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Tugend, besonders auch zur Wohlthaligkeit, mit Bezug auf die Stelle im Tobias: „Almosen retten vom Tode." An verschiedenen Stellen seines Briefes warnt er vor Geiz, und richtet seine besondern Vorschriften an die Aeltesten, an die Jünglinge, an die Jungfrauen der Gemeinde. M find keine besonders geistreichen originellen Gedanken, denen wir in diesem Briefe begegnen; vieles darin ist Reminiscenz aus paulinischen Briefen und andern Bibelstellen. Allein wir dürfen nicht vergessen, es war nicht das Geistreiche, das Pikante, was in solchen Briefeu die Leser ansprach. Die Kirche jener Zeit bedurfte nicht sowohl der feinen Denker und der schmuckreichen Redner, als der glaubenstreuen und glaubenskräftigen Seelen, die sich zu opfern, die für ihren Glauben zu sterben wußten; sie bedurfte der charaktervollen, der mit aller Hingebung ihres Wesens liebenden Persönlichkeiten, und eine solche war Polykarp. Durch solche ist es der Kirche allein gelungen, sich aufrecht zu halten inmitten der Verfolgungen. Auch hier waren es nicht Theorien, nicht philosophische und theologische Systeme, es waren Ueberzeugungen, Gesinnungen, Thaten und Leiden, die ans diesen Gesinnungen hervorgingen, wodurch das Reich Gottes erbaut und gefördert wurde, wodurch es endlich den Sieg errang über die Reiche dieser Welt.

Wir übergehen die Namen der weiternMärtyrer, die außer Polykarp in dieser Verfolgung fielen; wir bemerken nur, daß sie sich über mehrere Städte Kleinafiens erstreckte, und daß sie wohl unter diesem Kaiser nie ganz aufhörte. Sieben Jahre nach ihrem Ausbruch ereignete sich zwar ein Vorfall, der den Kaiser auf andere Gedanken, in Absicht der Christen, gebracht haben soll; allein es fragt sich, wie weit dieser Nachricht zu trauen ist. Jm Jahr 174 namlich zog Mark Aurel wider die dem römischen Reich feindlichen Völkerstämme der Quaden, Sarmaten und Markomanen. Jn Pannonien, dem heutigen Ungarn, ward er von dem Feinde in eine quellenlose Gegend gelockt und eingeschlossen. Der Wafsermangel, die drückende Hitze raffte einen großen Theil des Heeres hinweg. Schon gab dieses die Hoffnung des Sieges auf, als plötzlich ein Gewitter sich entlud, dessen furchtbare Gewalt den Feind in Unordnung brachte, zugleich aber auch schafften die reichen Regengüsse, von denen es begleitet war, dem durstenden Heere des Kaisers die lang ersehnte Erquickung. Dieses an ein Wunder grenzende Ereigniß soll, so erzählen die christlichen Schriftsteller"), auf das Gebet einiger Christen, die sich im kaiserlichen Heere befanden, eingetreten sein; während die heidnischen Berichtcrstatter dieselbe Wirkung dem Gebet des Kaisers, Andere der Kunst eines im Heere sich besindlichen Zauberers Arnuphis '«) zuschrieben. Zudem melden die christlichen Schriftsteller, der Kaiser habe von diesem Augenblick an, bei Todesstrafe verboten, die Christen weiter zu verfolgen") und habe der Legion, auf deren Gebet hin das Gewitter sich erhoben, den Namen der Donnerlegion (legi» lulininlill'ix) gegeben. — Nun kommt zwar allerdings unter den römischen Legionen eine Legion dieses Namens vor, allein bedeutend früher, als das erwähnte Ereigniß, so daß also die Herieitung ihres Namens von diesem Ereigniß als eine unbegründete dahin fällt. Was aber die Begebenheit selbst betrifft, so mag immerhin ein unerwartetes Gewitter jene für den Kaiser günstige Wendung der Dinge herbeigeführt haben, da sowohl heidnische als christliche Schriftsteller ihrer erwähnen; aber ob auf das Gebet der Christen, muß dahin gestellt bleiben, da nicht einmal sicher ist, ob und wie viele Christen sich in dem Heere des Kaisers befunden haben. Jedenfalls ist es unrichtig, daß das Ereigniß den Christenverfolgungen unter Mark Aurel ein Ziel gesetzt habe. Höchstens konnte es einen Stillstand bewirken; denn drei Jahre nachher (um 177) sehen wir eine neue Christenverfolgung in Gallien ausbrechen, in welcher besonders die jungen Gemeinden von Lyon und Vienne bedrückt wurden. Auch über diese Verfolgung haben wir Berichte von Zeitgenossen; Briefe dieser Gemeinden an die Brüder in Kleinasien und Phrygieu '2). Aus diesen geht hervor, daß die Christen in den Gegenden der Rhone von dem Pöbel gehetzt wurden wie das Wild. Aus den Häusern, aus den Bädern

