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bild verflüchtigt werden sollte. Da wo unsere Reflerion zwischen Bild und Sache trennt, da bemächtigte sich der alte Glaube des Geheimnisses leibhaftig, er schaute es mit geistig-leiblichem Auge, griff es mit geistig-leiblichen Händen. Dabei lag allerdings auch die Gefahr nahe, wenn die geistige Spannkraft nachließ, in das Leibliche zu versinken und dem Aberglauben anheim zu fallen, wie dieß gerade mit den Saeramenten der Fall war, die häufig nicht nur als Gnadenmittel und Gnadenpsänder, sondern recht eigentlich als die realen Gnaden guter selbst schon in ihrer Aeußerlichkeit festgehalten und zu abergläubischem Werke mißbraucht wurden. Aber eben die besonnenen Lehrer, unter die wir namentlich unfern Jren äus zählen, wußten dann wieder sehr gut diesen Mißbrauch abzuwehren und den> gefährlichen Ueberschritt aus dem Mystischen in das Magische, aus dem Geheimnißvollen in das Zauberhafte, aus dem Thatkräftigen in's Mechanische zu vermeiden. Und so darf nicht ohne weiters auf die Rechnung der Kirche und ihrer Lehrer gesetzt werden, was der kirchliche Unverstand zu allen Zeiten mißdeutet und mißbraucht hat.

Von seiner praktischen Weisheit hat uns Jrenäus eben so schöne Spuren hinterlassen, als von seiner praktischen Frömmigkeit. Wir sehen ihn auftreten in zwei Streitigkeiten, die damals die Kirche bewegten, und von denen wir nun zu reden haben. Die eine dieser Streitigkeiten bezog sich auf etwas Aeußerliches, nämlich auf die Zeit der Osterfeier; die andere auf die Erscheinung einer Secte, die unter dem Namen der montanistischen Secte in der Kirche vorkommt.

Reden wir zuerst von dem Osterstreite. Wir haben schon früher, als wir von dem Stifter der christlichen Kirche redeten, gezeigt, wie er absichtlich keine liturgischen (gottesdienstlichen) Verordnungen hinterlafsen, mit Ausnahme der Einsetzung des heiligen Abendmahls und der heiligen Taufe. So hat ja auch Christus nicht einmal die Sonntagsfeier förmlich eingesetzt und auch von den Aposteln finden wir darüber keine bestimmte Verordnung (vgl. Vorl. 7, S. 120); sondern allmälig löste sich der Sonntag, der bald in der ersten Kirche zur Erinnerung an die Auferstehung Christi gefeiert wurde, vom jüdischen Sabbath ab, und wurde dann als der eigentliche gottesdienstliche Tag der Christen gefeiert, und zwar nicht gefeiert als Sabbath, sondern als erster Tag der Woche und besonders als Auferstehungstag des Herrn, wie wir das neulich von Justin dem Märtyrer vernommen haben. — Eben so wenig als Christus den Sonntag für die Woche einsetzte, eben so wenig hat er Fest- oder Feiertage für das Jahr eingesetzt. Darin unterscheidet sich gerade der neue Bund vom alten, daß während dieser eine von Jehovah eingesetzte Festordnung hatte, das Christenthum als ein immerwährender Sabbath, als ein immerwährendes Fest gefaßt wurde, das an keine Zeit und an keinen Ort gebunden ist. Die Judenchristen schlössen sich, in Absicht auf die gottesdienstliche Zeit, an die jüdischen Feste an, und gerade diese jüdischen Feste hatten durch die großen Thatsachen des Christenthums eine Wendung erhalten, die sie von selbst zu christlichen Festen stempelte. So wurde Christus, der ja gerade zur Zeit des jüdischen Oster- oder Passahfestes hingerichtet wurde, vom christlichen Glauben aufgefaßt als das rechte Osterlamm, und so oft hinfort die Christen jenes alttestamentliche Fest feierten, so erinnerten sie sich wohl an die Worte des Apostels: „Wir haben auch ein Osterlamm, das ist Christus für uns geopfert. Darum lasset uns Ostern halten nicht im alten Sauerteig, auch nicht im Sauerteig der Bosheit und Schalkheit, sondern im Süßteig der Lauterkeit und der Wahrheit." (1 Cor. 5, 7).

