den Sieg errang über die Reiche dieser Welt.

Wir übergehen die Namen der weiternMärtyrer, die außer Polykarp in dieser Verfolgung sielen; wir bemerken nur, daß sie sich über mehrere Städte Kleinafiens erstreckte, und daß sie wohl unter diesem Kaiser nie ganz aufhörte. Sieben Jahre nach ihrem Ausbruch ereignete sich zwar ein Vorfall, der den Kaiser auf andere Gedanken, in Absicht der Christen, gebracht haben soll; allein es fragt sich, wie weit dieser Nachricht zu trauen ist. Jm Jahr 174 nämlich zog Mark Aurel wider die dem römischen Reich feindlichen Völkerstämmc der Quaden, Sarmaten und Markomanen. Jn Pannonien, dem heutigen Ungarn, ward er von dem Feinde in eine quellenlose Gegend gelockt und eingeschlossen. Der Wassermangel, die drückende Hitze raffte einen großen Theil des Heeres hinweg. Schon gab dieses die Hoffnung des Sieges auf, als plötzlich ein Gewitter sich entlud, dessen furchtbare Gewalt den Feind in Unordnung brachte, zugleich aber auch schafften die reichen Regengüsse, von denen es begleitet war, dem durstenden Heere des Kaisers die lang ersehnte Erquickung. Dieses an ein Wunder grenzende Ereigniß soll, so erzählen die christlichen Schriftsteller"), auf das Gebet einiger Christen, die sich im kaiserlichen Heere befanden, eingetreten sein; während die heidnischen Berichtcrstatter dieselbe Wirkung dem Gebet des Kaisers, Andere der Kunst eines im Heere sich besindlichen Zauberers Arnuphis '«) zuschrieben. Zudem melden die christlichen Schriftsteller, der Kaiser habe von diesem Augenblick an, bei Todesstrafe verboten, die Christen weiter zu verfolgen") und habe der Legion, auf deren Gebet hin das Gewitter sich erhoben, den Namen der Donnerlegion (legi» lulininlill'ix) gegeben. — Nun kommt zwar allerdings unter den römischen Legionen eine Legion dieses Namens vor, allein bedeutend früher, als das erwähnte Ereigniß, so daß also die Herieitung ihres Nameus von diesem Ereigniß als eine unbegründete dahin fällt. Was aber die Begebenheit selbst betrifft, so mag immerhin ein unerwartetes Gewitter jene für den Kaiser günstige Wendung der Dinge herbeigeführt haben, da sowohl heidnische als christliche Schriftsteller ihrer erwähnen; aber ob auf das Gebet der Christen, muß dahin gestellt bleiben, da nicht einmal sicher ist, ob und wie viele Christen sich in dem Heere des Kaisers befunden haben. Jedenfalls ist es unrichtig, daß das Ereigniß den ChristenVerfolgungen unter Mark Aurel ein Ziel gesetzt habe. Höchstens konnte es einen Stillstand bewirken; denn drei Jahre nachher (um 177) sehen wir eine neue Christenverfolgung in Gallien ausbrechen, in welcher besonders die jungen Gemeinden von Lyon und Vienne bedrückt wurden. Auch über diese Verfolgung haben wir Berichte von Zeitgenossen; Briefe dieser Gemeinden an die Brüder in Kleinasien und Phrygieu '2). Aus diesen geht hervor, daß die Christen in den Gegenden der Rhone von dem Pöbel gehetzt wurden wie das Wild. Aus den Häusern, aus den Bädern

') Apollinaris, Bischof von Hierapolis. Cuseb Kircheng. V, 5. TertuNian Apol. o. 5.

«) vio 0n8«iii5 (in den Ercerpten des Xiphilinus) ?l, 8. — Juliu« ^»nitolinu», Vitn INaro ^urel. o. 24.

») Das hieraus bezügliche Edict, dessen Tertullian erwähnt, und das sich hinter der ersten Apologie des Justin mitgetheilt sindet, ist offenbar unächt

i2) Vei Euseb Kircheng. V, !. 2.

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