') Apollinaris, Bischof von Hierapolis. Cuseb Kircheng. V, 5. Tertullian Apol. o. 5.

«) vio 0n8«iii5 (in den Ercerpten des Xiphilinus) ?l, 8. — Juliu« ^»nitolinu», Vitn INaro ^urel. o. 24.

») Das hierauf bezügliche Edict, dessen Tertullian erwähnt, und das sich hinter der ersten Apologie des Justin mitgetheilt sindet, ist offenbar unächt

i2) Vei Euseb Kircheng. V, !. 2.

wurden sie zusammengetneben, mit Schlägen mißhandelt, mit Steinen beworfen, zu Boden gerissen, in die Gefängnisse geschleppt, und nach tumultuarischem Verhöre hingerichtet. Es wird uns das Märtyrthum von Jünglingen, Männern, Frauen und Greisen erzählt. — Vettius Epagathus (so hieß der Jüngling) war, nach dem Ausdruck des Sendschreibens, überfließend von Liebe gegen Gott und den Nächsten; er wandelte in allen Geboten und Rechten des Herrn, untadelhaft und zu jeder Dienstleistung gegen den Nächsten unverdrossen, und da er voll göttlichen Eifers war, konnte er das ungerechte Verfahren gegen die Christen nicht länger erdulden. Er verlangte gehört zu werden; aber sein Geständniß, daß auch er ein Christ sei, reichte hin, ihn denen beizuzählen, die als Opfer fallen sollten. Dieß schüchterte die Schwachen unter den Christen ein, so daß ihrer zehn absielen. Unter diesen befand sich auch eine Frau, Namens Viblias. Allein als sie falsches Zeugniß ablegen sollte gegen ihre ehmaligen Glaubensbrüder, da kehrte ihr der Muth wieder, und eher wollte sie alles erdulden, als mit einer Lüge ihr Leben erkaufen. Sie vollendete standhaft unter den Todesmartern. Eben so eine Dienstmagd, Vlandina, bei welcher (wie der Bericht sagt) Christus zeigte, daß das, was bei den Menschen gering ist, bei Gott großer Ehre gewürdigt wird. Sie stand die heftigsten Folterqualen aus unter dem beständigen Bekenntnis!: ich bin eine Christin, und bei uns geschieht nichts Böses. Man sparte sie den ausgesuchtesten Martern auf. Erst wurde sie an einen Pfahl gehängt, um von den wilden Thieren zerrissen zu werden; dann wieder losgebunden, noch einmal in's Gefängniß gebracht, nachher in einem Netze einem wilden Stier vorgeworfen und zuletzt erstochen. Auch der neunzigjährige Pothinus, Bischof von Lyon, ward vorgeführt. Als er von dem Statthalter gefragt wurde, wer der Christen Gott sei, antwortete er: „Wenn du es werth bist, so wirst du es erfahren!" Auf diese trotzige Antwort ward er erbarmungslos zu Boden geworfen und auf alle Weise mißhandelt. Kaum noch athmend, ward er in's Gefängniß gebracht, wo er nach zwei Tagen seinen Geist aufgab. Auch denen, die verleugnet hatten, half ihre Verleugnung nichts; sie wurden gleichwohl hingerichtet und starben unter den Vorwürfen ihres Gewissens, während Jene mit Freuden „gleich einer geschmückten Braut" ihrem Tod entgegen gingen. Unter den lltztern werden uns auch noch Maturus, Sanctus, Attalus, ein Arzt Alerander und ein fünfzehnjähriger Jüngling Ponticus als Märtyrer genannt. Auch bei ihnen wurden die verschiedensten Marter versucht, um sie zum Abfall zu bewegen. Sie wurden erst den wilden Thieren vorgeführt, dann auf dem eisernen Stuhl durch Feuergluth gemartert und endlich erwürgt oder erstochen. Als Attalus gefragt wurde, was für einen Namen Gott hätte, antwortete er: „Gott hat keinen Namen wie ein Mensch." >») Die Leichen der Hingerichteten wurden den Hunden vorgeworfen und mit Gewalt ward den Christen jede Beerdigung der traurigen Ueberreste ihrer Brüder gewehrt. Sic wurden zu Asche verbrannt, und in die Rhone geworfen. „Sie sollen," spotteten die Heiden, „nicht einmal die Hoffnung der Auferstehung haben, darauf sie sich verlassen; nun wollen wir sehen, ob sie auferstehen werden, und ob ihnen ihr Gott helfen und sie aus unfern Händen erretten kann."