An die althergebrachte jüdische Sitte, das Osterfest jeweilen an einem bestimmten Monattage des jüdischen Kalenders, am14.Nisan (zur Zeit des Frühlingsvollmondes) zu halten, schlossen sich auch die kleinasiatischen Gemeinden an, während die Abendländer, hierin unabhängiger vom Judenthum, wahrscheinlich im Anfang gar keine Jahresfeste feierten, sondern sich begnügten, jeden Sonntag sich an die Auserstehung des Herrn zu erinnern. Daneben zeichneten sie noch den Mittwoch und Freitag als heilige Wochentage aus, an denen sie sich an den von den Pharisäern gefaßten Mordplan wider Jesum (Matth. 26, 4) und an sein Leiden und Sterben erinnerten. Sonach war jeder Freitag für sie gewissermaßen ein Charfreitag, jeder Sonntag ein Osterfest. Es bildete sich dann auch von selbst die Sitte aus, daß an den Tagen, die dem Andenken an das Leiden des Herrn gewidmet waren, gefastet wurde, während am fröhlichen Tag der Auferstehung, am Sonntag, die gcdrückte Stimmung der Freude weichen mußte. Erst später stellte sich auch im Abendlande das Vedürfniß heraus, alljährlich einen Freitag besonders als den heiligen Freitag, einen Sonntag besonders als den Auferstehungstag zu feiern, und so entstand im Abendlande die Sitte, jeweilen am Sonntag Ostern zu halten. Dadurch kam nun eine wesentliche Verschiedenheit in der Zeit der Osterfeier heraus. Die Kleinasiaten feierten zunächst das Leiden und in Folge dessen auch die Auferstehung des Herrn jeweilen an einem bestimmten Monatstage, der natürlich bald auf diesen, bald auf jenen Wochentag fallen mußte (wie etwa unser Weihnachtsest), die Abendländer dagegen hielten sich an die Wochentage, an Freitag und Sonntag, ohne sich an den jüdischen Kalender zu kehren; ja möglicherweise folgten sie ihrem Gebrauch im bestimmten und bewußten Gegensatz gegen das Judenthum, weil sie nicht mit den Juden zugleich Ostern halten wollten. ausging, daß Rom es sei, das auch in kirchlichen Dingen Gesetze vorzuschreiben habe, gebot er, die römische Sitte der Osterseier aller Orten anzunehmen, und drohte denen, die sich seinem Machtgebot nicht fügen wollten, mit dem Banne. Da war es denn eben Jren aus, der als Friedensvermittler auftrat und der dadurch, wie Euseb sagt'), seinem Namen Ehre machte. Er schrieb einen Brief an Victor, worin er ihn auf das Beispiel seines Vorgängers Anicet aufmerksam machte und ihm eine ähnliche Gesinnung empfahl. „Die Apostel", sagt er unter anderm, „haben verordnet, daß sich Niemand ein Gewissen mache über Speise oder über Trank oder über bestimmte Feiertage oder Neumonde oder Sabbathe. Woher also die Streitigkeiten? Woher die Spaltungen? Wir feiern Feste, aber im Sauerteige der Bosheit und Schalkheit, indem wir die Kirche Gottes zerreißen, und wir beobachten das Aeußerliche, um das Höhere, den Glauben und die Liebe fahren zu lassen." — Trotz dieser Ermahnungen siegte am Ende die römische Weise, und nach mehrern fortgesetzten Erörterungen wurde endlich (um hier gleich das Resultat dieses Streites beizufügen) auf der großen Kirchenversammlung zu Nicäa im Jahr 325 unter Constantin dem Großen die Verordnung getroffen, daß das christliche Osterfest jeweilen an einem Sonntag und zwar am Sonntag nach dem Frühlingsvollmonde gefeiert werden soll, wobei die Kirche (auch unsere evangelische Kirche nach der Reformation) bis auf diesen Tag geblieben ist; daher der Umstand, daß das Osterfest bald früher, bald später im Jahre gefeiert wird, je nachdem die FrühlingsTag- und Nachtgleiche, der Vollmond und der darauf folgende Sonntag nahe oder ferne auseinander liegen. — Der Streit über das Osterfest drehte sich zugleich auch um die Beobachtung der Fasten. Auch hier drang am Ende die römische Sitte durch, wo nach der Osterzeit ein vierzigtägiges Fasten, das sogenannte Quadragesimalfasten voranging, zum Andenken an den vierzigtägigen Aufenthalt Christi und sein Fasten in der Wüste. — Auf die Strenge der Fasten im Allgemeinen hatte aber besonders eben jene Secte hingewirkt, welche der Kirche des zweiten Jahrhunderts viel zu schaffen machte und von der wir nun zu reden haben, die Secte