Unter den auf die Antoninen folgenden Kaisern Commodus, Pertinar, Didius Julianus, unter den Gegenkaisern Pescennius Niger in de n Morgenländern, und Albinus in Gallien, so wie endlich in den zehn ersten Regierungsjahren des Septimius Severus, mithin in den letzten zwei Jahrzehnten des zweiten Jahrhunderts, genoffen die Christen ziemlich Ruhe. Von einem einzigen Märtyrer Apollonius unter Kaiser Commodus wird uns berichtet, daß derselbe zu Rom sei hingerichtet worden, zugleich aber auch der Sklave, der ihn verrathen. — Hingegen brach bald mit dem Anfang des dritten Jahrhunderts, im Jahr 202, eine neue Christenverfolgung aus. — Ehe wir jedoch diese betrachten, werden wir in der nächsten Stunde noch einmal zu den Antoninen zurückkehren, um der innern Entwicklung des Christenthums in diesem merkwürdigen Zeitalter unsere Aufmerksamkeit zu schenken.

«) Die Welt will für alles Namen. Das war den Heiden am unausstehlichsten, daß die Christen nicht auch Götternamen hatten, wie die andern Religionen. Nun hätte Attalus wohl auch Gottesnamen aus dem alten und neuen Testamente nennen können; aber er glaubte damit das Christenthum zu profaniren. Lin gewisser Trotz liegt allerdings in dem Benehmen, aber der Rohheit seiner Dränger gegenüber, läßt sich dieser Trotz begreifen

Hagentach, Norlesunge» II. 11

Zehnte Vorlesung.

Innerer Zustand der Christenheit unter den Antoninen. — Die christlichen Apologeten. — Justin der Märtyrer. — Schilderung der christlichen Versammlungen zu seiner Zeit. — Seine Schriften und seine Theologie. — Die Gegner des Christenthums: Cclsus und Lueian. — Aufgabe der Apologetik.

Das Zeitalter der Antonine, mit dem wir uns in der letzten Stunde beschäftigt haben, war in Beziehung auf das geistige Leben der Römer ein merkwürdiges Zeitalter. Es bildet in der Geschichte der römischen Litteratur eine neue Epoche. Schon Hadrian hatte zu Rom ein Athenäum gestiftet, eine Art von Akademie, an welcher vom Staate besoldete Dichter und Rhetoren öffentliche Vorlesungen hielten. Die beiden Antonine wollten in diesen Bestrebungen nicht zurückbleiben, sondern vielmehr auf der einmal eingeschlagenen Bahn der Bildung noch weiter fortschreiten. Nicht in Rom allein, sondern auch in den bedeutendern Städten Jtaliens, auch in Gallien und Afrika erhoben sich öffentliche Schulen mit besoldeten Lehrern, und besonders wurde unter Mark Aurel, der selbst den Namen des Philosophen trug, auch das Studium der Philosophie von Staatswegen gefördert. Rom war der Hauptsitz der stoischen Philosophie. — Es hatte dieß seine unverkennbaren Vortheile, aber auch seine eigenthümlichen Nachtheile. Die Wissenschaft, früher ein freies Erzeugniß des nach Wahrheit ringenden Geistes, wurde nach und nach zum zünftigen Gewerbe. Sie entfernte sich, indem sie sich ganz an das Griechenthum anschloß von dem volksthümlichen Boden und nahm einen treib

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