Schon zu Polykarps Zeit kam diese Verschiedenheit zur Sprache, und als dieser um's Jahr 160 nach Rom kam, besprach er sich darüber mit dem dortigen Bischos Anicetus, indem es ihm wünschenswerth schien, daß die Gemeinde des Herrn aller Orten an ein und demselben Tage Ostern feire. Polykarp konnte sich auf die alte Tradition der Kirche, bis zurück auf den Apostel Johannes berufen, der es also gehalten habe. Der römische Bischos aber berief sich auf die Tradition seiner Kirche, und so blieb jeder auf seinem Sinne; doch erkannten beide Männer, daß diese Verschiedenheit kein Grund sei, das Band der brüderlichen Liebe zu lösen. Jm Gegentheil gaben sie sich die heiligsten Versicherungen der Bruderliebe, und Anicet erlaubte dem Polykarp, statt seiner das heil. Abendmahl in der römischen Gemeinde auszutheilen. Sie schieden als Freunde und Brüder von einander. Allein nach zehn Jahren kam die Verschiedenheit wieder zur Sprache, und zwar unter den kleinasiatischen Christen selbst, und zu einer eigentlichen Spaltung schien es nach fernern zwanzig Jahren um's Jahr 190 kommen zu wollen, als der Bischos Victor'auf dem römischen Stuhle saß. Dieser Bictor war schon ganz beseelt von dem Geiste der Herrschsucht und der Anmaßung, der diesen Stuhl in der Folge so berüchtigt machte. Er war schon ein Papst nach seiner ganzen Gesinnung, und indem er von der Voraussetzung

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der Montanisten. Auch in der Stellung zu dieser Secte sehen wir Jrenäus, und zwar schon früher als im Osterstreite, als Vermittler auftreten. Reden wir zuerst von der Secte selbst.

Christus hatte seinen Jüngern vor seinem Scheiden gesagt, er hätte ihnen noch viel zu sagen, aber sie könnten es jetzt nicht tragen (Joh. 16, 12). Er hatte sie hingewiesen auf den „Tröster" (wie Luther übersetzt), den er ihnen senden werde, oder genauer auf den „Beistand", den „Advokaten", denn so kann man wörtlich das griechische Paraklet übersetzen. Mit der Ausgießung des heil. Geistes am Pfingstfeste war nun nach dem allgemeinen Glauben der Kirche diese Verheißung des Herrn erfüllt. Der Geist war eben der Tröster, der Beistand, der Paraklet. Nun aber trat in Phrygien Einer auf, Namens Montanus, der sich einbildete, er sei persönlich jener Verheißene; er sei der Paraklet; mit ihm erst trete eine neue Epoche ein in der Geschichte der Offenbarung Gottes. Dieser Montan, gebürtig aus Ardabau in Mysien, an der Grenze Phrygiens, soll zuvor ein Priester der Cybele gewesen sein, und möglich, daß er dieses heidnische Korybantenwesen, das bis zur geistlichen Raferei sich steigerte, auch auf das. Christenthum übertrug. So viel ist richtig, er hielt sich für inspirirt, für ein besonders auserlesenes Rüstzeug des Herrn, durch welches eine Neugestaltung der Kirche, die doch damals noch so jung war, müsse hervorgebracht werden. Er führte auch begeisterte Frauen, Prophetinen mit sich, Priscilla und Marimilla, deren Aussprüche er selbst als Orakel betrachtete. Dabei führte er für seine Person ein strenges asketisches Leben, und muthete auch Andern strenge Enthaltsamkeit und häusiges Fasten zu. Die Gegend, in der er auftrat, war für den Samen seiner Lehre besonders empfänglich. Von jeher hatten in Phrygien phantastische Culte Anklang gefunden; da hatte sich auch mitten unter den Verfolgungen, die auch diese Gegend betrafen, der Glaube an die baldige Erscheinung des tausendjährigen Reiches in vielen Gemüthern festgesetzt. Der Montanismus beschränkte sich indessen nicht auf dieses sein nächstes Vaterland. Er fand einen fruchtbaren Boden in der aufgeregten Zeit überhaupt. Und hat nicht zu allen Zeiten eine rigorose Lebensweise, zumal wenn sie mit prophetisch begeisterter Rede sich waffnete und gegen die bestehende Ordnung der Dinge sich kehrte,

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